Balkan-Reisen: Wie du planst, spontan zu reisen

Auch wenn wir uns selbst auf die Fahne schreiben, möglichst spontan unterwegs zu sein, bereiten wir uns gewissermaßen auf unsere Reisen vor. Nach zwei Balkan-Reisen möchten wir dir einige Tipps mit auf den Weg geben, wie du planst, in der Region spontan zu reisen. Denn wer sich mit kluger Vorbereitung gewisse Freiräume schafft, hat noch immer genügend Platz für unerwartete Abenteuer. Geschrieben von John & Marc.

Balkan-Reisen

Schauplatz beider unserer bisherigen Balkan-Reisen: Der Bahnhof Budapest Keleti.

Rückblick: Unsere ersten Balkan-Reisen

Unsere beiden bisherigen Balkan-Reisen verliefen in entgegengesetzten Richtungen. 2015 schlugen wir uns von Norden nach Süden von Krakau bis nach Thessaloníki durch. 2016 dagegen reisten wir von Ost nach West und starteten dabei in Kiew, um schlussendlich in Dubrovnik die Heimreise anzutreten.

Beide Balkan-Reisen begannen wir mit einer gewissen „Route im Kopf“. Allerdings haben wir uns in beiden Fällen nicht komplett daran gehalten. Während wir 2015 einen ungeplanten Zwischenstopp in Sofia einlegten, landeten wir 2016 plötzlich zum zweiten Mal in Budapest. Im ersten Falle waren wir trotz Slow-Travel-Anspruch zu schnell unterwegs. Im zweiten Falle war der Umweg über Budapest einfach bequemer, als einen ganzen Tag im Zug von Sibiu in Rumänien nach Belgrad zu „verschwenden“.

Balkan-Reisen

Ziel unserer ersten Balkan-Reise war Thessaloníki.

Balkan-Reisen: Die „Route im Kopf“

Wenn du nur ein gewisses Zeitkontingent zur Verfügung hast, ist es sinnvoll, im Vorfeld eine grobe „Route im Kopf“ vorzubereiten. Bei unseren ersten Balkan-Reisen standen uns 18 bzw. 24 Tage zur Verfügung. In beiden Fälle schöpften wir unsere vom Arbeitgeber genehmigten Urlaubstage voll aus. Heißt: Wir reisten zum Beispiel Freitagabend direkt nach Feierabend ab und kehrten am letzten Urlaubstag abends zurück.

Was banal klingt, hilft ungemein, aus der am Ende sowieso zu knappen Zeit möglichst viel Reisezeit herauszuholen. Ungünstige Ab- bzw. Rückreisezeiten lassen dich im schlechtesten Falle zwei Urlaubstage „verlieren“. In unserem Falle bestimmten die Flugzeiten entsprechend auch Start- und Zielort beider Balkan-Reisen. Die Flugverbindungen für Krakau und Thessaloníki bzw. Kiew und Dubrovnik waren einfach die besten.

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In Krakau reisten wir am Freitagabend direkt nach Feierabend an und hatten so genügend zur Entdeckung eines 1 THING TO DOs abseits der gängigen Sehenswürdigkeiten.

Der Realitätscheck

Um nach Ankunft am Startpunkt deiner Balkan-Reise möglichst viel Spontaneität walten lassen zu können, entscheide dich im Zweifel für eine kürzere Strecke. Selbst wenn du am Ende schneller unterwegs bist, ist der Balkan immer noch klein genug, um etwa einen ungeplanten Zwischenstopp einzuschieben, wie wir in Sofia. Außerdem lernst du die Stationen deiner Reise mit jeder Minute mehr besser kennen, was wertvoller ist, als von A nach B zu hetzen.

