Riga Reisebericht: Despacito auf Lettisch

Manche Reise schreibt geradezu wundersame Geschichten: In Riga machten wir nicht nur die Nacht zum Tag, sondern gewissermaßen auch einen Tag zur Nacht. Am Strand von Jūrmala an der Ostseeküste nahe der lettischen Hauptstadt hieß es für uns Augen zu und ab in die Welt der Träume, nachdem wir das Nachtleben von Riga abermals ein wenig zu intensiv entdeckten. Unser Riga Reisebericht offenbart Schönheiten und Dunkelheiten einer Stadt, wie sie im Baltikum wohl nur hier aufeinander treffen. Geschrieben von Marc.

Riga Reisebericht

Kirchtürme bestimmen die Skyline der Altstadt der lettischen Kapitale. In unserem Riga Reisebericht erzählen wir aber auch von ein paar ganz und gar nicht seligen Erfahrungen.

Schlafenszeit am Strand von Jūrmala

Neun Uhr morgens. Es wird Zeit für ein Nickerchen. Höchste Zeit! Die Nacht haben wir auf dem UNDER Festival verbracht, das 2017 zum ersten Mal überhaupt in Riga stattfand. Techno-Party. Eine Unterkunft konnten wir uns entsprechend sparen. Bei angekündigten 25 Grad und Sonnenschein tut es schließlich auch der Ostseestrand von Jūrmala.

Nach einem ungesunden Frühstück stiegen wir folglich am Hauptbahnhof von Riga in die Vorortbahn. Die Fahrt von der einen Welt in die andere dauerte gerade einmal 30 Minuten. Von der Station Majori aus schleppten wir uns müde zum Strand. Gemach, gemach. Einmal angekommen aber heißt es keine falsche Scheu: Ohne Scham wechseln wir vom Party- ins Strandoutfit, breiten unsere Handtücher aus, stecken Ohropax in unsere Ohren und schließen unsere Augen. Gute Nacht.

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Jūrmala besteht aus insgesamt 14 Gemeinden und erstreckt sich über eine Länge von mehr als 30 Kilometern voller Badefreuden.

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Gibt schlimmere Orte für ein verspätetes Nickerchen: der Sandstrand von Majori aus Schlafmützenperspektive.

Riga Nachtleben: Karaoke und Balzams

Riga ist wahrscheinlich die bis dato einzige Stadt, von der wir gefühlt mehr Dunkelheit als Tageslicht, mehr Nachtleben als Alltag kennengelernt haben. Schon unser erster Abend wurde immer länger, als sich eine Grundschulfreundin von John im Kulturzentrum Kaņepes Kultūras centrs anschickte, uns ihr ganz persönliches Riga zu zeigen. Die Bar ist der perfekte Ort, um in das lässige Studentenleben der lettischen Hauptstadt einzutauchen und dabei das Nationalgetränk Lettlands zu probieren: Rīgas Melnais balzams. Ein Schuss aus der roten Likörflasche verträgt sich übrigens ziemlich gut mit einem kühlen Glas Cola.

Deutlich touristischer geht es in den Bars der Altstadt von Riga zu, allen voran in den zahlreichen Karaokebars, die irgendwie trotzdem zum Nachtleben der 700.000-Einwohner-Stadt dazugehören. Irgendwo stand geschrieben, dass die violette Version des Balzams am liebsten mit Sprite gemischt wird. Nun, die Barkeeperin hatte von dieser Variante noch nie etwas gehört. Doch immerhin sollte dieser Touri-Fauxpas unsererseits nur halb so peinlich werden, wie die Truppe britischer Backpacker, die sich beim Karaoke-„Singen“ weit nach Mitternacht gegenseitig ihre nackten Ärsche zeigten.

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Zum Sonnenuntergang unterwegs im Zentrum von Riga: Farbenspiele, die man sich mit viel zu langen Besuchen in Karaokebars verdienen kann.

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Drei Gläser des ominösen Black Mojito, von dem unsere Barkeeperin zuvor noch nie etwas gehört hatte. Hat trotzdem geschmeckt.

Das Gegenteil von Heimweh

Am Strand von Jūrmala sorgen keine Albträume über unansehnliche Hinterteile für schlechten Schlaf, sondern der Strandclub nebenan, aus dessen Boxen stundenlang derselbe Beat dröhnt, dessen Bässe sich wiederum im weichen Sand unter uns pudelwohl fühlen und beharrlich den Weg in unser Knochen finden. Kleiner Ohrwurm, gefällig? Bittsehr: des… pa… cito!

