Balkan Roadtrip: Unterwegs im Schmelztiegel der Kulturen

Seit Jahrhunderten ist Südosteuropa bekannt als Schmelztiegel der Kulturen. Was in der Geschichte häufig zu Konflikten führte, bietet Reisenden in der heutigen, überwiegend friedlichen Zeit die Gelegenheit, kurzerhand in verschiedene Kulturen einzutauchen. Das Verkehrsmittel der Wahl ist für viele das Auto, mit dem du schnell von einem Land ins nächste gelangst. Im Folgenden berichten drei Reisebloggerinnen von ihrem persönlichen Balkan Roadtrip. Zusammengestellt von John & Marc.

Balkan Roadtrip

Wir selbst sind zwar meistens ohne Auto unterwegs, dieses Foto aus dem Durmitor-Nationalpark in Montenegro entstand jedoch ausnahmsweise auch auf vier Rädern.

Roadtrip durch die Nebelsuppe Montenegros

Auf Bergweh folgt Roadtrip

Balkan Roadtrip von take an adVANture. Mittlerweile ist mein Roadtrip nach Montenegro (leider) schon wieder über ein Jahr her. Zusammen mit meinem Lieblingsmenschen und unserem damals noch nicht ausgebauten VW T5 ging es über Österreich, Slowenien und Kroatien für ein paar Tage nach Montenegro.

Warum ich mich für dieses Ziel entschieden hatte? Per Zufall bin ich ein paar Wochen davor auf den Beitrag eines Reisemagazins gestoßen, welches das Foto eines Wanderers im Durmitor-Gebirge zeigte. Und bei dem Anblick wusste ich – dort MUSS ich hin. Diese Weite und die schroffen Berge lösten sofort unglaubliches Bergweh in mir aus.

Wetterpech

Vor dem Trip konnte ich aber damals noch nicht wissen, dass unsere Wanderung buchstäblich ins Wasser fallen würde. Endlich im Land angekommen regnete es fast ohne Unterbrechung, die Temperaturen rutschten im Hinterland weit unter 10 Grad und es dauerte nicht lange, bis alles im Bulli klamm wurde.

Trotzdem war es ein fantastischer Roadtrip. Außerhalb von Žabljak herrschte eine ungreifbare Stille, nur unterbrochen vom prasselnden Regen auf das Autodach. Dick eingemummelt gab es früh am Morgen erst mal einen warmen Kaffee mit Blick auf die Berge.

Balkan Roadtrip

Im Durmitor-Nationalpark entdeckte Elisa die ihrer Meinung nach vielleicht schönste Straße Europas. Credits: take an adVANture

Staunende Augen

Wir fuhren durch menschenleere Orte auf winzig kleinen Straßen. Ab und zu kreuzte eine Kuh unseren Weg. Wenn sich die Nebelsuppe doch einmal lichtete, gab sie einen Ausblick auf eine fantastische Landschaft frei. Diese Aussicht hätte ich für Stunden genießen können.

Vor allem in Erinnerung geblieben ist mir die Fahrt auf einer namenlosen Straße durch den Durmitor-Nationalpark. Es waren nicht viele Kilometer, aber wir mussten einfach aller paar Minuten anhalten und über die Landschaft staunen. Manchmal frage ich mich, wie es diese einsamen Gegenden immer wieder schaffen, mich so in ihren Bann zu ziehen.

Glück im Unglück

Die Straßenverhältnisse wechselten minütlich von überraschend gut zu überraschend schlecht. Das führte zu einer kurzen brenzligen Situation an der Küste, als wir auf dem Asphalt einen handballgroßen Felsbrocken übersahen und ihn bei voller Fahrt mit dem rechten Vorderrad mitnahmen. Es knallte und schepperte in einer Lautstärke, dass ich dachte, wir hätten uns den Reifen inklusive Radkasten zerstört. Aber, Glück gehabt, Reifen und Bulli hatten aufgrund der großen Bodenfreiheit nichts abgekommen. Was ich von dem Auto hinter uns nicht sagen konnte.

Ein bisschen schade finde ich es noch immer, dass wir damals Pech mit dem Wetter hatten. Aber so habe ich einen Grund, bald wieder in die Gegend zu fahren.

