Malta Dingli Cliffs

Malta ist an seiner dicksten Stelle 13 Kilometer breit. Schon vor der Reise kam uns die Frage, ob man die Hauptinsel des Archipels durchwandern könnte. Die Antwort: Es geht! Nach zehnstündiger Wanderung auf Malta erreichten wir die steil hinabfallenden Dingli Cliffs. Mal mehr, mal weniger wiesen uns dabei die geheimnisvollen Victoria Lines den Weg. Geschrieben von Marc.

Entlang der Victoria Lines durch Malta

Aller Anfang ist schwer. Mit Bus 212 sind wir binnen 15 Minuten von Sliema zur Station Evangelista vorgefahren, wo unsere erste Wanderung auf Malta beginnt. Es war eine Pi-Mal-Daumen-Entscheidung. Wirklich gute Informationen, wie man Malta entlang der Victoria Lines einmal durchquert, gibt es nicht. Aber irgendwo hier muss er sein, der Startpunkt unserer Wanderung.

Das ↠ Fort Madalena ist schon mal eine falsche Fährte. Sperrgebiet. Wir steigen den kleinen Hügel wieder hinab und halten Ausschau nach irgendetwas, das nach Befestigungslage aussieht. Die ↠ Victoria Lines wurden im 19. Jahrhundert als solche ausgebaut. 1897 waren die Arbeiten fertig, und das Gesamtwerk wurde auf den Namen der britischen Königin getauft. Für den Ernstfall benötigt wurden die Victoria Lines letztlich nie. Es folgte der Verfall, der heute auf Teilen der Strecke zur völligen Unsichtbarkeit führt.

Malta Wandern
Schon auf dem Weg zu den Victoria Lines lässt sich das ländliche Malta blicken.
Malta Wandern
Aussicht in Richtung Norden: Im Hintergrund zu sehen ist bereits Maltas Nachbarinsel Gozo.

Victoria Lines: Startpunkt unserer Wanderung auf Malta

Wir werden fündig. Vor einem Parkplatz, der auf Google Maps den Namen Madliena Car Park trägt und vermutlich zu einer nahe gelegenen Hotelanlage gehört, winden sich Gemäuer U-förmig durch ein kleines Tal. Das müssen sie sein! Ein paar Trampelpfade führen hinunter zu dem, was sich hoffentlich als Victoria Lines entpuppen wird. Wegmarkierung? Denkste. Zumindest im Mai 2018 ist davon nichts zu sehen.

Mit leisen Zweifeln geplagt starten wir unsere Wanderung durch Malta, die uns auf innerhalb von gut zehn Stunden einmal die gesamte Hauptinsel des Archipels durchkreuzen lassen soll. Die Beschaffenheit des Wanderwegs gestaltet sich zu Beginn ähnlich wie die Beschilderung. Es gibt eigentlich keinen. Mal kämpfen wir uns durch trockenes Gebüsch, mal fehlen Stufen. Was haben wir uns da vorgenommen?

Victoria Lines Malta
Unsere Wanderung entlang der Victoria Lines startete hinter dieser Häusergruppe.
Victoria Lines Malta
Die Victoria Lines verlaufen zum Teil entlang einer natürlichen Verwerfung.

Wandern auf Malta: Von der Nordostküste nach Mosta

Glücklicherweise wendet sich das Blatt, nachdem wir das besagte Tal hinter uns gelassen haben. Bis nach Mosta, neun Kilometer von Valletta entfernt und Zuhause von immerhin mehr als 20.000 Einwohner:inne:n, verläuft unser Wanderweg – der nun dem Namen gerechter wird – konsequent nach Westen.

Auf einer leichten Anhöhe wandern wir auf den Victoria Lines durch Malta. Noch können wir die gegenüberliegende Küste nur erahnen. Beim Blick zurück aber fallen karge Felsen zu einer Ebene hinab, auf der sich ebenso karge Felder aneinander reihen. Bis Malta schließlich sanft ins Mittelmeer hinab senkt. Heißt es nicht immer, dieses Malta sei gnadenlos zugebaut? Nein, auf den Victoria Lines können wir fast so etwas wie Weite spüren.

Victoria Lines Malta
Nachdem die Victoria Lines eine erste Schlaufe nehmen, verbessert sich der Wanderweg in Richtung Mosta.
Malta Wandern
Bereits zu Beginn der Wanderung ergeben sich immer wieder weite Ausblicke ins Landesinnere.

