Helgoland Reisebericht

Mit Lummenfelsen und Langer Anna ist Helgoland gerade im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für Tagestouristen. In unserem Helgoland Reisebericht verraten wir dir, weshalb ein Ausflug an nur einem Tag auf „Deät Lun“ viel zu wenig ist, um die Atmosphäre des Eilands in der Deutschen Bucht aufzusaugen. Welche Rolle dabei die künstlerischen Fähigkeiten eines Basstölpels spielen, verraten wir nebenbei auch noch. Geschrieben von Marc.

Helgoland Ausflug: Naturgewalten

Es blitzt. Es donnert. Und plötzlich sind wir hellwach. Eine Windböe faucht über unser Zelt hinweg. Alles um uns herum beginnt zu wackeln. Die Tropfen werden stärker. Der Regen trommelt wie wild auf dem Zeltdach herum. Es donnert. Es blitzt. Und plötzlich wird die Nacht taghell. Wir schauen uns in die Augen. Da draußen bahnt sich was an.

Die Naturgewalten werden immer heftiger. Mit müder Stimme schmieden wir hastige Notfallpläne. Wohin, wenn unser Zelt absäuft? Wir schwanken zwischen gegenseitigem Beruhigen und purer Panik. Während sich unsere Gedanken überschlagen, wird der Donner immer lauter. Die Blitze kommen näher. Und wir? Wir fühlen uns so klein, wie die einsame Insel, auf der wir unser Zelt aufgeschlagen haben.

Helgoland Düne
Während im Hintergrund die Klippen von Helgoland grüßen, lässt es sich bei einem Ausflug auf die Düne wunderbar entspannen.
Helgoland Reisebericht
Ungemach im Anmarsch: Bereits am Abend verdunkelte sich so langsam der Himmel über der Düne.

Helgoland: Irgendwo in der Nordsee

Die Düne ist die winzige Schwesterinsel des bereits ziemlich winzigen Helgoland. 1.250 Meter lang und 800 Meter breit liegt sie mitten in der offenen Nordsee, knapp 50 Kilometer vom deutschen Festland entfernt. Während das Unwetter über uns seinen Launen freien Lauf lässt, fühlen wir uns Mutter Natur genauso ausgeliefert, wie dieses kleine Stück Land im Nirgendwo.

1721 wurde die Düne während der sogenannten Neujahrsflut von Helgoland abgetrennt und ist seitdem erst eine eigene Insel. Heute ist sie unbewohnt, doch befinden sich hier ein Flugplatz, ein Strandrestaurant und ein Campingplatz. Auf letzterem haben wir unser Wurfzelt aufgestellt, das in diesem Moment zerbrechlich wirkt wie ein Sektglas im freien Fall gen Betonboden. Es blitzt. Es donnert. Und mitten drin bangen wir.

Helgoland Reisebericht
Hafen der Düne: Mit der Fähre braucht man etwa fünf Minuten von Insel zu Insel.
Helgoland Düne Nordstrand
Nordseefeeling pur versprüht der Nordstrand auf der Düne.

Geteiltes Leid?

Als die Windböen leiser und die Regentropfen sanfter werden, entschließen wir uns, unseren Notfallplan aufzugeben. Im strömenden Regen hätten wir unsere Sachen gepackt und wären wir in Richtung Flugplatz auf der Düne gerannt. Doch Mutter Natur will es uns so leicht nicht machen. Nicht einmal, sondern gleich zweimal entschließt sich das Unwetter, zu einer weiteren Runde anzusetzen. Nicht weniger kräftig als zuvor ergießt sich der Himmel über die Abgeschiedenheit.

Während wir uns erneut nicht dazu durchringen können, zum Flugplatz zu stürmen, drehen sich unsere Gedanken um die wohl bekanntesten „Bewohner“ der Düne. Am späten Nachmittag hatten wir die Insel einmal umkreist und dabei zum ersten Mal in unseren Leben Robben in freier Wildbahn erlebt. Zunächst nur eine einzige, die ab und an vor der Aade, dem Ostteil der Düne, ihren Kopf aus dem Wasser streckte. Ob sie gerade auch Notfallpläne schmiedet?

