Baku Strand: Zwischen Beach Clubs und Bohrinseln

Aserbaidschan gehört mitnichten zu den gängigen Reisezielen unserer Zeit. Dennoch lässt sich zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer mit Leichtigkeit die eine oder andere Anekdote für das Reisetagebuch sammeln. Vom erstem Mal Baden im Kaspischen Meer zum Beispiel. Von der Suche nach einem Strand in Baku. Oder davon, was das ganze mit der Kanalisation einer aserbaidschanischen Kleinstadt zu tun hat. Geschrieben von John & Marc.

Baku Strand Baden im Kaspischen Meer

Baden im Kaspischen Meer: Wer sich Mühe gibt, empfindet auch an diesem Strand im Süden von Baku einen Hauch von Romantik.

Tristesse am Kaspischen Meer

Qobustan, Aserbaidschan. Kein Ort, der von Schönheit gezeichnet sind. Die meisten Besucher zieht es hierher, um die Schlammvulkane und Steinzeitmalereien im Hinterland zu besuchen. Genau das haben wir schon hinter uns. Doch bevor wir in den nächsten Minibus nach Baku steigen, wollen wir noch kurz in die kargen Gassen der Siedlung am Kaspischen Meer eintauchen.

Sandfarbene Mehrfamilienhäuser, Bauschutt in allen Ecken, trostlose Garagen. Welch Unterschied zum Zentrum von Baku, in der Aserbaidschan ein wenig zu viel des Guten tut, um sich der ganzen Welt als aufstrebende Ölnation zu präsentieren. Es weht kein Lüftchen, als wir uns zögerlich dem Ufer des Kaspischen Meeres nähern. Die Sonne brennt. Die Wäsche, die hier von den Leinen hängt, muss in Minutenschnelle trocknen.

Baku Strand

Es gibt schönere Einstiege in einen Reisebericht, aber gut: Blick von unserer Bushaltestelle in Richtung irgendwo.

Baku Strand

Straßenszene aus Qobustan, einer Kleinstadt im östlichen Zentrum Aserbaidschans mit circa 16.000 Einwohnern.

Azərbaycan is beautiful

Die sengende Hitze macht uns nicht gerade Lust auf Interaktion. Doch ein paar Meter von uns entfernt Spielen zwei Jungs Fußball, bis die Pille plötzlich rein zufällig vor unseren Füßen landet. Die beiden sind neugierig. Allzu oft scheinen sich Reisende nicht in diese Gassen vorzuwagen. Wie aufgedreht versuchen sie, so viele Englischvokabeln aus der Schule zu quasseln, wie nur möglich. Man unterhält sich.

„Where you from?“, fragt der eine. „How old?“, der andere. Wir antworten pflichtbewusst und wollen eigentlich doch lieber alleine in Richtung Ufer laufen. Denkste. „We can show you!“, sagt der eine. „Azərbaycan is beautiful“, sagt der andere und besteht darauf, dass sich in „Aserbaidschan“ darin kein Zischlaut befindet: „A-ser-bei-san“. Und so überqueren wir gemeinsam eine kleine Grube in Richtung dessen, was auf uns wie ein Strand wirkt, während unsere Rucksäcke für unsere unerwarteten Begleiter immer interessanter zu werden scheinen.

Baku Strand

Die Region um Qobustan ist für Steinzeitmalereien und Schlammvulkane bekannt, in die Ortschaft selbst zieht es dagegen kaum Besucher.

Baku Strand

Qobustan liegt circa 50 Kilometer südlich von Baku und ist am besten im (Mini-)Bus erreichbar.

Ein schneller Abschied

Bei manchen Worten fehlt den beiden die richtige Vokabel, für „kanalizasiya“ reicht aber auch unser nicht-existentes Aserbaidschanisch. Normalerweise hätten wir am „Strand“ wohl eine kurze Pause angelegt, doch offensichtlich dient der Abschnitt vor uns der Kanalisation. Hatten wir nicht gestern, gerade einmal 30 Kilometer nordöstlich, noch im Kaspischen Meer gebadet? Es gibt schönere Gedanken.