Balkan Roadtrip

Das Hinterland Montenegros ist geprägt von seiner hügeligen bis gebirgigen Landschaft. Credits: take an adVANture

Einmal Balkan und zurück

Von Wien in Richtung Balkan

Balkan Roadtrip von paradise-found.de. Im Sommer 2012 folgten wir der Idee einer Freundin – auf dem Landweg von Österreich nach Istanbul zu reisen – und machten uns zu viert in einem altersschwachen Golf, vollgestopft bis unters Dach mit Gepäck und Campingsachen, auf den Weg.

Von Wien, unserem Startpunkt, führte unsere Route nach Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, Mazedonien und Griechenland. Hier beschlossen wir, die Reststrecke nach Istanbul doch auf ein anderes Mal zu vertagen und durchquerten auf dem Rückweg Bulgarien, Rumänien und Ungarn.

Auf der Suche nach Geschichte(n)

Warum genau diese Route? Bei der Vorbereitung des Balkan-Roadtrips orientierte ich mich an Orten, die zum UNESCO Welterbe zählen und steckte so eine grobe Route ab. Hinterher muss ich sagen, dass dies die richtige Entscheidung war. Wir bekamen in den zwei Wochen einen tollen ersten Eindruck, was die verschiedenen Länder so zu bieten haben.

Jetzt, Jahre später, unternehme ich nach und nach Kurztrips zu Orten, bei denen ich das Gefühl habe, dass ihre Geschichte noch nicht erzählt ist, wie im letzten Jahr nach Montenegro und Slowenien und dieses Jahr nach Rumänien.

Balkan Roadtrip

Das idyllische Dörfchen Perast in der nicht minder idyllischen Bucht von Kotor. Credits: paradise-found.de

Ganz oldschool unterwegs

Wirklich brenzlig ging es bei unserem Roadtrip zu keinem Zeitpunkt zu. Allerdings fanden wir uns in Sofia in einer Situation wider, die uns einige Nerven kostete. Grund dafür? Wir waren unseren kompletten Balkan-Roadtrip ganz oldschool nur mit einer Straßenkarte unterwegs. Bis Bulgarien waren wir damit super gefahren und fanden uns gut zurecht. Nicht so in Sofia.

Eine Straße befand sich nicht dort, wo sie der Karte nach sein sollte, überall mangelte es an Straßenschildern und schon begann die chaotische Fahrt kreuz und quer durch die bulgarische Hauptstadt. Ich weiß nicht, wie oft wir im Kreis gefahren sind, aber irgendwann haben wir dann an einem Kiosk nach dem Weg gefragt. Meine Freundin kratzte hierfür ihr russisches Vokabular zusammen (weit und breit niemand der Englisch sprach) und konnte letztendlich den richtigen Weg auskundschaften. Inzwischen schmunzeln wir drüber.

Mein Lieblingsmoment

Wenn man mich danach fragt, welcher Moment mir besonders in Erinnerung geblieben ist, so ist das eine wirklich schwierige Frage. Aber wenn es nur einer sein darf, dann ist es der Moment, an dem wir nach einer abenteuerlichen Querfeldeinfahrt mit einem Jeep durch die bulgarische Pampa und einem Einstieg in ein verlassenes kommunistisches Kongresszentrum über eine wacklige Eisenleiter die 70 Meter hohe Turmspitze erreichten und aus dem Dunkel des Turmschachts ins Helle traten.

Uns bot sich ein wundervoller Panoramablick auf die Umgebung sowie das zerlöcherte Dach des Kongresszentrums unter uns. Diesen Moment an diesem besonderen Ort, der schon so viel Geschichte geschrieben hat in Gesellschaft toller Freunde zu erleben – schöner geht’s nicht.

Balkan Roadtrip

Das Buzludzha Monument bezeichnet Kerstin auf ihrem Blog auch als verlassenes UFO. Credits: paradise-found.de

Balkan Roadtrip: Von Dubrovnik nach Istanbul

Meine längste Balkanreise

Balkan Roadtrip von delightful SPOTS. Seit mehreren Jahren taste ich mich nach und nach durch den Balkan: Auf Kroatien folgten Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Albanien. Fast alle meine bisherigen Reisen durch die Balkanländer waren in irgendeiner Form ein Roadtrip.

Vorstellen möchte ich dir meine bisher längste Reise. Insgesamt standen mir drei Wochen Zeit zur Verfügung und ich kombinierte eine bequeme Mietwagen-Rundreise durch Montenegro mit abenteuerlichen Busfahrten durch Albanien, Mazedonien und Griechenland bis nach Istanbul.