Helgoland Düne Aade Robbe
Suchbild! Findest du die Kegelrobbe?

Kegelrobben vor Helgoland

War diese Begegnung schon aufregend genug, konnten wir am Südstrand schließlich unseren Augen nicht trauen. Das mag abgedroschen klingen, doch plötzlich standen wir einer nur wenige Dutzend Meter entfernten Robbenherde gegenüber – ein surreales Gefühl, denn die Tiere kannten wir bislang nur aus Phoenix-Dokus. Mit genügend Sicherheitsabstand ließen wir uns auf dem kühlen Sand nieder. Ein Moment zum Innehalten.

Um uns herum hatten sich bereits ein paar Hobbyfotografen in Stellung gebracht, um ihr Portfolio in Sachen Tierfotografie auszubauen. Uns stille Beobachter einte der Respekt vor jenen Geschöpfen, denn die hier lebenden Kegelrobben gehören immerhin zu den größten in Deutschland lebenden Raubtieren. John und ich verzichteten darauf, den Moment für das perfekte Robbenmotiv abzupassen, und analysierten stattdessen die putzig plumpen Bewegungen der Riesensäuger. Natürlich nicht ohne den Versuch einer Parodie, bei dem wir uns im Sand suhlten.

Helgoland Kegelrobben
Am Südstrand der Düne trafen wir auf diese Herde Kegelrobben.
Helgoland Düne Kegelrobben
Um die Kegelrobben nicht zu (ver-)stören, sollte man unbedingt einen Mindestabstand von 30 Metern halten.

Helgoland Ausflug: Abseits des Touristenstroms

Angesichts dieses Erlebnisses erstaunt uns, dass viele Helgolandbesucher es bei einem Besuch der Hauptinsel belassen. Gleichzeitig sind wir froh darüber, denn zu viel Tumult können die Kegelrobben auf der Düne beim besten Willen nicht gebrauchen. Generell waren wir positiv überrascht, wie gut man den Touristenströmen auf Helgoland aus dem Weg gehen kann – obwohl selbst die Hauptinsel unwesentlich größer ist als die Düne.

Vormittags legen gleich mehrere Fähren im Hafen von Helgoland an und bringen etliche Tagestouristen auf die Insel. Ihre Zeit ist begrenzt, und so setzen fast alle von ihnen sofort zu einem Rundgang auf dem Oberland an oder kaufen günstig Alkohol und Zigaretten – denn Helgoland ist zoll- und steuerbefreit. Unsere Devise: Einfach gegen den Strom laufen und erst dann zum Standardprogramm antreten, wenn die meisten Tagesausflügler schon wieder die Heimreise angetreten haben. Wir hatten schließlich zwei Tage auf hoher See angesetzt und entsprechend genügend Zeit, das kleine Helgoland in aller Gemütlichkeit zu erleben.

Helgoland Ankunft
Ankunft auf Helgoland: Erste Attraktion eines Ausflugs sind die bunten Hummerbuden entlang der Hafenstraße.
Helgoland Strand Hafen
Ein bisschen Südseefeeling gibt es auf Helgoland ebenso zu erleben.

Basstölpel: Fashion made in Helgoland

Bevor wir am späten Nachmittag mit der Fähre für einen ersten Ausflug auf die Düne übersetzten, erkundeten wir zunächst die Ostküste Helgolands. Eine wahre Farbexplosion erwartete uns dabei am Nordstrand, wo die für „Deät Lun“ typisch ziegelroten Klippen des saftig grünen Oberlands steil ins strahlend blaue Meer hinabstürzen. Aufgrund der starken Strömung ist das Baden hier verboten – eine weitere Laune der Natur, uns diesen Genuss zu verwehren!

Ihre Laune nicht im Zaum halten konnte Mutter Natur auch rund um den berühmten Lummenfelsen. Lummen bekamen wir zwar nicht zu Gesicht, doch dafür hatten Dutzende Basstölpel bereits eine kräftige Duftnote hinterlassen. Diese hatten sichtlich Spaß daran, in der Meeresbrise an Ort uns Stelle zu schweben. So viel Spaß, dass ein Basstölpel sein Geschäft vor lauter Freude direkt vor unserer Nase verrichtete. Johns schwarze Adidas-Jacke war daraufhin weiß gesprenkelt. Fashion made in Helgoland.

