Reisen ohne Flugzeug

2020 war für uns auch ein Jahr ohne Fotos aus dem Flugzeugfenster, ohne Warteschlangen am Security-Check, ohne Vorführung von Sicherheitshinweisen. Vor über einem Jahr setzten wir den Entschluss, vorerst ohne Flugzeug zu reisen. Was hat das mit unserer persönlichen CO₂-Bilanz gemacht? Und sind wir ohne Flugzeug anders gereist als zuvor? Ein Zwischenfazit. Geschrieben von Marc.

Unser umweltfreundlichstes Reisejahr

Wir starten mit den nackten Fakten. 1,1 Tonnen CO₂* haben wir beide 2020 durchs Reisen verursacht. 550 Kilogramm pro Person! Das klingt nach viel. Und als wir die einzelnen Strecken im ↠ CO₂-Rechner eintippten, läpperten sich die Kilos trotz Reisen ohne Flugzeug unermüdlich.

Der Vergleich mit den Jahren davor aber zeigt, dass wir tatsächlich umweltfreundlicher unterwegs waren. 2020 war das Jahr, in dem wir – bezogen aufs Reisen – am wenigsten CO₂ verursachten. Alle Reisen auf 1 THING TO DO bis 2019 verursachten dagegen ↠ knapp 50 Tonnen – alleine durchs Fliegen! 2019 waren es noch knapp 20 Tonnen, unter anderem wegen unserer ersten richtigen Fernreise nach Südostasien. Obwohl wir uns gerne als Slow Traveller bezeichnen, vernachlässigten wir den Aspekt der Umweltfreundlichkeit immer sträflicher.

*Diese Zahl bezieht sich auf alle Zug-, Auto- und Busfahrten, die unsere Ausflüge und Reisen in 2020 verursacht haben. Die Zahl ist nicht zu 100 Prozent belastbar, da wir nicht die exakte Kilometerdistanz der zurückgelegten Strecken kennen. Wir sind jedoch im Zweifel immer von einer längeren Strecke ausgegangen. Obendrein gibt auch der verwendete CO₂-Rechner nur eine Orientierung.

Ohne Flugzeug nach Slowenien und Italien

Ein weiterer Vergleich unterstreicht den Kontrast zwischen 2020 und Vorjahren: Wenn es bei 1,1 Tonnen CO₂ pro Jahr bliebe, würden wir ab 2020 bis ins hohe Alter hinein so viele Tonnen CO₂ verursachen wie in den wenigen Jahren davor! Das rechtfertigt die eine oder andere Strapaze. Zumal wir nicht weniger erlebt haben – und es nach einem Jahr Reisen ohne Flugzeug durchaus Luft nach unten gibt.

Zwei Auslandreisen unternahmen wir 2020. Wir bereisten erstmals Slowenien und erkundeten die Toskana. Natürlich in Zeiten, in denen Reisen trotz Corona möglich war. Wären wir nach Ljubljana und Florenz geflogen, wir hätten am Ende des Jahres knapp zwei Tonnen mehr CO₂ verursacht. Unterwegs waren wir überwiegend mit dem Zug und – wegen Corona – mit dem Auto. Dazu kommen acht Ausflüge außerhalb Berlins – in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Reisen ohne Flugzeug
Über 1.000 Kilometer von Berlin entfernt erkundeten wir im Herbst die Toskana – vor Ort mit dem Auto und zu Fuß.

CO₂-Treiber Mietwagen

Da wir bereits vor der Pandemie den Entschluss fassten, 2020 aufs Reisen im Flugzeug zu verzichten, wirkte sich Corona in unserem Falle sogar negativ auf die CO₂-Bilanz aus. Ursprünglich nämlich wollten wir den Nordosten Russlands erkunden – überwiegend im Zug – sowie nach Neapel reisen. In beiden Fällen wären wir vor Ort weniger mit dem Auto unterwegs gewesen. Corona würfelte jedoch auch unsere Pläne durcheinander.

Russland fiel flach, spontan entschieden wir uns für Slowenien. Die internationalen Zugverbindungen nach Ljubljana wurden zu dieser Zeit gerade erst wieder hochgefahren, weshalb wir kurzum auf den Mietwagen auswichen. Etwa die Hälfte der 1,1 Tonnen CO₂ in 2020 resultierten folglich aus dieser Reise. Nach Italien wiederum fuhren wir mit dem Zug und waren vor Ort nur ein paar Tage im Mietwagen unterwegs, sodass wir auf dieser Reise zusammen nur etwa 322 Kilogramm CO₂ verursachten.

Reisen ohne Flugzeug
Unser Mietwagen verschaffte uns im slowenischen Triglav-Nationalpark die nötige Flexibilität überall dort zu halten, wo wir es wollten.

Reisen ohne Flugzeug: Learnings

Das bedeutet, dass wir ohne die Langstreckenfahrten im Auto von Berlin nach Slowenien und zurück unter einer Tonne CO₂ gelandet wären. Was wir allerdings nicht mit berechnet haben: Auf beiden Fahrten hatten wir streckenweise Mitfahrende an Bord. Das schmälert die Pro-Kopf-Menge, da wir andere Fahrten somit quasi überflüssig gemacht haben – unsere Mitfahrenden hätten aber sicherlich auch eine Alternative gefunden.

