Kotor Reisebericht: Eine Stadt wie ein erster Kuss

Kotor Reisebericht: Eine Stadt wie ein erster Kuss

Es gibt Orte, die sind einfach zum Träumen gemacht. Kotor in Montenegro ist so ein Ort. An der Spitze der nach ihm benannten Bucht gelegen, zeigt Kotor Montenegro von einer seiner schönsten Seiten. Am Ende wurde eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Kotor zu unserem 1 THING TO DO für die Stadt am südlichsten “Fjord” Europas. Geschrieben von Marc.

Kotor: Ziel unserer Balkan-Reise

Wir haben die perfekte Butze für die letzte Station unserer Reise von ↠ Kiew nach Kotor gefunden. Nach Wochen des Reisens von Ort zu Ort, im Zug, im Bus oder zu Fuß, genießen wir an der Bucht von Kotor die letzten Tage unseres zweiten Balkan-Trips. Das ↠ Hostel 89* liegt in Dobrota und damit einige 100 Meter von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Kotor entfernt. Von unseren Betten schauen wir direkt auf die dunkelblaue Adria.

Die Kreuzfahrer:innen, die in der Sommersaison Tag für Tag in Kotor anlegen und abends wieder verschwinden, scheinen hier weit weg. Und so haben wir in Dobrota das Gefühl, die Gegend zwar nicht für uns alleine zu haben, aber doch in einem eigenen, ungestörten Kosmos zu leben. Nur ein paar Schritte sind es vom Bett ins Wasser. Es gibt zwar keinen idyllischen Sandstrand. Doch wer braucht den schon, wenn du umringt von Bergen im Mittelmeer schwimmen kannst! Kotor, wir halten nichts von Kitsch. Doch wir haben uns in dich verliebt.

Kotor Reisebericht Montenegro
Blick aus dem Fenster unseres Zimmers im Hostel 89 in Dobrota bei Kotor in Montenegro.
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Für Badefans gilt es in Kotor, sich mit Betonufern oder schmalen Kieselstränden zufrieden zu geben.

Kommen und Gehen in Kotors Altstadt

Kotor ist es nicht wert, nur zum Abgrasen seiner wichtigsten Sehenswürdigkeiten missbraucht zu werden. Das mag abgehoben klingen, gerade gegenüber den Kreuzfahrer:innen. Doch sie sind es, die die Altstadt vom Vormittag bis zum frühen Abend überfluten und Kotor in einen kleinen Freizeitpark verwandeln. Wahrscheinlich werden auch sie sich in Kotor verlieben. Kotor macht es ihnen leicht. Aber sie verpassen den Moment, wenn sich die Gassen der Altstadt langsam leeren und die blaue Stunde ihren Schleier über den südlichsten Fjord Europas legt – der eigentlich gar keiner ist.

Völlig für sich ist man in der Altstadt freilich nie. Die Schönheit Kotors hat sich herumgesprochen bei allen. Doch irgendwie schafft es Kotor insbesondere in den Abendstunden, seine Ursprünglichkeit wiederzugewinnen. Wir schlendern durch die Gassen, ohne das Labyrinth wirklich zu durchblicken. Immer wieder entdecken wir neue Details, versteckte Sehenswürdigkeiten, selbst wenn wir zum zweiten Mal am selben Ort spazieren.

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Die Sankt-Tryphon-Kathedrale in Kotor bezeichnen manche als schönste Kirche Montenegros.
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Es fällt leicht, sich inmitten der offenkundigen und verborgenen Sehenswürdigkeiten in Kotor zu verlaufen.

Bucht von Kotor: Ein Fjord, der keiner ist

Auch wenn Kotor “nur” seine malerische Altstadt irgendwo in Montenegro wäre, es hätte wohl zu den Höhepunkten unserer beiden Reisen durch Südosteuropa gezählt. Doch was die gerade mal 5.000 Einwohner:innen zählende Stadt abseits der Sehenswürdigkeiten so einmalig macht, ist ihre geografische Lage: 30 Kilometer weit frisst sich die Bucht von Kotor von der Adriaküste ins Landesinnere hinein, an allen Seiten umsäumt von steil abfallenden Bergflanken und pittoresken Bilderbuchörtchen.