Helgoland Ostküste
Spaziergang an der Ostküste Helgolands: Im Frühsommer grünen die Gräser besonders schön.
Helgoland Nordstrand
Strandidylle bei einem Ausflug an die Nordküste von „Deät Lun“. Baden leider verboten.
Helgoland Silbermöwen
Da sind sie, die besagten Basstölpel. Welcher davon wohl der Übeltäter war?
Fashion made in Helgoland: Johns Jacke nach dem kreativen Erguss eines Basstölpels.

Pinneberg: Eine Helgoländer Kuriosität

Gleich daneben, wie auf Helgoland eigentlich alles „gleich daneben“ liegt, befindet sich ein weiteres Kuriosum des Eilands. Der 61,3 Meter hohe Pinneberg ist nicht nur die höchste Erhebung der Hauptinsel, sondern auch des gleichnamigen Landkreises auf dem Festland, zu dem Helgoland gehört. Nach der kürzesten Wanderung unserer bisherigen Reisen konnten wir es uns daher nicht nehmen lassen, 1 THING TO DO am obligatorischen Gipfelkreuz zu verewigen. We made it!

Nach diesem schweißtreibenden Gipfelsturm, unserem Stelldichein mit einem kreativ begabten Basstölpel sowie einem Selbstversuch im Parodieren von Kegelrobben wurde unser Wochenende schließlich auf Helgoland gekrönt von einem urigen Nickerchen. Vor Abfahrt unserer Fähre nach Bremerhaven ließen wir uns in einem Strandkorb an den Landungsbrücken nieder und lauschten den hanseatischen Klängen eines urigen Keyboardspielers.

Helgoland Pinneberg
Geschafft! Der Pinneberg ist die höchste Erhebung Helgolands. Da darf ein Gipfelkreuz nicht fehlen.
Schleichwerbung am höchsten Punkt der Nordseeinsel. Sehr empfehlenswert, dieser Blog!

Helgoland: Slow Travel für Anfänger

Es gelang dem Urgestein, uns bereits nach wenigen Takten in Trance zu spielen. Unsere Augenlider wurden sekündlich schwerer, wie auch die Strandkorbpolster sekündlich gemütlicher wurden. Da konnte selbst das so flott vorgetragene „Ein kleiner grüner Kaktus“ uns nicht davor bewahren, in den siebten Himmel über Helgoland abzudriften. Hollari, hollari, hollaro.

Unser hypnotischer Zustand in diesem Moment war symptomatisch für unseren Ausflug nach Helgoland: Nur zwei Tage auf der Nordseeinsel hatten es mühelos geschafft, uns komplett aus dem Alltag zu reißen und jeglichen Stress hinter uns zu lassen. Genau dafür ist Helgoland wie gemacht: Fernab des Festlands ticken die Uhren anders. Abgelegen in der oft stürmischen Nordsee gibt es hier so wenig, und doch irgendwie alles. Aufgrund der kleinen Landmasse schärfen sich die Sinne fürs Wesentliche ganz automatisch.

Unser 1 THING TO DO für Helgoland liegt in genau dieser Erfahrung: Sei kein Tagesausflügler, sondern nimm dir Zeit, die Insel auf dich wirken zu lassen. Denn auf Helgoland beginnt Slow Travel schon am zweiten Tag.

Helgoland Oberland
Aussicht in Richtung Süden, der die „Größe“ Helgolands ganz gut verdeutlicht.
Helgoland Lange Anna
Darf in unserem Helgoland Reisebericht natürlich nicht fehlen – ein Schnappschuss von der Langen Anna, dem Wahrzeichen des Eilands.

