Athen Reisebericht: Farbenspiel live von der Akrópolis

Unser Athen Reisebericht zeigt: Der eine Moment auf Reisen, der atemlos macht, muss sich nicht in den Hinterhöfen gehypter Szeneviertel verstecken. Das 1 THING TO DO verfolgte mich wie ein Stalker durch die Reise. Doch zusammen mit einer gehörigen Portion Sonnenuntergangskitsch brennt es sich mit stimmungsvollem Farbenspiel ins Gedächtnis. Geschrieben von Marc.

Athen Reisebericht

Athen Reisebericht: Unser 1 THING TO DO versteckt sich auf dem Stadtberg der griechischen Hauptstadt.

Athen: Keine Herzensangelegenheit

Aufgrund der brisanten Nachrichtenlage um Griechenland in den vergangenen Wochen, Monaten, ja sogar Jahren, musste ich in letzter Zeit immer wieder an meinen Städtetrip in die griechische Hauptstadt Athen denken. Nach einwöchiger Reise im Frühling 2010 blieb mir Athen nicht unbedingt als Herzensangelegenheit in Erinnerung. Doch obwohl die Idee von 1 THING TO DO damals noch lange nicht geboren war, ist es doch dieses eine Erlebnis gewesen, das mir besonders im Gedächtnis geblieben ist.

Meine Unterkunft befand sich damals in Piräus, das als Hafen Athens ein  nichtzu unterschätzendes Stück weg von der Akrópolis gelegen ist. Der Vorteil: Nicht nur die leckeren Fischrestaurants rund um den Fischerhafen Pasalimáni sind nah. Auch die an der Küstenlinie entlang fahrende Straßenbahn ist praktisch für etwaige Strandbesuche. Zu Fuß von Piräus aus gut erreichbar, passiert die Tram einige nette Kieselsandstrände mit schweifendem Blick auf Saronischen Golf samt Insel Aígina. Diese avanciert gerade im Sommer zum Naherholungsgebiet der Athener Stadtbevölkerung.

Athen Reisebericht

Pasalimáni: Im Fischerhafen vom Athener Hafen Piräus tickt die Uhr ganz, ganz langsam.

Athen Reisebericht

Am Saronischen Golf reiht sich Kieselsandstrand an Kieselsandstrand, im Hintergrund die Insel Aígina.

Athen Reisebericht, oder: Der Zorn der Götter

Kleines Problem: Was theoretisch wie die perfekte Kombination aus Strandurlaub und Städtereise klingt, fiel praktisch Tag für Tag dem ziemlich gemeinen Mikroklima Athens zum Opfer. Heißt: Bei wolkenlosem Himmel aufgebrochen, verdeckten am Strand angekommen plötzlich dichte Wolkenschwaden das schüchterne Gesicht der Sonne, während ihr Antlitz in der Innenstadt Athens den Asphalt zum Schmelzen brachte. Die Götter meinten es nicht gut mit der hedonistischen Sonnenlust. Und so hieß es immer wieder: Weg vom Strand, hinein ins Athener Stadtleben.

So war es dann auch an diesem einen Tag. Glücklicherweise verkehrt die Straßenbahnlinie zwischen Küste und Platia Syndágmatos, dem Platz der Verfassung zu Fuße des griechischen Parlaments – eben jenem Gebäude, das heute wohl zu einem der meist fotografierten Objekte Europas gehört, seitdem hier kaum ein Tag ohne Demonstration vergeht. Verglichen dazu ging es hier damals erstaunlich unpolitisch zu, doch der geschäftige Platz eignete sich perfekt als Ausgangspunkt für Entdeckungstouren in die viel besungenen Szenebezirke Athens, oder aber hin zu den antiken Steinhaufen mit ihren oftmals ebenso antiken Besucherinnen und Besuchern.

Athen Reisebericht

Athener Stadtstrand-Idylle: Mein Athen Reisebericht hätte sich wohl auch voll und ganz dem Strandleben widmen können, wären da nicht immer wieder die bösen Wolken dazwischen gekommen.

Philopappos-Hügel

Entweder mit dem Bus oder mit der Straßenbahn gelangte ich in Windeseile ins Stadtzentrum Athens, wie hier auf dem Philopappos-Hügel vis à vis mit der Akrópolis.

