Winterwandern bei Rathen: Mehr als nur Bastei

Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts ist die Bastei der Besuchermagnet der Sächsischen Schweiz schlechthin. Vom Kurort Rathen aus kannst du die Bastei in nicht einmal einer Stunde erwandern. Und sonst? Viele Ausflügler belassen es beim Stelldichein mit der Basteibrücke. Zu Unrecht: Eine Wanderung von Rathen nach Hohnstein zeigt in gut fünf Stunden die ganze Vielfalt, die Wandern in der Sächsischen Schweiz in sich birgt. Geschrieben von John & Marc.

Kurort Rathen Wandern Bastei
Wandern ab Kurort Rathen: Basteibrücke mit Lilienstein im Hintergrund.

Winterwandern in der Sächsischen Schweiz

Na endlich. Es beginnt mit ein paar Schneeflocken, die eher aussehen wie winzige Styroporkügelchen. Auf den heute so feuchten Wanderwegen zwischen Hohnstein und Kurort Rathen bleibt kaum eine davon länger als ein paar Sekunden liegen. Doch als wir in den Schulzengrund hinabsteigen, der uns ganz in der Nähe der berühmten ↠ Brandaussicht zurück in Richtung Elbe führt, verwandeln sich die Kügelchen mehr und mehr in watteweiche Flocken, die so leise rieseln, wie Schnee nur rieseln kann.

Sie sind keine Riesen ihrer Art, doch die schiere Masse zieht dem Wald um uns Flocke für Flocke ein Winterkleid an. Auf beiden Seiten des Wanderwegs ragen immer wieder Felsen steil nach oben. Selbst hier finden die Schneekristalle Halt, tunken selbst die kleinste Farnfeder in Zuckerguss. Unter uns knirscht der Schnee mit jedem Schritt ein bisschen lauter. Kein Vergleich zum zertrampelten Schneematsch, in dem wir gestern versanken. Heute sind wir die ersten, die hier ihre Spuren hinterlassen. Für uns liegt genau darin das große Winterglück.

Kurort Rathen Wandern Bastei
Leise rieselt der Schnee: Winterwandern im Schulzengrund, Sächsische Schweiz.
Kurort Rathen Wandern Bastei
John auf dem Schulzengrund beim Wandern zwischen Hohnstein und Kurort Rathen.

Wanderung von Hohnstein nach Kurort Rathen

Im ↠ Polenztal, das wir etwa auf halber Strecke zwischen Brand und Rathen abermals durchqueren, erreicht das Schneegestöber seinen Höhepunkt. Kreuz und quer wirbeln die Flocken um unsere Gesichter. Wetlook. Selbst auf Mütze und Haaren ist die Schneehöhe inzwischen beträchtlich. Wir überqueren die wilde Polenz auf einer Brücke. Eigentlich ein Moment, um innezuhalten und in die Ferne zu schauen. Doch das weiße Gewusel versperrt jegliche Sicht, außer auf Schneeflocken, Schneeflocken und noch mehr Schneeflocken.

Der winterliche Kostümwechsel in der Sächsischen Schweiz nimmt bald sein Ende. In Richtung Westen blitzt bereits blauer Himmel durchs Gestöber. Als wir den Schulzengrund verlassen, um mit dem Füllhölzelweg die letzte Etappe auf dem Weg zurück in den Kurort Rathen in Angriff zu nehmen, erhebt sich zwischen grün-weiß gescheckter Wiese und blauem Himmel der Lilienstein in der Ferne. Als wir auf dem Brand standen, war er noch dunkelgrün. Jetzt, keine Stunde später, schimmert er schneegrau. Welch Schauspiel sich vor uns abgespielt hätte, hätten wir vom Brand aus verfolgt, wie der Neuschnee aus der Sächsischen Schweiz wieder ein Winterwunderland zaubert!

