Andorra: Roadtrip im Mikrostaat

Kleiner als Ibiza, kleiner als Berlin: Andorra ist das bisher kleinste Land, das von uns mit einem Reisebericht bedacht wird. Mit 65 Gipfeln über 2.000 Metern schreit der Mikrostaat in den östlichen Pyrenäen nach Naturgenuss und Wandern. Als Reiseziel steht Andorra hierzulande trotzdem nur bei wenigen hoch im Kurs. Zu Unrecht? Geschrieben von John & Marc.

Andorra Reisebericht
Einer der Höhepunkte in unserem Andorra Reisebericht: die Estanys de Tristaina.

Ankunft in Andorra la Vella

Man muss nicht immer die Hauptstadt gesehen haben, um ein Land wirklich kennenzulernen. Für Andorra gilt das ganz besonders. Was angesichts der Größe des sechstkleinsten souveränen Staates in Europa erstaunlich ist. Denn mit etwa 23.000 Einwohnern stellt Andorra la Vella ein knappes Drittel der Bevölkerung! Doch schon bei der Ankunft wünschen wir uns, dass die Stadt nicht für das kleine Land als Ganzes spricht.

Auf vier Rädern wirkt die Stadt besonders eng. Gefühlt sind alle Straßen entweder zu schmal – oder Einbahnstraße. Der Kapitale fehlt ganz offensichtlich der Platz, um weiter zu wachsen. Auf zwei Beinen immerhin meinen wir hier und da für einen kurzen Moment das ursprüngliche Andorra la Vella erahnen zu können. Doch auch diese Hoffnungsschimmer können den allgegenwärtigen Flair einer x-beliebigen Einkaufsstadt irgendwo zwischen Frankreich und Spanien nicht vertreiben. Und so bleiben die niedrige Mehrwertsteuer und niedrige Zölle die einzigen Argumente für einen längeren Besuch. Wer’s braucht.

Ein Roadtrip durch Andorra

Wir sind ohnehin nicht nach Andorra gekommen, um in den Einkaufsstraßen der Hauptstadt Schnäppchen zu jagen. Was uns reizt, das sind die Pyrenäen und die schiere Lust zu verstehen, wie klein so ein Mikrostaat wirklich ist.

Das Auto ist hierfür nicht das schlechteste Verkehrsmittel. Denn Straßen kann Andorra. Zumindest abseits der Hauptstadt. Sie führen bisweilen auf über 2.200 Meter Höhe und mindestens in die Nähe der meisten natürlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten, für die freilich mitunter Halbtages- oder Tageswanderungen nötig sind. Wer sich anstrengt, sitzt auch schon mal 45 Minuten durchgängig im Auto. Von der französischen bis zur spanischen Grenze ist es gar eine ganze!

Andorra Roadtrip
Für die Anreise nach Andorra wählten wir den Pas de la Casa, die kurvenreiche Alternative zum Túnel d’Envalira.
Andorra Roadtrip
Bei der Ausreise zurück nach Frankreich zeigte sich der Himmel über Andorra von seiner freundlicheren Seite.

Wanderung zur Refugi de Prat Primer

Auch ohne Auto gelingt die Flucht aus Andorra la Vella: Wir starten zu einer etwa fünfstündigen Rundwanderung zur auf 2.235 Metern Höhe gelegenen Schutzhütte Refugi de Prat Primer. Normalerweise kannst du von dort aus weiter in die andorranischen Pyrenäen wandern, zum Beispiel zum Bergsee ↠ Estany de la Nou. Doch da uns das Wetter trotz Hochsommer zu wechselhaft erscheint, belassen wir es bei einer Stippvisite.

Die Rundwanderung beginnt nahe der Alberg La Comella zwischen zwei Parkplätzen (↠ Route). Wir halten uns links und gewinnen sogleich konsequent an Höhe. Der Weg zur Schützhütte ist nicht sonderlich reich an Panoramen. Dafür genießen wir die Stille des Waldes, die uns angesichts der Jahreszeit überrascht. Wir treffen lediglich auf ein paar weitere Gleichgesinnte und, nach etwa 900 Höhenmetern, auf einen bemitleidenswerten Rappen, der einsam in der Prat Primer ausharrt. Erst hier haben wir wirklich freie Sicht auf die noch im Juli mit Schneefeldern gespickten 2.000er im Westen Andorras. Nach der Schutzhütte halten wir uns rechts, erhaschen noch eine weitere Aussicht hinüber nach Spanien und kehren nach Andorra la Vella zurück.

