Umweltfreundlich reisen

Und zwar nicht irgendeiner, sondern unserer. Israel, Kirgisistan, Laos: Seit 2015 hat uns das Fernweh Jahr für Jahr ein Stück mehr gepackt. Und das obwohl wir uns eigentlich auf die Fahne geschrieben hatten, die Welt als Slow Traveller zu entdecken. Am wenigsten umweltfreundlich reisten wir 2019. Doch das soll sich nun ändern. Geschrieben von John & Marc.

Über die Lust am umweltfreundlichen Reisen

Eins vorweg: Wir wollen nicht auf irgendeinen Zug aufspringen, keine zwei männlichen Gretas werden und erst recht niemanden etwas vorschreiben. Der Wille zur Veränderung unserer Reiseverhaltens jedoch gedeiht schon länger. Dass wir dich nun auf unseren Weg zu einer umweltfreundlicheren Art des Reisens mitnehmen, hat einen ganz offensichtlichen Grund.

Du liest gerade auf einem Reiseblog. Seine Hauptaufgabe ist es, unsere Reisen Revue passieren zu lassen, aber auch unsere Art zu reisen. Für uns selbst. Das öffentliche Berichten darüber aber nimmt zumindest unbewusst Einfluss auf die Personen, die uns auf diesem Weg begleiten. Auch auf dich als Leser:in. Wir möchten diesen Einfluss nicht überbewerten, uns damit nicht rühmen. Aber nach bald fünf Jahren 1 THING TO DO sind unsere Reiseberichte nun mal draußen in der Welt. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes! Ein bisschen fühlt es sich so an, als würden sie so ihren Beitrag leisten, die große Lust am Reisen, die mit Nachhaltigkeit oft wenig gemein hat hinausgeht, weiter anzukurbeln.

Umweltfreundlich reisen
Fernweih auf zwei Beinen: Auch nach Georgien reisten wir natürlich im Flugzeug.

Es waren mal zwei Slow Traveller

50 Tonnen CO₂. Wir waren selbst überrascht über diese Zahl, die wir weiter unten auseinanderklamüsern. Im ersten Jahr unseres Reiseblogs überschritten wir doch gerade mal eine Tonne! Alles im Rahmen. Als wir damals andere Reiseblogger:innen zu ihrer Meinung über ↠ Slow Travel befragten, reisten wir tatsächlich vergleichsweise umweltfreundlich.

Langsam reisen, das bezog sich unserer Definition nach allerdings eher auf das bewusste Erleben des Moments. Der Aspekt der Nachhaltigkeit war kaum präsent. In fünf Jahren unternahmen wir zwar gerade mal einen Roadtrip. Und wenn wir flogen, waren wir abseits dessen vor Ort zumindest ohne Auto unterwegs, dafür im Zug, im Bus, ganz ausnahmsweise mal im Taxi oder per Anhalter. Doch mit der Zeit hat sich die Zahl der Flugkilometer drastisch erhöht, das Fernweh uns gepackt. Soweit, dass es für uns unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht mehr vertretbar ist. Wir wollen die Umweltfreundlichkeit in unserer Art zu reisen neu entdecken.

Umweltfreundlich Reisen
Flügelbild: Den Ararat an der Grenze der Türkei nach Armenien erspähten wir einmal aus der Luft und einmal vom Boden aus.

Zahlen lügen nicht

Auf dem Weg zu einem umweltfreundlicheren Reisestil kann es helfen, zunächst das eigene Verhalten in Form von Zahlen und Fakten zu analysieren. Sie verwandeln das schlechte Gewissen in Tatsachen, auf denen du aufbauen kannst. Mit Hilfe eines ↠ Emissionsrechners (keine Werbung!) haben wir die ausgestoßenen Tonnen CO₂ pro Person und pro Flug ermittelt und schließlich addiert. In der Summe ergab dies in unserem Falle circa 47 Tonnen CO₂ – allein für Flüge! Dazu kommen Zug-, Bus- und Autofahrten, mit denen wir die „fünfzig“ locker erreichen. Und da haben wir Unterkünfte und weitere Faktoren noch gar nicht berechnet.

Noch dazu bezieht sich diese Zahl ausschließlich auf Flugreisen, über die wir hier auf dem Blog oder unseren Social-Media-Kanälen berichtet haben. Dienstreisen sind nicht inbegriffen, darunter sogar eine in die Vereinigten Staaten. Und zum Vergleich: Das sogenannte klimaverträgliche ↠ Jahresbudget eines Menschen liegt insgesamt bei gerade einmal 2,3 Tonnen. In den letzten fünf Jahren haben wir dieses allein durch Flugreisen in unserer Freizeit im Schnitt um 1,2 Tonnen pro Person überschritten.

