Tel Aviv Geheimtipps: Im Gespräch mit Telavivnotes.com

Aus Tel Aviv berichteten wir inzwischen schon dreimal, ein 1 THING TO DO haben wir jedoch noch nicht entdeckt. Aus diesem Grund holen wir uns Inspiration von einer, die sich in der israelischen Mittelmeermetropole bestens auskennt. Naomi von Telavivnotes.com lebt seit 20 Jahren in Tel Aviv und verrät uns neben einigen Geheimtipps auch Lösungen für die Rätsel, die uns die Stadt während unserer Reisen aufgab. Ein Interview von John & Marc.

Tel Aviv Geheimtipps

Credits: Naomi Bubis • Telavivnotes.com

Im Interview: Naomi von Telavivnotes.com

Auf Telavivnotes schreibst du, dass für dich lange klar war, eines Tages in Tel Aviv zu leben. Woher kam diese Ahnung und wann wagtest du den Schritt ins Heilige Land?

Ich verbrachte schon als Kind und Teenager alle Sommerferien mit meinen Eltern in Tel Aviv. Damals war Tel Aviv noch unberührt und rückständig im Vergleich zu Europa. Ich mochte die Einfachheit: Schlappen, Shorts und T-Shirt, frischer Karottensaft und heiße Maiskolben am Straßenrand, Lagerfeuer am Strand. Auch nach der Schule bin ich weiter nach Tel Aviv geflogen, oft mit Freunden. Die Stadt hat mich nie losgelassen.

Ich habe mich hier immer wie befreit gefühlt, im Gegensatz zum konventionellen, bürgerlichen Frankfurt. Also die Ahnung war da, dass ich eines Tages hier leben werde. Umgesetzt habe ich den Traum erst 1997. Damals drehte ich als Journalistin eine Doku für das deutsche Fernsehen über ein Selbstmordattentat in Tel Aviv. Nach Abschluss der Dreharbeiten war mir klar, ich möchte nicht zurück nach Deutschland. Ich bin dann nur zum Packen und Verabschieden nach FFM geflogen, habe meine Bücher und Platten geschnappt und mir in Tel Aviv eine kleine Wohnung gemietet.

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Credits: Naomi Bubis • Telavivnotes.com

Wie einfach war es, dich als Deutsche in Tel Aviv einzuleben?

Da ich Jüdin bin, war das Einleben kein Thema. Es war ein nach Hause kommen. Wichtigster Teil meiner Integration war es, die hebräische Sprache zu lernen. Ich habe einen Intensiv-Sprachkurs gemacht, da es mir unheimlich wichtig war, auch lesen und schreiben zu können. Obwohl hier jeder ein sehr gutes Englisch spricht, öffnet Hebräisch eine andere Dimension der Integration. Die Tel Aviver sind sehr kommunikativ und offen. Ich habe schnell neue Leute kennen gelernt und Freundschaften geschlossen.

Welches ist dein Lieblingsviertel in Tel Aviv, und was macht es besonders?

Ich liebe mein Viertel, den alten Norden. Es liegt am Hayarkon-Park, dem „Central Park“ von Tel Aviv. Es ist zentral und entspannt. Ich finde, es hat die perfekte Mischung, es ist mehr als ein reines Wohnviertel. Wir haben viele Cafés und Lokale, ich kann nachts im 24-Stunden-Supermarkt einkaufen und dennoch ist das Viertel ruhig. Ich mag die Gassen, die von der Yehuda Maccabi Street abgehen, das Musik-Konservatorium mit den Klavierklängen aus den offenen Fenstern. Außerdem ist es eine richtige „neighborhood“, die Nachbarn kennen sich und reden miteinander. Es ist wie ein Kibbutz mitten in Tel Aviv.

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Jaffa gilt als arabisches Viertel Tel Avivs. Wie funktioniert das Zusammenleben dort zwischen Juden und Arabern – gerade auch im Vergleich zum Rest Israels?

Das Zusammenleben funktioniert sehr gut in Jaffa. Die Menschen leben und arbeiten zusammen. Jaffa hat sich in den letzten Jahren zu einem Trendviertel entwickelt. In den Seitenstraßen des renovierten Flohmarktes findest du viele Hipsterbars und Cafés. Es wird viel gebaut und saniert. Eine der schönsten Villenviertel ist Ajami: Traumhäuser mit Blick aufs Meer. Jaffa ist ein gutes Beispiel für die Koexistenz von Juden und Arabern.

