Havelhöhenweg: Wandern in Berlin? Wandern in Berlin!

Wandern in Berlin? Na klar! Berlin ist eine der grünsten Hauptstädte Europas. Vor allem die Randbezirke der deutschen Hauptstadt bieten mit grünen Wäldern und Spree, Havel sowie etlichen Seen kleine Naturparadiese. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Havelhöhenweg im Westen Berlins. Rund 35 Meter über der gemächlich dahinfließenden Havel wirst du Trubel und Lärm der Spreemetropole ganz schnell vergessen. Geschrieben von Marc.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Wandern in Berlin: Wir nehmen dich mit auf einen Ausflug auf dem Havelhöhenweg im Westen der Hauptstadt.

Havelhöhenweg: Berlin in grün-blau

Die meisten Berlinbesucher zieht es vor allem ins Zentrum der Stadt, wo eifrig Selfies vor Brandenburger Tor, Checkpoint Charlie und Fernsehturm geschossen werden. Wer die Stadt ein zweites oder drittes Mal besucht, den zieht es gerne auch mal „in den Kiez“, in die Berliner Nacht oder an pseudo-alternative Orte wie die East Side Gallery in Friedrichshain oder den Mauerpark mit seinem Sonntagsflohmarkt.

Dass Berlin jedoch auch all jenen mehr als genügend grüne Flecken bietet, die zur Stadtflucht in der Stadt ansetzen, können die meisten Reisenden nur erahnen. Was dem Berliner hoch und heilig ist, bleibt so bisweilen unentdeckt. Obgleich wir als Hauptstädter unsere letzten ruhigen Zufluchtsorte liebend gerne geheim halten, wollen wir dir eines jener Naturerlebnisse in Berlin nicht vorenthalten – eine Wanderung auf dem Havelhöhenweg.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Der Havelhöhenweg beginnt am Stößensee – eine Ausbuchtung der Havel, die am Ufer zum Verweilen einlädt.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Auf der Strecke gilt es immer wieder Treppenstufen zu überwinden, die Ufer und Havelhöhen miteinander verbinden.

Wandern beginnt im Kopf

Knapp 115 Meter streckt sich der Große Müggelberg im Südosten Berlins als höchste natürliche Erhebung der Stadt gen Himmel. Wanderer können bei dieser Zahl nur müde schmunzeln, auch wir selbst kraxelten in Montenegro bereits auf einen 2.508 Meter höheren Berg. Die Straße Unter den Linden zwischen Brandenburger Tor und Schlossplatz misst rund einen Kilometer weniger! Heißt: Wandern in Berlin ist nicht gerade dazu gemacht, seine Höhenangst zu überwinden.

Das Wandern beginnt hier vielmehr im Kopf als in den Beinen. 45 Minuten brauche ich mit den Öffentlichen bis zur S-Bahn-Station Pichelsberg, in deren unmittelbarer Nähe der Havelhöhenweg beginnt. Bereits im Waggon habe ich die Stadt vor meinen Augen grüner werden sehen. So tief im Westen bin ich sonst nie unterwegs, alles um mich herum ist neu. Um in die Rolle des Reisenden in meiner eigenen Stadt zu schlüpfen, braucht es da nicht mehr viel. Für die Wanderstimmung sorgen die Frühlingssonne – und die Havel. Natürlich.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Der Havelhöhenweg führt durch den Grunewald, der im Verlauf der Strecke Schutz vor allzu viel Großstadtlärm bietet.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Gerade im Frühling zeigt sich der Havelhöhenweg von seiner grünen und ruhigen Seite – wenn die Havel noch nicht zum Baden geeignet ist.

Auf und ab entlang der Havel

Die Vögel zwitschern ihr schönstes Frühlingslied, als ich zum Ufer des Stößensees, einer Ausbuchtung der Havel, hinab spaziere. Bis zu 35 Meter steil fallen die Klippen hier hinab. In Richtung Süden erstreckt sich der Havelhöhenweg rund zehn Kilometer lang am Ufer entlang. Bis zum Strandbad Wannsee erwarten mich dank der Steilklippen etliche Auf- und Abstiege. Ganz ohne Anstrengung ist Wandern in Berlin also auch nicht gemacht. Doch dem Wandergemüt gefällt’s.

Mich ärgert ein wenig, dass der Havelhöhenweg über weite Strecken eher schlecht als recht markiert ist. Immer wieder frage ich mich, ob er mich gerade wirklich am flachen Ufer entlang führen soll oder ich mal wieder einen zwischenzeitlichen Aufstieg übersehen habe. Doch sei’s drum: Die Havel als eigentlicher Star der Stadtwanderung bleibt so oder so immer in der Nähe. Also immer der Nase nach.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Bis zu 35 Meter fallen die Klippen zum Havelufer hinab. Als Wanderer hat man oft die Wahl, ob man die Havel von oben oder auf Uferebene erleben möchte.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Treppe zum Jaczo-Denkmal auf der Havel-Halbinsel Schildhorn.