Mal wieder meint es der baltische Frühling heute allzu gut mit uns. „Despacito“ passt geradezu ideal zu diesem Wetterchen, doch nicht nur der wenige Schlaf versetzt uns an diesem neuerlichen Frühsommertag in latente Meckerstimmung. Vielmehr ist es die Tatsache, dass Riga die letzte Station unserer Reise durch Lettland und Litauen ist und wir uns innerlich wehren, in den Berliner Alltag zurückzukehren. Schließlich bescherte uns auch dieser Trip wieder einige Reisemomente, die wir auf ewig teilen werden. Riga machte dabei keine Ausnahme.

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Jugendstilgebäude in der unter Reisenden besonders beliebten Alberta iela, in der manches Gebäude eher wie ein Kunstwerk wirkt.

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Das Schwarzhäupterhaus am Rathausplatz von Riga wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gesprengt, der Nachbau jedoch pünktlich zur 800. Geburtstag der Stadt im Jahr 1999 fertiggestellt.

Moskauer Vorstadt und Zentralmarkt

Wenn wir in Riga denn mal richtig Schlaf fanden, dann in unserer Unterkunft in der Moskauer Vorstadt, deren Ruf im Gegensatz zur herausgeputzten Altstadt ziemlich bescheiden ist. Ungeachtet dessen zeigt sich Riga östlich des Zentrums von einer besonders authentischen, unverfälschten Seite. Das markante, 108 Meter hohe Hochhaus der Akademie der Wissenschaften erinnert uns an die Stalinbauten der Karl-Marx-Allee in Berlin-Friedrichshain. Wo es schmuddelig wird, scheinen wir uns erst wohl zu fühlen.

A propos schmuddelig. Nur ein paar hundert Meter entfernt laden die Hallen des Rigaer Zentralmarkts zum Trödeln ein. Wir persönlich lieben Märkte dieser Art. Wo sonst können wir uns derart unbefangen die Bäuche voll schlagen und viel zu viel von all dem kaufen, was uns am Ende gar nicht schmeckt? Der Großteil der Stände ist übrigens in vier riesigen Zeppelinhangars aus dem Zweiten Weltkrieg untergebracht, die einen Abstecher auch bei gefülltem Magen lohnen.

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„Stalins Geburtstagstorte“ soll das Hochhaus der Akademie der Wissenschaften im Volksmund auch heißen. Aber der Fernsehturm in Berlin heißt ja angeblich auch Telespargel.

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Reges Treiben in einem der Zeppelin-Hangars des Rigaer Zentralmarkts. Besonders wenn du länger in Lettlands Hauptstadt Station Halt machst, kannst du dich hier günstig mit Lebensmitteln eindecken.

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Nicht nur Speis und Trank bieten die Händler auf dem Rigaer Zentralmarkt an, auch der übliche Trödel darf natürlich nicht fehlen.

In der Altstadt von Riga

Das Zentrum von Riga ist zu jeder Tageszeit lebendig, die Stadt an der Mündung der Daugava ist inzwischen als Städtereiseziel in ganz Europa hoch im Kurs. Wir würden lügen, dass wir hier – tagsüber – viele besondere Reisemomente erleben durften. Außer dem einen Frühstück vielleicht, bei dem wir uns nach neuerlich durchzechter Nacht gegenseitig daran erinnern mussten, dass Nahrungszufuhr per se nichts Schlechtes ist. Gemach, gemach.

Altstadt und Zentrum laden zum Bummeln ein. In Riga stimmt die Mischung an Authentizität und Altehrwürdigkeit. Nicht nur einmal fühlten wir uns in der lettischen Hauptstadt dabei an Hamburg erinnert. Nun, mit dem echten Hamburg sind wir auch nach einem gefühlten Dutzend Besuchen noch nicht so recht warm geworden. Vielleicht ist das Hamburg des Baltikums, wie wir Riga kurzum tauften, sogar das schönere.

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Das Freiheitsdenkmal im Zentrum von Riga ist 42 Meter hoch und scheinbar ein beliebter Treffpunkt der hiesigen Bevölkerung.

