Wandern im Südharz: Von Vögeln und Poppen

Alles neu macht der… Oktober! Mit dem neuen Semester begann für mich mein Masterstudium und somit ein ganz neuer Lebensabschnitt, auch was meinen Lebensmittelpunkt betrifft. Aus 100 Prozent Berlin wurden 50 Prozent Berlin und 50 Prozent Thüringische Provinz. Mein ganz persönliches GO EAST! also. Grund genug, meine neue Hood nach und nach zu erkunden: Den Anfang macht das Wandern im Südharz, wo ein ominöser Vogelkopf und der Poppenberg auf uns warteten. Geschrieben von John.

Wandern Südharz

Wandern im Südharz: Im Oktober eine Angelegenheit zwischen Herbst und Winter.

Ich sag‘ einfach „Harz again!“

Des Brockens Ruf ward nun über ein Jahr her;
Da entflohen die Knaben der Großstadt erneut.
Sie kehrten zurück und freuten sich sehr;
Aufs Kennenlernen der anderen Seit‘.

Im jenen Herbst wartete der Südharz auf sie;
Die Anreise durchaus von Relevanz.
Nach der Wanderung auf des Poppenbergs Gipfel;
Erspähte man mit Neugier des Schnees Tanz.

In Anlehnung an unseren ersten Artikel zum Wandern im Harz, genauer gesagt auf den Brocken, soll auch dieser Beitrag mit etwas lyrischer Spielerei entzücken. Reiht sich die Lyrik doch gemeinsam mit den Sagen und Mythen so wunderschön in die Möglichkeiten der Harz-Berichterstattung ein.

Wandern Südharz Ilfeld

Auf geht’s! Direkt hinter Ilfeld beginnen quasi die Ausläufer von Poppenbergturm und Südharz.

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Herbstliche Farbenpracht beim Wandern im Südharz, hier bei noch ungefähr vier Grad über null.

Unbekannter Südharz

Wer meinen Artikel zum Wandern auf den Brocken im Harz kennt, weiß nicht nur, was für ein niedlicher Bub ich war, sondern auch, dass die Liebe zum Harz mir quasi in die Wiege gelegt wurde. Der Südharz aber war mir bisher ziemlich fremd, obwohl ich mich dort durchaus auf den Spuren meiner Ahnen bewege: Mein Großvater stammt schließlich aus dem beschaulichen Stolberg. Vielleicht war es eben nicht nur der Modulplan, der mich triggerte und so in diesem Semester zum Masterstudium an den Rand des Südharzes zog, sondern auch eine engere Verbindung zu dieser Region als mir bisher bewusst war.

So beschlossen Marc und ich meine neue, temporäre Wahlheimat etwas besser kennen zu lernen, schnappten uns unsere Trekkingschuhe und machten uns auf zum Wandern im Südharz. Die Anreise ist für Technikbegeisterte durchaus erwähnenswert. So fuhren wir von Nordhausen aus mit der Straßenbahnlinie 10 nach Ilfeld. Das Besondere: Die Straßenbahn, welche durch Nordhausen auch als solche verkehrt, digitiert am Bahnhof plötzlich zu einer Art „Regionalbahn“ und wird Teil der Harzer Schmalspurbahn.

Wandern Südharz Herbst

An den Farbmalereien des Herbstes können auch wir uns nicht satt sehen.

Der Harzer Gänseschnabel

Wir fuhren bis zur Endhaltestelle Ilfeld–Neanderklinik und starteten von dort aus unsere Wanderung mit dem Ziel Poppenbergturm. Zuerst ging es durch den herbstlich anmutenden Wald in Richtung Gänseschnabel, der an allen Wanderwegen gut ausgeschildert ist. Du fragst du dich: „Wohin bitteschön?!“ – Der Gänseschnabel ist eine skurrile Felsformation, die aus einem bestimmten Blickwinkel tatsächlich die Form eines Gänsekopfes annimmt. Warum sie Gänseschnabel statt -kopf heißt, ist mir allerdings gänzlich unbekannt.

Am Gänsekopfschnabelfels trafen wir auf ein älteres Paar, das offensichtlich mit ihrem Enkel und ihrem Hund Maggie auf Wanderschaft war. Der ältere Herr startete die Kontaktaufnahme zu uns, in dem er in thüringischer Mundart irgendwas zu uns brubbelte. Ganze drei „Wie bitte?“ von mir und ein „Was?“ von Marc später, konnten unsere Hirne die Nachricht dekodieren und wir verstanden, was der Mann von uns wollte. Er fragte uns ganz schlicht, ob wir Geocacher wären. Wir negierten ganz freundlich und so trennten sich unsere Wege. Vorerst. Aber an alle Geocacher: Offensichtlich müsst ihr zum „Gänseschnabelgesichtskopffels“ nach Ilfeld.