Es lebe der Moment

Am Ufer der Havel habe ich im Vorfeld keine wirklichen Höhepunkte erwartet – weder im wörtlichen noch im übertragenen Sinne. Und in der Tat bleiben sie aus. Klar, es gibt die idyllische Halbinsel Schildhorn, an deren Nordspitze ich hängen bleibe und mich am liebsten den ganzen Tag am Nichtstun ergötzen würde. Es gibt die Inseln Lindwerder und Schwanenwerder, wobei erstere nur über eine Fähre zu erreichen ist und zweitere einen Besuch kaum lohnt, da das Ufer ringsum selten zugänglich ist.

Es gibt den Grunewaldturm, dessen Aussichtsplattform in 36 Metern Höhe mit dem Großen Müggelberg am anderen Ende der Stadt gleichzieht und folglich eine nette Aussicht bietet. Und natürlich gibt es sowohl auf den Steilklippen wie auch unten am Ufer immer wieder die Möglichkeit, den Blick auf das andere Ufer der Havel schweifen zu lassen und sich dabei nichts sehnlicher zu wünschen, als jeden Tag nichts weiter zu tun als den Moment zu genießen. Carpe diem trifft Memento mori.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

An der Nordspitze von Schildhorn hätte ich quasi einen Strand für mich allein gehabt. Wäre das Wasser nicht noch so kalt gewesen…

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Das Jazco-Denkmal auf Schildhorn erinnert an die gleichnamige Sage, nach welcher der Slawenfürst Jaxa von Köpenick im Gründungsjahr der Mark Brandenburg vor Albrecht dem Bären durch die Havel geflohen sein soll.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Der 55 Meter hohe Grunewaldturm steht auf dem knapp 79 Meter hohen Karlsberg und wurde einst anlässlich des 100. Geburtstags von Wilhelm I. errichtet.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Immer wieder bieten Bänke am Havelhöhenweg Gelegenheit zu Rast und in die Ferne schweifen.

Havelhöhenweg: Auch das ist Berlin

Das wahre Erlebnis jedoch ist die Havel selbst, deren Steilklippen nach Osten einen natürlichen Schutzwall zum restlichen Berlin bilden. Besonders deutlich wird dieser Kontrast im Süden des Havelhöhenwegs, wo lärmende Stadtautobahn und stille Flusslandschaft nicht einmal 1.000 Meter trennen. Während ich barfuß am Ufer den Sand zwischen meinen Zehen spüre und ein paar unbeeindruckten Schwänen tief in die Augen schaue, dröhnen einige hundert Meter hinter mir die Motoren.

Hier an der Havel bekomme ich von all dem nichts mit. Ich befinde mich in einer Blase, die niemand so schnell aufplatzen lassen wird. Der Großstadttrubel wird mich bald wieder haben. Doch solange breite ich meine Decke aus, schließe meine Augen und lausche den Klängen der Natur – den schnatternden Enten, den zwitschernden Vögeln, dem Wellengang der Havel. Und bin mir selbst genug.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

So furchtlose Schwäne wie in Berlin erlebt man auch nicht alle Tage. Mancher schien sogar zu einem gemeinsamen Selfie bereit.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Mitte April war die Apfelblüte bereits in vollem Gange und sorgte so für besonders frühlingshafte Anblicke zwischendurch.

Wandern in Berlin Havelhöhenweg

Ein Geheimtipp für die Sommermonate ist der Strand an der Großen Steinlanke, der unweit des Strandbads Wannsee Berliner Badefreuden verspricht.

Mehr über die 30 (!) Stationen des Havelhöhenwegs erfährst du auf der Webseite des Landes Berlin, wo die Wanderstrecke mit viel Liebe zum Detail beschrieben wird. Auch du unternimmst gerne einmal eine Reise vor der Haustür? Dann beteilige dich doch an unserer gleichnamigen Aktion und versehe deine Bilder auf Instagram und Co. mit dem Hashtag #vorderHaustür. Für alle Reiseblogger veranstalten wir gerade übrigens auch eine Blogparade rund ums Reisen in der Nähe. Alle Infos dazu findest du hier.

Mit diesem Artikel nehmen wir außerdem gerne an der Blogparade zum Thema „Seenliebe“ von wellspa-portal.com teil. Die Havel ist ja nicht zuletzt auch für ihre Seenlandschaften bekannt!

Reisen um zu reisen!
John & Marc

4 thoughts on “Havelhöhenweg: Wandern in Berlin? Wandern in Berlin!”

  1. goldhirn says:

    Toller Tipp – den Weg haben wir im Januar auch gemacht. Wo steht denn dieses Prachtstück von Apfelbaum? Wollt ihr den nicht auf Mundraub.org eintragen und dann zu diesem tollen Artikel verlinken?

    1. 1 THING TO DO says:

      Das ist eigentlich eine tolle Idee! Der Baum steht in unmittelbarer Nähe zur Halbinsel Schildhorn. Allerdings gehört er, so glaube ich, zum Spielplatz des dortigen Hotels. Ich kann mich aber auch irren…

  2. Marianne says:

    Moin,
    welch wunderschöne Wanderung. Danke für den Tipp. Bei meinem nächsten Berlin-Besuch steht der Havelhöhenweg garantiert auf meiner Must-do-Liste.

    Viele Grüße aus dem grauen Hamburg
    Marianne

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke dir, liebe Marianne! Liebe Grüße zurück aus dem vielleicht noch graueren Berlin… 😉 Schöne Ostertage noch!

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