Mavrovo-Nationalpark

Im hügeligen Nordmazedonien kannst du in drei Nationalparks in die Natur des Balkans aufbrechen. Im Mavrovo-Nationalpark wollten wir unsere Wanderschuhe zum Glühen bringen, doch es blieb im Westen Nordmazedoniens beim Versuch. Wieso, das verraten wir in unserem misslungenen Wanderbericht aus dem Mavrovo-Nationalpark. Geschrieben von John & Marc.

Von Skopje in den Mavrovo-Nationalpark

Einen Tag nachdem wir in der Matka-Schlucht unser 1 THING TO DO für Skopje entdeckt hatten, brachen wir in den Mavrovo-Nationalpark auf. Dieser ist mit 731 Quadratkilometern der größte der drei nordmazedonischen Nationalparks und liegt im Nordwesten der Balkanrepublik. Mit dem Bus ging es nach Mavrovi Anovi, einem kleinen Dorf mit hübschen (Ferien-)Häuschen, gepflegten Gärten und schönem Blick über den Mavrovosee. Gewissermaßen ein Kuriosum: Das eigentliche Mavrovi Anovi musste dem Stausee nämlich weichen und wurde an heutiger Stelle wiederaufgebaut.

Im Mavrovo-Nationalpark angekommen, aßen wir zunächst zu Mittag, bevor wir unsere Wanderung begannen. Leider mussten wir schnell feststellen, dass es bis auf eine kleine Karte an der Hauptstraße keine ernsthafte Beschilderung gab. Wir wanderten also auf gut Glück los und brauchten mindestens drei Anläufe, um überhaupt einen der angepriesenen Wanderwege durch den Mavrovo-Nationalpark zu finden.

Tipp: Die anderen beiden Nationalparks Nordmazedoniens befinden sich im Südwesten des Landes. Der ↠ Galičica-Nationalpark erhebt sich zwischen ↠ Ohridsee und Prespasee an den Grenzen zu Albanien und Griechenland, während sich der ↠ Pelister-Nationalpark im Baba-Gebirge bei Bitola ausbreitet.

Mavrovo Nationalpark Mazedonien
Im Mavrovo-Nationalpark am gleichnamigen See: Sankt-Kyrill-und-Method-Kirche am Ortseingang von Mavrovi Anovi.

Mavrovi Anovi: Auf und ab im Mavrovo-Nationalpark

Bei diesen Versuchen legten wir bereits den einen oder anderen Höhenmeter zurück. Allerdings kamen wir nach jeweils steilem Anstieg irgendwann immer wieder zur Hauptstraße von Mavrovi Anovi zurück. In der schweißtreibenden Hitze machte sich so langsam aber sicher Frust breit. Dem anvisierten Gipfel im Mavrovo-Nationalpark waren wir im Endeffekt schließlich noch keinen Zentimeter näher gekommen.

Drei Kreuze machten wir, als wir endlich einen Weg, ja sogar den von uns favorisierten Weg fanden. Dieser schien jedoch schon auf ersten Metern seit Jahrzehnten nicht mehr begangen worden zu sein. Gleich am Anfang mussten wir uns durch Gestrüpp und Geäst winden und biegen, um überhaupt im Schneckentempo in Richtung luftiger Höhen zu gelangen. Doch was uns auf dem weiteren Weg im Mavrovo-Nationalpark wiederfuhr, erlebten wir nicht einmal zuvor beim ↠ Wandern in der Hohen Tatra in Polen.

Übrigens: Im Nachhinein ist man immer schlauer. Mittlerweile schwören wir auf die Offline-Karten von ↠ MAPS.ME – und siehe da: Dort führt kein einziger Wanderweg von Mavrovi Anovi hinein in den Mavrovo-Nationalpark. Aber dies nur als Hintergrund und Belustigungsgrundlage für die folgenden Zeilen.

Mavrovo Nationalpark Mazedonien
Mavrovi Anovi ist ein kleines Dorf im Mavrovo-Nationalpark und besteht aus zahlreichen schicken (Ferien-)Häuschen.