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Da ist er, der Vogel: Der Name Gänseschnabel ist in diesem Falle nicht von allzu weit hergeholt.

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Und siehe da: Die Schneefallgrenze! Mit jedem Höhenmeter kamen wir beim Wandern im Südharz dem Winter näher.

Eine echte Schneefallgrenze

Wir setzten unsere Wanderung fort und erlebten plötzlich etwas in der Realität von uns nie zuvor Gesehenes. Kannten wir diese Erscheinung bisher nur aus Erzählungen, sollten wir sie das erste Mal leibhaftig erleben: Die Schneefallgrenze. Gleich einer mit dem Lineal gezogenen, geraden Linie, zog sie durch die Landschaft und teilte den Wald in herbstliche Gefilde und „winter wonderland“. Glücklicherweise hatten wir unsere wetterfesten Wanderboots an, ohne die wir ziemlich schnell nasse Füße bekommen hätten.

Ein paar hundert Meter weiter und höher kamen wir über Umwege zur sogenannten Wetterfahne. Ein Aussichtspunkt mit Blick über Ilfeld und das Südharz-Vorland. Eine Wetterfahne gibt es hier übrigens wirklich – und das seit über einhundert Jahren. Auch Oma, Opa, Enkel und Maggie trafen wir hier wieder. Dieses Mal allerdings ohne Kontaktaufnahme, dafür aber mit einer kleinen Schneemann-Bausession. Nach einem Stüllchen in der Schützhütte, ging’s sofort weiter. Die Tage im November sind schließlich kurz.

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Manchmal war der Weg gen Poppenberg von Hindernissen blockiert. Dann war schon mal Kuscheln mit dem Baumstamm angesagt.

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Ausblick auf Ilfeld von der Wetterfahne aus: Manchmal trauten sich dann doch ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke.

Wandern im Südharz: Poppenbergturm

Der Weg wurde immer winterlicher, teilweise so winterlich, dass wir regelrecht durch echt hohen Schnee stampfen mussten. Leider war die Sicht gar nicht mal so gut und so blieb uns die Aussicht auf den Hochharz vom Aussichtspunkt Brockenblick verwehrt. Nach einigen Kilometern erreichten wir schließlich eine große, sternförmige Kreuzung, an der die Challenge im Aufspüren des richtigen Weges zum Gipfel des Poppenberges bestand. Nach bestandener Prüfung, waren es nur noch einige hundert Meter. Dann schließlich erreichten wir unser Hauptziel, den 600 Meter hohen Poppenberg mit dem Poppenbergturm.

Wir erklommen den etwa 33 Meter hohen Stahlturm, welcher nicht hätte verschneiter sein dürfen um ihn begehen zu können, und genossen eine wundervolle Aussicht über den Südharz. Die Sicht bis zum Brocken und zum Kyffhäuser sollte uns allerdings auch hier nicht gegönnt sein. Der Blick über endlose verschneite Tannenwälder war trotzdem schön anzusehen und so kamen wir dennoch in den Genuss eines tollen Panoramas, aber auch ganz schöner Eiseskälte. Etwas durchgefroren ging es deshalb fix wieder bergab Richtung Ilfeld.

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Der Poppenbergturm auf dem rund 600 Meter hohen Poppenberg misst 33,5 Meter. Macht in der Summe etwas mehr als 633 Meter.

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Blick vom Poppenbergturm über die Hügel im Südharz. Die Schneefallgrenze ist wieder gut erkennbar.

Über Umwege ans Ziel

Ein kurzes Stück mussten wir den selben Weg zurück gehen. Dann jedoch konnten wir allerdings abbiegen und, wie sollte es anders sein, verliefen wir uns nach ein paar hundert Metern. Grund dafür war wie schon beim Wandern in der Hohen Tatra oder im Mavrovo-Nationalpark in Mazedonien, die plötzlich fehlende bzw. schlechte Wegbeschilderung. Also landeten wir an einem Jägerhochstand, wo der Weg dann einfach so endete. Leicht angefressen ging es steil auf zurück. Nun galt es den nächsten Pfad auszuprobieren, doch dieses Mal war es glücklicherweise der richtige.

Nach einem sehr schönen Weg, folgte eine erneute Gabelung, bei der dieses Mal der Schnee den richtigen Weg verdeckte. Glücklicherweise wies uns eine Fahrradreifenspur auf die korrekte Richtung hin und schon nach relativ kurzer Zeit erreichten wir den Aussichtspunkt Drei-Täler-Blick. Von diesen kann man, wer hätte das gedacht, einen Blick über drei Täler erhaschen. Ab da an wurde der Schnee wieder weniger und weniger, bis wir schließlich erneut die ominöse Schneefallgrenze kreuzten. Der Herbst hatte uns wieder.