Andorra Reisebericht: Positive Überraschungen

Unsere Wanderung in Andorra geht nicht in unsere Memoiren ein. Sieht man mal von einer fetten Narben auf Marcs Rücken ab, die er sich im Gebüsch zuzog. Und doch macht die Wanderung Hoffnung, dass der Zwergstaat mehr zu bieten hat als seine Hauptstadt. Tatsächlich lernen wir auf unserem Mini-Roadtrip Orte kennen, die uns im Nachhinein wohlwollend über Andorra sprechen lassen werden.

  • Den ↠ Mirador Roc del Quer etwa entdecken wir nur mit Glück: Bei Ankunft in Andorra sahen wir ihn bereits ausgeschildert und werden ihn später auf serpentinenreicher Straße erkämpfen. Die Aussichtsplattform schwebt auf zwölf Metern Länge frei in der Luft, quasi frei über Andorra. An ihrem Ende sitzt die Skulptur Der Nachdenker, die die Aura dieser Sehenswürdigkeit auf den Punkt bringt.
  • Im Gegensatz zu Andorra la Vella hat die Kleinstadt Ordino ihren Charme bewahrt und scheint auch nicht Gefahr zu laufen, diesen in den kommenden Jahren zu verlieren. Wir wünschten, wir hätten hier unsere Zelte aufgeschlagen anstatt zwei Nächte in Andorra la Vella zu versauern.
  • Von El Serrat aus gelangst du zum Startpunkt der Wanderungen zur Refugi de Borda de Sorteny und weiter in den ↠ Parc Natural de la Val de Sorteny mit zahlreichen Bergseen. Auch hierfür könntest du mindestens eine Halbtageswanderung einplanen.

Zauberhafte Estanys de Tristaina

Den schönsten Reisemoment in Andorra aber bescherte uns abermals der Zufall. Auf unserer Karten-App sichteten wir unterwegs kleinere Seen im äußersten Nordwesten des Landes, an der Grenze nach Frankreich. Eine gut ausgebaute Straße führt hinauf zu dem, was da Estanys de Tristaina heißt. Es ist bereits spät am Nachmittag, als wir uns auf den Weg machen zu erkunden, was wir später als unser 1 THING TO DO für Andorra bezeichnen.

Die Estanys de Tristaina sind vier kleine Bergseen, die terrassenartig über kleine Wasserfälle miteinander verbunden sind. Über ihnen thront der 2.702 Meter hohe Punta de Peiragulis. Und um sie liegen noch jetzt im Juli vereinzelte Schneefelder, bei denen sich etwa ein Dutzend Pferde austoben. Wir müssen bei dieser Szenerie schon zweimal hingucken, um auf den einen oder anderen Kopf nicht doch ein Horn zu erspähen. Sollte es das letzte Einhorn wirklich geben, die Chancen stünden nicht schlecht, dass es sich diesen Zipfel Andorra als Zufluchtsort ausgesucht hat. Die Estanys de Tristaina sind einer jener winzig kleinen Orte mit Raum für große Gedanken. Und das passt irgendwie auch zu Andorra.

Andorra Reisebericht: Unser 1 THING TO DO

Was? Ein Ausflug zu den Estanys de Tristaina.
Wo? Die kleinen Bergseen befinden sich im äußersten Nordwesten von Andorra, circa 45 Minuten (Auto-)Fahrt von Andorra la Vella entfernt. Beim Restaurant La Borda de la Coma starten zwei kleinere Pfade in Richtung (Nord-)Westen. Von dort aus kannst du dich letztlich treiben lassen, um die Gegend rund um die Estanys de Tristaina zu entdecken. Es gibt mehrere Pfade und keinen richtigen.
Wie viel? Nichts außer Spritkosten.
Wieso? Um in einem kleinen Zipfel eines winzigen Landes große Entdeckungen zu machen.

Unser 1 THING TO DO aus Andorra sowie weitere Naturerlebnisse unseres Roadtrips im Pyrenäenstaat haben wir auch per Video festgehalten:

 

Andorra war die erste Station unseres ersten gemeinsamen Roadtrips, der uns anschließend weiter in die französischen Pyrenäen und weiter nach Montpellier, Albi und Toulouse führte. Du liebst es zu wandern? Eine ähnlich schöne Szenerie aus Bergseen und hohen Gipfeln erlebten wir auch beim ↠ Wandern in der Hohen Tatra. Schon gelesen?

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Andorra Urlaub

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