Comer See Reisebericht: Beschwipst in Varenna

Den Comer See in Norditalien kannten wir bis dato nur aus sogenannten Frauenzeitschriften. Gemeinsam mit Lago Maggiore und Lago di Lugano schafft er es regelmäßig in Bella, Lisa und Laura. Quell unseres Wissens über den Comer See waren folglich quälend lange Wartezeiten in Arztpraxen oder Frisörsalons. Bis wir schließlich mit eigenen Augen erlebten, was Dolce Vita in Norditalien heißt: Palmen bei Blick auf die Alpen, marineblaue Wogen und das Können, trotz viel zu vieler Touristen den Tag zu genießen. Geschrieben von Marc.

Ein etwas zu beliebtes Reiseziel

Gewohnt sind wir diese Masse an Touristen nicht. Okay, es ist Juli. Doch verwöhnt von unseren ↠ Balkan-Reisen in den vergangenen Jahren hatten wir fast vergessen wie es ist, nur zwei unter Hunderten zu sein. In Como, der größten Stadt am Comer See, hielt sich der Ansturm noch in Grenzen. Zumindest verteilte er sich besser auf die Gassen der Altstadt. In Bellagio, gelegen an der Spitze der charakteristischen Halbinsel des Lago, wurde es schon anstrengender. Hier auf der Fähre nach Varenna geht er uns richtig auf die Nerven.

Am schlimmsten sind die Klickgeräusche der Kameras, die mehrmals pro Sekunde unsere Trommelfelder in Wallung bringen. Das Schlimmste daran ist nicht mal, dass alle hier dieselben verwackelten Fotos mit nach Hause bringen werden. Oder auf Instagram posten, wie es heutzutage eher heißen sollte. Das Schlimmste daran ist, dass unser Fokus auf den anderen Touristen liegt, und nicht auf der schier unfassbaren Schönheit der Landschaft am Comer See.

Comer See Reisebericht

50 Shades of Blue: Blick zurück auf den Comer See auf dem Weg von Bellagio nach Varenna.

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Besonders an Sommerwochenenden füllen sich die Fähren am Comer See sehr schnell, deshalb unbedingt vorab die Fahrpläne checken. „Auf gut Glück“ könnte schief gehen.

Ankunft in Varenna

Als wir in Varenna ankommen, wenden wir daher einen altbewährten Trick an: Wir gehen dorthin, wo alle anderen nicht hingehen. Das hat uns zum Beispiel schon in ↠ Dubrovnik geholfen, umgeben von Game-of-Thrones-Fanatikern doch noch etwas Charme und Stille zu finden. Auf dem Weg nach Süden jedoch vereinigt sich der von uns eingeschlagene Weg wieder mit dem der anderen. Varenna schlägt uns ein Schnippchen.

Also auf ein Neues. Am späten Abend suchen sich die meisten ein Plätzchen in einem der Lokale am Ufer, wir verschwinden zunächst einmal in den höhergelegenen Gässchen. Wir sind nicht die einzigen, doch zumindest erkennen wir die ersten Einheimischen. Was unsere Anspannung jedoch besonders löst, sind die Aussichten hinunter zum Comer See. Es ist eine Wonne, wie die tief stehende Sonne die ohnehin schon farbenfrohen Fassaden leuchten lässt, während weiter unten die Breva, ein thermischer Wind, die Wellen am Kai brechen lässt.

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Zum ersten Mal Erwähnung fand Varenna bereits im Jahre 469, die lange Geschichte ist in jeder Gasse zu spüren.

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Am Abend taucht die untergehende Sonne Varenna in spektakuläre Farben.

Abgekapselt am Comer See

Bevor auch wir uns einen Tisch am Ufer des Comer Sees zum Abendessen suchen, was sich als schwieriges Unterfangen herausstellen wird, verlieren wir uns weiter in den quirligen Gassen von Varenna. Mal lächelnde, mal angestrengte Kellner hasten durch ihre Etablissements, das Fernsehprogramm des Abends schallt aus dem einen oder anderen Fenster, vor der Kirche Chiesa di San Giorgio diskutieren zwei Pensionäre. Vielleicht reden sie auch einfach nur.

Die Sonne ist kurz davor, hinter den blau schwarzen Hängen über dem Comer See zu verschwinden. Plötzlich spazieren wir an einem Durchgang zum Ufer vorbei, von denen es in Varenna einige gibt. Die Enge der Gassen tauschen wir gegen die Weite der Landschaft, das unfreiwillige Beisammensein mit etlichen Anderen gegen einen Platz nur für uns zwei. Wir sind abgekapselt, und manchmal braucht man das, um die Kostbarkeit eines Ortes zu verinnerlichen.

Eigentlich fehlt ein Glas Rotwein, um diesen Moment abzurunden. Doch beschwipst sind wir von nun an auch so. Beschwipst von Varenna!

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Hin und wieder öffnen sich die Gassen von Varenna in Richtung Ufer des Lago di Como.

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An Orten wie diesen lässt sich die Abendstimmung am Comer See besonders gut einsaugen.

