Wandern in Israel: Vorsicht, Touristenfalle!

Unsere bislang einzige Wanderung in Israel führte uns nach Masada. Einst eines unserer Traumziele in Israel, nennen wir Masada heute immer dann, wenn wir nach dem größten Fail unserer Reisen gefragt werden. Umso glücklicher sind wir, nun einen fachkundigen Wanderexperten aus Israel als Gastautoren gewonnen haben: Er zeigt dir, wie du deine Wanderung klüger angehst als wir. Ein Gastbeitrag von Erez.

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Erez berichtet von den verschiedenen Möglichkeiten, in Israel zur ehemaligen jüdischen Festung Masada zu wandern. • Credits: Israel by Foot

Israels etwas zu beliebte Wanderstrecke

Als ich von John und Marcs Wanderung bei ↠ Masada gelesen habe, wollte ich aufschreien und sagen: „Ich habe es euch doch gleich gesagt!“ – Immer wieder habe ich mich in den vergangenen Jahren gefragt, weshalb so viele Reisende in eine der wohl berühmtesten Touristenfallen Israels tappen: eben jene Wanderung nach Masada bei Sonnenaufgang.

Jede Nacht verlassen Dutzende Busse mit gespannten Touristen die Hotels von Tel Aviv und Jerusalem, um die Sonne von Masada aus über dem Toten Meer aufgehen zu sehen. Den meisten von ihnen würde es eigentlich niemals in den Sinn kommen, so früh für eine Wanderung aufzustehen. Viele von ihnen mögen es nicht einmal zu wandern. Doch es ist die magische Vorstellung vom Sonnenaufgang in Masada, die sie sie um drei Uhr morgens aufwachen lässt.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Was erwarten sie von der Wüstenwanderung zum Sonnenaufgang? Es ist wohl dieses gewisse Streben nach Einsamkeit und Ruhe, gepaart mit atemberaubenden Aussichten über den Horizont. Und was bekommen sie, wenn sie einer der Touren nach Masada beiwohnen? Einen überfüllten Wanderweg. Und ein Selfie vor dem aufgehenden Sonnenball. Einen Moment, den sie allerdings teilweise mit Hunderten Touristen gleichzeitig teilen.

Die meisten jener Touristen kehren glücklich in ihr Heimatland zurück, nachdem sie ihr Masada-Selfie auf Instagram hochgeladen haben. Auch wenn sie genau wissen, dass sie in die Falle getappt sind. Diese Art von Reisenden kümmert mich allerdings nicht allzu sehr. Es sind vielmehr Leute wie John und Marc, die ein Gespür dafür haben, was ein Reiseerlebnis ausmacht – und entsprechend eher wütend auf die Touristenfalle zurückblicken. Ich finde es schade, dass es scheinbar nur selten gelingt, diesen Reisenden die nötigen Informationen mit auf den Weg zu geben, um ihren Aufenthalt in der Judäischen Wüste wirklich wertschätzen zu können. Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwierig, der Touristenfalle aus dem Weg zu gehen.

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Auf dem Runner Path zum Tafelberg von Masada. • Copyright: Israel by Foot
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Ausgangspunkt der meisten Wanderungen nach Masada ist der Parkplatz östlich des Tafelbergs. • Copyright: Israel by Foot

Wandern nach Masada: Vier Möglichkeiten

Insgesamt gibt es vier Wanderwege nach Masada in Israel, die ich dir an dieser Stelle zunächst kurz vorstellen möchte.