Mavrovo-Nationalpark: Aufstieg ins Nichts

Auch wenn wir froh waren, dass es nun überhaupt mal durchgängig bergauf ging, hatte es dieser Anstieg absolut in sich. Konnten wir uns in der Hohen Tatra bei steilen Anstiegen hin und wieder noch an Ketten hochziehen, versackten wir hier inmitten des Mavrovo-Nationalparks immer wieder in Laub und lockerer Walderde.

Bereits nach wenigen Minuten floss uns der Schweiß von der Stirn. Im Wald zwar geschützt vor praller Sonne, kämpften wir uns bei trotzdem deutlich über 30 Grad im Schatten Höhenmeter für Höhenmeter nach oben. Das Schlimmste daran waren die Hundertschaften von Mücken und Fliegen: Die kleinen Viecher nutzten uns als Sessellift gen Gipfel und machten es sich folglich immer wieder auf unseren verschwitzten Visagen gemütlich.

Aussicht auf den Mavrovosee

Am Ende dieses steilen Anstiegs die blanke Ernüchterung: Folgten wir bisher noch den Wandermarkierungen, waren diese plötzlich spurlos verschwunden. Keine neuen Wegweiser. Keine Hinweise. Nichts! Wir entschlossen uns daher, uns auf einer Wiese Orientierung zu verschaffen, und doch entdeckten wir nirgends auch nur einen Hauch von Weg, der uns in Richtung etwaiger Gipfel des Mavrovo-Nationalparks bringen sollte. Immerhin wurden wir mit einer wirklich schönen Aussicht auf den Mavrovosee vertröstet.

Angesichts der Hitze und der bereits stark voran geschrittenen Zeit – wir mussten schließlich noch an diesem Tag irgendwie zurück nach ↠ Skopje – machten wir uns gezwungener Maßen auf den Rückweg. Die Aussicht auf ein Bad im Mavrovosee war in diesem Moment verheißungsvoller als die Hoffnung, doch noch irgendeine Aussicht von irgendeinem Gipfel genießen zu können.

Mavrovo Nationalpark Mazedonien
Kleiner Trost im Mavrovo-Nationalpark: Aussicht über den Mavrovosee.

Ein Bad im Mavrovosee

Unser Entdeckerdrang verbot es uns, den gleichen Weg zurückzunehmen, den wir bereits beim Anstieg kennen lernen „durften“. Also liefen wir einfach irgendwo bergab quer durch den Wald, was sich als großer Fehler herausstellen sollte. Schon bald war das Gebüsch hier im Mavrovo-Nationalpark so dicht, dass wir uns nur noch mit Stöcken einen Weg frei schlagen konnten. Höhepunkt: ein Feld aus meterhohen Brennnesseln. Die Launen auf dem Tiefpunkt. Augen zu und durch.

Doch immerhin: Rettung nahte. So langsam hörten wir die Straße wieder, bis wir letztlich an ein Haus am Rande von Mavrovi Anovi gelangten. Die Zivilisation hatte uns wieder, wenn man bei diesem Bergdörfchen überhaupt von wirklicher Zivilisation sprechen konnte. Noch immer war es mega heiß, und so juckte nach dieser Wanderung, die eher einem Rumgekrauche glich, jede Stelle unserer Körper.

Mavrovo Nationalpark Mazedonien
Am Ufer des Mavrovosees im Mavrovo-Nationalpark.

Der mit den Fischen schwamm

Um uns von der Schicht aus Schweiß, Spinnweben und Nadeln zu befreien, suchten wir sofort das Ufer des Mavrovosees auf. Komischerweise waren wir die einzigen Menschen an und später auch in diesem See. Doch noch viel komischer war das Verhalten der kleinen Fische darin.

Waren wir aus heimischen Gewässern gewohnt, dass die kleinen Fische vor uns flüchten, kamen hier plötzlich alle auf uns zu geschwommen – und zwar in ganzen Schwärmen. Irgendwie stießen mich das und die Kälte des Wassers so sehr ab, dass ich beschloss, lieber am Kieselstrand zu verweilen, während Marc vergnügt mit den Fischen schwamm.

