Budapest, Belgrad, Sofia: Im Nachtzug über den Balkan

Im Nachtzug von Budapest nach Belgrad, von Belgrad nach Sofia: Die Nachtzüge auf dem Balkan sind berühmt berüchtigt. In entgegengesetzter Richtung des Flüchtlingsstroms machten wir unsere ersten Erfahrungen im Nachtzug auf dem Weg von Budapest nach Belgrad sowie von Belgrad nach Sofia. Ein Rückblick auf unfreundliche Grenzpolizisten und viel Halbschlaf in Embryo-Stellung. Geschrieben von Marc.

Nachtzug Budapest Belgrad Sofia

Ankunft in der serbischen Hauptstadt: Auf unserer ersten Balkanreise waren wir sowohl mit dem Nachtzug von Budapest nach Belgrad als auch mit dem Nachtzug von Belgrad nach Sofia unterwegs.

Erste Erfahrung im Nachtzug

Budapest Keleti. Eine Woche später, und wir wären vom Budapester Ostbahnhof gar nicht mehr weggekommen. Schon während unserer Tage in Budapest campierten hunderte, wenn nicht gar tausende Flüchtlinge im und um den Bahnhof. Wenige Tage später stürmten sie die Züge in Richtung Nordwesten, bevor die ungarische Regierung entschied, den Bahnhof für einige Tage komplett zu sperren.

Auf unserem Balkan-Trip von Krakau nach Thessaloníki aber waren wir in umgekehrter Richtung gen Südosten unterwegs. Von Budapest aus sollte es per Nachtzug nach Belgrad gehen. Es sollte unsere erste Erfahrung im Nachtzug werden. Besonders praktisch erschien uns dabei, durch die Fahrt im Nachtzug eine Unterkunft zu sparen und gleichzeitig hunderte Kilometer zurückzulegen.

Budapest-Keleti

Budapest-Keleti: Ein in diesen Tagen tragisch-schöner Bahnhof, gleichzeitig Startpunkt des Nachtzugs von Budapest nach Belgrad.

Nachtzug von Budapest nach Belgrad

Im Nachtzug von Budapest nach Belgrad legten wir quasi im Schlaf mehr als 300 Kilometer Luftlinie zurück. Zuvor galt es natürlich, am Budapest Keleti unsere Tickets für den Nachtzug zu kaufen. Hierfür gibt es auf der linken Seite des Bahnhofsgebäudes ein eigenes Fahrkartenbüro für internationale Reisen.

Um dort ein Nachtzug-Ticket zu erstehen, zieht man zunächst eine Wartemarke. Die Abfahrt- und Ankunftszeit des Nachtzugs von Budapest von Belgrad hatten wir im Vorfeld bereits über die App der Deutschen Bahn recherchiert. Natürlich empfiehlt es sich aber, diese am Schalter noch einmal zu prüfen. Obwohl wir automatisch einen Platz im Liegewagen des Nachtzugs zugewiesen bekamen, sollte man zur Sicherheit auch hier noch einmal nachhaken, wenn man die Nacht nicht auf einem Sitzplatz verbringen möchte. Und wie immer gilt natürlich: Je früher man die Tickets kauft, desto besser.

Budapest Flüchtlinge

Krasser Gegensatz zum pompösen Gebäude: Flüchtlinge am Budapester Ostbahnhof.

Bratislava meets Berlin

Vor der Abfahrt mit dem Nachtzug gen Belgrad deckten John und ich uns noch einmal mit – wie gewohnt zu viel – Proviant ein. Wir versuchten dabei, möglichst ausgewogen einzukaufen. Natürlich ist es aber schwierig, sich ohne Kühlschrank und Aufwärmmöglichkeit gesund und sättigend zu ernähren. In der Regel belief sich der Einkauf daher auf belegte Brote mit Ei, Wurst, Käse und etwas Gemüse, ein bisschen Obst, einen Joghurt und natürlich ein bis zwei besonders gesunde Dosen Bier.