  • Snake Trail: Dieser Wanderweg wurde circa 35 vor Christus während der Errichtung des Palastes angelegt und war einer der wichtigsten Zugänge auf den Tafelberg. Er sollte sowohl Menschen als auch Nutztieren den Weg nach Masada erleichtern, weshalb er relativ lang ist, dabei aber nur eine moderate Steigerung aufweist. Als mit Abstand beliebtester Weg nach Masada ist er mitunter überfüllt, weshalb er nicht immer das Gefühl vermittelt, tatsächlich zu wandern.
  • Römische Belagerungsrampe: Um die Einnahme von Masada im Jahre 73 nach Christus voranzutreiben, erbauten die Römer eine Rampe vom westlichen Hang des Tafelbergs zu den Festungsmauern von Masada. Die Rampe wurde mit Hilfe jüdischer Zwangsarbeiter errichtet, die gefällte Bäume aus dem Jüdäischen Gebirge mit Schotter aus der näheren Umgebung bedeckten. Das Ergebnis war eine circa 100 Meter lange Diagonale, die die Angreifer zu den Festungsmauern brachte. Erreichbar aus Richtung Westen via Arad.
  • Läuferweg („Runner Path“): Während der Belagerung von Masada legte die römische Legion mehrere Lager rund um den Tafelberg an. Auf dem „Läuferweg“ gelangten wichtige Nachrichten von den östlichen Lagern nach Westen – und umgekehrt. Der antike Pfad ist holprig und felsig, mit einem steilen Anstieg gen Ende. Wo nötig, wurden Metallketten deshalb angelegt. Die Wanderung verschafft schweifende Ausblicke auf den Nordpalast mit seinen drei Etagen und zwölf Wasserzisternen.
  • Elazar-Weg: Ein weiterer antiker Pfad, der vom ↠ Masada Hostel* bis zum südlich gelegenen Gipfel des Elazar aufsteigt. Dieser ist der einzige Berg in der näheren Umgebung, der höher als der Tafelberg von Masada ist. Daher genießt du von ihm aus den wohl besten Ausblick auf Masada. Die Wanderung auf den Elazar ist allerdings auch die anstrengendste und steilste der vier vorgestellten Varianten.

Wandern in Israel: Masada ohne Trubel

Um pünktlich zum Sonnenaufgang eine gute Sicht über das Tote Meer zu haben, solltest du ein bis zwei Stunden vorher aufbrechen. Daher ist es ratsam, im Dunkeln mit einer Stirnlampe ausgestattet zu sein – und am besten mit einer Thermoskanne Kaffee. Die ersten zwei Kilometer des „Läuferwegs“ vom Fuße von Masada aus sind verhältnismäßig flach und bieten daher ein verhältnismäßig einfachen Einstieg.

Circa 200 Meter vor der höchsten Erhebung ändert sich das Bild: Es geht steil bergauf. Doch am ersten Ziel deiner Wanderung angekommen, wird es bereits Zeit, die Stirnlampe auszuschalten. Schenke dir eine Tasse Kaffee ein und warte, bis die ersten Sonnenstrahlen die Dunkelheit erhellen. In 95 Prozent der Fälle wirst du sie übrigens ganz alleine begrüßen und genießt dabei einen geradezu perfekten Blick auf Palast, Wasserzisternen und „Römerrampe“. An diese Tasse Kaffee wirst du dich noch lange Zeit erinnern.

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Blick vom Runner Path aufs Tote Meer. Copyright: Israel by Foot
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Gut zu erkennen: die Rampe, die die römische Legion zur Eroberung von Masada anlegte. • Copyright: Israel by Foot

Auf dem Gipfel des Elazar

Anschließend wanderst du auf dem Plateau weiter bis zur Rampe, über die du schließlich Masada erreichst. Nach der Besichtigung kannst du entweder per Seilbahn oder auf dem Snake Trail zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung gelangen. Solltest du jedoch noch voller Energie sein, kannst du alternativ Masada über die Rampe wieder verlassen und weiter zum Elazar wandern.

Der Gipfel schreit nach einer zweiten Tasse Kaffee, dieses Mal jedoch mit der südlichen Seite von Masada in Sicht. Ein guter Ort für eine ausgiebige Pause, bei der du dich über die ↠ Belagerung von Masada belesen kannst. Eine detailliertere Beschreibung inklusive Wanderkarte und GPS-Datei findest du auf meiner Webseite ↠ Israel by Foot.

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Erez auf dem Elazar, im Hintergrund die Südseite des Tafelbergs. • Copyright: Israel by Foot
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Schattenspiele in der Schlucht von Masada. • Copyright: Israel by Foot

Nach Masada gelangst du übrigens auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Von Jerusalem aus erreichst du die ehemalige jüdische Festung mit den grünen Bussen von ↠ Egged in knapp zwei Stunden. Nach unserer misslungenen Wanderung brachen wir übrigens – ebenfalls mit dem Bus – zum Baden im Toten Meer auf, worüber du in unserem Artikel über ↠ Ein Bokek mehr erfährst.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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