Mavrovosee Mazedonien
Angekommen am Ufer des Mavrovosees sprangen uns erste Wolken bei, um die Hitze ein wenig zu dämpfen.

Mavrovo-Nationalpark: Über Tetovo zurück nach Skopje

Nach kurzer Verschnaufpause am See versuchten wir schließlich, per Bus irgendwie zurück nach Skopje zu kommen. Wir waren immerhin in einem kleinen Dorf irgendwo in Nordmazedonien, wo bereits ab dem späten Nachmittag kein Bus nach Nirgendwo mehr fährt.

In der Tat fuhr bereits gegen 16 Uhr kein Direktbus mehr zurück nach Skopje. Also mussten wir einen Zwischenstopp in Tetovo in Kauf nehmen, einer mittelgroßen Stadt ziemlich nahe der Grenze zum Kosovo. Nach – wenn man denn so will – ereignisreichem Tag im Mavrovo-Nationalpark erreichten wir am Abend schließlich wieder Skopje, wo es dann auch fix ins Bett ging. Am nächsten Morgen sollte bereits der Bus nach ↠ Thessaloníki auf uns warten – das Ziel unserer ersten Balkan-Reise.

Fazit: Mavrovi Anovi alleine lohnt unserer Erfahrung nach keinen Abstecher aus Skopje. Und insbesondere wenn auch du Nordmazedonien ohne eigenes Auto bereist, scheint ein Ausflug in den Mavrovo-Nationalpark mit nur einem Reisetag zu knapp bemessen. Wie so oft gilt also: mehr Zeit einplanen, langsam reisen und mit einer guten Portion Spontaneität unterwegs sein – du bist schließlich auf dem Balkan unterwegs.

Die Wanderung im Mavrovo-Nationalpark wäre unsere erste wirkliche Balkanwanderung gewesen. Auf unseren nächsten Balkan-Reisen sollten wir uns klüger anstellen – vielleicht sind aber andere Nationalparks in Südosteuropa auch einfach besser auf Reisende eingestellt. Ein Bild davon kannst du dir zum Beispiel in unseren Wanderberichten aus dem ↠ Nationalpark Valbonatal im nahegelegenen Albanien oder dem ↠ Durmitor-Nationalpark in Montenegro machen.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

Mavrovo Nationalpark Mazedonien

Comments:

  • 27/11/2015

    Mitnehmend, da ist mir gerade warm geworden. Kommt bei euch denn nicht ab und zu Angst auf, wenn ihr euch doch verirrt? Gerade wen man nicht den selben Weg zurück nimmt (also ich mache es auch so).
    Übrigens die letzten beiden Fotos wurden in der mobilen Version nicht angezeigt.

    Artur

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      • 30/11/2015

        „Geh nicht immer auf dem vorgezeichneten Weg, der nur dahin führt, wo andere bereits gegangen sind.“ (Alexander Graham Bell)

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  • 18/11/2015

    in diesen ländern gehen die uhren dann doch einfach etwas anders als bei uns… abenteuer über abenteuer 🙂

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  • Sven Illert

    17/11/2015

    Ich kenne Ähnliche Situationen noch aus meinen Bike-Abenteueren in Kroatien in der Nähe zu Bosnien-Herzegowina. Ihr habt mein Mitleid, ich denke aber, dass solche Erfahrungen einen auch immer wieder etwas lehren! Beim nächsten mal vielleicht einfach mit mehr Infos und evtl. Kartenmaterial 🙂

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  • 17/11/2015

    Oh, was für eine abenteuerliche Wanderung, die wohl nur so junge Menschen wie ihr es seid überhaupt wagen. Die Fotos sehen sehr idyllisch aus und die Natur scheint völlig unberührt zu sein. Ein paar Hinweisschilder hätten aber sicher nicht geschadet. LG Sigrid

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