Transsibirische Eisenbahn: Auf eigene Faust zum Baikalsee

Die Transsibirische Eisenbahn durchquert das größte Land der Erde auf knapp 10.000 Kilometern. Schon deshalb erscheint eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn als kompliziertes Unterfangen. Wer obendrein deutsche Bahnpreise gewohnt ist oder Angebote von Reiseveranstaltern recherchiert, rechnet damit, für seine Russlandreise tief in die Tasche greifen zu müssen. Beides ist Quatsch! Ein Erfahrungsbericht über eine DIY-Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn, nach dem der Baikalsee gar nicht mehr so weit entfernt scheint. Geschrieben von Marc.

Transsibirische Eisenbahn

Der Bahnhof von Irkutsk gehört zu den Stationen fast jeder Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn.

Transsibirische Eisenbahn: Damals und heute

Die Transsibirische Eisenbahn ist Mythos und zugleich Traum vieler Reisender. 9.288 Kilometer beträgt die Strecke von Moskau nach Wladiwostok am Pazifischen Ozean. Die Transsibirische Eisenbahn ist damit die längste Bahnstrecke der Welt. Ihr Bau zwischen 1891 und 1916 war ein Meilenstein zur Erschließung des von Moskau so weit entfernten Sibirien. Städte wie Nowosibirsk, heute immerhin drittgrößte Stadt Russlands, gehen auf das Riesenprojekt zurück – im konkreten Fall aufgrund einen Brückenbaus über den Ob.

Ein Irrtum vieler Reisender ist, dass es sich bei der Transsibirischen Eisenbahn um einen oder ein paar wenige historische Züge handelt. Der Begriff jedoch bezieht sich ganz generell auf die Bahnstrecke zwischen Moskau und Wladiwostok. Das wird spätestens dann klar, wenn du zum ersten Mal einen der Züge betrittst, der lediglich Teilstrecken zurücklegt, zum Beispiel auf dem Weg von Krasnojarsk nach Irkutsk. An Bord triffst du überwiegend auf Einheimische, die Bahn gehört zu den beliebtesten Verkehrsmitteln Russlands.

Transsibirische Eisenbahn

Ankunft am Bahnhof von Nowosibirsk nach 22 Stunden in der Transsibirischen Eisenbahn.

Transsibirische Eisenbahn

Einfahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn in Nowosibirsk: Der Ursprung der sibirischen Hauptstadt liegt in genau dieser Eisenbahnbrücke über dem Ob.

Die Wahl der Strecke

9.288 Kilometer sind aus der Ferne nicht greifbar. Verständlich, dass du im Vorfeld wahrscheinlich gerne planen möchtest, an welchen Stationen du eine längere Pause einlegst. Das habe ich auch getan, vor Ort aber den gesamten Plan über den Haufen geworfen. Deshalb lautet meine Empfehlung: Lass die Reise auf dich zukommen! Du wirst vor Ort Städte kennenlernen, die dich positiv überraschen, sehr wahrscheinlich aber auch Orte, die dich enttäuschen. Aus diesem Grunde hab ich alle vorab gebuchten Zugtickets storniert und unterwegs nur noch von Stadt zu Stadt gedacht.

Nichtsdestotrotz ist deine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn begrenzt, solange du Russland mit einem Touristenvisum bereist. Maximal stehen dir 30 Tage zur Verfügung, weshalb du dir zumindest Gedanken über den Umfang deiner Reise machen solltest.

Fragen zur Vorbereitung

  • Möchtest du von Moskau bis nach Wladiwostok reisen, oder reicht dir beispielsweise die Strecke bis zum Baikalsee? Ich entschied mich für Letzteres, um möglichst viele Städte besuchen zu können und nicht laufend zwei oder mehr Nächte im Zug zu verbringen.
  • Möchtest du Abstecher in Regionen abseits der Transsibirischen Eisenbahn machen? Diese Frage ist insbesondere für Naturfreunde relevant. Denn offen gesagt führt die Transsibirische Eisenbahn nicht gerade durch landschaftlich reizvolle Gegenden. Abstecher in den Ural, ins Altai-Gebirge oder auch auf die Insel Olchon im Baikalsee sind im Grunde keine Abstecher, sondern mit weiteren langen Fahrten verbunden.
  • Reist du nach deiner Russlandreise in ein anderes Land weiter? Oder musst du innerhalb der verfügbaren 30 Tage wieder zurück nach Moskau – wenn ja, im Flugzeug oder im Zug? Möchtest du gerne auch Sankt Petersburg oder die etlichen Sehenswürdigkeiten des Goldenen Rings um Moskau besuchen? Auch das sind Fragen, die du dir im Vorfeld stellen solltest, um besser einschätzen können, wie weit dich deine Reise überhaupt nach Osten verschlagen soll.
Transsibirische Eisenbahn