Es muss ja nicht immer hip sein

Zu sehen gibt es in Athen zur Genüge, und so neigte sich auch dieser Tag langsam gen Abend, ohne wirklichen Höhepunkt und natürlich auch ohne 1 THING TO DO. Das Olympieion, besser als Tempel des Zeus bekannt, geizte mit großem Eifer mit Charme. Der Nationalgarten Ethnikós Kípos würde wohl eher einen festen Platz in einer Top-10-Liste finden, die da lautet: „Zehn Parks, die man garantiert nicht gesehen haben muss“. Und zumindest tagsüber machte das angeblich im Aufwind befindliche Viertel Gazí damals eher den Anschein einer verlassenen Schwarzweißfilmkulisse.

Manchmal ist es einfach nicht der hippe, alternative Szenekiez, der das Besondere versteckt. Und so lauerte eben der eine besondere Moment meiner Athen-Reise nicht in Psirrí, Gazí oder Monastiráki, sondern überraschenderweise in Kolonaki. Der Bezirk nördlich des Parlamentsgebäudes zählt mit seinen weißen Fassaden und teuren Cafés zu den gehobeneren Vierteln der Stadt. Vor allem aber liegt Kolonaki zu Fuße des Likavitós-Hügels.

Athen Reisebericht

Der Likavitós-Hügel begleitet Athenbesucher durch die Stadt, wie hier von Anafiótika, dem verbotenen Dorf, aus.

Olympiastadion 1896

Drängt sich auch im Olympiastadion von 1896 gerne ins Bild: der Stadtberg Athens (Likavitós).

Date mit meinem Stalker

Der Likavitós mit seinen gefühlt tausend verschiedenen Schreibweisen (Lycabettus, Lykabettos, Likavittos und viele mehr) gilt als Stadtberg Athens. Der markante Höcker mit seiner schroffen Felsspitze ist entweder zu Fuß oder per Standseilbahn erreichbar. Auf meinen Spaziergängen durch Athen schien er mich beinahe noch penetranter zu verfolgen als der Akrópolis-Hügel. Irgendwann jedoch gab ich meinem Stalker klein bei, um zur blauen Stunde ein paar Fotos über den Dächern Athens zu schießen.

Nachdem der Anstieg auf immerhin 277 Meter Höhe ziemlich in die Beine ging, erkannte ich schnell, dass sich die Mühen lohnen würden. In Richtung Párnitha-Gebirge im Norden hatte die Sonne ihren Landeanflug Richtung Nacht bereits begonnen. Sie färbte den Himmel in ein sanftes Orange, während die gegenüberliegende Seite noch blau strahlte, wie die Kuppeln Santorínis. Erstaunlich ungetrübt war an diesem Abend der Blick über die Dächer Athens, dessen überwiegend in weiß gehaltene Architektur das Farbenspiel am Himmel widerzuspiegeln schien.

Likavitos Athen

Von der Sankt-Georgs-Kapelle genießt man einen atemberaubenden Ausblick über Athen.

Athen Likavitos

Im Sonnenuntergang rötlich schimmernde Fassaden der griechischen Hauptstadt – das 1 THING TO DO in diesem Athen Reisebericht.

Je später der Abend, desto faszinierender färbte der Athener Himmel die Fassaden der Stadt. Von Piräus bis Akrópolis, vom Olympiastadion bis hinüber nach Aígina legte sich ein sanftes Lila über die Metropole. Irgendwie entlarvt sich Athen wohl erst beim Blick von oben tatsächlich als solche. Wie als einziger Besucher eines Freiluftkinos konnte ich beobachten, wie die Lichter Athens sich langsam entzündeten. Es war beinahe, als würden sie Anlauf nehmen zum Weltrekordversuch für die längste Lichterkette der Welt. Und das Beste: Diesen Anblick nimmt die Krise von heute weder Besuchern noch den Athenern selbst.

Likavitos Athen

Von hinten nach vorne: Aígina, Piräus, Akrópolis.

Athen Reisebericht

Mein Athen Reisebericht schließt mit diesem Bild, auf dem die untergehende Sonne einen violetten Schleier auf die weißen Gebäude der griechischen Hauptstadt legt.