Nachhaltig reisen
Anflug auf Bangkok: Momentaufnahme unserer bisher emissionsreichsten Reise.

20 Tonnen CO₂ in einem Jahr

Schauen wir uns zwei Extreme genauer an. 2015 flogen wir im Rahmen unserer ersten ↠ Balkan-Reise von Berlin nach Krakau und von Thessaloníki zurück nach Berlin (ca. eine Tonne CO₂ pro Person). Ansonsten waren wir damals nur in Deutschland unterwegs, reisten also vergleichsweise umweltfreundlich. 2019 dagegen flogen wir ein drittes Mal nach Israel und unternahmen unsere erste Reise nach Südostasien. Alleine durch Flugreisen verursachten wir im vergangenen Jahr damit knapp 20 Tonnen CO₂.

Haben wir dabei mehr von der Welt gesehen? Ja. Drei weitere Länder sind dazu gekommen. Schön weit weg. Sind wir dadurch besser gereist? Haben wir mehr Reisemomente gesammelt? Mehr gemeinsame Erinnerungen? Nein, obwohl wir doch seit Anbeginn propagieren, dass es doch letztlich nur darum beim Reisen geht. Reisen um zu reisen. Das ist unser Motto. Und auch der springende Punkt, der unser Gewissen zum Qualmen bringt und uns umweltfreundlicher reisen lassen will.

Nachhaltig Reisen
Unterwegs in Belgrad: Unser erster Balkan-Trip gehörte zu unseren umweltfreundlicheren Reisen.

Umweltfreundlich reisen: Drei Beispiele

Drei weitere Zahlen zeigen, dass es auch anders geht. All unsere Reisen und Ausflüge nach ↠ Brandenburg haben zum Beispiel insgesamt gerade mal etwa 200 Kilogramm CO₂ verursacht (Zug und Bus, zwei Personen, berechnet mit dem CO₂-Rechner von ↠ Quarks). Damit haben wir immerhin das Havelland, die Uckermark, die Märkische Schweiz, Potsdam, zweimal den Oderradweg, zweimal den Spreewald und zweimal den Fläming für uns entdeckt.

Auf unserem ersten Balkan-Trip hielten wir Einkehr in Krakau, Zakopane, Košice, Budapest, Belgrad, Sofia, Skopje und Thessaloníki (ebenfalls Zug und Bus). Ohne die oben genannten Flüge liegen wir auch hier nur bei etwas mehr als 200 Kilogramm CO₂ (zwei Personen). 2018 reiste Marc mit der ↠ Transsibirischen Eisenbahn von Moskau zum Baikalsee. Hinwärts – im Zug – verursachte dies ebenfalls rund 200 Kilogramm CO₂ (eine Person). Zurück ging es von Irkutsk nach Moskau allerdings wieder im Flugzeug, und damit mit den fünffachen CO₂-Emissionen.

Umweltfreundlich reisen
Sonnenuntergang im Nationalpark Unteres Odertal: Auch vor der Haustür lauern neue Entdeckungen.

Auf dem Weg zum nachhaltigen Reiseblog

Reisen in der eigenen Region, Zugreisen statt Flugreisen: Ein bisschen ist es mit dem umweltfreundlichen Reisen wie mit der gesunden Ernährung. Wir alle wissen, wie es funktioniert. Am Ende greifen wir trotzdem (zu) oft zu Schokolade und Sahnetorte. Selbstdisziplin ist das eine, der Wille, bewusst und voller Überzeugung zu handeln das andere. Ja, wir werden eines Tages wieder ins Flugzeug steigen. Doch nicht wie bisher. Mindestens in diesem Jahr sehen wir die Flieger nur vom Erdboden aus.

Was heißt das nun für 1 THING TO DO? Betrieb einstellen? Alles vernichten, was andere zu noch mehr Flugreisen verleiten könnte und nicht umweltfreundlich ist? Nein, und damit schließt sich der Kreis. Wir betreiben unseren Blog primär, um unsere eigenen Erlebnisse festzuhalten und zu reflektieren. Das bedeutet auch, dass wir über jene (Flug-)Reisen, über die wir bisher noch nicht berichtet haben, dennoch Reiseberichte veröffentlichen werden. Nicht ohne schlechtes Gewissen, aber zumindest im Wissen, vor Ort möglichst umweltfreundlich von A nach B gereist zu sein – und dies damit all jenen, die Ähnliches vorhaben, ein wenig leichter zu machen. Alles andere folgt dann Schritt für Schritt.