Auf (nimmer?) Wiedersehen, Kasan! Die Hauptstadt Tatarstans liegt streng genommen nicht auf der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn, gehört aber dennoch zu den Zwischenstopps vieler Zugreisen durch Russland.

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Eines der ersten Panoramen auf den Baikalsee auf dem Weg von Irkutsk nach Ulan-Ude.

Tickets für die Transsibirsche Eisenbahn kaufen

Erste Anlaufstelle zur zumindest groben Planung deiner Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn ist die ↠ Webseite der Russischen Eisenbahnen (RŽD). Dort findest du jegliche Zugverbindungen inklusive Fahrpreisen, Angaben zu freien Plätzen sowie natürlich An- und Abfahrtszeiten. Zudem kannst du anhand der Zugnummern recherchieren, ob du vielleicht sogar einen der historischen Waggons erwischst. Daneben gibt es übrigens auch RŽD-Apps für iOS (teilweise sogar auf Deutsch) und Google Play, die ich jedoch nicht selbst getestet habe.

Transsibirische Eisenbahn

Fahrplan an Bord: Einmal klicken für die Vollansicht!

Mit dem Online-Ticketkauf habe ich durchweg gute Erfahrungen gemacht, auch wenn ich zunächst auf den Klassiker hereingefallen bin. Bis August 2018 existierte im Kosmos der Russischen Eisenbahn ausschließlich die Moskauer Zeit. Heißt: Fuhr ein Zug von Irkutsk nach Ulan-Ude laut Fahrplan um 20:30 Uhr, dann begab er sich erst um 1:30 Uhr am nächsten Tag auf große Fahrt – fünf Stunden später! Inzwischen wurde dieses System jedoch reformiert, es gelten die jeweiligen Ortszeit. Glück im Unglück im meinem Falle: Online-Tickets der RŽD kannst du bis eine Stunde vor Abfahrt in deiner Buchungsübersicht kostenfrei stornieren, das Geld bekommst du auf deine Kreditkarte zurücküberwiesen.

Alternativ kannst du deine Tickets natürlich auch an den Bahnhöfen vor Ort kaufen. In einigen Städten gilt es hierfür zunächst eine Wartemarke zu lösen. Als nützlich hat es sich erwiesen, Screenshots von der zuvor online ausgewählten Fahrt zu machen und diese am Schalter vorzulegen – insbesondere, wenn du nicht über gute Russischkenntnisse verfügst.

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Es geht auch offline! Zum Verständnis der Fahrkarten sind allerdings Kyrillisch- bzw. Russischkenntnisse zum Vorteil.

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Wartebereich im Bahnhof von Nowosibirsk, der drittgrößten Stadt Russlands.

Luxus, platzkartny oder kupe?

In der Regel hast du die Wahl zwischen drei Klassen, wobei Bettwäsche jeweils inklusive ist:

  • Erste Klasse (spalny wagon): In der „Luxusklasse“, also der teuersten Klasse, teilst du dir ein Abteil mit einer weiteren Person. Auf manchen Strecken kannst du vorab Mahlzeiten bestellen.
  • Zweite Klasse (kupe): In diesem Fall besteht dein (abschließbares) Abteil aus vier Betten, jeweils zwei im unteren und zwei im oberen Bereich. Auf der Fahrt von Nowosibirsk nach Krasnojarsk hatte ich hier ebenso die Möglichkeit, vorab eine Mahlzeit zu bestellen.
  • Dritte Klasse (platzkartny): Hier fährst du in offenen Waggons ohne abschließbare Abteile. Bis auf die fehlenden Türen ist eine Seite der Waggons fast identisch zur zweiten Klasse, auf anderen Seite des Gangs gibt es jedoch zwei weitere, seitliche Betten.
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Zum Vergleich: Die Abteile der zweiten (und ersten) Klasse sind abschließbar, …

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… während die Waggons der dritten Klasse offen gestaltet und mit weiteren, seitlich gelegenen Betten ausgestattet sind.

