Sowjetgarnison Altes Lager: Wo die Zukunft eine Leiche ist

Erstens kommt es anders, zweitens als man Fläming. Doch es wäre gelogen, dass wir im Fläming so gar keine verlassenen Bauten erwartet hätten. Was uns in der einstigen Sowjetgarnison Altes Lager jedoch widerfuhr, hatten wir so garantiert nicht auf der Liste. Eine Fototour durch einen Ort der Vergangenheit, an dem die Zukunft ausgelöscht zu sein scheint. Geschrieben von Marc.

Sowjetgarnison Altes Lager

Ein zum Tode verdammter Zeitzeuge: Innenleben der Turnhalle am Sportplatz Altes Lager im brandenburgischen Fläming.

Orte ohne Zukunft

Wo der Lack von bunten Wänden bröckelt, schwarze Glasscheiben zerbersten und stachelig brauner Rost längst den letzten Glanz überwuchert hat, zeigt sich der Verfall in all seiner lebendigen Sterblichkeit. Massive Betonschichten verlieren den Kampf gegen die Natur, die sich Riss für Riss, Millimeter für Millimeter ihr Territorium zurückerobert. Ein Kantersieg der Geduld.

Der Reiz sogenannter „Abandoned Places“ liegt in ihrer Vergangenheit – und damit vor allem auch in der Abstinenz von Zukunft und Gegenwart. An jenen einst mit Leben vollgepumpten Orten hat sich längst ein Vakuum ausgebreitet, das erst von ihren neugierigen Neueroberern wieder mit Sauerstoff befüllt wird.

Sowjetgarnison Altes Lager

Der Reiz des Verfallenen schürt die Neugier, hinter die Fassaden von Abandoned Places zu schauen.

Betreten verboten

Auf unserer Fläming-Reise lassen John und ich der Lust am Verfallenen freien Lauf, als wir in Altes Lager in Richtung Flugplatz laufen. Zwischen Treuenbrietzen und Jüterbog brennt die Mittagssonne vom gefährlich blauen Himmel. Wir scheinen weit und breit die einzigen zu sein, die sich hier der sengenden Hitze widersetzen und mit Rucksack bepackt auf Erkundungstour gehen.

Bereits am Bahnhof blieben wir stehen und blickten auf den mit Metallzäunen versperrten Eingang eines riesigen Areals. Darüber strahlte ein dunkelblauer Sowjetstern, während eindeutige Schilder davor warnten, hier Einkehr zu halten. Wir ließen uns einschüchtern und beugten uns. Auf dem weiteren Weg hielt uns eine hohe Steinmauer ohnehin davon ab, das Verbotene zu wagen.

Sowjetgarnison Altes Lager

Versperrter Haupteingang zur Sowjetkaserne am Bahnhof Altes Lager im Fläming.

Sowjetgarnison Altes Lager

Typisches Gebäude auf dem nicht offen zugänglichen Gelände der einstigen Sowjetkaserne.

Sowjetgarnison Altes Lager

Nun aber sind wir an etlichen gelben Bauten vorbeigelaufen, deren Glasscheiben den Namen nicht mehr verdienen. Ihre Zukunft scheint genauso bereits beendet zu sein, wie nun der Maschendrahtzaun rechts von uns. Seine Aufgabe war es, uns weiterhin zu verstehen zu geben, bloß nicht auf böse Gedanken zu kommen. Doch böse Gedanken hatten wir schon längst, und so zögerten wir nicht, als hinter den Baracken ein Tor ganz ohne Warnschild die Einladung aussprach, ins Gelände einzutreten.

Im Schatten der verfallenen Baracken befindet sich der Sportplatz Altes Lager, der seine besten Zeiten ebenso hinter sich hat. Das Spielfeld erinnert an eine Wiese, die mit blass weißen Kreidelinien durchzogen ist. Die Tribüne ist verwaist, am Rande stehen halbfunktionale Sitzbänke für Heim- und Gastmannschaft. Dahinter eine beinahe kolossale Halle im Stile der Garnisonshäuser: gelb, vor sich hinbröckelnd, zukunftslos. Eine Tür hinein steht offen.

Sportplatz Altes Lager

Sportplatz Altes Lager: Das Fußballfeld erinnert heute eher an eine vertrocknete Heide.

Abandoned Future

Die folgenden Bilder zeigen Sportgelände und Turnhalle der ehemaligen Sowjetgarnison in Altes Lager. Bis wenige Jahre nach der Wiedervereinigung lag der Ort inmitten eines militärischen Sperrgebiets. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zog sich hier der letzte deutsche Truppenteil der Wehrmacht zurück, sowjetische Luftstreitkräfte nutzten den nahegelegenen Fliegerhorst fortan bis Kriegsende als Frontflugplatz.

Bis 1994 war hier das 833. sowjetische Jagdfliegerregiment stationiert. Im Inneren der Halle am Sportplatz von Altes Lager laufen wir nun mit Vorsicht über den längst nicht mehr quietschenden Turnhallenboden. Über einem leeren Becken – wahrscheinlich Teil eines Saunabereiches – grüßen glorifizierte, entblößte Sowjetsoldaten. Vergangenheit riechen wir an jeder Ecke. Doch die Zukunft wirkt wie ausgeloschen.

Brandenburg Abandoned Places

Ein kolossaler Säulengang säumt den Eingangsbereich der Turnhalle am Sportplatz Altes Lager.

Brandenburg Abandoned Places

Einzig das satte Gelb der Turnhallenfassade sorgt für einen Hauch von Leben.

Brandenburg Abandoned Places

An schweißtreibende Basketball-Matches ist in der Turnhalle längst nicht mehr zu denken.

Brandenburg Abandoned Places

Die Matches in der Turnhalle sollten scheinbar im olympischen Geiste stattfinden, der jedoch längst verflogen ist.

Brandenburg Abandoned Places

Lust auf eine Kletterpartie? Aufgrund der bröckeligen Substanz nicht zu empfehlen.

Brandenburg Abandoned Places

In der Turnhalle am Sportplatz Altes Lager haben sich diverse Sprayer ausprobiert.

Brandenburg Abandoned Places

Blick aus dem ersten Stockwerk in die Halle – nichts für allzu sensible Gemüter.

Brandenburg Abandoned Places

Sonnenstrahlen quälen sich durch ein verbarrikadiertes Fenster und sorgen für mystische Lichteffekte.

Brandenburg Abandoned Places

Dem Verfall bzw. Rost preisgegeben sind auch die Laternen am Spielfeldrand.

Brandenburg Abandoned Places

Die Gästebank am Sportplatz zeugt heute von wenig Gastfreundschaft.

Sowjetkaserne Altes Lager.

Das Gelände der Sowjetgarnison selbst ist von allen Seiten eingezäunt bzw. eingemauert.

Sportplatz Altes Lager

Abschluss, oder: Ein Abandoned Löwenzahn.

Gehst auch du gerne auf Fototour in verlassenen Orten? Was war bisher dein Highlight? Hinterlasse dein 1 THING TO DO in Sachen Abandoned Places gerne in den Kommentaren. Ein weiterer jener Orte, dessen Zukunft gestorben ist, ist das Blub in Berlin, wo wir ebenfalls auf Erkundungstour gingen. Steht das einstige Spaßbad überhaupt noch? Wissen wir gar nicht so recht. Doch zukunftslos wie die Sowjetgarnison Altes Lager ist es allemal. Weitere Eindrücke unserer Reise zwischen Bad Belzig und Jüterbog findest du in unserem Fläming-Reisebericht.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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