Sofia Reisebericht: Das nächste Berlin?

Unser Sofia Reisebericht geht der Frage nach: Kann die bulgarische Hauptstadt Berlin? Denn auf der Suche nach der nächsten Hipster-Hype-Stadt fällt hier und da auch der Name Sofia. Als Berliner betrachten wir Sofia in unserem Reisebericht entsprechend mit anderen Augen. Ob Bulgariens Kapitale dem Vergleich mit der Mutterstadt standhalten kann? Geschrieben von Marc.

Sofia Reisebericht
Sofia Reisebericht: Zum Auftakt begrüßte uns Sofia am Hauptbahnhof mit Sowjet-Charme.

Sofia: „So a Schas!“

Berlin polarisiert: Die einen – vor allem die Berliner selbst – hypen die ach so kreative Techno-Metropole und Startup-Kapitale seit Jahren. Und werden es wohl auch immer tun. Andere hingegen können Berlin wenig abgewinnen. Laut, dreckig, hässlich. Für diese Einschätzung muss man nicht einmal aus Hamburg kommen.

In den Gesprächen, die wir bislang über Sofia führten, gab es dagegen bisher nur eine Meinung über die Stadt. Zwei Beispiele: Unserem Hostelbetreiber in ↠ Belgrad fiel fast die Kinnlade runter, als wir meinten, dass unser nächstes Ziel Sofia sei. Das Nachtleben dort sei fade, und die girls noch mehr. Auch wenn uns das herzlich egal ist. Und einem bayerischen Backpacker in ↠ Skopje fiel zu Sofia nur ein: „DES is a schas Stadt!“

Nicht allzu gute Voraussetzungen also für unseren Sofia Reisebericht.

Sofia Reisebericht
Eines der beliebtesten Fotomotive in Sofia ist da Chupa-Chups-Gebäude im Stadtzentrum.

Sofia Reiseberichte: Eine Stadt im Aufbruch

Schauen wir uns in den Weiten des Internets um, stoßen wir durchaus auch auf andere Meinungen. Im Juni 2015 stellte die ↠ dpa die Frage, wohin die Hipster wohl als Nächstes ziehen würden. Auch der Name Sofia fällt. Schon ein Jahr zuvor veröffentlichte die dpa eine Kurznotiz zur ↠ „Szene-Metropole“ Sofia.

Auch Katrin von ↠ viel unterwegs spricht von Sofia als spannendem und überraschendem Geheimtipp, bezieht sich dabei auch auf die Streetart in Zar-Schischman-Straße. Selbst eine Startup-Week fand mittlerweile in Sofia statt. Der ↠ Deutschlandfunk spricht gar vom „Silicon Valley der Frauen“. Also doch alles ganz hip und cool?

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Hipper, cooler, Sofia? Wir nehmen dich mit auf Reise in die bulgarische Hauptstadt.

Sofia, die große Unbekannte

Grund genug, uns endlich eine eigene Meinung über Sofia zu bilden. Auch wenn unser Besuch in der 1,2 Millionen Einwohner zählenden Metropole ein reines Zufallsprodukt war: Auf unserer ersten ↠ Balkan-Reise konnten wir Sofia nämlich nur deshalb besuchen, weil wir auf unserem Weg von ↠ Krakau nach ↠ Thessaloníki selbst als Langsamreisende ziemlich schnell vorankamen.

Dementsprechend konnten wir nach Budapest und Belgrad eine weitere Stadt auf dem Balkan ansteuern. Eine, die wir zuvor nicht auf dem Zettel hatten. Da Sofia praktischerweise im Zug sowohl von Belgrad als auch von unserer nächsten anvisierten Station Skopje aus erreichbar ist, fiel die Wahl eben auf die größte Stadt Bulgariens, über die wir bis dato rein gar nichts wussten. Doch das sollte sich nun ändern.

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Wer des Kyrillischen mächtig ist, ist in Sofia klar im Vorteil.

Am Frauenmarkt von Sofia

Sofia erreichten wir folglich mit dem ↠ Nachtzug von Belgrad, und zwar am frühen Morgen. Wie mittlerweile schon üblich buchten wir uns dank WiFi in einem amerikanischen Fast-Food-Restaurant im Hauptbahnhof ein Zimmer im zwischen Hauptbahnhof und Stadtzentrum gelegenen Deniz Hostel Han. Dieses können wir an dieser Stelle übrigens nur bedingt weiterempfehlen: Wir haben ja keine allzu hohen Standards, aber allzu hygienisch war die Dusche nicht, die lediglich aus einer kleinen Brause über (!) der Toilette im Gemeinschaftsklo bestand. Doch alles ist bekanntlich besser als unsere ↠ Hostel-Erfahrung in Odessa.

