Hofjagdweg: Von Berlin in den Spreewald

Einmal raus ins Grüne, bitte! Der Hofjagdweg führt dich innerhalb von sechs bis sieben Stunden direkt von Königs Wusterhausen bei Berlin in den Spreewald. Der Hofjagdweg startet am alten Jagdschloss des „Soldatenkönigs“ und endet an einem weiteren Schlossidyll in der Kreisstadt Lübben. Von der Endstation des Hofjagdwegs sind es schließlich nur noch wenige Kilometer in das historische Inseldorf Lehde. Eine Fahrradtour in Bildern. Geschrieben von John & Marc.

Hofjagdweg Berlin Spreewald

Unsere Beine und Hintern begannen langsam zu schmerzen, doch die größte Strecke des Hofjagdwegs hatten wir hier am Köthener See bereits hinter uns.

Hofjagdweg: Schloss Königs Wusterhausen

Wieder was gelernt! Vor unserer Radtour über den Hofjagdweg wussten wir nicht mal, dass Königs Wusterhausen ein Schloss besitzt. Was ziemlich unklug war, denn irgendetwas Königliches hat der Name ja schon an sich. Im Jahre 1717 erhielt Wusterhausen seinen royalen Beinamen, in jener Zeit nutzte Preußens König Friedrich Wilhelm I. das Anwesen als Sommersitz und Jagdschloss. Der hier beginnende Hofjagdweg führt uns folglich auf den nächsten Kilometern weit hinein in das damalige Jagdgebiet des „Soldatenkönigs“.

Hofjagdweg Schloss Koenigs Wusterhausen Kavalierhaus

Der Hofjagdweg startet am Schloss Königs Wusterhausen. An einem der Kavalierhäuser zeigen sich die ersten Rosenblüten des Jahres.

Hofjagdweg Schlosspark Königs Wusterhausen

Der Schlosspark gehört zu einem der frühsten Barockgärten nach französischem Vorbild in der Region.

Von Königs Wusterhausen nach Groß Köris

Während der ersten Kilometer über den Hofjagdweg in Richtung Groß Köris passieren wir entlang einer schmalen Landstraße purstes Brandenburg: Feld reiht sich an Feld, die Gersten und Gräser tanzen im balladesken Takt der leichten Brise an diesem milden Sommertag. Wüssten wir es nicht besser, wir würden denken, Berlin sei schon Dutzende Kilometer weit entfernt!

Hofjagdweg Felder Brandenburg

Nach Königs Wusterhausen passiert der Hofjagdweg zunächst einmal grüne Felder.

Gerstenfeld_Brandenburg_1 THING TO DO

Hofjagdweg zwischen Königs Wusterhausen und Groß Köris: Als Großstädter erfreuen wir uns an der Weite der Landschaft.

Abandoned Places: Kurzer Fotostopp

Nach Krummensee wandelt sich die Landschaft entlang des Hofjagdwegs, doch die Natur bleibt der Trendfarbe Grün treu, als die Getreidefelder einem dichten Kiefernwald weichen. Plötzlich zweigt vom gut ausgebauten Radweg ein weiterer Weg ab. Eine bröckelnde Mauer verweist auf einen verfallenen Industriebetrieb, den sich Mutter Natur langsam zurückerobert. Wir stellen unsere Räder ab und nutzen die Gelegenheit für einen kurzen Fotostopp.

Abandoned Places_Brandenburg_1 THING TO DO

Einen Zwischenstopp legen wir an einer verfallenen Industrieanlage entlang des Hofjagdwegs ein.

Abandoned Places_Deutschland

Die Natur erobert sich die Anlage Stück für Stück zurück: Hier wächst ein Baum auf einem Dach – ohne Verbindung zum Erdreich.

Abandoned Places_Verfallenes Haus_1 THING TO DO

Das Gelände hat seine besten Zeiten hinter sich, garantiert aber spannende Fotos.

