Thessaloniki Reisebericht: Altstadt-Odyssee am Mittelmeer

Unser Thessaloniki Reisebericht begibt sich auf die Suche nach der Altstadt der Mittelmeermetropole. Denn Griechenlands Nummer zwei bietet zwar eine ewige Küstenpromenade, hippe Ausgehviertel und bunte Märkte. Die Altstadt von Thessaloniki jedoch besuchen nur wenige, obgleich sie einen besuch unbedingt lohnt. Nur: Wo befindet sie sich eigentlich? Geschrieben von Marc.

Thessaloniki Reisebericht

In unserem Thessaloniki Reisebericht begeben wir uns auf Suche nach der Altstadt der Mittelmeerstadt.

Überblick: Thessaloniki Reiseberichte

Von Deutschland aus ist Thessaloniki per Billigflieger in etwas mehr als zwei Stunden schnell erreicht und verspricht eine gelassene Atmosphäre zwischen Großstadt und den katzensprung-fernen Traumstränden der Halbinsel Chalkidikí. Kein Wunder, dass man in letzter Zeit so einiges über die Stadt am Thermaischen Golf lesen konnte.

Annika von den Travelettes etwa nahm uns mit auf einen ausgiebigen Strandrundgang mit allerhand kulinarischen Highlights. So richtig gesellig wurde es schließlich auf Elkes Meerblog, dessen Thessaloniki-Artikel die Stimmung der Mittelmeerstadt direkt nach Hause ins Wohnzimmer bringt.

Thessaloniki Reisebericht

Einen Strand bietet die Stadt nicht, aber dafür gibt es ja die Chalkidikí. Ziel unseres Thessaloniki Reiseberichts ist jedoch die Altstadt der Hafenstadt.

Schlechte Vorzeichen

Für genügend Inspiration in Hinblick auf die mit 325.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Griechenlands ist also gesorgt. Allerdings wir haben aber bekanntermaßen schon die eine oder andere Enttäuschung hinter uns, was allzu vielversprechende Reiseberichte betrifft. Auch unser dreitägiger Ausflug nach Thessaloniki schien zunächst unter keinem guten Stern zu stehen.

John hatte sich auf wundersame Weise bei Dauertemperaturen über 30 Grad irgendwo im mazedonischen Mavrovo-Nationalpark eine fiese Erkältung zugelegt. Bei unserer Ankunft in Thessaloniki steckten wir im stickig-lauten Verkehrschaos fest. Zudem wurde die Stadt im Vorfeld der griechischen Parlamentswahlen von etlichen Demonstrationen gehörig auf den Kopf gestellt.

Reisebericht Thessaloniki

Mancherorts erinnern Plakate und Aufrufe an die politischen wie sozialen Auswirkungen der Eurokrise.

Thessaloniki: Stadt zum Leben

Aufgrund der Schnupfnase von John war allerdings an etwaige Feierstimmung in Ausgehvierteln wie Ladádika, einem ursprünglichen Handelsviertel direkt am Mittelmeer, nicht zu denken. Unseren ersten Eindruck verschafften wir uns daher erst am darauffolgenden Tag.

Schnell wurde klar: Thessaloniki ist weniger eine Stadt für einen Sightseeing-Trip, sondern vielmehr eine Stadt zum Leben. In den Erdgeschossen der charakteristischen weißen Gebäude mit ihren dunklen Balkongittern reiht sich Café an Café. Man redet hier viel, trifft sich mit Freunden und stößt zu gegebenem oder nicht-gegebenem Anlass mit einen Glas Ouzo an.

Thessaloniki Reisebericht

Typisch für Neu- und Altstadt von Thessaloniki sind die weißen Neubauten mit ihren Gitterbalkonen, teils liebevoll dekoriert.

Thessaloniki Reisebericht

Immer wieder trifft man in Thessaloniki auf wirklich schöne Street-Art-Stücke.

Money, Money, Money!

Kurz gefasst: Thessaloniki ist ein Ort zum Geld ausgeben, denn natürlich hat all diese Geselligkeit ihren Preis. In unserem Falle war dieser Preis etwas zu hoch, schließlich war dies die letzte Station unseres Balkan-Trips und das Budget trotz äußerst günstiger Städte wie Belgrad, Sofia oder Skopje ausgereizt. Eines Abends reichte es daher nur zu zwei Tellern Nudeln mit Tomatensoße in unserer Unterkunft. Und zwar ohne Salz. Mmmh. Lecker.

Nachdem wir aus monetären Gründen von einer der Hauptattraktionen Thessalonikis ausgeschlossen waren, dem Kulinarischen nämlich, machten wir uns also auf den Weg, ein paar alternative Höhepunkte der Stadt aufzuspüren. Da unser kurz angebundener airbnb-Gastgeber zur Begrüßung vor allem von der Altstadt von Thessaloniki geschwärmt hatte, war unser Ziel klar. Schwierig nur, dass er uns nicht verraten hatte, wo sich die Altstadt von Thessaloniki genau befindet.

Thessaloniki Reisebericht

Pulsierendes Herz der Stadt ist der zentrale Aristoteles-Platz. Unser Thessaloniki Reisebericht startet nun jedoch zur großen Altstadt-Odyssee.