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Die Christi-Geburt-Kathedrale in der Nähe des Stadtkanals diente zu Sowjetzeiten als Planetarium.

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Straßenszene in der Altstadt von Riga: Im herausgeputzten Stadtkern lauern etliche dieser Fotomotive.

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Rund 120 Meter streckt sich der spitze Turm der Petrikirche in die Höhe.

Riga entdecken: Immer schön lēni

Am Strand von Jūrmala läuft gerade mal wieder „Despacito“. „Gemach, gemach“ könnte man den Titel des Latino-Gassenhauers auch übersetzen. Gewissermaßen eine Slow-Travel-Hymne, wenn man den so will. Und mit ein wenig lettischem Restlikör im Blut will man manchmal bekanntlich so einiges.

Riga ist eine dieser Städte, in der es so viel zu entdecken gibt, dass du in ein paar Tagen ohnehin nicht alles schaffen wirst. Vom grünen Umland mit diversen Naturschönheiten und der nahegelegenen Ostseeküste mal ganz abgesehen. Auf Lettisch übersetzt heißt „despacito“ scheinbar „lēni“. Besser als ziemlich „lēni“ lässt sich Riga gar nicht kennen lernen, besser noch: erleben. Am besten fängst du damit mit einem Schuss Balzams an. Gemach, gemach.

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Riga von oben: Blick von der Skyline Bar des Radisson Hotels auf einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Riga: Petrikirche, Freiheitsdenkmal, Christi-Geburt-Kirche und Dom. Alles gefunden?

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Etwas tiefer gelegen ist die Dachterrasse des Einkaufszentrums Galleria Riga. Kleiner Tipp am Rande: Das süße Sushi im Restaurant Gan Bei im siebten Stock war ziemlich lecker.

Riga Reisebericht: Unser 1 THING TO DO

Was? Riga ganz „lēni“ zu erleben, zum Beispiel mit einem Abstecher ins Nachtleben der lettischen Hauptstadt, den du am besten im Kulturzentrum beginnst. Keine Angst, „Despacito“ läuft dort ziemlich sicher nicht.
Wo? Das Kaņepes Kultūras centrs befindet sich etwas außerhalb des Altstadtkerns von Riga, genau genommen in der Skolas iela 15. 
Wie viel?
 Puh, gute Frage. Da wir uns nicht erinnern können, sind die Preise an der Bar aber sehr wahrscheinlich lettisch günstig.
Warum? Um Riga von seiner lässigen Seite kennenzulernen und nach ein paar Balzams-Cola vielleicht sogar das Tanzbein zu schwingen.

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In den Gassen der Altstadt von Riga lohnt es sich, zunächst einmal ohne Ziel drauflos zu laufen.

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Und noch mal der Turm der Petrikirche, der uns in der Altstadt von Riga nie so richtig verloren fühlen ließ.

Du bist auf der Suche nach weiterer Inspiration für deine Reise ins Baltikum? Im Rahmen unserer Berichterstattung befragten wir fünf andere Reiseblogger:innen nach ihren persönlichen Lettland Reisetipps. Und weißt du was? Auch ganz in der Nähe von Riga haben wir eine 1 THING TO DO entdecken dürfen, das du ganz bequem innerhalb eines Tagesausflugs erleben kannst. Mehr dazu erfährst du unserem Artikel zum Gauja Nationalpark

Reisen um zu reisen!
John & Marc

Nach unserem Riga Reisebericht bist du bereit, in Lettlands Hauptstadt zur Nachteule zu mutieren? Dann freuen wir uns auf deinen Pin auf Pinterest.

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2 Gedanken zu “Riga Reisebericht: Despacito auf Lettisch”

  1. Cholla says:

    Wunderschön… Lädt ein zum Träumen von einer Reise nach Riga!

  2. Alexandra says:

    Hey ihr beiden, ich freue mich immer wieder, wenn ich etwas über Lettland lese! Nachdem ich vor mittlerweile drei Jahren mein Auslandssemester im schönen Riga verbracht habe, geht es diesen Sommer endlich wieder ins Baltikum! Ich bin voller Vorfreude auf noch unbekannte Orte und Erlebnisse. Dem Kaņepes Kultūras centrs werde ich mit Sicherheit wieder einen Besuch abstatten! Danke für die tollen Einblicke und das Wecken von Erinnerungen 🙂
    Liebe Grüße
    Alex

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