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Die Frage, wohin die Reise im nächsten Jahr geht, gehört für Vielreisende zum Jahreswechsel dazu wie das Gläserklirren an Silvester. Die sozialen Netzwerke waren und sind voll davon. Neuseeland, Chile, Bali. Höher, schneller, weiter? Auf unserer ersten Reise nach Südostasien nahmen die Gewissensbisse endgültig Oberhand. Wohin fliegen wir 2020? Wir fliegen erst mal gar nicht. Ein nachdenklicher Rückblick auf 2019 und das, was kommt. Geschrieben von John & Marc.

Nachdenklich in Südostasien

Zwei Hängematten mit Blick auf den Nam Ou im Westen von Laos. Auf der Wäscheleine beginnen die durchgeschwitzten T-Shirts des Vortages langsam zu trocknen, nachdem sie in der Schwüle der Nacht noch einmal feuchter geworden sind. Die nächste Wanderung steht bevor, Reisfelder, Karstfelsen und abgeschiedene Dörfer, in die keine asphaltierte Straße führt. Und trotzdem hat uns das Fernreisefieber nicht gepackt.

Am selben Tag gingen in Berlin und überall auf der Welt Millionen auf die Straßen, um für das Weltklima zu demonstrieren. Wären wir daheim gewesen, wir hätten uns angeschlossen. Stattdessen plagte uns endgültig das schlechte Gewissen. Im Alltag für mehr Nachhaltigkeit einstehen, gleichzeitig aber Jahr für Jahr immer mehr von der Welt sehen wollen. Ein Widerspruch, der sich auf unserer ersten Reise nach Südostasien immer wieder in unsere Gedanken einschlich.

Idylle mit Haken: Balkon unserer Unterkunft in Muang Ngoi, Laos.
Vor Ort waren wir wieder überwiegend nachhaltig unterwegs, wenn auch nicht immer auf zwei Beinen wie hier im Umland von Luang Prabang, Laos.

2020 wird ein flugfreies Jahr

Über 260.000 Besucher:innen haben 2019 auf unserem Blog gestöbert und hoffentlich ein wenig Inspiration gefunden, ihre nächste Reise gelassener anzugehen und die Must-sees Must-sees bleiben zu lassen. Ja, dadurch kommt uns eine gewisse Vorbildfunktion zu. Ja, dieser Vorbildfunktion werden wir nicht gerecht, wenn wir jedes Jahr mit Berichten über unsere Flugreisen ein Stück weit dafür sorgen, das noch mehr CO2 in die Luft geblasen wird. Ist jede:r für sich selbst verantwortlich? Vielleicht ist die Zeit gekommen, dass diese Denke von gestern ist.

Das heißt: 2020 werden wir in kein Flugzeug steigen, sofern es aus beruflichen Gründen nicht vermeidbar ist. Gleichzeitig werden wir weder in Aktionismus verfallen noch zu Moralaposteln mutieren, dich aber einladen, unserem Weg zu einem nachhaltigeren Reisestil zu begleiten, Inspiration zu gewinnen und vielleicht selbst deine Erfahrungen mit uns zu teilen. 2015 starteten wir 1 THING TO DO unter anderem mit einer Blogparade zum Thema ↠ Slow Travel. Es war unser emissionsärmstes gemeinsames Reisejahr. Doch seitdem sind auch wir dem Fernweh zu sehr erlegen, sodass es für uns persönlich nicht mehr vertretbar ist.

Sonnenuntergang am Flughafen Mailand-Malpensa, allerdings schon im Sommer 2017.
Im Flugzeug von Bischkek nach Osch: Kirgisistan aus der Vogelperspektive.

Reiseberichte 2020: Das kommt

Wir haben uns entschlossen, 2020 trotzdem von jenen Reisen zu berichten, die bisher noch keinen Platz auf 1 THING TO DO gefunden haben. Das mag für manche:n ein Widerspruch sein. Doch letztlich ist unser Reiseblog eben ein Blog, auf dem es darum geht, eigene Erlebnisse festzuhalten und zu reflektieren. Das ginge auch in einem Reisetagebuch oder auf einem privaten Blog, aber nun ist er einmal da. Und natürlich freuen wir uns, dass manche von euch uns bereits seit 2015 begleiten und wir uns gegenseitig von unseren Reisemomenten berichten. Reisen bleibt Leidenschaft.