In Kürze: Unser 1 THING TO DO für Athen

Was? Den Sonnenuntergang vom Likavitós aus verfolgen.
Wo? U-Bahn-Station Evangelismós (Ευαγγελισμός, Linie 3). Anschließend ein kurzer Spaziergang durch Kolonaki, bevor es hinauf geht zur Sankt-Georgs-Kapelle auf der Spitze – per Standseilbahn oder zu Fuß.
Wie viel? Kostenlos (bis auf die Standseilbahn), aber Picknick-Decke, Rotwein und Gläser nicht vergessen. 😉
Warum? Um Athen im wahrsten Sinne des Wortes in einem anderen Licht zu sehen.

Unser Athen Reisebericht ist übrigens nicht das einzige 1 THING TO DO aus Griechenland, das wir bis dahin erleben durten. Denn auch in unserem Thessaloníki Reisebericht sowie auf der Halbinsel Chalkidikí wurden wir fündig. Schon entdeckt?

Reisen um zu reisen!
John & Marc

9 thoughts on “Athen Reisebericht: Farbenspiel live von der Akrópolis”

  1. Pingback: 1 THING TO DO: Was bedeutet das eigentlich? – 1 THING TO DO
  2. Trackback: 1 THING TO DO: Was bedeutet das eigentlich? – 1 THING TO DO
  3. melmaer says:

    Schöner und interessanter Reisebericht. Athen wäre auf jeden Fall eine Reise wert.

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir denken auch. Seit 2010 hat sich sicher auch schon wieder einiges getan!

  4. reviewmaedchen says:

    Hey 🙂 Ich finde den Artikel wirklich toll gschrieben!
    Ich war auf Abschlussfahrt auch für ein paar Tage in Athen und kann nur zustimmen. Wir hatten unser Hotel in einem der verkommenste Vierteln in denen nachts mit Presslufthammern die Straßen aufgebrochen werden 😀 und nachdem man 10 Tage in Griechenland verbracht hat, ist der 100ste Tempel auch nicht mehr spektakulär. Ich glaube sogar, dass wir nachts auch auf diesen Hügel wollten, wurden dann aber von wild kläffenden Straßenhunden in die Flucht geschlagen 😀
    Was ich besonders schön fand war der Ausflug auf die Insel Aigina, die du auch auf einem Foto hast. Dort war super schönes Wetter und wir konnten den Tag im klaren Wasser verbringen 🙂
    Viele liebe Grüße Jacky 🙂

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für deinen Kommentar! 🙂

      Aigina lacht mich auf den Bildern auch immer noch an, leider hat es damals zeitlich nicht gepasst für einen Ausflug. Vielleicht beim nächsten Mal!

      Liebe Grüße!

  5. Nathalie von Nat Worldwild says:

    Ich bin gerade auf euren Blog gestoßen und muss erst einmal sagen: klasse Idee!!
    Schade, dass dich Athen nicht so begeistert hat, aber schön, dass es doch noch den einen Moment gab! Ich selbst fand Athen toll, insbesondere das Viertel Exarchia mit seinen abgeranzten Häusern und der Streetart hat es mir angetan. Wenn ihr Lust habt, schaut doch mal in meinen Athen-Artikel rein! 🙂 Würde mich freuen!
    Viele Grüße, Nat

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke dir und schön, dass du uns gefunden hast! 🙂

      So eine Reise steht ja immer für sich und wer weiß, vielleicht hätte ich nur einmal falsch abbiegen müssen und hätte prompt das Örtchen gefunden, das mich in die Stadt verlieben lassen hätte.

      Vielleicht funkt es ja beim nächsten Anlauf. 😉 Bald sind wir übrigens ins Thessaloníki und können dann vergleichen! 🙂 Liebe Grüße!

  6. whitesheetlucy says:

    Ich war letztes Jahr in Athen und ich muss sagen, es gibt wie in jeder Großstadt schöne und weniger schöne Ecken. Aber manchmal entdeckt man wundervolles ! Deine Bilder zeigen das richtig gut. würde mich freuen, wenn du mal bei mir reinschaust 😉 Liebe Grüße, Lucy ❤ von unwrittensheet.wordpress.com

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für deinen Kommentar! 🙂 Wir schauen auf jeden Fall mal rein.

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