Unser Sechs-Personen-Abteil im Nachtzug von Budapest nach Belgrad teilten wir uns mit einem jungen Kerl aus Bratislava, den wir – für uns wenig überraschend – zufällig auch auf einer Gay Party in Belgrad wiedersehen sollten. Die Welt ist eben ein Dorf, und Belgrad vielleicht noch mehr. Insgesamt verlief die Fahrt im Nachtzug jedoch wenig kommunikativ. Deshalb entwickelte sich aus unserer ersten Erfahrung im Nachtzug leider keine epische Story, die wir in Jahrzehnten noch erzählen werden.

Nachtzug Budapest Belgrad

Der Nachtzug von Budapest nach Belgrad am Bahnhof Budapest Keleti.

Nachtzug-Luxus Marke Reichsbahn

Ein großer Vorteil am halb leeren Abteil im Nachtzug von Budapest nach Belgrad war, dass man sich so besser entfalten konnte. John und ich schliefen auf den obersten beiden Betten mit der Gepäckablage direkt hinter uns, sodass wir auch unser Hab und Gut stets griffbereit hatten.

Nachdem wir Budapest in Richtung Belgrad verlassen hatten, wurde es draußen stockfinster. Nach einem Bier relativ machten wir es un schnell in unseren Seidenschlafsäcken gemütlich. Die Betten im alten Reichsbahnzug von Budapest nach Belgrad waren sogar relativ komfortabel, denn immerhin konnten wir unsere Beine voll durchstrecken. Manchmal freut man sich eben irgendwann auch über kleinere Vorzüge.

Nachtzug Budapest Belgrad

Im Nachtzug spart man sich die Suche einer Unterkunft, muss allerdings mit weniger Komfort zufrieden sein. 😉

Grenzerfahrung Nachtzug

Weniger förderlich für unseren Schlaf waren die nächtlichen Grenzkontrollen. Schließlich verließen wir im Nachtzug von Budapest nach Belgrad nicht nur Ungarn, sondern auch die EU in Richtung Serbien. Das bedeutete gleich zwei Grenzkontrollen, die uns entsprechend auch zweimal aus dem Schlaf rissen.

Zunächst klopfte uns der Schlafwagenschaffner wach, damit wir unsere Tür entsperren, was aus Sicherheitsgründen im Nachtzug Gang und Gäbe ist. Anschließend klopften die Grenzpolizisten an die Türen von Abteil zu Abteil. Das aufdringliche Klopfen kam immer näher.

Doch was so streng klang, entpuppte sich zumindest im Nachtzug von Budapest nach Belgrad einmal als ziemlich freundliche Angelegenheit. Einer der Polizisten war Deutscher und freute sich dementsprechend über einen kurzen Plausch auf seiner Landessprache…

Nachtzug Budapest Belgrad

Belgrad in Sicht: Nach Grenzkontrollen und einigen Stunden Schlaf im Nachtzug aus Budapest näherten wir uns der serbischen Hauptstadt.

Ankunft in Belgrad

Nachdem wir die Grenze(n) hinter uns gelassen hatten, schliefen wir bis zum neuerlichen Weckgang unseres Schaffners. Nach am Ende doch recht erholsamer Nacht begaben wir uns flott in den Gang, um in typischer Nachtzug-Manier Arme und Köpfe aus dem Fenster zu hängen, während wir in Belgrad einfuhren.

Im Sonnenaufgang fuhren wir durch die Gewerbegebiete Belgrads und überquerten die golden schimmernde Save, bevor der Zug zu unserer Überraschung ziemlich pünktlich stoppte und wir uns ins Belgrader Stadtgetümmel warfen.

Nachtzug Budapest Belgrad

Im Morgengrauen führte uns der Nachtzug von Budapest nach Belgrad durch Industrie- und Gewerbeparks.

Nachtzug von Belgrad nach Sofia

Unsere nächsten Erfahrungen im Nachtzug von Belgrad nach Sofia waren im Vergleich zu ersten Fahrt weniger erfreulich. Doch der Reihe nach: Der Hauptbahnhof von Belgrad ist deutlich beschaulicher als Budapest Keleti. Der Fahrkartenschalter für internationale Zugfahrten war dementsprechend schnell gefunden.