Von unserer Unterkunft allerdings fielen wir quasi direkt in den Schenski Pazar, der sich inmitten eines eher ursprünglich wirkenden Sofia befindet. Auf dem „Frauenmarkt“ auf dem Stefan-Stambolow-Boulevard kannst du wochentags Obst, Gemüse, Käse, Wurst, orientalisches Gebäck sowie Textilien einkaufen. Ursprünglich wurden die Stände allesamt von Frauen betrieben, während du heute auch Männer unter den Verkäuferinnen und Verkäufern antriffst.

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Der „Frauenmarkt“ Schenski Pasar, hier festgehalten an einem ruhigeren Sonntag.
Sofia Reisebericht
Die Gegend rund um den „Frauenmarkt“ kommt und fast schon ein bisschen urig und hip daher. Aber auch nur fast.

Sofia, wo ist das Wasser?

Zwei Dinge fielen uns in Sofia sofort auf: Zum einen fehlt der Stadt im Zentrum ein Gewässer – nach Krakau, Belgrad und vor allem natürlich ↠ Budapest ein Novum auf unserer Reise. Das mag etwas dümmlich klingen, doch ohne gemächlich dahinfließendes Wasser fehlte uns in Sofia etwas: Flüsse laden zum Flanieren ein, bieten oft wunderbare Stadtpanoramen. Über etwas Vergleichbares verfügt Sofia nicht.

Zum anderen ist Sofia die einzige europäische Hauptstadt, die in unmittelbarer Nähe eines Gebirgsmassivs von über 2.000 Metern Höhe liegt. Angestachelt von unserer abenteuerlichen ↠ Wanderung in der Hohen Tatra einige Tage zuvor schnappten wir uns daher ein – übrigens extrem günstiges – Taxi und ließen uns zum Simeonowo-Lift am Stadtrand fahren, wo es schließlich hoch hinaus gehen sollte.

Mehr über unseren Ausflug ins ↠ Witoscha-Gebirge bei Sofia erfährst du in einem eigenen Artikel.

Witoscha-Gebirge Sofia
Der Simeonowo-Lift am Stadtrand von Sofia bringt dich in die luftigen Höhen des Witoscha-Gebirges.

Sofias Dreieck der Toleranz

Vom Witoscha aus machten wir uns schließlich per Lift und abermals im Taxi auf den Weg zum Wahrzeichen von Bulgariens Sofias, der ↠ Alexander-Newski-Kathedrale, an der wir unsere Erkundungen starteten. Die 1912 fertiggestellte bulgarisch-orthodoxe Kirche ist Sitz des bulgarischen Patriarchen und in der Tat sehenswert – gerade auch wegen ihres bescheidenen, mystisch anmutenden Inneren.

Interessant: In unmittelbarer Nähe befinden sich mit der ↠ Banja-Baschi-Moschee sowie der ↠ Sofioter Synagoge im sogenannten „Dreieck der Toleranz“ zwei weitere Gotteshäuser anderer Religion, die die abwechslungsreiche Geschichte Sofias zwischen Orient und Okzident widerspiegeln.

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Die Synagoge von Sofia ist der erste Teil des „Dreiecks der Toleranz“ in der Innenstadt.
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In unmittelbarer Nähe der Sofioter Synagoge befindet sich die Banja-Baschi-Moschee.
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Dank ihrer bescheidenen Pracht erstaunt die nahegelegene Alexander-Newski-Kathedrale besonders auch im Inneren.
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Die Alexander-Newski-Kathedrale gilt vielen als das Wahrzeichen Sofias schlechthin.

Markthalle und Witoscha-Boulevard

Nach einem beinahe zu prall gefüllten „Schafskäse-Kassler-Wrap“ aus der quirligen Zentralen Markthalle nebenan begaben wir uns allmählich in die in diversen Blogs und Reiseführern als lebendig und hip angepriesenen Gegenden von Sofia. Eines vorneweg: Allzu lebendig und vor allem hip ging es – zumindest während unseres Aufenthalts – nirgendwo in Sofia zu.

