Albanien: Rohdiamant auf dem Balkan

Albanien ist so etwas wie die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Vom Massentourismus jedoch bleibt der Geheimtipp an der Adria noch immer verschont. Trotz zweier Balkan-Reisen machten auch wir bislang einen Bogen um Albanien. Doch das hat sich geändert. In unserem Albanien Reisebericht geben wir dir einen ersten Überblick über unsere Erfahrungen im Südwesten der Balkanhalbinsel. Geschrieben von John & Marc.

Albanien Reisebericht
Symptomatisch für unsere Reise nach Albanien: Schnappschuss auf einer Fahrt im Bus.

Albaniens zwei Gesichter

Als wir nach Albanien aufbrachen, erwarteten wir ein Land mit zwei Gesichtern. Zum einen schien Albanien wie gemacht für uns: Im Norden wachsen zahlreiche Gipfel der Dinariden über 2.000 Meter in die Höhe, im Süden locken traumschöne Strände zur Entspannung nach den großen Wandertouren. Und von der Schönheit des ↠ Skutarisees konnten wir uns schon in Montenegro überzeugen.

Zum anderen schossen uns beim Gedanken an Albanien insbesondere drei Begriffe in den Kopf: Armut, Abfall und Abschottung. Das Land gehört zu den ärmsten Europas, wilde ↠ Müllkippen verhalfen ihm zu wenig schmeichelhafter Bekanntheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg brach die Sozialistische Volksrepublik Albanien zunächst mit Jugoslawien, dann mit der Sowjetunion. Nach außen isoliert, weitete die albanische ↠ Geheimpolizei Sigurimi ihren Terror im Inneren aus. 1991 erst hielt Albanien erste freie Wahlen ab, doch die Entwicklung des Landes blieb überwiegend hinter derer anderer Balkanländer zurück.

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Georgien, anyone? Bei der Ansicht des Valbonatals aus der Vogelperspektive fühlten wir uns stark an den Kaukasus erinnert.
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Der Strand von Himara wurde uns als untouristisch empfohlen – und er hielt Wort.

Ein albanisches Dilemma

Auch nach unserer Reise bestimmen diese beiden Gesichter unsere Erinnerung. Vielleicht nicht exemplarisch für ganz Albanien, aber symptomatisch für das Beschriebene steht der Koman-See, ein Stausee im Norden des Landes, errichtet in den 80er Jahren. Auf der einen Seite war da das im Sonnenlicht funkelnde, teils quietschend türkisfarbene Wasser, umrahmt von grünen Hängen, über denen immer wieder schneebedeckte Gipfel hervor blitzten.

Auf der anderen Seite stauten sich an etlichen Stellen des Sees Unmengen von Plastikmüll. Bei einer Wanderung mutmaßte später ein albanischer Guide, den wir im im Nationalpark Valbonatal begegneten, dass dies der Abfall abgelegener Dörfer sei. Die Menschen dort würden den Müll lieber in die Flüsse und Bäche werfen als ihn zu verbrennen. Zum Verfeuern sei das Benzin zu teuer. Dass er ausgerechnet Müllverbrennung als Alternative nannte, spricht für sich. Doch, und das stimmt optimistisch, das albanische Abfallentsorgungssystem scheint im Aufwind.

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Die schöne Seite des Koman-Stausees im mittleren Norden Albaniens.
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Müllverbrennung im Nationalpark: John vor einer Rauchschwade im Valbonatal.

Albanien ohne Mietwagen

Knapp zwei Wochen blieben uns Zeit, diese beiden Gesichter Albaniens verstehen zu lernen. Zu wenig, um die Nuancen dazwischen wirklich zu durchdringen. Das liegt vor allem auch daran, dass Albanien ohne Mietwagen eher beschwerlich zu bereisen ist. Und das trotz seiner beschaulichen Größe – das Land ist sogar noch etwas kleiner als Brandenburg.

Fast ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, verbrachten wir somit etwas zu viele Stunden in Bussen – das Zugsystem ist für Reisende vernachlässigbar. Sollte dir ein ähnliches Zeitbudget wie uns zur Verfügung stehen und solltest du dabei ebenfalls in Durrës bzw. Tirana mit der Erkundung beginnen, empfehlen wir gar, dich auf den Norden oder Süden des Landes zu konzentrieren. Hingegen sparst du etwas Zeit, wenn du den Balkanstaat von Nord nach Süd bzw. umgekehrt bereist. Beachte dabei jedoch, dass es – als Folge der einstigen Abschottung – keine Zugverbindungen ins Ausland gibt. Für die Nord-Süd-Route bietet sich etwa die Busverbindung Podgorica – Shkodra an.