Thessaloniki Altstadt, zum Ersten

Unsere Suche nach der Altstadt sollte bei Weitem länger dauern als erwartet. Erstes Ziel in unserem Thessaloniki Reisebericht: Der berühmte Weiße Turm, 34 Meter hoch und Wahrzeichen der Stadt. Die Logik: Turm, alt, historisch – ziemlich prädestiniert somit als Zentrum einer Altstadt, nicht wahr?

Pustekuchen! Ziemlich isoliert steht er da, der Weiße Turm. Janz schnieke sicherlich an der Uferpromenade mit Blick auf die gesamte Küstenlinie, aber drum herum nur eine Parkanlage und die üblichen hellen Neubauten, wie sie bislang das gesamte Stadtbild dominierten.

Weißer Turm Thessaloniki

Thessalonikis Wahrzeichen: Der Weiße Turm diente in seiner Geschichte als Befestigungsanlage, Garnison und Gefängnis. Heute beherbergt er ein Museum.

Thessaloniki Altstadt, zum Zweiten

Wir wären natürlich nicht John und Marc, würden wir uns von diesem Anti-Erlebnis beirren lassen. Und erst recht lassen wir uns nicht von kilometerweiten Stadtspaziergängen abschrecken. Es ging also weiter in Richtung Aristoteles-Platz, seinerseits zweifelsfrei das Herz von Thessaloniki.

Die Logik diesmal: Die umgebenden Märkte und Gassen MÜSSEN doch quasi die Altstadt dieser griechischen Klein-Metropole sein. Einzig: Erneut dominieren hier die Neubauten. Die Märkte Modiano und Kapani sind sicherlich ganz schick, ihre Gassen malerisch-verträumt. Und doch können beide vom Ambiente her nicht mit den Markthallen etwa von Barcelona mithalten. Unser Besuch lohnte, und doch hieß es noch einmal: weitersuchen. Denn auch dies war nicht die ersehnte Altstadt von Thessaloniki.

Kapani Markt Thessaloniki

Griechisches Stereotyp: Ein Stand auf dem Kapani-Markt verkauft etliche Olivensorten.

Kapani Markt Thessaloniki

Genauso wenig fehlen dürfen natürlich würzig-aromatische Kräuter…

Kapani Markt Thessaloniki

… wie auch ein breites Angebot bunter Bohnen. Da ist garantiert für jeden Geschmack etwas dabei. 😉

Thessaloniki Altstadt, zum Dritten

Aller guten Dinge sind drei, dachten wir uns, und bedienten uns einer hoffentlich letzten Logik: Immer wieder trifft man in Thessaloniki nicht nur auf kleine Kirchen und Kapellen inmitten der charakteristischen Neubau-Architektur, sondern auch auf antike Ausgrabungstätten. Antike! Mauerreste! Fundamente! Dort irgendwo muss sie doch sein, diese verdammte Altstadt.

Einige der antiken Sehenswürdigkeiten passierten wir in der Fußgänger-Zone Dimitriou Gounari, die mit dem Galerius-Bogen und der Rotunda-Kirche abschließt, die zum Weltkulturerbe der frühchristlichen und byzantinischen Bauten in Thessaloniki gehört. Auffällig jedoch: Typisch Thessaloniki ist auch, dass diese archäologischen Stätten in größtmöglichem Kontrast von modernem Stadtleben umgeben sind. 

Plateia Navarinou Thessaloniki

Ausgrabungsstätte an der Plateia Navarinou umgeben von typischen Neubauten im Stadtzentrum von Thessaloniki.

Ekklisia Panagia Dexia

Auch auf kleine Kirchen trifft man während des Stadtspaziergangs immer wieder, wie hier die Ekklisia Panagia Dexia.

Thessaloniki Altstadt – ja, wo denn?!

Heißt: Wieder keine Altstadt, und wieder war ein Tag vergangen, ohne dass wir mit Thessaloniki so richtig warm wurden. Und natürlich auch ohne 1 THING TO DO. Da unser Flug zurück nach Berlin jedoch erst am folgenden Nachmittag datiert war, blieb uns immerhin noch ein Vormittag für eine allerletzte Erkundungsstour. Die Altstadt von Thessaloniki musste ja schließlich irgendwo noch zu finden sein.

Durch seine Erkältung geschwächt muss mich John an jenem Vormittag ziemlich gehasst haben. Entgegen des ohnehin schon anstrengenden Marschs am Vortag führte uns dieser Spaziergang auch noch hoch hinaus in die Oberstadt von Thessaloniki, auf Griechisch Ano Póli.

Ano Poli Thessaloniki

Auf dem Weg nach Ano Póli gilt es den einen oder anderen Höhenmeter zurückzulegen.

Ano Poli Thessaloniki

Freunde malerischer Straßenzüge mit feinen Details kommen im fast schon dörflichen Ano Póli auf ihre Kosten.