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„Walking in a winter wonderland…“ – Aber immerhin konnten wir uns bei noch der geringen Schneehöhe überhaupt fortbewegen.

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Das gleiche Spiel nur umgekehrt: Mit jedem Höhenmeter nach unten sagten wir dem Winter leise: „Tschüss!“

Ab nach Hause

Unsere Wanderung endete am Bahnhof Netzkater der Harzer Schmalspurbahn. Entlang an den Schienen der Harzquerbahn und später auch am Bächlein Bere ging es zurück in Richtung Ilfeld. Den Abschlusspunkt unserer Wanderung markierte das Nadelöhr, eine löchrige Felsformation mit Guckloch.

Nach über sechs Stunden Wandern im Südharz waren wir ziemlich durchgefroren zurück in Ilfeld angelangt. Die Dunkelheit brach an und das Thermometer fiel weiter und weiter. Insofern hatten wir wohl ein echt gutes Timing, da auch die Bahn der Linie 10 nicht allzu lange auf sich warten ließ , die uns dann zurück nach Nordhausen brachte. Dort warteten eine warme Tasse Tee und eine flauschige Kuscheldecke auf uns.

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Kleine kommen ganz groß raus in der Mini-Pilze-Show!

Das Wandern im Südharz war nur der Anfang einer kleinen, größeren Serie über Thüringen. Mein Masterstudium bietet schließlich genügend Zeit, die vielen weiteren Schönheiten des Freistaats für uns zu entdecken. Hast du Tipps für uns? Dann teile sie uns gerne in den Kommentaren mit! Für alle Thüringen-Fans haben wir außerdem fünf Blogger nach ihren Reisetipps für Thüringen befragt. Viel Spaß beim Stöbern!

Reisen um zu reisen!
John & Marc

8 thoughts on “Wandern im Südharz: Von Vögeln und Poppen”

  1. speedhiking says:

    Hier denkt man über den Harz als möglichen künftigen Wohnort nach und recherchiert so rum … Im Zuge dessen noch nie so schöne Fotos und Berichte gesehen! Danke!

  2. Sabine says:

    Oha, ein skandalöser Titel. Ich bin eigentlich auch ziemlich neugierig, wie sexy wohl so ein „Modulplan“ sein kann, um einen zum Studium nach Nordhausen zu locken… Wahrscheinlich total unterschätzt als Uni.
    Den Südharz entdecken wir jedenfalls auch gerade und wenn Ihr die magische Grenze überschreiten wollt, die Ost und West mal trennte, dann wäre Zorge mit seiner genialen Whiskybrennerei nicht weit oder auch das Zisterzienserkloster in Walkenried. Das hieße natürlich, den Fokus des Blogs zu verlassen…

    1. 1 THING TO DO says:

      Der Titel lag einfach zu nahe, und wenn einem dann nichts Besseres einfällt… 🙂 Den Südharz werden wir auf jeden Fall weiter erkunden. Mit der Grenze nehmen wir es dann auch nicht allzu eng… 😉 Liebe Grüße!

  3. tanjabrittonwriter says:

    Ich war noch nie im Harz, aber nach Euren wunderschönen Berichten und Bildern von Brocken, Vogelschnabelkopf und Poppenberg habe ich große Lust darauf und werde ihn meiner Reisewunschliste hinzufügen. Herzlichen Dank. Tanja

    1. 1 THING TO DO says:

      Hey Tanja,
      dass wir dir Lust auf den Harz machen konnten freut uns natürlich. Es muss ja nicht immer weiß ich wo sein, es gibt auch echt schöne Landschaften in Deutschland und gerade im Harz gibt es super viel zu entdecken. 😉

  4. Äquilibrist says:

    Die Bilder mit den verschneiten Wipfeln und der Schneefallgrenze sind wirklich magisch:)
    Da hat sich der Aufstieg schon alleine deswegen gelohnt;)
    LG, Monique

    1. 1 THING TO DO says:

      Auf jeden Fall! So bekamen die Städter die Schneefallgrenze mal nicht nur im Wetterbericht mit. 🙂 Liebe Grüße

  5. teilzeitreisender says:

    <3 Der Südharz! Als Kyffhäuserkind und als Exstudent aus Nordhausen natürlich kein unbekanntes Pflaster. Eine Wanderung hab ich bis auf den Brocken dort noch nie gemacht – wird wohl mal Zeit 😉

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