An der strategisch mehr als günstigen Spitze der Bucht wurde Kotor schon vor mehr als 2.000 Jahren gegründet. Eine viereinhalb Kilometer lange, historische Stadtmauer umgibt die Altstadt, die einst zu deren Schutz diente. Heute ist sie der perfekte Ort, um aus der Vogelperspektive zu beobachten, wie malerisch Berge und Meer an einem der wohl schönsten Orte des Balkans miteinander verschmelzen.

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Blick auf die Stadtmauer von Kotor in Montenegro: Im Hintergrund schlängelt sich die Festungsanlage am Hang entlang.
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Zu Beginn des Aufstiegs über die Dächer von Kotor führen die Treppen an idyllischen, begrünten Terrassen vorbei.

Festung Sveti Ivan: Sehenswürdigkeit hoch über Kotor

Von der Festung Sveti Ivan aus überblickst du die Bucht von Kotor aus 260 Metern Höhe. Das klingt erst mal nicht nach viel, zumal wir uns in Montenegro schon auf 2.522 Metern befanden, genauer gesagt auf dem ↠ Bobotov Kuk. Doch immerhin gilt es, den Gang nach oben auf Höhe des Meeresspiegels zu beginnen. Wenn du schon einmal die 285 Stufen der Siegessäule in Berlin hinter dir gelassen hast, dann wird der Klang der folgenden Zahl schon beim Lesen in den Oberschenkeln schmerzen: In Kotor sind es 1.350!

Am klügsten wäre es, einfach die Herausforderung anzunehmen und schnurstracks Stufe für Stufe in Richtung Himmel zu steigen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Doch während wir Meter für Meter gewinnen, zeigt sich das immer kleiner werdende Kotor in immer schöneren Glanz. Zypressen säumen den Weg und versprühen einen Hauch von Toskana. Im Abendlicht beginnen die ersten Lichter entlang der Küste zu funkeln, es riecht nach Sommer am Mittelmeer. Immer wieder wollen wir innehalten, doch der Ehrgeiz treibt uns an.

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Toskana, anyone? Kein Wunder, denn Kotor in Montenegro befindet sich auf etwa gleicher Höher wie die Region in Italien.
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Auf der Festung Sveti Stefan über Kotor weht die montenegrinische Fahne im Wind.

Fitness im Freien

In allerbestem Zustand ist kaum eine der 1.350 Stufen mehr. Mal fehlt eine Steinplatte komplett, mal ist eine wackelig. Mal sind die Stufen hoch, mal flach. Mal sind sie glatt, mal uneben. Diese “Vielfalt” und natürlich die pure Menge bewirken, dass unserer Kondition über den Dächern von Kotor einiges abverlangt wird. Schon nach der Hälfte des Weges beginnen wir schwerer zu atmen, unsere T-Shirts werden immer feuchter.

Immerhin befinden wir uns mit unseren jungen Knochen auf der Überholspur. Andere lassen es deutlich gemütlicher angehen, viele Männer ziehen in der abendlichen Hitze ihre Shirts aus und scheinen sie auswringen zu können. Wir fühlen uns irgendwann ein wenig wie im Fitnessstudio, die Treppen werden zum Crosstrainer. Nur eben mit einer Aussicht über Kotor, die sofort alle Mühen belohnt.

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Aussicht über Kotor, Montenegro: Bei Sonnenuntergang…
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… und zur blauen Stunde.

Kotor, du bleibst in unseren Herzen

Auf der Spitze der Festungsanlage angekommen, kennen wir nur noch ein Ziel. Wir stützen uns ab und schwingen unsere Beine auf die Mauern. Aus dem Rucksack holen wir standesgemäß unsere Radlerflaschen, inzwischen fast ein Ritual auf Reisen. Unter uns erstrahlt das, was wir 260 Meter tiefer bereits zu lieben lernten, in noch wundervollerem Licht.