Wo würdest du dein Quartier aufschlagen, wenn du Tel Aviv als Reisende besuchen würdest?

Ich würde mir ein Airbnb in der Nähe des Rothschild Boulevards suchen. Im alten Stadtkern mit den schönen Bauhäusern und Alleen. Da wäre ich mitten drin im Geschehen und das will man ja meist als Reisende. Seitenstraßen wie die Achad Haam, Maze oder Nachmani wären das perfekte Quartier.

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Credits: Naomi Bubis • Telavivnotes.com

Im Alphabet Club stießen wir auf der Toilette auf den Spruch „Ich tanze und tanze wie eine kleine Wanze“ – ein Hauch von Berlin. Ohnehin scheinen beide Städte sich irgendwie gegenseitig zu befruchten. Welche Rolle spielt Berlin für das (Nacht-)Leben in deiner Stadt?

Ich gestehe, dass ich nicht mehr im Nachtleben aktiv bin. Klar gehe ich gerne in eine Bar, aber die Clubzeit liegt weit hinter mir. Ich denke die beiden Städte ziehen sich an. Viele junge kreative Israelis sind nach Berlin gezogen, mittlerweile leben 30.000 Israelis in der deutschen Hauptstadt. Die Verbindung zwischen Berlin und Tel Aviv ist fast zwangsläufig.

Es geht den Israelis nicht nur um billigere Mieten und Lebenshaltungskosten. Die Vergangenheit spielt auf jeden Fall auch eine Rolle, wenn auch unterbewusst. Israelis sind in Berlin, um ihre Wurzeln zu suchen. Beide Städte sind kreative Hotspots, sodass es viele Kooperationen im künstlerischen Bereich gibt.

A propos Berlin: Manchmal fühlten wir uns in Tel Aviv auch insofern heimisch, als dass uns an so mancher Kasse oder manchem Imbiss mit „Berliner Freundlichkeit“ begegnet wurde. Täuscht der Eindruck, dass Freundlichkeit in Tel Aviv nicht allzu groß geschrieben wird?

Die Menschen sind raw und direkt, aber nicht unfreundlich. Das Leben hier ist intensiv, das Wetter heiß, da haben die Menschen schon mal eine kurze Zündschnur. Unfreundlich finde ich die Israelis nicht, der Umgang ist einfach direkter und ohne Schnörkel – und ja, manchmal unhöflich.

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Credits: Naomi Bubis • Telavivnotes.com

Während unserer ersten Reise nach Tel Aviv fand Rosh Hashana statt, das jüdische Neujahrsfest. Tel Aviv wirkte gerade in den Abendstunden wie ausgestorben auf uns. Gibt es eine Erklärung dafür?

Ja, es ist neben dem Yom Kippur – dem Versöhnungstag – der höchste jüdische Feiertag. Selbst wenn du nicht viel mit Religion am Hut hast, ist dieser Tag besonders. Für Tel Aviver spielt die Familie so wie generell in Israel eine wichtige Rolle. Freitagabend essen Familien gemeinsam. Das ist eine Tradition, die auch in säkularen Haushalten beibehalten wird. In den Abendstunden von Rosh Hashana sitzen Familie und Freunde zu Hause und begehen das traditionelle Abendessen, um das neue Jahr zu begrüßen. Dabei isst du Äpfel mit Honig, als Symbol für ein besonders süßes neues Jahr. Da sieht man kaum eine Menschenseele auf der Straße.

Ein weiteres Kuriosum unserer ersten Reise war, dass wir partout keine jener Rooftopbars ausfindig machen konnten, die wir zuvor recherchiert hatten. Auf ein Neues: Wo in Tel Aviv verbringt man den Abend am besten mit einem Drink über den Dächern der Stadt?