In Kürze: Unser 1 THING TO DO am Comer See

Was? Einen Abend in Varenna verbringen und trotz aller Touristen die Romantik des Comer Sees kennenlernen. Den beschriebenen Durchgang zum Ufer findest du übrigens in der Nähe des Ristorante du Lac.
Wo? Varenna liegt am Ostufer des Lago di Como und ist entweder per Fähre, zum Beispiel ab Como oder Bellagio, oder mit dem Zug erreichbar, zum Beispiel ab Bergamo via Lecco.
Wie viel? An sich: niente. Die Preise in den Restaurants haben gehobenes mitteleuropäisches Niveau.
Warum? Um das Farbenspiel zwischen Himmel, Bergen und Wasser in dir aufzusaugen und den Comer See trotz Touristenansturm in bester Erinnerung zu halten.

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Bötchen an der Mole von Varenna, das ingesamt etwa 700 Einwohner zählt.

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Trotz aller Idylle ist Varenna übrigens verkehrstechnisch gut angebunden und nicht nur per Fähre, sondern auch per Zug erreichbar.

Comer See Reisebericht: Und sonst?

Como: Der Klassiker

Kulturell schlägt Como jede andere Stadt am Comer See, nur der Lago selbst zeigt sich hier – unserer Meinung nach – nicht von seiner allerschönsten Seite. Der mittelalterliche Reichtum der Region zeigt sich insbesondere in der Altstadt, aber auch an den Villen entlang der umgebenden Uferlinien. Gemeinsam mit einem Ausflug nach Brunate locker einen ganzen Tag wert, um alle Sehenswürdigkeiten ausgiebig erkunden zu können.

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Como befindet sich in der schweizerisch-italienischen Metropolregion Tessin und zählt etwa 85.000 Einwohner.

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Die Bauarbeiten für den Dom zu Como begannen Ende des 14. Jahrhunderts, noch heute ist er die markanteste Sehenswürdigkeit der Stadt.

Brunate: Die Ursprüngliche

500 Höhenmeter über Como gelegen, ist die Anreise nach Brunate bereits „part of the deal“: Eine 1894 in Betrieb genommene Standseilbahn ist noch heute in Betrieb und winkt mit einer guten Aussicht auf das sich immer weiter entfernende Como. Oben angekommen, warten neben einigen Ausflugslokalen stille Gassen und eine kurze Wanderung zum Leuchtturm Faro Voltiano. Einen ungetrübten Blick gen Comer See gibt es allerdings nur selten.

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Blick über Como, aufgenommen in der Standseilbahn nach Brunate.

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Brunate lohnt insbesondere einen Ausflug, um eine kurze Wanderung auf den ruhigeren Hügeln am Ufer des Comer Sees zu unternehmen.

Bellagio: Die Vielbesuchte

Das oftmals als schönster Ort am Comer See bezeichnete Bellagio liegt im Zentrum des Lago. Wie so oft vermiesen die Vorschusslorbeeren jedoch jegliche Idylle: Bellagio ist einfach zu beliebt. Zumindest im Sommer. Ein Ausflug mit der Fähre lohnt dennoch, allein schon, um den Comer See einmal von der Wasseroberfläche aus zu erleben.

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Malerisch gelegen, befindet sich Bellagio an der Spitze der Halbinsel, die welche die zwei südlichen Arme des Comer Sees trennt.

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Blick von Bellagio in Richtung Westen: Der Lago di Como ist Italiens drittgrößter See.

Lecco: Die Unterschätzte

Das knapp 50.000 Einwohner zählende Lecco ist unser Geheimfavorit am Comer See. Etwas weniger frequentiert als Como, dabei aber mit einem unserer Meinung deutlich schönerem Panorama in Richtung Norden ausgestattet. Von Lecco aus brachen wir auch in Richtung Monte Resegone auf. Übernachtungstipp: Die Villa del Cigno mit einem sehr, sehr, sehr, sehr leckerem Frühstücksbuffet.

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Direkt hinter Lecco erhebt sich der markante Monte San Martino, davor ragt der Turm der Basilika San Nicolò in die Höhe.

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Hoch über Lecco: Ein Wanderung führte uns von der Seilbahnstation Piani d’Erna hinauf auf den 1.875 Meter hohen Monte Resegone.

Manchmal kommen wir uns ja komisch vor, wenn wir als Touristen über zu viele andere Touristen meckern. Umso besser, dass Varenna es uns am Ende nicht allzu schwer gemacht hat, die anderen Reisenden vor Ort einfach mal auszublenden. Hast du Lust auf etwas mehr Action am Lago di Como? Dann ist vielleicht unser Artikel über das ↠ Wandern am Comer See, genauer gesagt am Monte Resegone bei Lecco, etwas für dich.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Comer See Reisebericht

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2 Gedanken zu “Comer See Reisebericht: Beschwipst in Varenna”

  1. Josefine says:

    Wir waren dieses Jahr zum ersten Mal in Italien am Gardasee. Euer Bericht sagt mir, das nächste mal sind wir an einem anderen See😉

    1. 1 THING TO DO says:

      Der Comer See ist auf jeden Fall nie eine falsche Wahl. 🙂

      Liebe Grüße
      John & Marc

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