Die Nachtzug-Zeiten hatten wir im Vorfeld wieder per App recherchiert, sodass der Ticketkauf auch ohne gegenseitige Sprachkenntnisse reibungslos verlief. Vor der Abfahrt des Nachtzugs besorgten wir uns wieder das übliche Proviant – und es war immer noch zu viel – bevor wir uns bei deutlich über 30 Grad gegen 21 Uhr zum Nachtzug von Belgrad nach Sofia begaben.

Nachtzug Belgrad Sofia

Im Nachtzug von Belgrad nach Sofia ist der Name Programm. Denn aus viel mehr als dem einen Liegewagen bestand der Zug auch gar nicht.

Nachtzug-Sauna gen Sofia

Angekommen im Abteil, war es zu unserer leidvollen Überraschung im Zug noch wärmer als draußen. Wunder gibt es ja bekanntlich inmer wieder. Lief einem außerhalb des Nachtzugs schon der Schweiß, lehnten wir uns im Inneren aus den Fenstern, um uns die vermeintlich kühle Luft zuzufächern.

„It’s like a sauna“, befanden schließlich auch die beiden jungen Australier, die ebenfalls in unserem Abteil unterkamen. Hinzu kamen schließlich noch zwei Schweizer, was das Sauna-Feeling natürlich perfekte machte.

Nachtzug Belgrad Sofia

Unsere Nachtzug-Sauna von Belgrad nach Sofia.

Embryos im Nachtzug nach Sofia

Eigentlich waren wir nach unserer Erfahrung im Nachtzug von Budapest nach Belgrad ganz froh über Gesellschaft im Abteil und freuten uns auf angeregte Nachtzug-Gespräche. Doch erneut wurde daraus nichts: Allen voran die beiden Australier legten sich sehr früh schlafen, und natürlich folgten ihnen unsere Schweizer Mitfahrer sogleich.

„Was soll’s?“, dachten wir uns, tranken unsere lauwarme Bierplörre und begaben uns auf unsere Schlafplätze. Es war erneut ein alter Zug der Reichsbahn, der uns von Belgrad nach Sofia chauffierte. Einzig: Die Betten waren deutlich kürzer, weshalb wir die Nacht in Embryo-Stellung verbrachten. Diese wurde noch dadurch verkrümmt, dass die Gepäckablage an unseren Köpfen angesichts des vollen Abteils so befüllt war, dass die Rucksäcke auf unsere Betten ragten.

Nachtzug Belgrad Sofia

Am nächsten Morgen erreichten wir im Nachtzug aus Belgrad Bulgarien, wo sich die Bilder auf dem Weg nach Sofia glichen.

Pure Freundlichkeit in Sofia

Nachdem wir das Licht dimmten und für einige Stunden weggedöst waren, ereignete sich das gleiche Spiel wie schon im Nachtzug von Budapest nach Belgrad: Grenzkontrollen. Diesmal verließen wir Serbien (erste Grenzkontrolle), betraten die EU (zweite Grenzkontrolle) und damit natürlich auch Bulgarien (dritte Grenzkontrolle). Schön, wie effizient sowas doch abläuft.

Jede einzelne dieser Grenzkontrollen hatte ihren ganz eigenen Charme. Es schien fast, als würden die Grenzpolizisten von Mal zu Mal lauter in ihrem Klopfen, von Mal zu Mal grimmiger in ihrer Mimik und von Mal zu Mal unfreundlicher in ihrem Auftreten. Zudem wurden einzelne Pässe nicht einfach nur kontrolliert, sondern eingesammelt und erst nach längerer Überprüfung wieder herausgegeben. Die Kontrollen zogen sich.

Nachtzug Belgrad Sofia

Im Hintergrund sieht man bereits das Witoschagebirge, das sich „hinter“ Sofia befindet.