Von Märkisch Buchholz zum Köthener See

In Groß Köris versorgen wir uns mit Wasser und Proviant, bevor wir in der nächsten Kleinstadt Halbe still über den Waldfriedhof laufen, auf dem unglaubliche 28.000 Kriegsopfer begraben liegen. Der Großteil von ihnen kam im „Kessel von Halbe“ kurz vor Kriegsende um, die Schlacht kostete mehr als doppelt so vielen das Leben. Unfassbar, dass dieses Grauen gerade einmal 71 Jahre her ist!

Deutlich positiver stimmt uns eine Entdeckung in Märkisch Buchholz, einer der kleinsten Städte Brandenburgs. Kurz nach Ortseingang begrüßt uns „Uwe’s Videothek“ mit Ostcharme in Reinkultur. Aktuelle Filme werden hier noch per Handschrift im Schaukasten vorgestellt. Digitalisierung, was ist das? Ziemlich hipster, dieser Uwe! Mit dem Köthener See erwartet uns kurz danach ein weiterer Höhepunkt des Hofjagdwegs. Auf einem Holzsteg umringt von Segelbooten mit Blick aufs Wasser halten wir die nächste Rast.

Uwes Videothek_Maerkisch Buchholz_1 THING TO DO

Auf dem Hofjagdweg kommen wir auch nach Märkisch Buchholz und entdecken dabei Uwe’s Videothek.

Brandenburg_Koethener See_1 THING TO DO

Hier würden wir am liebsten stundenlang Pause machen: Brandenburger Naturidyll am Köthener See.

Das nächste Berlin?

„Gestört“ werden wir am Köthener See nur von einem älteren Herren, der vor uns die Hüllen fallen lässt und vom Steg ins kühle Nass springt. Um ihm bei der Rückkehr an Land nicht auch noch von vorne zu sehen, setzen wir unsere Fahrt fort und erreichen Groß Wasserdorf. Inzwischen sind wir über den Hofjagdweg im tiefsten Brandenburg angekommen und stoßen hier doch auf einen Hauch von Street Art. Beim Anblick einer mit Strick umhüllten Litfaßsäule muss die Frage erlaubt sein: Ist Groß Wasserburg das nächste Berlin? 😉

Litfasssaeule mit Strick_Gross Wasserburg_1 THING TO DO

Hui, ganz schön hipp! Hätten wir in der Brandenburger Provinz gar nicht mal so erwartet.

Schlepzig: Tor zum Unterspreewald

In Krausnick stellt uns der Hofjagdweg vor die Qual der Wahl, die eigentlich keine ist. Variante A: Wir fahren über einen groben Schotterweg durch – für Brandenburger Verhältnisse – hügeliges Gebiet. Variante B: Wir nutzen die flache Asphaltstraße nach Schlepzig. Da unsere Hintern bereits glühen und wir unsere Fahrradschläuche schonen wollen, fällt die Wahl leicht.

Kurz vor Schlepzig wird uns schließlich bewusst: Wir sind im Spreewald! Wir blicken auf die ersten Fließe und setzen guten Mutes zu den letzten zehn Kilometern des Hogjagdwegs an. Gestoppt werden wir von einem ziemlich alkoholisierten jungen Mann, der in Schlepzig sein Geld damit verdient, eine Schleuse zu bedienen. Bis zu 130 Euro macht er damit am Tag! Na dann…

Brandenburg_Feldweg_1 THING TO DO

Der Spreewald ist nun ganz nah, der Hofjagdweg neigt sich dem Ende zu.

Hofjagdweg_Brandenburg_1 THING TO DO

Die Sonne steht inzwischen tiefer und verleiht der Landschaft eine immer romantischere Note.

Biosphärenreservat Spreewald

Bevor wir in Lübben ankommen, durchqueren wir eine der vielleicht schönsten Landschaften rund um den Hofjagdweg. Wir befinden uns inzwischen mitten im Biosphärenreservat Spreewald, und zwischen Schlepzig und Lübben schlängelt sich die Route durch eine nicht enden wollende Teichlandschaft. Einzig: So richtig genießen können wir diese Etappe nicht. Es dämmert schon leicht, und die Mücken kriechen aus allen Ecken. Sie sind wild entschlossen, uns aufzufressen!

Spreewald_Inselteich_1 THING TO DO

Auf den letzten Kilometern schlängelt sich der Hofjagdweg durch eine scheinbar endlose Teichlandschaft.

