Comino Malta

Ein Ausflug zur Blauen Lagune auf Comino gehört zum Pflichtprogramm vieler Malta-Reisender. Selbst wenn du es auf Reisen nicht so mit Pflichten hast. Vermutlich wird sie auch dich nach Comino locken. Einmal drin im Schlamassel, könntest du den Ausflug vor lauter Gleichgesinnten schnell bereuen. Doch es gibt sie, die Orte, an denen Comino mehr ist als ein Badestrand im Mittelmeer. Geschrieben von Marc.

Comino, ein Touristen-Traum

„Gudrun!“, schreit der sächsische Wirbelwind mit Socken in den Sandalen am Fähranleger von Comino. „Gudrun!“, schreit er noch mal und wird langsam aber sicher fuchsteufelswild. Gudrun nämlich war offenbar zu langsam noch mal schnell auf Toilette. Die Fähre der beiden von Comino zurück nach Malta legt ab. Er, der immer wieder nach seiner Gudrun schreit, springt fix zurück auf den Steg und wimmert ein letzes Mal: „Gudrun!“ Bis er aufgibt und ein wütendes „Meine Herr’n!“ hinterher schiebt.

Wir verfolgen das Treiben genüsslich feixend. Erst mit der nächsten Fähre steht unsere Rückkehr nach Malta an. Was Gudrun und ihr Goldkehlchen erleben, passt bestens zu unserem Aufenthalt auf Comino, der kleinen Nachbarinsel Maltas. Schon jetzt im Mai ist die Blaue Lagune, vielleicht die Sehenswürdigkeit des Archipels, hoffnungslos überfüllt. Etliche Reisende haben sich auf eines der Boote nach Comino begeben, um das Türkisblau, das tatsächlich so schön glitzert wie im Reiseführer beschrieben, mit eigenen Augen zu sehen. Irgendwie sind auch wir beide ein bisschen Gudrun.

Comino Malta
Blick auf die der Blauen Lagune von Comino gegenüberliegende Kleinstinsel Cominotto.
Blaue Lagune Comino
An der Blauen Lagune: Wenn selbst wir mal Menschen auf Bildern zeigen, war es nun wirklich nicht anders möglich.

Pilgerstätte Blaue Lagune

Eigentlich hatten wir eine der ersten Fähren von Cirkewwa auf Malta nach Comino genommen, um dem ganz großen Trubel an der Blauen Lagune aus dem Weg zu gehen. Genützt hat es nichts. Der Sandstreifen am Ufer ist so schmal, dass er schon nach Ankunft des ersten Ausflugsboots als Sardinenbüchse durchgeht. An gemütliches Liegen war bereits am Vormittag nicht mehr zu denken. Stattdessen kraxelten wir auf spitzen Felsen zu einem kleinen menschenlosen Fleck in Wassernähe, drehten eine schnelle Runde im kühlen Nass und suchten das Weite.

Dem Weitem jedoch sind auf Comino Grenzen gesetzt. Noch viel kleiner als Helgoland, ist die Insel binnen – urgemütlicher – drei bis vier Stunden einmal umrundet. Schwärmten wir bei unseren Wanderungen auf Malta noch von dieser eigentümlicher Weite auf kleinem Raum, war diese vor lauter Winzigkeit auf Comino für uns vielerorts kaum zu greifen. Hat sich unser Ausflug dennoch gelohnt?

Comino: Kein Miniatur-Wunderland

Ein Miniatur-Wunderland jedenfalls ist Comino nicht. Schon jetzt im späten Frühling ist die Insel großenteils ausgedorrt. Gelbe Blüten und duftender Thymian, worüber man in Reiseberichten aus kühleren Jahreszeiten liest, sind höchstens noch zu erahnen.

Die wenigen Bauten auf der Insel versprühen ebenso wenig Charme. Von Malta und ↠ Gozo aus gut sichtbar, zeugt etwa der St. Mary Tower (auch Comino Tower) von der Geschichte der Insel als Befestigungsstützpunkt. Von oben soll die Sicht auf Blaue Lagune und Nachbarinseln besonders schön sein, doch sie ist es auch von der darunter liegenden Steilküste aus. In der Santa Marija Battery stehen sechs Kanonen, aber auch nicht mehr. Einzig am Imbiss an der im Vergleich zur Blauen Lagune deutlich entspannteren, aber eben auch weniger pittoresken Santa-Maria-Bucht im Norden kommt etwas Aussteigerstimmung auf.

Die zerbrechliche Seite von Comino

Am eindrücklichsten bleibt uns Comino oberhalb der Santa-Maria-Höhlen an der Nordostküste des Eilands in Erinnerung. Die hiesige Steilküste steht in krassem Kontrast zur gegenüberliegenden Inselseite, wo die Blaue Lagune karibisch anmutet und warme Sonnenstrahlen ins glatte Wasser fallen.

Am Fuße der grauen, teilweise schwarzen Klippen tobt sich die Brandung des Mittelmeers aus. Das Wasser ist nicht türkis sondern tiefblau, bevor es gegen die Felsen schlägt, aufspritzt und schäumt. Weder Malta noch Gozo sind von hier aus zu sehen. Comino, dieses kleine Felsplateau im weiten Meer, zeigt seine zerbrechliche Seite. Es ist der einzige Ort auf Comino, der uns wirklich genießen lässt. Gudrun, wir sind uns sicher, hätte das gefallen.

In Kürze: Unser 1 THING TO DO für Comino

Was? An der Steilküste oberhalb der Santa Maria Caves das Weite suchen.
Wo? Die Steilküste erreichst du nach knapp halbstündigem Fußmarsch vom Fährableger aus in Richtung Nordosten. Du kannst dir ruhig aber Zeit lassen, denn auf Comino rennt nichts weg – außer der letzten Fähre.
Wie viel? An sich kostenlos, fällig werden jedoch 13 Euro (Stand Januar 2020) für die Hin- und Rückfahrt mit der Fähre zwischen Cirkewwa (Nordspitze Malta) und Blauer Lagune – sowie ggfs. Getränke und Snacks an einer der Imbisse in Strandnähe. Weitere Fähren nach Comino starten von Sliema, Buggiba (St. Paul’s Bay) und Marfa auf Malta sowie von Mgarr auf Gozo. Infos zu den Fähren vom Norden Maltas nach Comino findest du hier.
Warum? Um die „böse Schwester“ der Blauen Lagune kennenzulernen und den anderen Ausflügler:innen nicht auf den Geist zu gehen. 😉

Wenn du wie wir in Malta eher auf der Suche nach Naturerlebnissen denn nach Halligalli bist, empfehlen wir dir unsere Wanderberichte von der Hauptinsel des Archipels, im ↠ Norden von Malta und entlang der ↠ Victoria Lines zu den Dingli Cliffs. Mehr über unsere Reise in den kleinen Inselstaat im Mittelmehr erfährst du außerdem in unserem einführenden ↠ Malta Reisebericht.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Comino Malta

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