Wandern im Olymp: Beim Zeus!

Der Olymp galt im antiken Griechenland als Berg der Götter. Zwölf an der Zahl sollen dort oben einst gehaust haben, gemeinsam mit ihren Abkömmlingen und Dienern. Wer die rund 2.900 Meter einmal selbst erwandert, beseitigt letzte Zweifel: In dieser unwirklichen Szenerie überlebt nicht einmal Zeus. Aber ob ein wenig göttlicher Beistand beim Wandern im Olymp nicht vielleicht doch von Vorteil ist? Du wirst es erfahren. Geschrieben von Marc.

Wandern Olymp

Sonnenaufgang am zweiten Tag meiner Wanderung zum Skala-Gipfel im Olymp.

Wandern im Olymp: Enipéas-Schlucht

Den ersten Teil der Wanderung im Olymp habe ich hinter mir, als ich auf 2.082 Metern Höhe in der Hütte Spílios Agapitós ankomme. 1.350 Höhenmeter liegen zwischen dem Startpunkt in der Kleinstadt Litóchoro, typisch griechisch und unweit der Olympischen Riviera gelegen, und „Refuge A“, wie die professionell bewirtschaftete Schutzhütte mit Restaurant und Schlafmöglichkeiten auf mancher Wanderkarte auch heißt.

Eigentlich stecken mir noch deutlich mehr Höhenmeter in den Knochen. Ständig führte mich der gut markierte Wanderweg (E4) bergauf und wieder bergab. Konsequent an Höhe gewann ich erst ab Priónia, wo ein einfaches Restaurant Wanderer bewirtet. Gestärkt von griechischem Salat und einer kühlen Cola lief ich zunächst durch Laubwald, der so langsam in herbstlichen Farben erstrahlte, später durch immer lichter werdenden Nadelwald. Refuge A zeigte sich mir erst im letzten Moment der Wanderung. Für die 20 Kilometer ab Litóchoro brauchte ich etwa neun Stunden.

Wandern Olymp

Die Wanderung im Olymp begann unweit der Mittelmeerküste Ende der Enípeas-Schlucht bei Litóchoro.

Wandern Olymp

Am Ortsausgang von Litóchoro sind die markanten Gipfel des Olymp noch circa 30 Kilometer entfernt.

Wandern Olymp

Beim Wandern in der Enípeas-Schlucht gilt es den gleichnamigen Fluss sieben Mal auf Brücken zu überqueren.

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Mitte Oktober mischte sich bereits der eine oder andere Herbstton in die Vegetation.

Zwischenstopp Refuge A

Wanderer hatte ich auf dem Weg bislang nur wenige getroffen. In der Enípeas-Schlucht besuchte eine Familie eine kleine Höhlenkirche. Rund um Priónia waren deutlich mehr Tagesausflügler unterwegs, sie reisten mit dem Auto über eine asphaltierte Straße an, schauten sich zumeist den Enípeas-Wasserfall sowie ein nahegelegenes Kloster an und liefen einmal kurz in die Schlucht hinunter. Zu den Gipfeln des Olymp wollten die wenigsten, so dachte ich. Die Berghütte würde ich heute fast für mich alleine haben.

Erschöpft betrete ich Refuge A und setze meinen Rucksack ab. Am rustikalen Empfangstresen frage ich nach einem Bett für die Nacht. Sie entgegnet, ob denn ich eine Reservierung hätte. Doch ich habe keine: Ich ging davon aus, dass das in Nebensaison nicht nötig ist, außerdem war ich auf dem Wanderweg zur Hütte ja fast alleine unterwegs. „Das ist schlecht“, sagt sie, „ich habe nicht mal mehr eine freie Notmatratze“.

Wandern Olymp

Von Priónia aus führt der Europäische Fernwanderweg E4 zunächst über Treppe in Richtung Refuge A.

Wandern Olymp

Zum Ende der ersten Wanderung gen Olymp gilt es ein relativ steiles Stück zurückzulegen, auf dem Bild bis zur „grünen Kante“.

Beim Zeus!