Um im Vorfeld abschätzen zu können, ob unsere „Route im Kopf“ überhaupt realistisch ist, nutzten wir für beide Balkan-Reisen Rome2rio. Mit dem Webdienst hast du auch in der Balkan-Region Zugriff auf die Fahrpläne und (groben) Preise etlicher regionaler Bus- und Zuglinien. So kannst du besser abschätzen, wie schnell du einzelne Strecken absolvieren kannst. Vielleicht entdeckst du so auch neue Reiseziele, weil Stadt X oder Dorf Y einfacher erreichbar ist.

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Den wunderbaren Bahnhof von Poprad in der Slowakei erreichten wir unter anderem nach zweitägigem Wandern in der Hohen Tatra. Auch eine Möglichkeit, gewisse Strecken zurückzulegen.

Mehr Reisezeit dank Nachtzügen

Mit Rome2rio kannst du auch schauen, welche Strecken du mit einer Nachtverbindung hinter dir lassen kannst. Das spart nicht nur Unterkunftskosten, sondern auch wertvolle Reisezeit! Im Nachtzug absolvierten wir bereits folgende Strecken: Belgrad – Budapest, Budapest – Sofia, Kiew – Odessa, Chișinău – Bukarest. Außerdem wählten wir von Belgrad nach Žabljak im montenegrinischen Durmitor-Gebirge den Nachtbus. Letzteres zeigt, dass auch abgelegenere Regionen über Nachtverbindungen erreichbar sein können.

An einem Ort einzuschlafen und am nächsten aufzuwachen schafft Zeit, die du bei einer Verbindung am Tag sonst in Bus oder Zug verbracht hättest. Unserer Erfahrung nach sind Nachtzüge und -busse außerdem sehr zuverlässig – zumindest was die Abfahrt betrifft. Ob du nun morgens um sechs oder um acht Uhr ankommst, ist am Ende zweitrangig. In beiden Fällen hast du mehr Raum für spontane Abenteuer, als wenn du im Ho(s)tel bis halb elf in der Koje liegst.

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Odessa am Schwarzen Meer erreichten wir mit dem Nachtzug aus Kiew und gönnten uns dabei sogar ein Erste-Klasse-Abteil. War trotzdem günstig.

Balkan-Reisen: Züge und Busse

Die Zeitangaben der auf Rome2rio verlinkten lokalen Bus- und Bahnanbieter sind unserer Erfahrung nach zuverlässig. Diese Feststellung unterliegt jedoch bestimmten Bedingungen. Wenn du zum Beispiel im Januar schaust, ob am Donnerstagabend ein Nachtzug von Belgrad nach Sofia fährt, bedeutet das nicht, dass es diese Verbindung auch im August gibt. Vielerorts gelten saisonale Fahrpläne.

Wer spontan unterwegs ist, weiß zudem im Vorfeld der Reise nicht genau, an welchem Wochentag er oder sie von A nach B reist. Auch dies kann zu Problemen führen, wie unser Beispiel aus Odessa zeigt. Als wir im Bahnhof Tickets für den Zug nach Chișinău kaufen wollten, schaute man uns nur ungläubig an. Da die Angestellten kein Englisch sprachen, erfuhren wir erst über Umwege, dass dieser Zug nur an bestimmten Wochentagen fährt. Anstatt weitere vier Tage in Odessa zu verbringen besorgten wir uns deshalb kurzerhand Fahrkarten für den Minibus am Abend.

Das bedeutet: Fahrkarten immer möglichst frühzeitig besorgen! Im Zweifel solltest du lieber mehrere Angestellte befragen und vor allem am richtigen Schalter stehen. Denn in vielen Bahnhöfen gibt es Extraschalter für internationale Verbindungen.

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Die übersichtliche Anzeigetafel im Bahnhof von Chișinău, von wo aus wir per Nachtzug nach Bukarest reisten.

Flexible Unterkunftssuche

Fehlen nur noch die Unterkünfte. Auf unseren beiden Balkan-Reisen übernachteten wir entweder in Hotels oder Hostels, mieteten ein AirbnB oder suchten uns vorab einen Host via Couchsurfing (siehe auch unsere Couchsurfing Tipps). Um den spontanen Moment deines Trips zu wahren, empfiehlt es sich, auch hierbei gewisse Vorbereitungen zu treffen.