Inselteich_Spreewald_1 THING TO DO

Hofjagdweg am Inselteich: Von hier aus sind es nur noch zwölf Kilometer bis nach Lübben

Lübben: Ziel des Hofjagdwegs

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir nach acht Stunden Lübben, Kreisstadt der Region Dahme-Spreewald und gleichzeitig Ende des Hofjagdwegs. Auf dem Weg in die Stadt treffen wir eine lokale Künstlerin, die uns spontan in ihr Atelier einlädt. Leider schaffen wir es am nächsten Tag nicht, sie zu besuchen, aber vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Nach einem zünftigen Schnitzel zum Abendessen schlagen wir unser Zelt auf. Der Himmel will sich ob des grellen Vollmonds nicht wirklich dunkel färben, doch unsere Glieder vermitteln uns: Es ist tiefste Nacht, und vor allem ist es Zeit die Augen zu schließen und zur Ruhe zu kommen. Das sanfte Zirpen der Grillen singt uns in den Schlaf.

Luebben_Hofjagdweg_1 THING TO DO

Über eine Holztreppe überquert der Hofjagdweg kurz vor Lübben die Hauptspree.

Spreewaldwiese_1 THING TO DO

Lübben kann nicht nur Kleinstadtidyll: Entlang der Spree warten saftig grüne Spreewaldwiesen.

Auf Hofjagdweg folgt Gurkenradweg

Die Sonne tut ihr Bestes, uns so früh wie möglich aus dem vor Hitze dampfenden Zelt zu treiben. Doch wir nutzen die Gelegenheit der Stunde und machen uns zeitig auf den Weg, um weitere zehn Kilometer von Lübben nach Lübbenau zu fahren, seinerseits Kreisstadt der Region Oberspreewald-Lausitz. Die Strecke gehört nun nicht mehr zum Hofjagdweg, sondern zum sogenannten Gurkenradweg – ein untrügerisches Zeichen dafür, dass wir uns nun immer weiter in den Spreewald hineinbegeben.

Gurkenradweg_Spreewald_1 THING TO DO

In Richtung Süden gelangst du über den Gurkenradweg nach Lübbenau und damit auch ins Spreewalddorf Lehde.

Spreewald_Kuhherde_1 THING TO DO

Entlang der Spree und weiten, mit kleinen Kanälen durchzogenen Feldern und Wiesen fährst du hier durch das Biosphärenreservat Spreewald.

Spreewald_Bewachsenes Haus_1 THING TO DO

Ein bisschen kurios, aber auch ein bisschen wunderschön: Ein bewachsenes Haus zwischen Lübben und Lübbenau.

Verschlafenes Lübbenau

Die Altstadt Lübbenaus wirkt an diesem sommerlichen Sonntagmorgen noch sehr verschlafen, einzig an der Bäckerei Bubner wird Schlange gestanden, um sich ein ordentliches Frühstück zu gönnen. Wir reihen uns ein und verputzen ein Schlemmerfrühstück für zwei, bevor wir weiter nach Lehde fahren.

Das Inseldorf war noch bis 1929 einzig und allein über den Wasserweg erreichbar. Wir lassen die Räder stehen und genießen am Ende unseres Ausflugs, einmal nicht selbst in die Pedale zu treten. Auf einer Tour durch die Fließe von Lehde schippern wir im gemütlichen Tempo des Kahnführers und lassen unsere Beine in der Sonne brutzeln.

Spreewalddorf Lehde_1 THING TO DO

Im Spreewalddorf Lehde erleben wir schließlich Spreewald wie aus dem Bilderbuch.

Spreewald_Kahnfahrt_1 THING TO DO

Nach einer anstrengenden Radtour lassen wir uns zum Abschluss liebend gerne alleine auf einem Spreewaldkahn durch die Wälder fahren.