An der Wahl der Klasse scheiden sich die Geister. Der günstigste Platz befindet sich in der Regel in der dritten Klasse in direkter Nachbarschaft zur Zugtoilette. Ich hatte einmal die Ehre, buchte mir anschließend jedoch nur noch Betten in der zweiten Klasse. Weniger aufgrund der Geruchssituation, sondern vielmehr wegen der Tatsache, dass die Tür zur Toilette auch nachts gefühlt im Minutentakt auf- und zugeschlagen wird. Aufgrund der abschließbaren Abteile herrscht in der zweiten Klasse außerdem in der Regel mehr Ruhe.

Oben oder unten?

In der dritten wie auch in der zweiten Klasse hast du die Wahl zwischen einem Bett im oberen oder unteren Bereich. Auch hier gibt es unterschiedliche Geschmäcker. Ich jedenfalls habe mich ausschließlich für die oberen Betten entschieden, weil ich es einerseits nicht mag, potentiell von drei Personen beim Schlafen beobachtet zu werden. Andererseits hatte ich so immer ein kleines Reich für mich: keine baumelnden Beine, niemand, der neben mir sein Süppchen isst, kein Geruckel, wenn das Bett als Fußstütze beim Hochklettern dient.

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Ein Abteil der zweiten Klasse. Keine Sorge, Bettwäsche bekommst du von deiner Schlafwagenschaffnerin (Prowodniza) – seltener vom Schlafwagenschaffner (Prowodnik).

Transsibirische Eisenbahn

Immer schön Ordnung halten! Während deiner Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn hast du genügend Zeit, dich auf kleinem Raum praktisch einzurichten.

Transsibirische Eisenbahn: Die Kosten

Gemessen an den Angeboten zahlreicher Reiseveranstalter, die zugegeben zumeist Fahrten in den nostalgischen Waggons der Transsibirischen Eisenbahn vermitteln, war ich positiv überrascht, wie günstig diese Art des Reisens durch Russland schlussendlich ist. Für die insgesamt sechs Fahrten (Moskau – Kasan – Jekaterinburg – Nowosibirsk – Krasnojarsk – Ulan-Ude – Irkutsk) habe ich circa 230 Euro ausgegeben, im Schnitt also circa 40 Euro pro Fahrt.

Wenn du Gefallen an der dritten Klasse findest und weniger Zwischenhalte planst (eine Fahrt von Jekaterinburg nach Krasnojarsk etwa ist mit Stopp in Nowosibirsk teuer als ohne), kommst du sogar noch günstiger davon. Gemessen an den riesigen Distanzen und der Tatsache, dass du in der Regel eine Übernachtung im Hotel oder Hostel sparst, sind Fahrten mit der Transsibirischen Eisenbahn also durchaus erschwinglich.

Transsibirische Eisenbahn

Während der Zugfahrten gibt es immer wieder längere Stopps, die du für Einkäufe am Bahnsteigkiosk nutzen kannst. Oder wie wäre es mit geräuchertem Fisch?

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Ob du mit einem moderneren oder einem etwas in die Jahre gekommenen Zug unterwegs bist, hängt manchmal einfach vom Zufall ab.

Unterwegs mit der Transsibirischen Eisenbahn

Bei 20 Stunden oder mehr im Zug entwickelten sich die Einkäufe im Supermarkt vor Abfahrt schnell zum Ritual, zumal die meisten russischen Städte über gute Einkaufsmöglichkeiten verfügen. Gekochte Pelmeni, Blini (russische Eierkuchen) oder auch abgepackte Salate (mit reichlich Majonäse) und Sandwiches findest du in zahlreichen Supermärkten. Neben den üblichen Naschereien, Obst und Gemüse (besser vorher abwaschen!) kannst du dir mithilfe des Heißwasserboilers im Eingangsbereich deines Waggons außerdem „Bechersuppen“ zubereiten, von denen es in russischen Supermärkten eine bunte Palette gibt.