Das kommt unerwartet. Wo kommen all diese Wanderer her? Woher bitte? Und was soll ich tun? Was bitte? Umkehren könnte ich noch immer. Zumindest nach Priónia, wo noch ein paar Tagesausflüger zurück nach Litóchoro fahren könnten. Doch was, wenn nicht? Und überhaupt: Das soll es gewesen sein? Ich bin hier, um den Olymp zu besteigen! Ich bleibe hartnäckig. Irgendwo werde ich doch schlafen können! Und wenn es eine knochige Holzbank ist!

Siehe da: Es gibt eine Warteliste. Kann ja sein, dass der eine oder die andere mit Reservierung gar nicht mehr auftaucht. Wissen werde ich das aber erst um 22 Uhr, solange muss ich ausharren. Und wenn es dann keine freie Matratze gibt? Nun, diese Frage wird mir nicht so richtig beantwortet.

Wandern Olymp

Abendstimmung an der Schutzhütte „Refuge A“, wo der erste Teil meiner Wanderung im Olymp sein Ende fand.

Wandern Olymp

Blick zurück auf den letzten, recht anstrengenden Teil der Wanderung ab Litóchoro.

Warten auf die Warteliste

22 Uhr, das klingt aus der Ferne nicht wirklich spät. Doch vielleicht weißt du aus eigener Erfahrung, wie sehr man sich nach anstrengender Wanderung darauf freut, nach Sonnenuntergang einfach nur ins Bett zu gehen. Okay, ein Bierchen und ein Absacker noch, aber dann wird es höchste Zeit! Vor allem jetzt im Oktober, wenn die Sonne viel zu früh vom Himmel verschwindet. Vor allem hier auf über 2.000 Metern, wo die Winde im Herbst auffrischen und die Temperaturen mitunter gen Gefrierpunkt drücken.

Fünf Stunden vergehen, in denen ich drei mal zu Abend esse, unnötig Snacks kaufe, Bilder bearbeite und zwei Bierchen trinke. In denen ich hin und her laufe und mir bereits ein illegales Notquartier für die Nacht ausschaue, eine unbequeme Holzbank außer Sichtweite in einer Nebenhütte. Doof nur, dass ich schon vor Sonnenuntergang friere. Ich habe lediglich einen Seidenschlafsack dabei, meine Kleidung ist auf griechischen Herbst ausgelegt, also auf deutschen Sommer. Vielleicht wäre es doch ganz toll, drüben im beheizten Gasthaus zu schlafen…

Wandern Olymp

Im Hintergrund grüßen die Gipfel, die von Refuge A aus bereits zum Greifen nahe scheinen.

Wandern Olymp

Während meiner Wartezeit auf Refuge A versuchte ich, es mir auf den Holzbänken im Nebenhaus gemütlich zu machen.

Schlummerzeit

Es ist 22 Uhr. Die meisten, die ein Bett abbekommen haben, haben sich bereits in ihre Zimmer zurückgezogen. Wie kuschlig warm sie es haben müssen! Die beiden Aufenthaltsräume werden geräumt, Matratzen und Schlafsäcke aus dem Dachboden heruntergereicht. Nach und nach wird die Warteliste abgearbeitet.Ich sitze im Flur auf einem wackeligen Holzklotz und beobachte das Treiben. Langsam wird mir bange. Immer weniger Matratzen sind frei. Inzwischen sind es nur noch drei. Irgendwann schallt es aus dem Nebenzimmer zu mir hinüber: „Marc!“

Selten habe ich mich so darüber gefreut, dass jemand meinen Namen ruft! Ich habe Glück, sogar ein Schlafsack ist noch übrig. Schnell wird es ruhig im Zimmer. Alle haben das Warten satt. Endlich bekomme ich meinen Schlaf. Matratze statt Holzbank. Glück gehabt.

Wandern Olymp

Na bitte! Nachdem des Warten ein Ende hatte, durfte ich die Nacht doch noch auf einer Matratze verbringen.

Wandern Olymp

Der zweite Tag meiner Wanderung im Olymp begann früh, die Sonne versteckte sich noch hinter dem Horizont.

