Reisen ohne Flugzeug

Reisen ohne Flugzeug: Zwei Jahre ohne Fliegen

2020 und 2021 waren für uns auch Jahre ohne Fotos aus dem Flugzeugfenster, ohne Warteschlangen am Security-Check, ohne Vorführung von Sicherheitshinweisen. 2019 setzten wir den Entschluss, vorerst ohne Flugzeug zu reisen. Was hat das mit unserer persönlichen CO₂-Bilanz gemacht? Und sind wir ohne Flugzeug anders gereist als zuvor? Ein Zwischenfazit. Geschrieben von Marc.

Unsere umweltfreundlichsten Reisejahre

Wir starten mit den nackten Fakten. 1,1 Tonnen CO₂* haben wir beide 2020 durchs Reisen verursacht. 550 Kilogramm pro Person! Das klingt nach viel. Und als wir die einzelnen Strecken im ↠ CO₂-Rechner eintippten, läpperten sich die Kilos trotz Reisen ohne Flugzeug unermüdlich.

Der Vergleich mit den Jahren davor aber zeigt, dass wir tatsächlich umweltfreundlicher unterwegs waren. 2020 war das Jahr, in dem wir – bezogen aufs Reisen – am wenigsten CO₂ verursachten. Alle Reisen auf 1 THING TO DO bis 2019 verursachten dagegen ↠ knapp 50 Tonnen – alleine durchs Fliegen! 2019 waren es noch knapp 20 Tonnen, unter anderem wegen unserer ersten richtigen Fernreise nach Südostasien. Obwohl wir uns gerne als Slow Traveller bezeichnen, vernachlässigten wir den Aspekt der Umweltfreundlichkeit immer sträflicher.

Update: 2021 konnten wir die jährliche Menge weiter reduzieren. Mit 608 Kilogramm CO₂ landeten wir erstmals unter einer Tonne!

*Diese Zahl bezieht sich auf alle Zug-, Auto- und Busfahrten, die unsere Ausflüge und Reisen in 2020 verursacht haben. Die Zahl ist nicht zu 100 Prozent belastbar, da wir nicht die exakte Kilometerdistanz der zurückgelegten Strecken kennen. Wir sind jedoch im Zweifel immer von einer längeren Strecke ausgegangen. Obendrein gibt auch der verwendete CO₂-Rechner nur eine Orientierung.

Ohne Flugzeug auf den Balkan und nach Südeuropa

Ein weiterer Vergleich unterstreicht den Kontrast zwischen 2020/21 und Vorjahren: Wenn es bei 1,1 bzw. 0,6 Tonnen CO₂ pro Jahr bliebe, würden wir ab 2020 bis ins hohe Alter hinein so viele Tonnen CO₂ verursachen wie in den wenigen Jahren davor! Das rechtfertigt die eine oder andere Strapaze. Zumal wir nicht weniger erlebt haben – und es nach einem Jahr Reisen ohne Flugzeug durchaus Luft nach unten gibt.

Zwei Auslandreisen unternahmen wir 2020. Wir bereisten wir erstmals Slowenien und erkundeten die Toskana. Wären wir nach Ljubljana und Florenz geflogen, hätten wir knapp zwei Tonnen mehr CO₂ verursacht. Unterwegs waren wir überwiegend mit dem Zug und – wegen Corona – mit dem Auto. Dazu kommen acht Ausflüge außerhalb Berlins – in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Update: 2021 reisten wir mit Zug und Bus einmal quer durch Polen. Außerdem zog es uns abermals auf den Balkan: Bulgarien erreichten wir im Zug via ↠ Budapest und Craiova – eine doch sehr strapaziöse Angelegenheit. Von Bulgarien reisten wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiter nach Griechenland. Für die Rückreise entschiedenen wir uns für den – überraschend komfortablen – Langstreckenbus von ↠ Thessaloníki nach Bratislava und reisten von dort im Eurocity weiter nach Berlin.