Ein Jahr Reisen ohne Flugzeug. Was nehmen wir fürs nächste Jahr mit? Wir fassen zusammen:

  • Der Verzicht aufs Flugzeug schmälert den CO₂-Verbrauch in der Tat deutlich.
  • Langstrecken im Auto sind möglichst zu vermeiden, um weiteres CO₂ einzusparen. Stattdessen auf den Zug setzen – oder zumindest bewusst Mitfahrende suchen.
  • Einmal mit dem Zug angekommen, schafft ein Mietwagen Flexibilität. Um den CO₂-Ausstoß zu minimieren, sollte der Radius vor Ort jedoch möglichst klein sein. Auf diese Weise schließen sich ↠ Slow Travel und Auto zumindest nicht völlig aus.
  • Am besten bleibt jedoch der vollständige Verzicht auf Flugzeug und (Miet-)Auto vs. Zug bzw. Fernlinienbus.
  • Und natürlich: Reisen in der eigenen Region, am besten mit ÖPNV und Fahrrad, verursacht im Vergleich fast gar kein CO₂.
Reisen ohne Flugzeug
Mit dem Fahrrad unterwegs im brandenburgischen Fläming – ganz ohne Auspuff.

Ohne Flugzeug, mit Strapazen

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass umweltfreundliches Reisen natürlich nicht nur die Wahl des Verkehrsmittels betrifft. Allerdings macht sie bzgl. CO₂-Budget wohl den größten Unterschied. Dass wir wegen Corona oft im Auto übernachteten, schmälerte 2020 zwar auch den CO₂-Posten Unterkunft. Allerdings ist der Verzicht aufs frisch gemachte Bett sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss.

Also alles eitel Sonnenschein? Natürlich nicht. Selbstverständlich bleibt es anstrengend, ohne entsprechende Ausrichtung der Fahrpläne im Zug ganz ohne Strapazen durch Europa zu reisen. Das Angebot an Nachtzügen ist dünn, die Fahrpreise nur für wenige, nicht immer sonderlich praktische Verbindungen vergleichbar mit dem Billigflieger. An- und Abreise verschlingen alleine gerne einen ganzen Urlaubstag. Und insbesondere der Nicht-Service der Deutschen Bahn hat uns bisweilen in den Wahnsinn getrieben. Doch das lohnt einen eigenen Artikel.

Reisen ohne Flugzeug
Unsere Reisezeit von Berlin nach Italien (hier: Florenz) betrug im Zug circa 16 Stunden.

Reisen in Pandemiezeiten

Trotzdem sind wir ohne Flugzeug 2020 nicht besser oder schlechter gereist als in den Jahren davor – klammert man die Einschränkungen im Zuge der Pandemie einmal aus. Auch ohne Flugzeug haben wir viele Reisemomente erlebt, 1 THING TO DOs entdeckt, von denen es noch zu berichten gilt.

Doch da kommt Corona dann doch ins Spiel: Wie du vielleicht bemerkt hast, sind wir nicht mehr ganz so aktiv auf dem Blog sowie auf Instagram und Co. Das hat auch damit zu tun, dass es uns angesichts der aktuellen Situation nicht leicht fällt, aus voller Leidenschaft übers Reisen zu schreiben. Reisen ist zum Frustthema geworden – und andere Themen viel wichtiger. Wir sind aktuell einfach nicht enthusiastisch genug. Und es fühlt sich nicht immer richtig an, in diesen Zeiten vom Reisen zu schwärmen und Bilder, Texte zu produzieren, die zu neuen Entdeckungen motivieren. Hoffen wir, dass wir die Pandemie alle gemeinsam bald besser in den Griff bekommen und unsere gemeinsame Leidenschaft bald wieder zu einer wird.

Reisen ohne Flugzeug
Ausflüge in der eigenen Region, wie hier bei Bad Belzig, sind und bleiben die umweltfreundlichste Reiseart.

Es wird also ein wenig dauern, bis wir von Slowenien und Italien und allen Ausflügen innerhalb Deutschlands in 2020 berichtet haben – mal ganz abgesehen von jenen Reisen der Vorjahre, über die wir auch noch keine Artikel veröffentlicht haben. Bis dahin hoffen wir, dass wir alle gesund bleiben – und uns die Reiselust wieder packt. Vielleicht können wir die Zeit aber auch nutzen, um über die Folgen unseres Reiseverhaltens nachzudenken.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Comments:

  • 30/08/2021

    Hallo Ihr beiden,
    vielen Dank für Euer Fazit zum Reisen ohne Flugzeug. Das Thema beschäftigt auch uns (meine Frau Carolin und mich) zur Zeit sehr. Wir reisen gerne, und auch wir haben Ziele, die traditionell mit dem Flugzeug am besten bzw. bequemsten zu erreichen sind. Euer Beitrag hat mich aber einmal mehr dazu motiviert, das zu überdenken, Wir haben in den letzen Jahren, auch bereits vor der Pandemie, das [E-]Fahrrad als Fortbewegungsmittel für Urlaub in Deutschland entdeckt. 2019 von Kiel über Flensburg, Sylt und Föhr bis Tönning (bei Sankt Peter-Ording), 2020 statt über die Alpen nach Südtirol von Overath nach Langeoog und in diesem Jahr eine Woche durch Oberbayern. Ein Reiseblog ist in Vorbereitung und wir lernen gerne von den besten 😉
    Ich kann mir gut vorstellen, dass schöne Reisebericht auch während der schwierigen Coronazeit Freude bringen können, um zumindest im Kopf ferne Ziele erkunden zu können und Anregungen für „die Zeit danach“ zu sammeln. Also macht weiter so.
    Viele Grüße

    Thomas

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