Ein Bummel auf dem ↠ Witoscha-Boulevard mit Blick auf das gleichnamige Gebirge am Horizontt hat sicher seinen Reiz. Auch sind die Restaurants und Bars stets gut gefüllt. Doch es fehlt ihnen zumindest oberflächlich an Charme und Esprit, vor allem fanden wir beinahe ausschließlich italienische Restaurants vor. Kurzum: Der Witoscha-Boulevard ist eine dieser Flaniermeilen, die man schon hundertmal gesehen zu haben glaubt.

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Die Zentrale Markthalle von Sofia ist einen Besuch wert, auch wenn du zumindest am Nachmittag keine allzu geschäftige Basar-Atmosphäre erwarten solltest.
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Schlendern auf dem Witoscha-Boulevard: Im Hintergrund grüßt das Witoscha-Gebirge.

Zar-Schischman-Straße: Hip kann jeder

Anschließend versuchten wir unser Glück in der angeblich so hippen Zar-Schischman-Straße. Auf einigen Internetseiten beinahe als Streetart-Mekka angepriesen, geriet dieses Stadtgebiet zu einem der größten Ärgernisse unseres Sofia-Besuchs. Denn ganz ehrlich: Es kann doch nicht Aufgabe und Intention von Reise-Webseiten sein, mittlerweile jeden Kiez mit einem Hauch von Streetart als alternatives Szeneviertel darzustellen? Auch wenn die Nachfrage nach solchen Orten ungebremst scheint.

Natürlich: Es gibt sie, die besprühten Tore und Rolladen. Es gibt sie, die bemalten Stromkästen. Es gibt sicherlich auch das eine oder andere schicke vegane Lokal am Puls der Zeit. Aber macht das alleine schon einen Szenekiez, eine Szenestadt aus? Wenn das so einfach wäre, dann könnte ich auch mein Heimatdorf in Sachsen hier als Trend-Metropole darstellen. Inklusive hippem Ritt auf der Kuh Erna und trölf Absackern in der urigen Dorfkneipe. Vegan gibt es da auch, wenn die Wirtin Salzstangen und Erdnüsse rausstellt. Alles eine Frage der Verpackung.

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Die eine oder andere Perle versteckt sich auch in Sofias Hinterhöfen, wie hier das Restaurant ↠ Ugo.
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Ein bisschen bunt hier, ein bisschen bunt da. Reicht das schon zu alternativem Flair?
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Streetart auf Stromkästen – hier in durchaus kreativer und gesellschaftskritischer Form in der Tsar-Shishman-Straße.

Sofia, wir verabschieden uns

Von nun an machten wir beide uns nur noch darüber lustig, dass Sofia einigen als nächstes Berlin gilt. Belgrad – und selbst das touristische Budapest – konnten in diesem Vergleich bei Weitem besser mithalten. Wenn denn ein Wettstreit dieser Art überhaupt Sinn macht. Am Ende hat schließlich jede Stadt ihre eigenen Eigenheiten und Geheimnisse. Berlin ist genauso wenig out wie New York oder London es jemals sein werden. Und Sofia hat es vielleicht auch gar nicht nötig, dem nachzueifern.

Selbstverständlich gibt es immer mehrere Meinungen, wenn es um Städtereiseziele geht. Zu Sofia gibt es sie auch, selbst wenn beispielsweise die Wahlhamburger Anita und Ronny von ↠ milchblau unsere Einschätzung zur Zar-Schischman-Straße teilen. Natürlich haben wir bei Weitem nicht Alles von Sofia gesehen, haben nicht in der Stadt gelebt, um final zu urteilen. Dennoch: Alles, was in Berlin inzwischen als Szenekiez gilt oder jemals gegolten hat, versprüht für uns mehr alternativen Flair als die bulgarische Hauptstadt.

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Streetart in Sofia: Allzu viel Liebesgefühle entwickelten wir während unseres Ausflugs in die bulgarische Hauptstadt allerdings nicht.

Das Fazit zum Sofia Reisebericht: Mach dir dein eigenes Bild von Bulgariens Kapitale, und achte nicht zu sehr darauf, was im Netz geschrieben wird. In unserem Falle haben uns die Beschreibungen anderer eher daran gehindert, ein eigenes Bild von Sofia zu bekommen. Der Vergleich mit Berlin war in unseren Köpfen zu präsent. Konntest du Sofia bereits besichtigen? Dann teile uns gerne deine Meinung über die Stadt in den Kommentaren mit!

