Israel im Winter: Mit Handschuhen in die Wüste

Israel im Winter, das bedeutet Reisen irgendwo zwischen Frühling, Sommer und Herbst. Denn obwohl das Land klein ist, hatten wir vor Ort mit Temperaturunterschieden von gut und gerne 20 Grad Celsius zu kämpfen. Wieso wir Israel dennoch wärmstens als Winterreiseziel im Rahmen der Blogparade von Before We Die empfehlen, verraten wir in diesem Artikel. Zwo, drei, eins – Frühlingsgefühle marsch! Geschrieben von John & Marc.

Israel im Winter

Anfang Januar, Winter in Israel: Am Toten Meer bedeutete dies Temperaturen über 20 Grad am frühen Morgen.

Israel im tiefsten Winter

„Einen so kalten Winter hatten wir hier lange nicht mehr“, erzählte uns eine ältere Dame auf Deutsch, als wir in der Sheinkin-Straße gerade einen Teller Tscholent verdrückten. Etwas verdutzt schauten wir beide uns an, denn vom Winter, wie wir ihn kennen, hatten wir in Tel Aviv bislang nichts mitbekommen. Ganz im Gegenteil: Als wir in den frühen Abendstunden am Flughafen ankamen, genügte uns ein Pulli. Frühling lag in der Luft.

Unsere Gesprächspartnerin bezog sich jedoch auf die in diesem Winter vergleichsweise vielen Regentage hier an der Mittelmeerküste von Tel Aviv. In der Tat war der Tag von Nieselregenschauern geprägt. Doch sobald sich die Sonne wieder zeigte, hätten wir die Jacke am liebsten irgendwo auf der Straße liegen gelassen, so heiß brannte sie vom Himmel.

Israel im Winter

Tel Avivs urbanes Szeneviertel Neve Tzedek an einem wolkenverhangenen Tag.

Israel im Winter Tel Aviv

Blick auf Tel Avivs Skyline vom Stadtteil Jaffa aus gesehen – hier vollenden die Wolken geradezu das Bild.

Die berühmte Zwiebeltaktik

Wer Israel im Winter bereist, sollte also klug packen. Von nassen vier Grad in der Jerusalemer Nacht bis zu sommerlichen 23 Grad am Toten Meer schwankten wir zwischen Frühling, Sommer und Herbst umher, nur vom deutschen Winter war eben keine Spur. Dabei gilt zu beachten, dass es an der Küste und im Süden des Landes in der Regel wärmer ist, als in der hügeligen Umgebung von Jerusalem. Dort machten wir schon im Spätsommer die Erfahrung, dass es trotz 30 Grad Celsius am Tag nach Sonnenuntergang merklich abkühlt.

Unser Trick für Israel im Winter ist der bewährte Zwiebellook. Wenn die Sonne lachte, reichte uns ein Pulli. Die Jacke baumelte stets griffbereit an unseren Rucksäcken, falls die Wolken einmal überhand nahmen. An kälteren Tagen kam unter Pulli und Jacke noch ein T-Shirt. Und in den kühlen Nächten half entweder ein Paar Handschuhe oder eine Mütze aus.

 

 

Good morning from Tel Aviv! 💙

Ein von 1 THING TO DO (@1thingtodo) gepostetes Video am

 

Ein bisschen Badespaß

Angesichts dieser wechselhaften Wetterlage gelang es uns leider nicht, einen Sprung ins rund 19 Grad kalte Mittelmeer zu wagen. Ohnehin trifft man etwa am Strand von Jaffa im Winter fast nur Surfer an. Während die Strände von Tel Aviv im Sommer wie das pulsierende Zentrum der Stadt wirken, geht es hier in der kalten Jahreszeit ruhig und gemächlich zu.

Anders am Toten Meer, wo wir in Ein Bokek tatsächlich zum berühmten Schwebeschwimmen ansetzten. Die Wassertemperaturen waren hier kaum höher, doch der fehlende Wind erleichterte zarten Seelen wie uns den Einstieg. Unsere Taktik: Erst vorsichtig befeuchten und anschließend langsam mit dem Rücken auf die Wasseroberfläche legen. Was etwas peinlich anmutete, fand in Windeseile einige Nachahmer, sodass wir bald nicht mehr die einzigen Schwebeschwimmer waren.

Israel im Winter Totes Meer

Anfang Januar war das Tote Meer vor Ein Bokek um die 20 Grad warm. Links im Bild: Salzklippen im Miniaturformat.