Reisen ohne Flugzeug
Über 1.000 Kilometer von Berlin entfernt erkundeten wir im Herbst die Toskana – vor Ort mit dem Auto und zu Fuß.

CO₂-Treiber Mietwagen

Da wir bereits vor der Pandemie den Entschluss fassten, aufs Reisen im Flugzeug zu verzichten, wirkte sich Corona 2020 sogar negativ auf unsere CO₂-Bilanz aus. Die internationalen Zugverbindungen nach Ljubljana wurden im Juni gerade erst wieder hochgefahren, weshalb wir kurzum auf den Mietwagen auswichen.

Etwa die Hälfte der 1,1 Tonnen CO₂ in 2020 resultierten folglich aus dieser Reise. Nach Italien wiederum fuhren wir mit dem Zug und waren vor Ort nur ein paar Tage im Mietwagen unterwegs, sodass wir auf dieser Reise zusammen nur etwa 322 Kilogramm CO₂ verursachten. 2021 verzichteten wir fast gänzlich auf Mietwagen, weshalb wir die CO₂-Emissionen im Vergleich zum Vorjahr beinahe halbieren konnten.

Reisen ohne Flugzeug
Unser Mietwagen verschaffte uns im slowenischen Triglav-Nationalpark die nötige Flexibilität überall dort zu halten, wo wir es wollten.

Reisen ohne Flugzeug: Learnings

Das bedeutet, dass wir ohne die Langstreckenfahrten im Auto von Berlin nach Slowenien und zurück schon 2020 unter einer Tonne CO₂ gelandet wären. Was wir allerdings nicht mit berechnet haben: Auf beiden Fahrten hatten wir streckenweise Mitfahrende an Bord. Das schmälert die Pro-Kopf-Menge, da wir andere Fahrten somit quasi überflüssig gemacht haben – unsere Mitfahrenden hätten aber sicherlich auch eine Alternative gefunden.

Zwei Jahre Reisen ohne Flugzeug. Was nehmen wir für die nächsten Jahr mit? Wir fassen zusammen:

  • Der Verzicht aufs Flugzeug schmälert den CO₂-Verbrauch in der Tat deutlich.
  • Langstrecken im Auto sind möglichst zu vermeiden, um weiteres CO₂ einzusparen. Stattdessen auf Zug und Bus setzen – oder zumindest bewusst Mitfahrende suchen.
  • Einmal angekommen, schafft ein Mietwagen Flexibilität. Um den CO₂-Ausstoß zu minimieren, sollte der Radius vor Ort jedoch möglichst klein sein. Auf diese Weise schließen sich ↠ Slow Travel und Auto zumindest nicht völlig aus.
  • Am besten bleibt jedoch der vollständige Verzicht auf Flugzeug und (Miet-)Auto vs. Zug bzw. Fernlinienbus.
  • Und natürlich: Reisen in der eigenen Region, am besten mit ÖPNV und Fahrrad, verursacht im Vergleich fast gar kein CO₂.
Reisen ohne Flugzeug
Mit dem Fahrrad unterwegs im brandenburgischen Fläming – ganz ohne Auspuff.

Ohne Flugzeug, mit Strapazen

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass umweltfreundliches Reisen natürlich nicht nur die Wahl des Verkehrsmittels betrifft. Allerdings macht sie bzgl. CO₂-Budget wohl den größten Unterschied. Dass wir wegen Corona 2020 oft im Auto übernachteten, schmälerte zwar auch den CO₂-Posten Unterkunft. Allerdings ist der Verzicht aufs frisch gemachte Bett sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss.

Update: Auf unserer Reise durch Polen im Jahr 2021 übernachteten wir zumeist auf Campingplätzen im eigenen Zelt, zum Beispiel in Zakopane, am Ostseestrand bei Danzig, beim Białowieża-Urwald und in der Masurischen Seenplatte. Polen ist für Campingurlaub einfach wie gemacht – und vielfältig noch dazu.