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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29 thoughts on “Sofia Reisebericht: Das nächste Berlin?”

  1. Calian says:

    Wie schade, dass dieser Bericht einer der einzigen ist, die man im Internet über Sofia findet. Wer die Stadt unbedingt mit Berlin vergleichen will, kann nur scheitern. In meinen vier Tagen in der bulgarischen Hauptstadt habe ich mich in diese widersprüchliche, spannende Stadt verliebt. Ich kann jedem raten, sich von diesem voreingenommenen und einseitigen Blick auf Sofia nicht beeinflussen zu lassen und der Stadt eine Chance zu geben. Mich hat sie verzaubert.

    1. Buffi14 says:

      Genau meine Meinung : ich bin total begeistert von der wunderbaren Stadt mit den entspannt, freundlichen Menschen, vielen Parks und sehr alter Kultur. Wer Sofía noch nicht erlebt hat, hat etwas verpasst.
      Schade, dass euer Reisebericht so negativ ist. Wer möchte schon überall Berlin wiederfinden. Das wör mir zu langweilig, wenn jede Stadt wie Berlin sein sollte. Ich möchte neues entdecken. Wer die Berge sieht, kann auf einen Fluss verzichten😂.

      1. 1 THING TO DO says:

        Niemand möchte überall Berlin wiederfinden. Das wäre nicht nur für die Reise langweilig, sondern auch für die Rückkehr nach Hause. 🙂 Aber unser Reisebericht aus Sofia ist eben auch Folge davon, dass wir diesen – garantiert nicht klugen – Berlin-Vergleich vorher aufgeschnappt haben. Ein Symptom der Zeit. Beim nächsten Besuch in Sofia entdecken wir garantiert eine andere Seite der Stadt. Aber wir sind eben auch kein Reiseführer, der monatelang vor Ort recherchiert und dabei alle – oder zumindest viele – Facetten kennenlernt.

        Liebe Grüße
        John & Marc

    2. 1 THING TO DO says:

      Wir schließen uns gerne an, bzw. schreiben wir ja schon im Artikel, dass sich Reisende besser selbst ein Bild von Sofia machen sollten. Der Bericht ist in der Tat einseitig. Das bestreiten wir nicht, da wir den Berlin-Vergleich eben als roten Faden gewählt haben. Vielleicht kehren wir eines Tages zurück und nehmen die Berlin-Brille ab. Dann können wir auch mehr in die Tiefe gehen.

      Liebe Grüße
      John & Marc

  2. Gotham says:

    Ein wirklich hochnäsiger und arroganter Blick auf Sofia. Letztlich konnte ich diesen Bericht spätestens ab dem Moment nicht mehr ernst nehmen, als die Autoren Berlin über London gestellt haben…hahaha…C´mon, guys…really?? Fahrt besser nicht nach NYC…Euer Berlin-Bild könnte nachhaltig Schaden nehmen. Zugezogene „Berliner“ wollen der Welt erklären, wie wahnsinnig cool Berlin und sie selbst sind und das auf Kosten einer Stadt, die historisch und aufgrund der Lage nicht im Ansatz mit Berlin zu vergleichen ist.
    Berlin ist ne coole und tolle Stadt, trotz dem ganzen Hipster-Volk und nicht wegen denen. Aber alleine dieser Bericht macht mir Sofia noch sympathischer und bestätigt das Klischee des zugewanderten „Berlin-Hipsters“. Aber in Eurem sächsischen Kuhdorf seid ihr bestimmt ne große Nummer…muahahaha

    1. 1 THING TO DO says:

      Wenn ein kritischer Kommentar auf einen älteren Artikel von uns kommt, nehmen wir uns immer noch einmal die Zeit, den Text zu lesen und uns selbst zu hinterfragen. Erkenntnis: Natürlich ist unser Blick auf Sofia im Artikel arrogant und hochnäsig, wir spielen ja auch mit dem Bild des Hipster-Berliners, das du zeichnest. Im Nachhinein war es sicher nicht zielführend, Sofia mit diesem überstrapazierten Berlin-Blick zu erkunden. Die Berichterstattung über Sofia zu jener Zeit hat uns diesen Blick aber mit auf die Reise gegeben, und entsprechend schrieben wir diesen Reisebericht so wie er ist. Gleichzeitig hat Sofia aber keinen anderen Eindruck hinterlassen, der die Enttäuschung wettmachen konnte.