Raus in die Natur

Nicht nur am Toten Meer kann man Israel im Winter ohne Probleme draußen in der Natur erleben. Durch die Regenfälle sind gerade der Norden des Landes sowie die Küstengebiete grüner als im Sommer. Ein Barfußspaziergang am Mittelmeer sorgt auch im Januar für warme Herzen – genauso wie ein Nickerchen am Strand, bei dem man allerdings die Sonnencreme auf keinen Fall vergessen sollte. Wir sprechen aus Erfahrung.

Wer gerne wandert, kann zu jeglichem Abenteuer problemlos schon in den kühlen Morgenstunden starten. Durch die Bewegung kommt man ohnehin ins Schwitzen – und wieder wird die Jacke dann für kurze Zeit zum lästigen Übergepäck. In der Wüste Juda etwa begannen wir (wie viel zu viele Gleichgesinnte…) um halb sechs am Morgen unseren Aufstieg auf den Tempelberg von Masada. Sobald die Sonne über dem Toten Meer aufging, trat der Sommer zum winterlichem Stelldichein an.

Israel im Winter Masada

Blick vom Tempelberg von Masada auf die Tiefebene am Ufer des Toten Meeres – 428 Meter unter dem Meeresspiegel.

Alternativen an Regentagen

Natürlich kann Israel im Winter auch anders aussehen. Auf unserem Rückflug lernten wir eine Gruppe junger Frauen kennen, die die biblischen Stätten im Westjordanland bereisten und fast nur Regentage erwischten. Obwohl wir zur selben Zeit im gleichen (kleinen!) Land waren, erlebten wir scheinbar komplett verschiedene Witterungen.

Doch selbst wer so richtig Pech hat, findet in Israel genügend Möglichkeiten vor, um geschützt vor jedem Regenschauer in die Kulturen der Regionen einzutauchen. In Jerusalem besuchten wir die Internationale Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem. Auch das Israel Museum wurde uns wärmstens empfohlen. Neben zahlreichen Museen und historischen Anlagen findet man nicht zuletzt Unterschlupf in gemütlichen Restaurants und Cafés, um in die koschere, orientalische oder süße Küche des Landes einzutauchen.

Israel im Winter Yad Vashem

Das Museum zur Geschichte des Holocaust (Yad Vashem) ist in einem charakteristischen dreieckigen Bau über den Dächern Jerusalems untergebracht. Für einen Besuch sollte man mindestens einen halben Tag einplanen.

Israel im Winter

Fatousch auf dem Mahane Yehuda Markt in Jerusalem: Den intensiv (!) zitronigen Geschmack des libanesischen Salats haben unsere Geschmacksnerven auf ewig gespeichert.

Chanukka und Weihnachten

Zu guter Letzt spricht noch ein weiterer Grund für eine Reise nach Israel im Winter, nämlich Chanukka, das an acht Tagen (in der Regel) im Dezember begangen wird. Dem jüdischen Lichterfest begegneten wir auf unserer Silvesterreise immer wieder. In Jaffa zum Beispiel zündete eine Barkellnerin nach Einbruch der Dunkelheit eine der acht Kerzen an. In fast allen Bäckereien und Backshops werden außerdem die typischen Sufganiyot angeboten, die den Berliner Pfannkuchen ähneln.

Etwas kurios kommt dagegen der teils kitschige Weihnachtsschmuck daher, dem wir vor allem in Haifa begegneten. Noch im Januar hatten hier ganze Läden geöffnet, die Lichterketten und allerlei Weihnachtsschnickschnack verkauften. Einige Obstbäume waren festlich mit bunten Kugeln geschmückt, und von manchem Balkon grüßte Santa Claus. Es ist auch dieses Aufeinandertreffen der Kulturen, das eine Reise nach Israel im Winter zu etwas ganz Besonderem macht.

Israel im Winter Weihnachten

Nächtliche Weihnachtsdeko im Christlichen Viertel in der Altstadt von Jerusalem.

Mehr über unsere Winterreise nach Israel erfährst du in unserem Artikel über Silvester in Tel Aviv. Wenn du beim Lesen etwas Fernweh bekommen hast, empfehlen wir dir übrigens, möglichst frühzeitig deine Flüge nach Israel zu buchen. Die Preise für Frühbucher (etwa ein halbes Jahr vor Abflug) liegen zum Beispiel ab Berlin bei oft nur etwa 150 Euro und steigen mit der Zeit gerne einmal auf locker das Doppelte an.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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