In Kürze: Über den Hofjagdweg in den Spreewald

Start: Schloss Königs Wusterhausen
Ende: Schloss Lübben
Gesamtstrecke: Rund 60 Kilometer
Stationen: Königs Wusterhausen • Krummensee • Motzen • Groß Köris • Halbe • Märkisch Buchholz • Köthen • Groß Wasserburg • Schlepzig • Lübben
Fahrzeit: Je nach Kondition zwischen sechs und sieben Stunden. Hierin inbegriffen sind Pausen, wobei wir uns hiervon nicht zu wenige genehmigten. Laut Google Maps soll es auch möglich sein, die Strecke innerhalb von etwas mehr als drei Stunden zu absolvieren. Das geht unserer Meinung nach jedoch nur mit bester Kondition und natürlich ohne jegliche Unterbrechung.
Beschilderung: Die überwiegend gut ausgebaute Strecke ist gut beschildert, und zwar in Form eines Wildschweinkopfs.
Weitere Infos: Uns persönlich hat unterwegs die folgende Wegbeschreibung am besten weitergeholfen.

Wenn du noch mehr über unseren Ausflug über den Hofjagdweg in Richtung Lübben lesen und sehen möchtest, dann schau‘ dir doch einmal den kompletten Reisebericht zu unserer Spreewald Fahrradtour an. Viele weitere Erlebnisse in Brandenburg und Ostdeutschland stellen wir dir außerdem in unserem Projekt GO EAST! vor: Reiseziele in Ostdeutschland neu entdecken.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

8 thoughts on “Hofjagdweg: Von Berlin in den Spreewald”

  1. Tine says:

    Wow das sieht ja nach einer traumhaften Fahrradtour aus. Kommt gleich mal auf die Liste. Wieviele Kilometer waren das? Und habt ihr das an einem Tag gemacht?

    1. 1 THING TO DO says:

      Von Königs Wusterhausen nach Lübben waren es etwa 50 Kilometer mit dem Rad, wir waren von 12 bis 21 Uhr unterwegs, haben aber auch einige kürzere Pausen zur Rast gemacht. 🙂

  2. Äquilibrist says:

    Lübbenau sieht echt richtig idyllisch und toll aus:)
    So eine richtige Ruheoase.

    1. 1 THING TO DO says:

      Oh ja, das war es auch! 🙂

  3. 🔆Sigrid🔆 says:

    Es klingt ja fast schon abgedroschen, aber die Fotos gefallen mir so gut und ihr müsst ja wirklich Traumwetter gehabt haben bei eurer Radtour. Vor allem im Spreewald diese verwunschene Landschaft – und obwohl dort jetzt auch viele Touris hinkommen – sieht das alles noch sehr unberührt aus und heil. Wir haben ja vor, einmal die Strecke in der anderen Richtung zu fahren, also vom Spreewald nach Berlin. Das müssten doch so um die 65 km sein, also gut an einem Tag zu schaffen. Wenn ich eure Fotos anschaue und den Bericht bekomme ich immer mehr Lust, diese Idee auch mal in die Tat umzusetzen, aber Mückenspray nicht vergessen, das habe ich auch heraus gelesen. Na ja, das kenne ich, habe ich doch lange in einem Flusstal gelebt und die Mücken waren „echte Feinde“ – vor allem abends. Danke für’s Mitnehmen auf eine tolle Radtour, die ihr wie immer mit fantastischen Fotos untermalt habt. Liebe Grüße Sigrid
    P.S. „Gefällt mir“ finde ich nirgends mehr!

    1. 🔆Sigrid🔆 says:

      P.S. Habe noch eine Anmerkung wegen eurer Bemerkung „das nächste Berlin“. Wir waren vor kurzem in Leipzig und haben den Eindruck, dass diese aufstrebende, lebendige, kreative Stadt „das neue Berlin ist“. So sehen das auch die neu Zugezogenen Leipziger auch und manche nennen die Stadt sogar „Hypzig“ ;.)

      1. 1 THING TO DO says:

        Ja, das ist mir (Marc) als ein Berliner, der aus Leipzig stammt, durchaus bewusst. 🙂 Leipzig hat gute Anlagen, aber am Ende ist die Stadt einfach zu klein, um mithalten zu können… inzwischen suchen viele sogar schon das „nächste Leipzig“ – so las ich neulich im DB Magazin. Liebe Grüße!

  4. Zugvogelmädchen says:

    Ich lass mir gleich am Montag nen Ausweis für Uwe´s Videothek machen!

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