Es gibt oft private Feste auf Tel Avivs Dächern, die laufen von Mund zu Ohr. Das Speakeasy auf der Rothschild ist eine der gehypten Bars. Keine Garantie, dass ihr reinkommt – je nach Laune der Türsteher. Im Brown Hotel gibt es eine coole Roofbar, auch im neuen Poli House, das derselben Hotelkette angehört. Angesagt ist noch das Suramare und ein Klassiker ist die Roofbar des Suzanna in Neve Zedek.

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Credits: Naomi Bubis • Telavivnotes.com

Irgendetwas sagt uns, dass wir Tel Aviv einmal zum Purim-Fest besuchen möchten. Lohnt ein Besuch als Tourist?

Ja, wenn ihr Action mögt auf jeden Fall. An Purim gibt es die besten Parties des Jahres. Tel Aviver verkleiden sich liebend gerne, nicht nur die Kinder. Du wirst viele kreative Kostüme auf den Straßen sehen, es gibt etliche Straßenfeste und nachts fließt viel Alkohol. Die Stadt feiert Purim bis zum Anschlag. Da ist für jeden etwas dabei.

Woche für Woche wird Freitagabend der Shabbat eingeleitet und dauert bis Samstagabend an. Der öffentliche Verkehr steht still, einige Geschäfte und Restaurants und vor allem auch der Carmel-Markt sind geschlossen. Hast du Tipps für Reisende, die Tel Aviv zum Shabbat besuchen?

Die meisten Restaurants und Cafés haben am Shabbat auf. Der Anlauf ist groß, sodass ihr auf jeden Fall einen Platz reservieren solltet, wenn ihr Freitag oder Samstag ausgehen wollt. Es gibt zwar keine Busse, aber Minibusse (Monit Sherut), die auch an Shabbat durch die Stadt fahren. Außerdem könnt ihr euch ein Fahrrad leihen und am Strand entlang fahren. Der Strand ist am Shabbat überfüllt. Den Namal, den renovierten Hafen würde ich meiden am Samstag, er ist beliebtes Ausflugsziel von Familien, da kann es echt eng werden.

Als Tel Aviver gehst du am Shabbat ganz früh zum Strand, trinkst einen Kaffee an einen der Kiosken der Stadt, die so einzigartig für Tel Aviv sind. Im Sarona-Viertel kannst du am Shabbat im Sarona Market einkaufen und an den Ständen kulinarisch bestens essen (ist aber auch voll) oder in Jaffa durch die Altstadt bummeln.

Tel Aviv Geheimtipps

Credits: Naomi Bubis • Telavivnotes.com

Auf 1 THING TO DO begeben wir uns auf die Suche nach besonderen Reisemomenten, die einfach in Erinnerung bleiben – unsere 1 THINGT TO DOs. Zwar bereist du Tel Aviv nicht, sondern wohnst dort, aber trotzdem muss die Frage gestellt werden: Was ist dein 1 THING TO DO für Tel Aviv?

Leihe dir ein E-Bike und rausche mit Rückenwind über die Alleen der Stadt: Rothschild, Ben Tsyon, Chen, Ben Gurion. Gönne dir einen Eiskaffee an einem der Kioske, die es auf jeder Allee gibt und setze dich zum Sonnenuntergang auf die breiten Treppen am Frishman Strand.

In unserem Tel Aviv Reisebericht bezeichneten wir die Stadt übrigens als Miami des Nahen Ostens. Schon gelesen? Wenn ja, dann bist du bestens gewappnet für die volle Ladung an Stadtgeschichten auf Naomis Blog Telavivnotes.com mit Informationen, Tipps und Hintergründen für so ziemlich jede Situation, die dir an der israelischen Mittelmeerküste begegnen kann. Viel Spaß beim Stöbern!

Reisen um zu reisen!
John, Marc & Naomi

2 thoughts on “Tel Aviv Geheimtipps: Im Gespräch mit Telavivnotes.com”

  1. Suzy says:

    Vielen Dank für die vielfältigen Berichtr aus Israel. Ich fliege nächste Woche auch. Leider habe ich vergesden, dass bald Feiertage sind und da nichts fährt 🙁 Ha. Naja. Liebe Grüsse

    1. 1 THING TO DO says:

      Dann war das ja ein gutes Timing! 😉 Wir hoffen, du hast bzw. hattest eine schöne Zeit in Israel – auch mit den Feiertagen. Liebe Grüße!

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