„You like Azərbaycan?“, fragt der eine. „Yes!“, sagen wir beide einstimmig, „of course“. Immer wieder wollen die beiden an unsere Rucksäcke, doch wir sind einfach zu groß. Ganz ohne „Geschenk“ wollen sie uns aber nicht gehen lassen und zeigen uns zum Abschied, was sie sich von den Taxifahrern der Region abgeschaut haben: „Money, money? Ekskursiya!“ – Leider haben wir fast gar kein Bargeld mehr dabei. Ein Zwei-Euro-Stück muss reichen. Doof nur, dass wir dieses dann überreichen, während ein halber Schulbus davon Wind bekommt. Kurzzeitig sind wir von einem Dutzend Kinder umzingelt, bis ein erwachsener Mann sie lautstark zur Vernunft ruft.

Baku Strand

Ja, ja. Zumindest von Weitem sah die Küste vor Qobustan zumindest ein bisschen nach Strand aus.

Baku Strand

Je näher wir der Uferlinie kamen, desto klarer wurde uns, dass aus dem entspannten Verweilen am Kaspischen Meer nichts mehr werden würde.

Baden in Baku: Nicht ganz trivial

Es sind Geschichten wie diese, die das Reisen schreiben kann, sobald man sich dorthin begibt, wo andere sich vielleicht abwenden. Und es sind Geschichten wie diese, die die Kontraste in einem Land wie Aserbaidschan erst richtig deutlich machen. Tags zuvor zeigte sich uns das Kaspische Meer von einer gänzlich anderen Seite – im Nar & Sharab Beach Club in der Nähe der Bibiheybat-Moschee am südlichen Stadtrand von Baku.

Ein Lebenstraum war es vielleicht nicht, eines Tages mal im Kaspischen Meer zu baden. Doch wo wir schon einmal da waren, ergriffen wir die Gelegenheit natürlich beim Schopfe. Das Zentrum von Baku selbst besticht mit einer ewig weiten Uferpromenade, aber nicht mit einem Strand. Und so hieß es für uns, etwas ab vom Schuss auf die Suche zu gehen.

Baku Strand

Kleinere Strandabschnitte findest du im Süden von Baku allemal. Diese hier sind jedoch weder nur über ein paar Umwege zu erreichen und obendrein kaum gepflegt.

Baku Strand

Von der Bushaltestelle an der Bibiheybat-Moschee führt eine schmale Straße hinab zum Nar & Sharab Beach Club sowie ein paar Hotels und Restaurants.

Baku Strand

Manche nennen es Streetart, oder?

Baku Strand: Wo Bohrplattformen grüßen

Nach einigen Irrwegen und weniger schönen Strandabschnitten – weniger schön für alle jene, die nicht neben Autoreifen und weiterem Sperrmüll baden möchten – entschieden wir uns also für einen Beach Club. Ganze zehn Euro ließen wir pro Nase an der Kasse des Nar & Sharab liegen, gemessen am Preisniveau in Baku geradezu ein kleines Vermögen. Als Gegenleistung gibt es einen sauberen Sandstrand mit Hängematten und Blick auf ein kleine, pittoreske Bohrplattformen.

Auch das ist Baden am Kaspischen Meer: Mal mit Blick auf Bohrplattformen, mal mit Blick aufs Endstadium der Kanalisation. Morgen werden wir in Baku einen Ölschimmer auf dem Wasser entdecken. Für Kuriositäten ist hier gesorgt. Und so baumelten wir mit einem Schmunzeln im Gesicht auf den Hängematten des Beach Clubs unserer Wahl dem Sonnenuntergang entgegen. Vielleicht sollte es das letzte Mal am Kaspischen Meer gewesen sein.

Baku Strand

Die Uferlinie im Süden von Baku vom Wasser aus gesehen.

Baku Strand

Es gibt Schlimmeres: Riesenhängematten im Nar & Sharab Beach Club.

Baku besuchten wir im Rahmen unserer Kaukasus-Reise, während der wir nicht nur in Georgien Station machten, sondern auch in der aserbaidschanischen Hauptstadt. Mehr dazu erfährst du in Kürze in unserem Baku Reisebericht. Alle Reisegeschichten aus dem Nachbarland findest du in der Übersicht unserer Georgien-Reiseberichte. Hast du selbst auch ein paar Anekdoten aus Aserbaidschan parat? Wir sind gespannt auf deinen Kommentar!

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Baku Strand

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