Ergänzend zu diesem Albanien Reisebericht kannst du einige unserer Erlebnisse im Südwesten des Balkans auch auf YouTube nachvollziehen:

 

Albanien Reisebericht: Unsere Route

Nachdem wir Albanien am frühen Morgen an Bord der Fähre aus Bari in Durrës erreichten, reisten wir mit dem Bus nach Tirana weiter. Im Anschluss an die Erkundung der Hauptstadt führte uns unser Weg weiter zum Koman-Stausee und in den Nationalpark Valbonatal, wo wir zu insgesamt drei Wanderungen ansetzten.

Über Theth und Shkodra ging es zurück nach Tirana, von wo aus wir schließlich in den Süden Albaniens aufbrachen. Nach Beach Hopping in Dhërmi und Himara machten wir in der Hafenstadt Saranda Station, von wo aus wir Ausflüge nach Ksamil sowie in die antike Ruinenstadt Butrint unternahmen. Da wir weiter nach ↠ Skopje (John) bzw. ↠ Thessaloníki (Marc) reisten, beendeten wir unsere dritte Balkan-Reise im nordmazedonischen Ohrid, dem zweitgrößten See der Balkanhalbinsel.

Alle Stationen unserer Reise siehst du auch auf folgender Karte, auf der wir nach und nach auch alle veröffentlichten Reiseberichte aus Albanien verlinken:

So kamen wir in Albanien von A nach B

  • Bari – Durrës (Fähre): Die Anreise nach Albanien erfolgt oftmals über ein Nachbarland. Die Verbindungen zum einzigen internationalen Flughafen in Tirana sind überschaubar.
  • Durrës – Tirana (Bus): Zwischen den beiden größten Städten Albaniens verkehren sehr regelmäßig Busse zwischen den Busbahnhöfen der beiden größten Städte des Landes (Fahrzeit circa 45 Minuten).
  • Tirana – Valbona (Minibus, Fähre, Minibus): Aufbruch um fünf Uhr morgens in Richtung Koman Lake Ferry, die schließlich nach Fierza übersetzt, von wo aus Minibusse weiter nach Valbona fahren (Fahrtzeit der Fähre circa zweieinhalb Srtunden, Abfahrtspunkt und Reservierung hier).
  • Valbona – Tirana (Wandern, Taxi, Glück): Nach der Wanderung von Valbona nach Theth teilten wir uns ein Taxi mit anderen Reisenden nach Shkodra. Dort hatten wir Glück, dass gerade wiederum zwei andere Reisende an uns vorbeifuhren, die wir in Valbona kennenlernten. Sie nahmen uns kurzerhand in ihrem Mietwagen mit nach Tirana.
  • Tirana – Saranda (Bus, Trampen): Von Tirana aus starten – für uns überraschend – nur wenige Busse nach Saranda. Wir fuhren zunächst nach Dhërmi, aalten uns am Strand, und fuhren von dort aus per Anhalter weiter nach Himara, wo wir das Prozedere wiederholten. Von Himara wiederum ging es abermals per Bus in Richtung Süden.
  • Saranda – Ohrid (Bus, Minibus, Trampen, Taxi): Eigentlich sollte – ein weiteres Mal am frühen Morgen – ein Bus von Saranda nach Korça starten, von wo aus der Ohridsee nicht mehr allzu weit entfernt ist. Der Bus fiel jedoch aus. Somit waren wir von hilfsbereiten Albanern abhängig, die uns mit einem undurchschaubaren Mischmasch aus Bussen, Minibussen, Trampen und schließlich einem Taxi dabei halfen, irgendwie nach Ohrid zu gelangen.

Du siehst: In Albanien gilt, dass du auch ohne Mietwagen immer irgendwie zum Ziel kommst. Am besten erkundigst du dich vor Ort in deiner Unterkunft nach Verbindungen. Diese verraten dir auch, wo private Sammeltaxen für den Transfer von einer Stadt in die andere warten. Du siehst aber auch: Albanien überwiegend mit dem Bus zu bereisen, kann anstrengend sein. Unsere Empfehlung: Plane besser mehr Zeit ein und/oder beschränke dich auf weniger Stationen, um die Reise wirklich zu genießen.