Winterwandern zwischen Romantik und Realität

Es sind Momente wie diese, die Winterwandern in der Sächsischen Schweiz zu etwas Besonderem machen. Sie sind nicht jedem gegönnt: Gestern wanderten wir im Dauerregen von ↠ Bad Schandau vorbei an Schrammsteinen und Carolafelsen. Auf dem Hinweg vom Kurort Rathen über Knotenweg und Hockstein nach Hohnstein zeigte die Sächsische Schweiz ihre winterlich grüne Seite. Wer in der Region wohnt, kann schnell mal eine Wanderung unternehmen, sobald sich Schnee ankündigt. Wer von weiter weg anreist, muss beim Wandern in der Sächsischen Schweiz mit dem Leben, was Petrus ihm beschert.

Und so wohnt dem Begriff Winterwandern immer etwas Romantisierendes inne, wenn in Reiseberichten davon die Rede ist. Auch uns lockte die Vorstellung von weißen Baumkronen und Felsnadeln mit Puderzuckerkuppe zum Wandern in die Sächsische Schweiz. Erst recht beim Gedanken an die ↠ Basteibrücke, die wir schon so oft gesehen hatten, und doch bislang nie selbst zu Gesicht bekamen. Die Bastei im Winterkleid zu sehen war somit ein unausgesprochenes Ziel unserer ersten gemeinsamen Reise in die Sächsische Schweiz. Nach dem kräftigen Schneegestöber sind die Chancen darauf stark gestiegen.

Kurort Rathen Wandern Bastei
Winterliche Farbenspiele beim Wandern auf dem Weg von Hohnstein zurück nach Rathen.
Kurort Rathen Wandern Bastei
Winterstimmung auf dem Füllhölzelweg, der am Ortsausgang vom Kurort Rathen beginnt.

Wanderung von Rathen auf die Bastei

Zurück im Kurort Rathen ist unsere erste Wanderung in der Sächsischen Schweiz an diesem Tag beendet. Doch wir brechen ein weiteres Mal auf: Der Luftkurort an der Elbe mit Blick auf Lilienstein und Basteifelsen ist prädestiniert dafür, vom Wandern einfach nicht genug zu bekommen. 14 Kilometer haben wir bereits in den Beinen, waren fünf Stunden unterwegs. Unsere Mägen knurren. Aber fürs Erste können wir sie nicht befriedigen und nehmen stattdessen Kurs in Richtung Basteibrücke.

194 Meter fällt der Basteifelsen zur Elbe hinab, fast genauso viele gilt es in etwa 40 Minuten zu überbrücken. Auf dem Weg nach oben sind wir fast alleine unterwegs, auch wenn die Bastei selbst im Winter ein paar internationale Reisende anzuziehen scheint. Bereits vom Kanapee aus, einem Aussichtspunkt unterhalb der einstigen Felsenburg, verschlägt uns die Aussicht über die Elbe ein erstes Mal die Sprache. Und wir haben Glück: Die Puderzuckerschicht ist am Elbufer zwar nur noch halb so dünn, doch noch liegt sie.

Bastei im Winter: Fast menschenleer

Wie du weißt, haben wir bereits genügend Sehenswürdigkeiten besichtigt, die den Hype nicht wert sind. Schon als wir die ersten Schritte auf der vereisten Basteibrücke setzen, wissen wir, dass sie nicht dazu gehört – „must-see“ hin oder her. Uns schießt der Gedanke in den Kopf, dass wir hier im Sommer sehr wahrscheinlich die Krise bekämen vor lauter Getummel. An diesem Wintertag jedoch stehen wir nicht nur einmal völlig alleine auf der Basteibrücke und genießen in aller Stille die Aussicht auf die umliegenden Felsnadeln, die dem Wandern in der Sächsischen Schweiz seine Einzigartigkeit verleihen.

Von den gegenüberliegenden Wehltürmen erleben wir die Basteibrücke schließlich aus jener Perspektive, die inzwischen weit über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt ist. Zwischen Neurathener Felsentor, Steinschleuder, Jahrhundert- und Sieberturm schlägt sie ihren Weg durch die Spitzen des Basteifelsen. Eine Ikone, eine zeitlos elegante Symbiose aus Natur und Kultur. Heute geschmückt mit einer zarten, weißen Schneeschicht, die auch den stets präsenten Lilienstein im Hintergrund umhüllt. Die Vorstellung vom Winterwandern mag romantisiert sein. Hoch oben auf der Basteibrücke ist die Romantik heute Realität.