Helgoland Ausflug: Unser 1 THING TO DO

Was? Gönn dir genügend Zeit, um Helgoland und seine Schwesterinsel, „die Düne“, während deines Ausflugs zu erleben. Mach es genau anders, als die meisten Tagesausflügler, die am Vormittag ankommen und einmal um die Insel stapfen, um schon am frühen Abend wieder die Heimreise anzutreten.
Wo? Unsere Empfehlung für die Übernachtung ist der Campingplatz auf der Düne.
Wie viel? Auf dem Campingplatz kannst du dein Zelt ab acht Euro pro Nacht aufschlagen und die Abgeschiedenheit der Düne genießen. Dazu kommen vier Euro pro Nacht und Person. 
Wieso? Helgoland ist aufgrund seiner kleinen Landmasse ein Paradies für Slow Traveller. In vergleichsweise wenig Zeit hast du die Möglichkeit, so ziemlich jede Ecke der Insel(n) abzugrasen – bitte nicht wörtlich nehmen! – und ein Verständnis für Kultur und Lebensbedingungen der Bewohner vor Ort zu bekommen.

Beim Stichwort „Trauminsel“ denkst du vielleicht eher an von Palmen gesäumte Puderzuckerstrände in der Karibik. Dennoch haben wir uns entschlossen, mit unserem Helgoland Reisebericht an der Blogparade „Trauminseln und Inselträume“ von Unterwegsmitkind teilzunehmen. Unser 1 THING TO DO macht schließlich deutlich, wieso Helgoland uns wahrlich zum Träumen brachte! Weitere deutsche Inselgeschichten von uns liest du in unserem Rügen Reisebericht sowie unserem Usedom Reisebericht

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Helgoland Ausflug

Comments:

  • 26. Dezember 2018

    Hallo Ihr Lieben,
    toll, diesen Beitrag über Helgoland gefunden zu haben. Ich sprecht mir aus dem Herzen, besonders um das „Warum Helgoland“ herum. Schön, die Frühlingsbilder zu sehen. Wir waren jetzt 2 x im Winter dort und ich einmal eine Nacht im Sommer. Darüber habe ich auch einige Beiträge verfasst. Ihr habt vollkommen recht: 3 Stunden Aufenthalt und dann wieder zurück aufs Festland werden der Insel gar nicht gerecht. Wir hatten bisher immer eine Ferienwohnung auf dem Oberland. Wer also im Dezember nicht campen mag (hihi), wird sicherlich auch ein Hotelzimmer oder eine Ferienwohnung finden.
    Gruß und viel Freude noch beim Schreiben und Reisen!Finja

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  • Stefanie

    2. April 2017

    Helgoland. Gute Entscheidung. Ich liebe die Insel auch; die Düne ganz besonders. Die besten Sachen kriegt man bei einem Tagesausflug einfach nicht mit: Sonnenauf- und -untergang, Knieper zum Abendessen (Taschenkrebse), in der ältesten Disco Deutschlands auf mindestens einen Drink vorbeischauen. Die Wolken auf Euren Fotos sehen übrigens super aus!!!

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  • 1. April 2017

    Hallo ihr beiden, ein schöner Bericht, der ganz unseren Erfahrungen entspricht. Wir waren zu Beginn unserer Reise ins Mittelmeer im Juli 2013 auch auf Helgoland. Aber in einer Sache muss euch eine alte Lehrerin belehren: die weißen Sprenkel auf der Adidasjacke stammen nicht von einer Silbermöwe, sondern von einem Basstölpel.
    Liebe Grüße aus Italien von Christine von der Anima mea

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  • 1. April 2017

    Lieber Marc (und lieber John),
    da kann ich mich Anni nur anschließen: Toller Bericht. Ich habe mit euch gebangt und gestaunt. Und ihr habt so recht: Inseln sind für Slowtraveller einfach ein Paradies! Vielen Dank für euren Beitrag zur Blogparade!
    Liebe Grüße
    Gela

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  • 1. April 2017

    Welch‘ ein wunderschöner Bericht, vielen Dank dafür. Die Fotos sind ganz wunderbar und am allerliebsten würde ich jetzt sofort meine Zelte hier abbrechen und auf diese Insel reisen. Wenn sie nur nicht so weit weg wäre und auch noch so weit draußen… Ich hab’s ja leider nicht so sehr mit Schifffahrten, alleine beim Gedanken daran, über die Nordsee zu „holpern“ , werde ich schon seekrank. Aber egal, es ist und bleibt ein Traum von mir, alle deutschen Inseln irgendwann zu besuchen.

    Viele Grüße von Anni

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