Also alles eitel Sonnenschein? Natürlich nicht. Selbstverständlich bleibt es mitunter anstrengend, ohne entsprechende Ausrichtung der Fahrpläne im Zug durch Europa zu reisen. Das Angebot an (Nacht-)Zügen ist zum Teil noch immer dünn, die Fahrpreise nur für wenige, nicht immer sonderlich praktische Verbindungen vergleichbar mit dem Billigflieger – zumindest bei Abreise in Deutschland. An- und Abreise verschlingen alleine gerne einen ganzen Urlaubstag. Und insbesondere der Nicht-Service der Deutschen Bahn hat uns bisweilen in den Wahnsinn getrieben, worüber wir im Artikel über ↠ Zugreiseziele kurz berichten.

Reisen ohne Flugzeug
Unsere Reisezeit von Berlin nach Italien (hier: Florenz) betrug im Zug circa 16 Stunden.

Reisen in Pandemiezeiten

Trotzdem sind wir ohne Flugzeug nicht besser oder schlechter gereist als in den Jahren davor – klammert man die Einschränkungen im Zuge der Pandemie einmal aus. Auch ohne Flugzeug haben wir viele Reisemomente erlebt, 1 THING TO DOs entdeckt, von denen es noch zu berichten gilt.

Doch da kommt Corona dann doch ins Spiel: Wie du vielleicht bemerkt hast, sind wir nicht mehr ganz so aktiv auf dem Blog sowie auf Instagram und Co. Das hat auch damit zu tun, dass es uns angesichts der aktuellen Situation nicht leicht fällt, aus voller Leidenschaft übers Reisen zu schreiben. Reisen ist bisweilen zum Frustthema geworden – und andere Themen wichtiger. Hoffen wir, dass wir die Pandemie alle gemeinsam bald besser in den Griff bekommen und unsere gemeinsame Leidenschaft bald wieder zu einer wird.

Reisen ohne Flugzeug
Ausflüge in der eigenen Region, wie hier bei Bad Belzig, sind und bleiben die umweltfreundlichste Reiseart.

Es wird also ein wenig dauern, bis wir von unseren Reisen und Ausflügen in 2020/21 berichtet haben werden. Bis dahin hoffen wir, dass wir alle gesund bleiben – und uns die Reiselust wieder packt. Vielleicht können wir die Zeit aber auch nutzen, um über die Folgen unseres Reiseverhaltens nachzudenken.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

Veröffentlicht oder inhaltlich überarbeitet am:


Eine Antwort zu “Reisen ohne Flugzeug: Zwei Jahre ohne Fliegen”

  1. Hallo Ihr beiden,
    vielen Dank für Euer Fazit zum Reisen ohne Flugzeug. Das Thema beschäftigt auch uns (meine Frau Carolin und mich) zur Zeit sehr. Wir reisen gerne, und auch wir haben Ziele, die traditionell mit dem Flugzeug am besten bzw. bequemsten zu erreichen sind. Euer Beitrag hat mich aber einmal mehr dazu motiviert, das zu überdenken, Wir haben in den letzen Jahren, auch bereits vor der Pandemie, das [E-]Fahrrad als Fortbewegungsmittel für Urlaub in Deutschland entdeckt. 2019 von Kiel über Flensburg, Sylt und Föhr bis Tönning (bei Sankt Peter-Ording), 2020 statt über die Alpen nach Südtirol von Overath nach Langeoog und in diesem Jahr eine Woche durch Oberbayern. Ein Reiseblog ist in Vorbereitung und wir lernen gerne von den besten 😉
    Ich kann mir gut vorstellen, dass schöne Reisebericht auch während der schwierigen Coronazeit Freude bringen können, um zumindest im Kopf ferne Ziele erkunden zu können und Anregungen für “die Zeit danach” zu sammeln. Also macht weiter so.
    Viele Grüße

    Thomas

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