Ankunft per Nachtzug in Sofia

Irgendwann sollten wir jedoch auch diese Strapazen hinter uns haben und noch einmal schlafen können. Zuvor hatten wir den Wecker gestellt, um die Ankunft in Sofia nicht zu verpassen. Als dieser klingelte, waren es aber gut und gerne noch einmal drei Stunden bis zur tatsächlichen Ankunft, denn der Nachtzug von Belgrad nach Sofia war mit einiger Verspätung im Gepäck unterwegs.

Im Morgenlicht zog an uns nun Feld an Feld vorbei, bevor schließlich das Witoscha-Gebirge immer näher kam, das die bulgarische Hauptstadt Sofia umgibt. Sofia ist die einzige europäische Hauptstadt in unmittelbarer Nähe eines Zweitausenders und gilt dem einen oder anderen als „das nächste Berlin“. Gespannt, gerädert und um eine Erfahrung reicher verließen wir also den Nachtzug von Belgrad nach Sofia – die nächste Hauptstadt im Visier.

Bahnhof Sofia

Ein sozialistisches Überbleibsel am Hauptbahnhof von Sofia: Auf zum nächsten Abenteuer!

Am Ende des Artikels verweisen wir natürlich gerne noch auf unsere Berichte aus den drei genannten Städten: Unser Reisebericht aus Budapest (2015) • Belgrad (2015) • Sofia. Weitere Geschichten aus Osteuropa kannst du außerdem in unserem Projekt GO EAST! erstöbern: Reiseziele in Osteuropa neu entdecken.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

9 thoughts on “Budapest, Belgrad, Sofia: Im Nachtzug über den Balkan”

  1. Pingback: Das erste Mal. Budapest. | Kiraton.
  2. Trackback: Das erste Mal. Budapest. | Kiraton.
  3. Paleica says:

    die zweite nachtzugepisode hört sich durchaus abenteuerlich an. die hitze, brrr.

  4. ReiseSpeisen says:

    Oh, ich bin gespannt auf eure Sofia-Erfahrungen! 🙂 Ich empfehle eine sehr coole Location für Sofia: The Apartment. Eine große Wohnung, die für jeden zugänglich ist und in der hausgemachtes sauleckeres Essen zubereitet wird. Küche, Bad und viele individuell gestaltete und gemütliche Räume, in denen unterschiedliche Musik läuft. http://www.tripadvisor.com/Restaurant_Review-g294452-d952099-Reviews-The_Apartment-Sofia_Sofia_Region.html

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir sind ja leider schon wieder zurück – von The Apartment hatten wir auch gehört, haben es aber vor Ort ausgelassen. Wir waren nach einem Marktbesuch schon übersättigt. 🙂

  5. sylviawaldfrau says:

    Ihr habt mich wieder auf eure Reise mitgenommen. Erinnert mich an meine eigenen Zugfahrten vor vielen Jahren von Split nach München (ohne Schlafwagen) oder die Fahrten mit dem Orientexpress von Paris nach Innsbruck, der immer gerammelt voll war und Leute sogar vor den Abteilen im Gang schliefen. Habe aber immer nette Leute kennengelernt.

  6. UryArt says:

    Überstanden und überlebt 🙂
    Ein voller Zug, der sich langsam Richtung Ziel schleppt, kann vieles über das Land erzählen. Ich kenne nur die russischen Züge und die sind eine Nummer härter (so wie die Liegen).
    Deshalb danke für eure Beschreibung, war für mich etwas Neues.
    Artur

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir danken dir! 🙂

  7. Tobias S says:

    War nicht Athen das neue Berlin? http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/38/griechenland-athen-krise-kreativitaet-freiraeume 😉

    Bin jedenfalls gespannt, was Ihr über Sofia zu erzählen habt!

    1. 1 THING TO DO says:

      Athen, Warschau, Budapest, Belgrad… irgendwie sind ja viele Städte „das neue Berlin“, am Ende scheitern wohl die meisten. 🙂 Was sich seit unserem 1 THING TO DO in Athen allerdings getan (oder nicht getan) hat, würden wir uns auch gerne vor Ort mal anschauen…

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