2020 wirst du neue Reiseberichte aus Malta, Bosnien-Herzegowina und Kroatien (2018) sowie aus Thailand, Laos und Vietnam (2019) von uns lesen. John arbeitet gerade außerdem an einer Artikelreihe über eine Trekking-Tour in Südschweden (2019 und deutlich nachhaltiger). Obendrein werden wir nach einer dritten Reise nach Israel (2019) unsere Reiseberichte von dort aktualisieren. Aus Deutschland werden wir u.a. aus Lubmin am Greifswalder Bodden sowie aus der Saale-Unstrut-Region in Sachsen-Anhalt berichten. Und da sind die Reisen, die 2020 trotz allem ganz sicher kommen werden, noch gar nicht mit dabei. Wohin es uns zieht? Keine Ahnung, noch ist nichts geplant.

Reiseberichte 2019: Das war

2019 wiederum waren wir auf dem Blog weiterhin fleißig, sieht man mal von einer kleinen Durststrecke in den Sommermonaten ab. Der Berliner Sommer war mal wieder zu schön, um abends auf die Flasche Radler der Wahl zu verzichten und stattdessen daheim Artikel zu schreiben. Bei 30 Grad in der Bude.

Darunter sind mit unserem ↠ Roadtrip in Südfrankreich und unserem ↠ Andorra Reisebericht zwei Reiseziele, die unseren bisherigen Ost-Fokus sprengen. Abgeschlossen ist (zunächst) auch unsere Berichterstattung aus ↠ Albanien und Nordmazedonien (↠ Ohridsee), aus ↠ Kirgisistan und Kasachstan (↠ Almaty) sowie Marcs Sabbatical-Trip mit der ↠ Transsibirischen Eisenbahn zum Baikalsee. Wir berichteten von Winterreisen an die ↠ Müritz, in die ↠ Sächsische Schweiz und nach ↠ Brüssel sowie von Radtouren in die ↠ Märkische Schweiz als auch durch ↠ Uckermark und ↠ Havelland. In Sachsen besuchten wir mit ↠ Zittau die nächste unterschätzte ostdeutsche Kleinstadt und nutzten natürlich die Gelegenheit, im ↠ Zittauer Gebirge auf Wanderschaft zu gehen.

Und sonst so?

2019 haben wir auch noch einmal bemerkt, dass wir eher Blogger sind als Influencer. Das liegt zum einen daran, dass wir nicht laufend unsere Gesichter – oder auch Füße (warum auch immer) – in die Kamera halten. Und zum anderen daran, dass wir es viel motivierender finden, dass ihr hier auf dem Blog im Schnitt vier Minuten auf einer Seite verbringt und nicht nach zwei Sekunden und einem roten Herzchen hoch wischt und Lebewohl sagt. Es kann aber auch daran liegen, dass wir beide inzwischen andere Arbeitgeber haben und zumindest Marc als Social-Media-Manager im Berliner Museum für Naturkunde ohnehin schon den ganzen Tag mit gehobenen Daumen, zwitschernden Zeilen und der Suche nach passenden Stickern für die Instagram Story beschäftigt ist. Salopp ausgedrückt.

Nichtsdestotrotz werden wir 2020 sowohl auf dem Blog als auch auf ↠ Instagram und Co. unsere Nachhaltigkeitsbilanz der letzten Jahre aufarbeiten. Außerdem werden wir dich einladen, gemeinsam mit Wege zu finden, Reisen nachhaltiger zu gestalten. Mit allen Irrungen und Wirrungen. Uns schwirren bereits so viele Ideen durch den Kopf, dass es hoffentlich spannend bleibt und wird. Auch ohne Kondensstreifen hinter uns am Himmel.

Zu guter Letzt bleibt uns nichts anderes, als Danke zu sagen für jede Minute, die du virtuell mit uns gemeinsam verbringst – und dir ein Jahr voller Reise- und Alltagsmomente zu wünschen, an die du dich gerne zurückerinnerst! Wir lesen uns, ganz bestimmt.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

Hast du ähnliche Gedanken wie wir, was die Nachhaltigkeit deines Reiseziels betrifft? Lass uns unsere Zweifel auf Pinterest teilen.

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Comments:

  • 18. Dezember 2019

    Dankeschön euch beiden, dass ihr euch so viel Mühe mit euren Beiträgen gibt und diese eure Offenheit der weiten Welt gegenüber euren Lesern vorlebt, als gutes Beispiel so zu sagen. Bin schon gespannt, zu was euch euer „schlechtes“ Gewissen euch motiviert hat. Liebe Grüße. Natalia

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