Zwischenstopp in Mosta

Gegen Mittag erreichen wir den Norden von ↠ Mosta. Nachdem das Wetter auf Malta bisher eher bewölkt war, sind wir von der brennenden Sonne überrascht. In einem Supermarkt im Stadtzentrum kaufen wir Wasser und Proviant nach. Wir verplempern knapp anderthalb Stunden, lernen das erfrischend untouristische Mosta mit seiner weithin sichtbaren ↠ Rotunde so aber zumindest oberflächlich kennen.

Den Wanderweg, sofern er hier noch einer ist, hatten wir mit Einkehr in Mosta ohnehin aus den Augen verloren. Vielleicht auch nicht, wer weiß das schon. Wir verlassen den Kreisverkehr im Norden von Mosta in nordwestlicher Richtung und wiederum Mosta entlang des kleinen Tals Wied Ta‘ Ghajn Rihana. Die Sandgrube, die wir anschließend passieren, steht sinnbildlich für diesen Streckenabschnitt, der landschaftlich wenig bietet. Irgendwie wirkt es befremdlich auf uns, dass das nicht allzu üppig mit Land gesegnete Malta Teile davon auch noch „wegbaggert“. Yolo.

Mosta Rotunda
Die 1860 eingeweihte Rotunde von Mosta ist etwa 56 Meter hoch.
Mosta Malta
Das Stadtbild von Mosta ist deutlich weniger „geleckt“ als das von Valletta. Doch auch Mosta hat seine schönen Ecken.

Von Mosta zur Südwestküste Maltas

Wenig später treffen wir auf die „Schnellstraße“, die Mosta mit den Stränden im Nordwesten Maltas verbindet. Wir sind abermals überfordert ob der nicht existenten Beschilderung und realisieren endgültig, dass wir hier zwar gerade auf Malta wandern mögen, aber völlig ohne Plan. Leicht versetzt setzen wir die Freestyle-Wanderung auf einem Feldweg gen Westen fort. Irgendwo, irgendwie, irgendwann, aber ganz bald soll hier die am besten erhaltene Strecke der Victoria Lines folgen.

Auf einem kleinem Hügel haben wir die Hälfte der Wanderung auf Malta hinter uns. Wir sind nun endgültig im ländlichen Malta angekommen. Und das entfaltet sogleich wieder seinen ganz eigenen Reiz. Erstmals können wir die Südwestküste Maltas mehr als nur erahnen. Gersten wehen im Wind, hier und da wird Gemüse angebaut. Und tatsächlich sehen wir sie wieder, die Victoria Lines. Sie setzen hier tatsächlich zum großen Finale an.

Victoria Lines: Die Maltesische Mauer

Schon bald verlaufen die Victoria Lines zu unserer Linken als tiefer, inzwischen zugewucherter Graben. Man kann sich bildlich vorstellen, wie sich potenzielle Angreifer hier die Zähne an den Victoria Lines ausgebissen hätten. Hätte es mal Angreifer gegeben. Wir tun es übrigens auch.

Dass der Graben zu unserer Linken verläuft, mag die bessere Wahl gewesen sein, um die Victoria Lines tatsächlich zu begreifen. Doch der Wanderweg, der noch immer keiner ist, ist hier ein reines Grauen. Tipp: Solltest du keine Lust darauf haben, den einen oder anderen Kratzer abzubekommen, sollten die Victoria Lines auf diesem Teil der Strecke besser rechts von dir verlaufen. Kurz vor der Kapelle Our Lady of Itria folgt schließlich das schönste Stück der Victoria Lines, die hier sogar was von Chinesischer Mauer hat. Für maltesische Größenverhältnisse zumindest.

Abstecher zu den Dingli Cliffs

Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Also entschließen wir uns, die Victoria Lines hinter uns zu lassen. Das, was von ihnen übrig ist, verläuft weiter in Richtung Nordosten in Richtung ↠ Fomm ir-Riħ Bay. Wir jedoch wandern weiter zu den Dingli Cliffs in südwestlicher Richtung. Die Klippen sind mit 253 Metern über dem Mittelmeer höchster Punkt Maltas und fallen entsprechend brachial hinab.

Unsere Entscheidung verlängert unsere Wanderung auf Malta auf etwa 25 Kilometer. Der Weg mag keine krassen Höhenunterschiede aufweisen, hat es in puncto Länge aber in sich. Im Zickzackkurs schlängeln wir uns weiter durch mal brach liegende, mal überraschend saftige Felder zur Steilküste von Miġra l-Ferħa durch. Und spätestens jetzt ist es unabdingbar bis lebensnotwendig, mit einer guten Karten-App, zum Beispiel ↠ MAPS.ME, ausgestattet zu sein. Mit Steilküsten ist nicht zu spaßen. Und auch hier enden manche Wege einfach im Nirgendwo.