Wandern im Olymp: Tag zwei

Gegen sechs Uhr klingelt mein Wecker. Wir schlafen im Aufenthaltsraum, die ersten Wanderer wollen hier bald frühstücken. Kein Problem für mich, ich wollte ohnehin zum Sonnenaufgang aufstehen. Nach einem schnellen Frühstück mache ich mich auf zum zweiten Teil der Wanderung, der mich zum 2.866 Meter hohen Skala-Gipfel führen soll. Ich bin der erste, der sich auf den Weg macht. Natürlich. Wieder sollte ich kaum eine Menschenseele entlang der diesmal nur vier Kilometer langen Strecke sehen, auf der ich nochmals 800 Höhenmeter zurücklege.

Es dauert eine Weile, bis die ersten Sonnenstrahlen meinen Körper aufwärmen. Doch während ich noch auf sie warte, tauchen sie den Olymp rechts von mir in ein sattes Rotorange. Vier, fünf Minuten dauert das Schauspiel nur. In diesem Moment kann ich verstehen, weshalb diesen Gipfel in der Antike nachgesagt wurde, Heimat der Götter zu sein. Als ich die Baumgrenze hinter mir lasse, hüllt die Sonne das Gestein längst wieder ins gewohnte Grau.

Wandern Olymp

Als die Sonne über der Enípeas-Schlucht emporstieg, färbte sich der Olymp für kurze Zeit rotorange.

Wandern Olymp

Erste Sonnenstrahlen sorgen für den ersehnten Wärmeschub, im Hintergrund grüßen Enípeas-Schlucht und Ägäis.

Skala-Gipfel: Die Ägäis zu Füßen

Die Wanderung von Refuge A zum Skala-Gipfel ist erstaunlich einfach, zumindest gemessen an unseren Abenteuern im Kaukasus im Vorjahr. Der Weg ist nicht zu verfehlen, und wenn es bergauf geht, dann überwiegend in gerade Linie, vor allem nachdem ich auf das letzte Stück der Strecke einbiege. Knapp 400 Höhenmeter sind es von hier aus noch. Ich bin unterwegs auf Schottergestein, umgeben von einer unwirklich kargen Landschaft aus Bergen, die sanfte Wellen schlagen statt kantige Ecken.

Nach knapp zwei Stunden erreiche ich als zweiter an diesem Tag den Skala, ein Koreaner hatte mit mir einen unausgesprochenen Kampf geführt. Ich ließ ihn ziehen, denn der permanente Höhengewinn ließ mich irgendwann gemütlicher laufen. In insgesamt elf Stunden habe ich 2.500 Höhenmeter zurückgelegt, blicke nun zurück auf Enípeas-Schlucht und Olympische Riviera. In der Ferne erahne ich die sogar Halbinsel Chalkidikí, über der sich an diesem Morgen die Wolken stauen.

Wandern Olymp

Der Skala-Gipfel rückt langsam näher: Die letzten Meter zu einem der Gipfel im Olymp zogen sich allerdings ziemlich hin.

Wandern Olymp

Hier sollen einst Götter gehaust haben? Nun gut, überirdische Kräfte sind zum ganzjährigen Überleben in dieser Umgebung sicherlich von Vorteil.

Wandern Olymp

Blick vom Skala auf den gegenüberliegenden Mytikas, dem höchsten Gipfel im Olymp.

Wandern Olymp

Aus der Höhe besonders gut erkennbar, wie sich die Enípeas-Schlucht ihren Weg gen Mittelmeer bahnt.

Wieder was geschafft

Die Wanderung im Olymp ist meine erste im Hochgebirge, die ich alleine antrat. Niemand zum Späßchen machen, zum Rumflachsen oder schweigenden Beisammensein. Ja, ich habe eine Neigung zu Selbstgespräch und Selbstmusizieren entwickelt. Besonders in der Schutzhütte hätte ich gerne ein vertrautes Gesicht bei mir gehabt, um die Wartezeit zu versüßen. Aber für mich selbst lerne ich, dass ich Abenteuer wie diese auch alleine durchstehen kann, auch wenn es mal zwickt oder ein paar Meter zu lange stur bergauf geht. Ich pack das! Ganz ohne Götterhilfe.