Ein weiteres Ritual meiner Reisen in der Transsibirischen Eisenbahn war es, mir mein kleines Reich im oberen Bereich meines Abteils einzurichten. Alles hatte seinen Platz, denn nichts nervt mehr, als ständig im großen und danach im kleinen Rucksack zu wühlen. Heißt: Ich richtete mir eine „Küche“ (Getränke, Snacks, Suppen, Besteck), ein „Badezimmer“ (Waschlappen, Handtuch, Zahnbürste, Zahnpasta, Ohropax) und ein „Wohnzimmer“ (iPad, Handy, Reiseführer, Kopfhörer) ein, um immer alles schnell parat zu haben. So wirkt der kleine Schlafplatz plötzlich ganz groß!

Und noch ein Tipp: Immer an Klopapier, das gerne mal aus geht, und genügend stilles Wasser, zum Beispiel zum Zähneputzen, denken!

Meine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn als Video

Kennst du schon das Video zu meiner Reise durch Russland? Wie könnte es auch anders sein: Darin findest du auch einige Eindrücke meiner Fahrten mit der Transsibirischen Eisenbahn. Und zwar im Eiltempo.

Russland auf eigene Faust mit der Transsibirischen Eisenbahn zu bereisen, ist also gar nicht so schwierig. Und noch ein Vorurteil bestätigte sich auf meiner Reise durch Russland nicht: Nicht ein Saufgelage, nicht eine Einladung zum gemeinsamen Wodka-Trinken! Was noch einmal verdeutlicht, dass Zugfahren in Russland zumindest für die Einheimischen mehr Mittel zum Zweck als Ereignis ist. Mehr über meine Reise von Moskau zum Baikalsee (und darüber hinaus) erfährst du in meinem ↠ Russland Reisebericht. Hast du Fragen zu deiner Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn? Dann her damit in den Kommentaren!

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Transsibirische Eisenbahn

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9 Gedanken zu “Transsibirische Eisenbahn: Auf eigene Faust zum Baikalsee”

  1. Pingback: Jekaterinburg: An der Grenze von Europa nach Asien – 1 THING TO DO
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  3. Andrea says:

    Das sieht ja megaspannend aus, das wollte ich auch immer schon mal machen, danke für die Info. Sprecht Ihr eigentlich Russisch?
    Liebe Grüße

    1. 1 THING TO DO says:

      Nun ja, „ja nje gawarju pa russki“ war zumindest der von mir meist gebrauchte Satz. 😀 Wir sprechen beide ein klein wenig Russisch, aber das hat vor Ort nur rudimentär weitergeholfen. Bis natürlich auf die Tatsache, dass ich somit die kyrillische Schrift decodieren konnte…

      Liebe Grüße
      Marc

  4. Dorie says:

    Wahnsinn, das sind immer Dimensionen, die man so gar nicht greifen kann.
    Ich war noch nie in Russland, aber es interessiert mich immer mehr. Ist ja schließlich doch ein ganz schön großer Fleck Erde.
    Danke für den ausführlichen Bericht 🙂
    Liebe Grüße
    Dorie von http://www.thedorie.com

    1. 1 THING TO DO says:

      Sehr gerne! Vielleicht inspirieren dich ja die folgenden Artikel. 😀

      Liebe Grüße
      John & Marc

  5. Birte says:

    Oh wie schön, ich bin die Strecke auch schon gefahren und habe zum Beispiel hier darüber geschrieben: https://www.waitingishappiness.com/transsibirische-eisenbahn-baikalsee-olchon-island/ Bei der Erinnnerung an die Mahlzeiten musste ich schmunzeln 🙂 Liebe Grüße aus dem Norden Deutschlands

    1. 1 THING TO DO says:

      Das sieht sehr schön aus! Olchon war definitiv ein Höhepunkt meiner Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. 🙂

      Liebe Grüße
      Marc

  6. Ina says:

    Einfach eine tolle Reise, wir fuhren die Strecke bis Wladiwostok und auch wieder zurück, mit Kindern,eine tolle Tour. Eine kleine Berichtigung seit August dieses Jahres gelten die Ortszeiten, nicht mehr die Moskauer Zeit.
    Unsere Berichte findet man hier:https://www.mitkindimrucksack.de/transsibirische-eisenbahn/

    LG aus Norwegen

    Ina

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für den Hinweis! So schnell gehört man zum alten Eisen… 😀

      Liebe Grüße aus Berlin!
      Marc

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