Es ist dieser Ausblick, der Kotor berühmt gemacht hat. Kotor steht bei einigen auf der Bucket List. Glücklicherweise entscheiden sich die meisten noch immer für das nahegelegene Dubrovnik, dem kroatischen Synonym für Massentourismus. Doch so bekannt dieser Blick auch sein mag, so viele Backpacker:innen sich hier oben auch tümmeln mögen: Es ist das eigentliche Ziel unserer zweiten Balkan-Reise. Ein Sehnsuchtsort, der sich nun vor unseren Augen ausbreitet. Klar, dass wir hier unser 1 THING TO DO für Kotor gefunden haben. Ein vorhersehbares – aber auch eines, das wir niemals nie vergessen werden.

In Kürze: Unser 1 THING TO DO für Kotor in Montenegro

Was? Die kompletten 1.350 Stufen der Festungsanlage von Kotor hinaufzukraxeln. Pack genügend Wasser ein uns vergiss nicht, etwas zum Anstoßen im Rucksack dabei zu haben!
Wo? Auf den Pfad der Qual gelangst du zum Beispiel, wenn du die Altstadt über das Nordtor Vrata od Škurde betrittst und dich links hältst.
Wie viel?
 In der Hochsaison kostet der Aufstieg drei Euro, an verschiedenen Eingängen stellen Ticketverkäufer:innen ihren Tisch auf (Stand September 2016). Wenn du flink bist, kannst du bis kurz vor Sonnenuntergang warten. Dann bauen die Verkäufer:innen ihre Kassen ab.
Warum? 
Um eines der atemberaubendsten Panoramen zu genießen, das Südosteuropa zu bieten hat.

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Morgens halb zehn in Kotor, Montenegro: Die Überbleibsel eines nächtlichen Unwetters machen es sich in der Bucht gemütlich.
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Reicht doch eigentlich auch zum Baden, oder? Die kleinen Kieselstrände in Kotor und Dobrota sind zumindest unter der Woche nicht allzu stark frequentiert.

Kotor Sehenswürdigkeiten: Auf einen Blick

  • Die Altstadt von Kotor, umrahmt von einer insgesamt 4,5 Kilometer langen Stadtmauer, gilt als Sehenswürdigkeit für sich, gehört sie doch seit 1979 komplett zum UNESCO-Weltkulturerbe.
  • Ihr wichtigstes Gebäude ist die 1166 eingeweihte Sankt-Tryphon-Kathedrale, gleichzeitig die größte erhaltene romanische Kirche an der östlichen Adriaküste.
  • Am Hauptplatz der Altstadt steht ein aus dem Jahre 1602 stammender Uhrturm. Noch aus der Zeit unter venezianischer Herrschaft stammen einige Paläste der damaligen Oberschicht.
  • Kotor in Montenegro ist inzwischen auch als Katzenstadt bekannt, was auch mit seinem Namen zusammenhängen könnte (“kot” ist Russisch für “Katze”). Einige Souvenirläden greifen den Hype auf, viele der Straßenkatzen sind aber einfach nur bemitleidenswert.
  • Und dann gibt es noch unser 1 THING TO DO: die Festung Sveti Ivan.

In der Umgebung von Kotor haben wir einige Sehenswürdigkeiten erkundet, die in unserem Kotor-Reisebericht keinen Platz gefunden haben. Mehr dazu liest du in unseren Tipps für die ↠ Bucht von Kotor. Als i-Tüpfelchen verbrachten wir nicht zuletzt noch einen Tag in Dubrovnik. Wie wir die Stadt an der kroatischen Adriaküste hassen lernten, erfährst du in unserem ↠ Dubrovnik-Reisebericht.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

Kotor Reisebericht Montenegro

Veröffentlicht oder inhaltlich überarbeitet am:


2 Antworten zu “Kotor Reisebericht: Eine Stadt wie ein erster Kuss”

  1. Hey Ihr 2!
    Diesem 1thingtodo kann ich nur mit vollstem Herzen zustimmen! Kotor ist wundervoll und entfaltet erst abends, wenn die großen Dämpfer weg sind seinen vollen Charme. Und der Aufstieg zur Festung ist zwar mühsam aber jegliche Anstrengung sowas von wert! Danke, für den kleinen Throwback nach Montenegro ❤
    Liebe Grüße, Kerstin

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