Auch über den nordmazedonischen Ohridsee haben wir übrigens bereits ein Video auf YouTube veröffentlicht:

 

Praktisches: Preise, Küche und Strände in Albanien

  • Preisniveau: Die Kosten für Lebensmittel, Restaurantbesuche, Unterkünfte und Transport liegen in Albanien allesamt deutlich unter denen in Deutschland. Nach einigen Reisen nach Ost- und Südosteuropa können wir jedoch auch sagen, dass Albanien in diesen Regionen in puncto Preisniveau eher einen mittleren Platz belegt.
  • Kulinarik: Die albanische Küche ist orientalisch geprägt. Das verwundert kaum, denn mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist muslimisch. Auf dem Menü stehen etwa Qofte (Hackfleischbällchen), Moussaka, Biftek (Hacksteak), Pilaf (Plov), Byrek (Börek) oder gefüllte Auberginen. Zumindest unserer Erfahrung nach mit der Extraportion Öl.
  • Strandurlaub: Da wir Albanien in der Nebensaison – Ende Mai – bereisten und obendrein nur wenige Stunden am Strand verbrachten, können wir nur bedingt Auskunft geben, ob Albanien ein lohnenswertes Ziel für einen Badeurlaub ist. Die meisten touristisch erschlossenen Sandstrände liegen dabei im Süden des Landes und erinnern landschaftlich gesehen entsprechend stark an Griechenland. Unser Gefühl: An das griechische Original kommt Albanien in dieser Beziehung nicht heran. Das kann aber auch daran liegen, dass das Ambiente ob der Vorbereitungsarbeiten für die Hauptsaison flöten ging.

Übrigens: Einige Tipps, die wir dir von unseren bisherigen ↠ Balkan-Reisen mit auf dem Weg gegeben haben, lassen sich auch auf deinen Trip nach Albanien anwenden.

Unser 1 THING TO DO für Albanien

Spoiler-Alarm! Unser 1 THING TO DO für Albanien ist ganz klar der Nationalpark Valbonatal, worüber wir uns im Laufe der Berichterstattung aus dem kleinen Balkanstaat noch ausführlich auslassen werden. Von Valbona, einer lang gestreckten, dorfähnlichen Siedlung mit etlichen Pensionen und ein paar Hotelanlagen, startet eine Vielzahl von Wanderwegen mit jeglichen Schwierigkeitsstufen. In Verbindung mit der Fährfahrt durch den Koman-Stausee, ist das Valbonatal die einzige Station in Albanien, die uns vollends überzeugen konnte. Doch wir waren natürlich nicht annähernd in allen Regionen des Landes unterwegs.

Honorable mentions

  • Das quirlige Tirana konnte uns positiv überraschen. Die Menge an Sehenswürdigkeiten ist in der albanischen Hauptstadt zwar überschaubar. Dafür gibt es in den Straßen rund um den Skanderbeg-Platz genügend Gelegenheiten, in die albanische Küche einzutauchen oder einfach entspannt einen Kaffee zu trinken. Ein Tipp für heiße wie regnerische Tage ist das Museum ↠ Bunk’Art 2, das sich auch für Reisende anschaulich mit dem Terror der albanischen Geheimpolizei beschäftigt.
  • Strände besuchten wir in Dhërmi, Himara, Saranda sowie Ksamil, wobei der Strand von Dhërmi – abgesehen von der Nebensaison geschuldeten Bauarbeiten – mit Abstand der schönste war. Erfreulich untouristisch ging es am Strand von Himara zu. Optisch wenig überzeugen konnten dagegen die Strände von Saranda, während Ksamil uns enttäuschte: Hier ist der Begriff Massentourismus selbst im Mai in greifbarer Nähe.

Zugegeben: Albanien war das erste Land auf dem Balkan, das wir für sich alleine besuchten – und nicht auf einer länderübergreifenden Route. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir dort auch zum ersten Mal in der Region an die Grenzen unseres Reisestils stießen. Eins jedoch ist klar: Potenzial hat Albanien. Und für seinen Status als Geheimtipp ist es möglicherweise gar nicht so schlecht, dass dieses touristische Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft ist.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Albanien Urlaub

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One thought on “Albanien: Rohdiamant auf dem Balkan”

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