Die Wanderung auf den höchsten Gipfel im Olymp, den mit 2.918 Metern etwas höheren Mytikas, schenke ich mir. Ich habe gehört, dass das letzte Stück kein Zuckerschlecken mehr sei, man solle es besser nicht alleine bewältigen und einen Schutzhelm tragen. Geschenkt. Die Aussicht auf dem Skala ist dieselbe, und geackert habe ich trotzdem genug. „Wieder was geschafft!“, denke ich mir und trete den Rückweg an. Stolz wie Bolle.

Mehr Eindrücke meiner Wanderung im Olymp gibt es im Video über meine Reise im Osten Griechenlands. Übrigens mit einer Stelle, bei der selbst ich immer einen Schock bekomme. Et voilà:

 

In Kürze: Unser 1 THING TO DO fürs Wandern im Olymp

Was? Eine Übernachtung in der Schutzhütte Spílios Agapitós, natürlich nicht ohne vorher einen Schlafplatz zu reservieren. Refuge A verfügt über 110 Betten und hat von Mitte Mai bis Ende Oktober geöffnet. Es gibt auch Platz für Zelte.
Wo? Die Schutzhütte befindet sich auf 2.082 Metern Höhe am Europäischen Fernwanderweg E4, höhentechnisch etwa in der Mitte zwischen Priónia und Olymp-Gipfeln (Wanderroute Teil 1Teil 2). Litóchoro erreichst du übrigens in nur etwa einer Stunde mit dem Zug ab Thessaloníki, wobei du in den Ort selbst trampen oder ein Taxi nehmen musst. Zugtickets kannst du hier bequem online kaufen.
Wie viel? Der Preis für eine Übernachtung beträgt 13 Euro pro Person (Stand: September 2018).
Warum? Um deine Wanderung gen Olymp im Sonnenaufgang zu starten, um zu sehen, wie sich die Gipfel rotorange färben und um den Wanderweg am frühen Morgen fast für dich allein zu haben.

Wandern Olymp

Hinter den Gipfeln des Olymp tut sich ein Caldera-ähnlicher Krater auf.

Wandern Olymp

Entlang der Wanderung von Litóchoro nach Priónia passierst du übrigens auch diese blau-weiße Höhlenkirche.

Litóchoro – Olymp an einem Tag?

Diese Frage habe ich mir im Vorfeld der Reise zum Olymp selbst gestellt und möchte die Gelegenheit nutzen, sie proaktiv für dich zu beantworten.

Meiner Meinung nach ist es nur an den längsten Tagen im Jahr und bei ausgesprochen guter Kondition möglich, die gesamte Strecke von 1) Litóchoro über 2) Enípeas-Schlucht, 3) Priónia und 4) Refuge A zu 5) Skala oder Mytikas und wieder zurück nach Litóchoro zu gelangen (circa 33 Kilometer). Nur dann, wenn du von Priónia aus in Richtung Küste trampst und nur unter der Bedingung, dass du dich am besten bereits vor Sonnenaufgang auf den Weg machst.

Entspannter ist es, deine Wanderung im Olymp auf zwei oder gar drei Tage auszuweiten, mit jeweiliger Übernachtung in einer der Schützhütten. Alternativ kannst du natürlich mit dem Auto morgens nach Priónia aufbrechen und von dort aus zum Gipfel und wieder zurück wandern. Aber mal ehrlich: So ein Sonnenaufgang auf über 2.000 Metern erlebt man auch nicht alle Tage.

Überblick: Eine Woche im Osten Griechenlands

Das Wandern im Olymp war nur eine Station meiner einwöchigen Reise durch Griechenland. Hier kannst du dir einen Überblick verschaffen:

 

Wenn du zum Wandern im Olymp aufbrichst, ist vielleicht die zweitgrößte Stadt Griechenlands dein erstes Ziel. Unser 1 THING TO DO für die Hauptstadt des Nordens verraten wir dir in unserem Thessaloniki Reisebericht. Wenn du es lieber abgeschieden magst, haben wir außerdem einen waschechten Geheimtipp für dich parat, die hierzulande kaum bekannte griechische Halbinsel Pilion. Schon entdeckt?

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Wandern Olymp

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