Ano Póli: Apokalyptisches Relikt

Je höher wir die teils ziemlich steilen Gassen hinauf kraxelten, desto stärker unterschied sich dieser Teil vom Rest Thessalonikis, wie es sich uns bisher präsentierte. Bunte Fassaden in Gelb, Blau oder Rosa statt uniformen Weiß, Dachterrassen mit rustikalen Holzbalken statt Gitterbalkonen – und natürlich: Ein sagenhafter Blick auf das im Sonnenlicht funkelnde Mittelmeer, das immer wieder durch die Gassen blinzelte.

Dass der Stadtteil Ano Póli einen derartigen Kontrast zum Thessaloniki unten am Meer bildet, hat einen so banalen wie apokalyptischen Grund: 1917 zerstörte ein Großbrand beinahe das gesamte untere Stadtzentrum. Thessaloniki war zuvor jahrhundertelang Teil des Osmanischen Reiches, wobei die türkische Bevölkerung überwiegend in der oberen Stadt wohnte, während Griechen und Juden in den betroffenen unterhalb gelegenen Vierteln lebten.

Ano Poli Thessaloniki

Hoch oben thront Ano Póli mit schweifendem Panorama über die tiefer gelegene Kernstadt von Thessaloniki.

Ano Poli Thessaloniki

Rosafarbene Fassaden unter blauem Himmel: Endlich hatten wir die gelobte Altstadt von Thessaloniki erreicht.

Ano Póli: Liebe zum Detail

So kam es, dass sich in Ano Póli hoch über dem restlichen Thessaloniki ein historischer Kern erhalten hat, der dem Begriff Altstadt vollends gerecht wird. Es ist eine Muse, durch die verlassenen Kopfsteinpflaster-Gassen zu schlendern, wobei die häufigsten Begleiterinnen die Katzen der Bewohner sind.

Immer wieder fallen liebevolle Details ins Auge, mit denen die Menschen ihrem Stadtteil mit einfachsten Mitteln seine so malerische Note verleihen. Ein roter selbst getöpferter Blumenkübel hier, eine himmelblaue Eingangstüre da, strahlend weiße Stufen hinauf zu einer durch und durch begrünten Terrasse: Quasi hinter jeder Ecke warten in der wahrhaftigen Altstadt von Thessaloniki neue Einblicke, Überraschungen, alltägliche Anekdoten, die den Bummel durch Ano Póli vor allem auch zu einem machten: Nämlich zu unserem allerletzten 1 THING TO DO auf unserer Reise von Krakau nach Thessaloniki.

Ano Poli Thessaloniki

In den Gassen von Ano Póli trifft man immer wieder auf liebevolle Details, gerne auch mal in Form von Street Art.

Ano Poli Thessaloniki

Wie ein kleines Labyrinth ziehen sich die Gassen durch Ano Póli und offenbaren immer wieder kleine Geheimnisse des Alltags. Mit diesem Foto endet unser Thessaloniki Reisebericht – und endlich wurden wir fündig…

In Kürze: Unser 1 THING TO DO in Thessaloniki

Was? Ein Spaziergang durch die Obere Stadt Ano Póli, der Altstadt von Thessaloniki.
Wo? Vom Romanischen Forum in der Innenstadt aus mit dem Meer im Rücken immer gerade aus halten. Außerdem fahren die Busse 22 und 23 durch Ano Póli.
Wie viel? Der Bummel ist kostenlos, in Ano Póli lohnt jedoch sicherlich auch der Besuch einer traditionellen Taverne.
Wieso? Um ein völlig anderes Thessaloniki zu entdecken.

Mit unseren Thessaloniki Reisebericht kommt die Berichterstattung zu unserem ersten Balkantrip zu einem Ende. In unserer Reisebericht-Übersicht findest du viele weitere Reisegeschichten von 1 THING TO DO – von Athen bis Zemun. Mehr aus Thessaloniki findest du außerdem in unserer Bildergalerie aus der Mittelmeerstadt.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

9 thoughts on “Thessaloniki Reisebericht: Altstadt-Odyssee am Mittelmeer”

  1. desideropacem says:

    Da muss ich auch noch hin! !

  2. family4travel says:

    Hahaha, wir haben eure Altstadt-Odyssee in genau dieser Reihenfolge auch gemacht! 🙂 Nur dass es bei uns (im Februar) zusätzlich auch noch aus Kübeln goss, als wir sie endlich gefunden hatten… Als second thing to do kann ich noch das archäologische und das byzantinische Museum empfehlen.

    1. 1 THING TO DO says:

      Das ist ja ein witziger Zufall! 😀 Liebe Grüße!

  3. Paleica says:

    die obere stadt gefällt mir ehrlicherweise weeeeit besser als alles andere 🙂

    1. 1 THING TO DO says:

      Nicht nur dir! 🙂

  4. andreamaluga says:

    ohne salz, alter weißer turm ohne altstadt drumrum und von der muse geküsst… da muss ich mal hin!
    ich mag eure berichte! vielen dank für die schönen, bunten fotos mitten im deutschen nebeldezember 😉 geruhsame adventszeit, ihr weltenbummler

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke und dir natürlich auch! 🙂

  5. Superlapse says:

    Toller Bericht, der nur von den noch tolleren Bildern übertroffen wird!

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