Malta Steilküste
Der langgezogenen Steilküste nördlich der Dingli Cliffs solltest du mit nötigem Respekt begegnen.
Malta Wandern
Auch entlang der Steilküste gibt es keinen offiziellen Wanderweg. Eine ordentliche Karten-App ist daher unabdingbar.

Dingli Cliffs: Abschluss unserer Wanderung auf Malta

Auf dem Weg zu den Dingli Cliffs wandern wir teilweise durch kleine Terrassen, auf denen Einheimische einst kleine Gärten angelegt haben. Am heutigen Tage sind sie verwaist, und irgendwie kann man sich kaum vorstellen, dass an diesem Ort überhaupt etwas wachsen soll. Dort, wo Malta am steilsten ins Mittelmeer hinab fällt, sich über 200 Meter tiefer die Brandung austobt und Malta noch abgeschiedener scheint, als es ohnehin schon ist.

Unsere Füße beginnen langsam zu schmerzen. Beim Anflug auf Malta hätten wir nicht gedacht, auf dieser kleinen Insel wahrhaftig zu wandern. Doch es ist uns geglückt – zwar ohne große Höhenunterschiede, dafür jedoch knapp 40.000 Schritte lang und rund 25 Kilometer weit. Nein, die Strecke war nicht durchgängig pittoresk, zog sich teilweise wie ein Kaugummi. Doch sie zeigte uns das ländliche und stille Malta, seine kargen Felder, seine raren Blüten, seine brutalen Küsten. Für uns ist genau das die schönste Seite von Malta.

Wandern auf Malta: Unser 1 THING TO DO

Was? Malta auf zwei Beinen von der Nordost- zur Südwestküste durchwandern.
Wo? Wir starteten an der Busstation Evangelista und wanderten von dort bis zu den Dingli Cliffs, der höchsten Erhebung Maltas. In der Nähe der Dingli Cliffs gibt es mehrere Bushaltestellen, an denen du zurück nach Valletta und Umgebung gelangst. In der Regel ist es dabei nötig, mindestens einmal umzusteigen (Fahrtzeit: 60 bis 80 Minuten, zum Beispiel ab Station Maddalena).
Wie viel? Es fallen Kosten für die Busfahrten (Hin- und Rückweg) sowie für Proviant und ausreichend Wasser an. Bitte beachte, dass es entlang der Strecke kaum Restaurants o.Ä. gibt, mit Ausnahme von Mosta sowie den Dörfern nahe der Dingli Cliffs am Ende der Wanderung.
Wieso? Um das manchmal beengende Malta von seiner weiten Seite kennenzulernen.

Über die Victoria Lines zu den Dingli Cliffs: Hinweise zu unserer Wanderroute

  • Die Stationen der Wanderung für deine Karten-App:
    Evangelista (Bushaltestelle) • Madliena Car Park (Engineer Street) • Naxxar Gap • Wied Ta‘ Ghajn Rihana • Falka Gap • Our Lady of Itria Chapel • Miġra l-Ferħa • Ras id-Dawwara • Dingli Cliffs
  • Achtung: Der Trampelpfad, der an der Steilküste Ras id-Dawwara scheinbar zu den Dingli Cliffs führt, verläuft ins Nichts! Daher zunächst von Ras id-Dawwara ca. 300 Meter ins Landesinnere laufen und anschließend weiter in Richtung Dingli Cliffs wandern.
  • Von Start bis Ziel der Wanderung waren wir circa zehn Stunden unterwegs, exklusive der Busfahrten. Bis auf eine etwa anderthalbstündige Pause in Mosta haben wir kaum Rast eingelegt.
  • Die Länge der Wanderung betrug in unserem Falle gut 25 Kilometer. Aufgrund der häufig unklaren Wegführung können es aber durchaus ein paar mehr werden.

Unsere erste Wanderung auf Malta war eine willkommene Abwechslung, nachdem wir in den Tagen zuvor die dicht bebaute Hauptstadtregion erkundeten. Auch dort haben wir ein 1 THING TO DO entdeckt, das wir dir in unserem ↠ Valletta Reisebericht verraten. Weitere Inspiration für deine Reise nach Südeuropa gibt es in unserem einführenden ↠ Malta Reisebericht.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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