Montenegro: Schätze im Hinterland

Auf dem ersten Teil meiner Reise begleitete mich meine Mutter. Wir versuchen mindestens einmal im Jahr einen kleinen Trip zusammen zu unternehmen. Als Start- und Endpunkt wählten wir Dubrovnik, denn die Mietwagenannahme war hier günstiger als in Montenegro.
In einem „schnittigen“ Kleinwagen fuhren wir entlang der wunderschönen Bucht von Kotor die abenteuerliche Serpentinenstraße hinauf bis nach Cetinje. In Kolašin übernachteten wir bei einer herzlichen Gastfamilie und unternahmen Wanderungen im Durmitor-Nationalpark, übrigens mein Highlight auf unserer Rundreise durch Montenegro.

Doch auch die Fahrt durch die Tara-Schlucht und der Besuch des Skutarisees haben uns nachhaltig beeindruckt. Bevor wir uns in Dubrovnik verabschiedeten, erkundeten wir noch die Altstadt von Budva. Leider ist die Küste Montenegros von zahlreichen Bausünden gezeichnet. Die eigentlichen Schätze Montenegros liegen meiner Meinung nach im Hinterland.

Balkan Roadtrip

Credits: delightful SPOTS

Zweite Etappe: Auf nach Istanbul

Auf dem zweiten Teil meiner Reise begleitete mich eine Freundin. Sie lebte längere Zeit in Afrika und ich in Südamerika. Nach unserem Studienabschluss und dem Einstieg in unsere Jobs wünschten wir uns mal wieder eine richtige Abenteuer-Reise. Unser Ziel war es Istanbul auf dem Landweg zu erreichen, denn dies war die eigentliche Destination unseres Trips.

Von Dubrovnik fuhren wir mit dem Bus zunächst nach Ulcinj, einem Badeort im Süden Montenegros. So schön die Strände hier sein mögen, so wenig konnten wir diese genießen, denn mit unserer Zimmerbuchung hatten wir leider Pech. Wie landeten in einer dreckigen Privatwohnung mit unfreundlichen Gastgebern.

Herzliches Albanien

Dies war die einzige heikle Situation auf unserer Reise und wir „flüchteten“ aus der Wohnung und bezahlten stattdessen ein teures Hotelzimmer. Unser nächster Stopp war Tirana, die Hauptstadt Albaniens. Nach unserer Stadterkundung bereuten wir es sehr, dass wir nicht mehr Zeit mitbrachten. Wir waren so positiv überrascht von der Herzlichkeit der Bewohner und der spannenden Hauptstadt, dass wir unsere Weiterreise durch Mazedonien nach Thessaloníki gerne verschoben hätten.

Die restliche Reise nach Istanbul verlief reibungslos. Doch mir juckte es in den Fingern, denn ich wollte unbedingt mehr von Albanien sehen. Auf meinem Blog erfährst du, was ich auf meiner späteren Reise durch Albanien erlebte.

Balkan Roadtrip

Credits: delightful SPOTS

Balkan Roadtrip im Video

Zu guter Letzt möchten wir dir das folgende Video der Jäger des verlorenen Schmatzes nicht vorenthalten. Julia und ihr Co-Jäger Johannes zeigen ihre schönsten Stellplätze – und wir würden am liebsten sofort wieder unsere Sachen packen und gen Balkan düsen.

 

Übrigens: Im Rahmen unseres Projekts GO EAST! nehmen wir dir dich mit auf einen virtuellen Trip durch viele weitere Reiseziele in Osteuropa. Hilfreiche Tipps für deine persönliche Auszeit in Südosteuropa geben wir dir außerdem in unserem Artikel zur Planung von Balkan-Reisen.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

2 thoughts on “Balkan Roadtrip: Unterwegs im Schmelztiegel der Kulturen”

  1. moyosgarten says:

    Danke für diesen wundervollen Reisebericht. Meine Tochter macht ihr FSJ im Balkan und bereist in ihrer freien Zeit die Gegend. Sie ist in Jaice. Auch wunderschön dort.

    1. 1 THING TO DO says:

      Dann hat sie sich eine schöne und spannende Ecke der Welt ausgesucht! Nach Bosnien wollen wir auch eines Tages reisen. Mal sehen, wann es so weit ist. 🙂 Liebe Grüße!

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