Kurort Rathen Wandern Bastei
Basteibrücke mit Puderzucker, im Hintergrund grüßt abermals der Lilienstein.
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Bastei im Winter, und keine Menschenseele in Sicht (in der anderen Richtung übrigens auch nicht).

Winterwandern in der Sächsischen Schweiz: Unser 1 THING TO DO

Was? Den Moment zu erwischen, in dem du auf Wanderschaft in der Sächsischen Schweiz als Erste:r deine Spuren im frischen Schnee hinterlässt.
Wo? Ganz egal ob auf der Bastei, in den Schrammsteinen, auf dem Lilienstein oder im Schulzengrund. In jedem Falle aber mit trittfestem Schuhwerk und der nötigen Portion Vorsicht! Die Bastei erreichst du übrigens auch mit ↠ Busline 237, die zwischen Pirna und Sebnitz verkehrt. Kurort Rathen liegt an der S-Bahn-Strecke zwischen Dresden/Meißen und Bad Schandau/Schmilka. Auf die Bastei-Uferseite gelangst anschließend du per ↠ Fähre.
Wie viel? Bis auf das Museum auf Burg Hohnstein – im Winter allerdings ohnehin geschlossen – sind alle genannten Stationen der Wanderung ab/bis Kurort Rathen kostenfrei.
Warum? Um die Sächsische Schweiz im Winter von ihrer wohl romantischsten Seite zu erleben.

Kurort Rathen Wandern Bastei
Brandaussicht nach Süden: Links erkennst du die charakteristischen Schrammsteine.
Kurort Rathen Wandern Bastei
Bastei im Winter, „alternate take“: Blick in die Sächsische Schweiz auf der anderen Seite der Wehltürme.

Kurort Rathen: Wandern zu Hockstein und Hohnstein

Die erste Hälfte unserer ↠ Wanderung zwischen Kurort Rathen und Hohnstein hatte zwar fast schon frühlingshafte Züge. Auf diesem Teil der Strecke gibt es allerdings noch mehr zu entdecken als auf dem Rückweg über den Brand, der überwiegend vom Naturerlebnis lebt.

Rathen verließen wir zunächst auf dem Füllhölzelweg und weiter auf dem Knotenweg in Richtung ↠ Hockstein. Dieser lohnt nicht nur wegen der Aussicht auf Burg Hohnstein und Polenztal einen Besuch, sondern vor allem wegen der denkbar schmalen Wolfsschlucht, die ihn in zwei einzelne Riesenfelsen teilt. Das gegenüberliegende Hohnstein ist eines der schönsten Städtchen, die wir auch unserer Winterreise in die Sächsischen Schweiz kennenlernten. Von hier aus sind es circa drei Kilometer Fußmarsch bis zum Brand, einem Felsplateau, das auch als Balkon der Sächsischen Schweiz bezeichnet wird. Über den Schulzengrund geht es zurück auf den Füllhölzelweg hinein nach Rathen.

Und noch ein Tipp: Obendrein kannst du von Rathen – wie auch vom nahegelegenen Königstein – aus „linkselbisch“ zur Wanderung zum ↠ Lilienstein wandern.

Lust auf noch mehr weiße Pracht? In unseren ↠ Winter-Ausflugszielen in Deutschland stellen wir neben der Sächsischen Schweiz viele weitere Regionen vor, in der du entweder die Wanderschuhe schnüren oder in der kalten Jahreszeit urgemütliche Stunden und Tage verbringen kannst. Noch immer ein Geheimtipp ist dabei übrigens ein Besuch an der ↠ Müritz im Winter.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Sächsische Schweiz Winterwandern

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2 thoughts on “Winterwandern bei Rathen: Mehr als nur Bastei”

  1. Dorie says:

    Die Bastei will ich auch unbedingt mal sehen, das sieht so malerisch aus. Aber keine Ahnung, wann ich es mal in die sächsische Schweiz schaffe!
    Liebe Grüße
    Dorie von http://www.thedorie.com

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir haben ja auch eine Weile gebraucht, bis wir es endlich mal in die Sächsische Schweiz geschafft haben. Aber es lohnt sich allemal!

      Liebe Grüße
      John & Marc

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