Umweltfreundlich Reisen
Mit Zug uns Bus durch Südostasien: John am Bahnsteig auf dem Weg von Hanoi nach Haiphong in Vietnam.

Es ist ein wenig Rechenarbeit nötig, aber vielleicht hast auch du Lust, dein eigenes Reiseverhalten der letzten Jahre mit Zahlen zu unterlegen – und daraus Schlüsse zu ziehen. Wenn dich die Lust gepackt hat, freuen wir uns auf deinen Kommentar! Und da wir nicht von jetzt auf gleich wirklich nachhaltig reisen werden, können wir dich zum Abschluss nur dazu einladen, uns zumindest auf dem Weg dahin zu begleiten. Mit allen Irrungen und Wirrungen. Wir würden uns freuen!

Jetzt erst recht: Reisen um zu reisen!
John & Marc

Umweltfreundlich reisen

Comments:

  • 22. Januar 2020

    Hi John und Marc,

    euer Artikel hat mich jetzt doch recht lange beschäftigt! Das Thema Nachhaltigkeit beim Reisen geistert mir auch schon lange durch den Kopf. Vor unserem letzten Trip nach Peru habe ich auch mal bei Atmosfair gecheckt, was unser carbon footprint wohl ausmacht und habe dann ganz schnell wieder weggeklickt. Leider war bisher beim Reisen der Umweltgedanke schnell mal über Board geworfen.
    Als ich heute mal schnell überschlagen habe, was unsere Reisen so verbrochen haben, bin ich auf schockierende fast 80 Tonnen seit 2014 gekommen. ‚Haupttäter‘ dabei waren die Reisen nach Australien und Neuseeland, die Reise nach Peru und zwei Reisen in die USA.

    Letztes Jahr haben wir uns entschlossen uns einen Pick-Up Camper zuzulegen und erstmal nur noch Roadtrips zu machen. Mein erster Gedanke damals war, dass so ein fetter Pickup und mein eigentlich sonst eingestelltes Umweltbewusstsein so gar nicht zusammen passen.
    Heute habe ich dann mal versucht, ein bisschen genauer zu recherchieren, wie groß der Unterschied zum Fliegen dann tatsächlich ist und ich muss sagen, dass es gar nicht so einfach war.
    Die Seiten, die ihr gepostet habt waren eine großartige Referenz und ein guter Vergleich, aber ich wollte dann doch lieber gleich mit den CO2 Daten unseres Autos rechnen.

    Bei einer 10 tägigen Reise nach Kefalonia und einer Entfernung von 1980km komme ich bei Einberechnung eines durchschnittlichen CO2 Ausstoßes für Hotels in Griechenland auf einen Unterschied von knapp 2 Tonnen! Ich denke, es macht aber wie immer auch der Ton die Musik. Wenn man mit einem Riesengroßen Campingmobil immer nur die Campingplätze anfährt, dort seine Klimaanlage und den Fernseher auf Dauerschaltung laufen lässt und den ganzen Campingplatz mit seiner Soundbox beehrt macht es wahrscheinlich auch keinen Unterschied mehr, ob man fliegt und in einem Hotel wohnt.

    Leider ist die Berechnung der CO2 Emissionen für mich nicht ganz so easy gewesen, weil ich nicht wusste, ob sich die CO2 Emissionen auch mit dem Verbrauch des Autos erhöhen. Logisch wäre das ja irgendwie, aber der Verbrauch ist beim Hersteller als Verbrauch pro km angegeben. Gebe ich bei Quarks zum Beispiel die 9 Liter an, die das Fahrzeug im Normalbetrieb verbraucht, so kommt ein vollkommen anderer Wert raus, als wenn ich die 13 – 14 Liter angebe, die wahrscheinlich mit der Wohnkabine in den Tank fließen. Würde der Ausstoß aber nur per gefahrenem km ausgestoßen, sollte dies ja keinen Unterschied machen. Was meint ihr dazu?

    Außerdem habe ich leider noch keinen gerundeten Co2 Wert für Campingplätze finden können, vielleicht ändert sich das ja bald mal. Für die Hotels hab ich diesen Link gefunden und fand ihn sehr hilfreich.
    Auf Seite 24 sind Länder mit dem durchschnittlichen Co2 Ausstoß pro Übernachtung in Hotels angegeben. Vielleicht hilft er euch ja auch bei den Berechnungen von zukünftigen Reisen 🙂

    Ich werde vielleicht auch bald mal einen Beitrag zu dem Thema schreiben, darf ich euch dann als Inspiration verlinken?

    Alles Liebe,
    Christina von https://miles-and-shores.com

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