In den meisten Fällen reservieren wir vorab einige Unterkünfte, die wir notfalls kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr stornieren können. Anbieter unserer Wahl hierfür waren bislang Booking.com oder Hostelworld.com. Besonders an beliebten Destinationen kann es teuer werden, wenn du erst vor Ort auf die Suche gehst. Das Ganze bedarf natürlich eines gewissen Koordinationsgeschicks, um alle Stornofristen im Kopf zu behalten, Unterkünfte umzubuchen oder eben notfalls zu canceln.

In Thessaloníki mussten wir aufgrund allzu viel Spontaneität auf ein recht teures Airbnb zurückgreifen. Dagegen kann es dir in dünn besiedelten Gegenden passieren, dass du einerseits keine Unterkunft mehr findest und andererseits auch nicht mehr in den nächst gelegenen Ort gelangst. Im griechischen Vourvourou mussten wir daher kurzerhand am Strand schlafen, was unserer ersten Balkan-Reise allerdings ein weiteres 1 THING TO DO bescherte.

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Sonnenaufgang über Mount Athos: Ohne eine ungeplante Übernachtung am Strand von Vourvourou hätten wir diesen besonderen Reisemoment verpasst.

Mobile Helferlein

Zu guter Letzt möchten wir dir ein paar hilfreiche Apps empfehlen, die dir helfen, auf deinen Balkan-Reisen (und darüber hinaus) möglichst spontan zu reisen.

  • Rome2rioFahrpläne und Preise für unzählige Bus- und Zuganbieter in Südosteuropa.
  • DB NavigatorAuch die App der Deutschen Bahn bietet Orientierung und zeigt Fahrzeiten für viele Strecken in Südosteuropa an. Vor Ort aber unbedingt überprüfen.
  • Booking.comDie App bietet dir eine Übersicht über alle Reservierungen und verweist auf mögliche Stornierungsfristen.
  • Skyscanner: Flugsuchmaschine, mit der du schnell die besten Verbindungen für dein zur Verfügung stehendes Zeitkontingent findest. Tipp: Bei „Zielflughafen“ nicht den Flughafen, sondern ein Land anzugeben. Die Balkanländer sind klein genug, um auch mal außerhalb der Hauptstadt anzukommen.
  • CouchsurfingFür die Unterkunftssuche in letzter Minute – am besten aber ein paar Wochen im voraus, um wirklich einen Host zu finden.
  • WunderlistKompakte Notiz-App, mit der du hilfreiche Verbindungen, Adressen etc. speichern kannst. Geht natürlich auch ganz analog mit einem Notizbuch.

Wir hoffen, dass wir dir mit unseren Tipps aus eigener Erfahrung weiterhelfen konnten! Uns unterstützten sie dabei, trotz begrenzter Urlaubstage auf beiden Balkan-Reisen mehr Freiräume für spontane Entdeckungen zu gewinnen. Mehr über das Reisen auf dem Balkan berichten wir in unserem Artikel über die Nachtzüge zwischen Budapest, Belgrad und Sofia.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

4 thoughts on “Balkan-Reisen: Wie du planst, spontan zu reisen”

  1. Äquilibrist says:

    Danke für die ganzen Tipps, sind gut zu wissen:)
    LG, Monique

    1. 1 THING TO DO says:

      Na aber gerne doch. 🙂 Ganz liebe Grüße!

  2. dorie says:

    Mal wieder ein toller Post, den man aber definitiv auch auf Asien anwenden kann und nicht nur auf den Balkan 🙂
    Liebe Grüße, Dorie
    http://www.thedorie.com

    1. 1 THING TO DO says:

      Japp, wir wollten nur nicht unseren Kompetenzbereich verlassen. 😀 Danke und liebe Grüße!

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