      Ich wohne übrigens seit zwölf Jahren in Berlin, John wurde im Speckgürtel geboren. So viel zugezogene Hipsterness ist in den Text also nun wirklich nicht geflossen. Von London und New York sowie von jeder anderen Stadt lassen wir uns gerne unser Berlin-Bild beschädigen. London hat es trotz einiger Besuche noch nicht geschafft, auch wenn wir die Stadt sehr mögen.

      Gruß
      Marc

  3. Heiner says:

    Mit Verlaub, liebe Leute, aber ich habe euch stark im Verdacht, mit ausgeprägtem Tunnelblick unterwegs zu sein. Ich stimme schon zu, Sofia ist so wenig wie Budapest oder auch Tirana eine Stadt, die in diesem Sinne mit dem mithalten kann, was gerne als „hip“ bezeichnet wird. Aber: Ist das ein Kriterium? Sucht ihr nach Kreuzkölln in Bulgarien? Habt ihr irgendwas von Land und Leuten und deren Geschichten mitbekommen? Von den Konflikten, die das Land seit fast 30 Jahren prägen?

    Allein wenn ihr vom „Schafskäse-Kassler-Wrap“ erzählt, wo es sich vermutlich um Baniza/Börek handelt, wird deutlich, aus welcher Perspektive hier geschrieben wird. Wenn es nicht den eigenen, sehr fragwürdigen Konsum- und Convenience-Mustern entspricht, dann ist es falsch. Euer Text legt nahe, ihr wärt nach Sofia gereist, um die Stadt auf ihre Ähnlichkeit zu Berlin zu überprüfen.

    1. 1 THING TO DO says:

      Hallo Heiner,

      jede Reise findet in einem zeitlichen Kontext statt und bekommt dadurch, da stimmen wir dir zu, einen gewissen Tunnelblick. Vor unserem Aufenthalt in Sofia haben wir einige Artikel gelesen, die die Stadt eben in Verbindung mit Berlin oder anderen (damaligen) Trendstädten gebracht haben. Darauf nehmen wir Bezug. Würden wir heute noch mal nach Sofia reisen, hätten wir vielleicht einen anderen Blick und würden die Stadt ganz anders wahrnehmen. Es ist eben ein sehr subjektiver Reisebericht. Dazu kommt, dass wir direkt davor in Belgrad waren und Sofia im Vergleich eher langweilig empfanden.

      Liebe Grüße
      John & Marc

      PS: Baniza war das in der Markthalle nicht. 😊

  4. Sebastian says:

    Ihr habt einfach nicht den bulgarischen Vibe gespürt, denke ich. :–( Grundsätzlich mag ich auch auf Reisen Hipster–Infrastruktur, aber in der Form, wie sie in Berlin zu erleben ist, ist es vielleicht auch schon „too much“ (diese genervt–arrogante Attitüde). Als regelmäßiger Berlin–Besucher glaube ich auch nicht, dass Berlin dem Vergleich zu zeitlosen Metropolen wie New York oder London (auch nur annähernd) standhält.

    Bulgarien bietet eine fantastische Küche für sehr kleines Geld, sehr nette Leute, vielleicht keine Masse an 08/15–Sights, dafür aber etwas (noch!) Eigenes.

    Die Frage ist, ob das Reisen dem Zwecke dient, im Prinzip nur das immer Gleiche zu sehen (ein Bisschen wie z.B. bei „Off the Path“, wo der Content zwar hübsch ist, sich aber stets zu 100% exakt „On the path“ bewegt, bzw. „On the highway“ ;–)).

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für den ausführlichen Kommentar! 🙂

      Solche Reiseberichte sind ja immer subjektiv – und von so vielem abhängig. Einmal anders abbiegen, und vielleicht hätten wir den bulgarischen Vibe gespürt. Und wie du schon sagst, es kommt darauf an, was man sucht. Bei uns ist das sehr tagesabhängig, durch die „Recherche“ im Vorfeld haben wir eben in Sofia ein wenig mehr darauf geachtet, wie viel Berlin darin steckt. Das war sehr wahrscheinlich einfach nicht sonderlich klug. Allerdings haben wir eben auch nicht viel anderes vorgefunden, das uns begeisterte – aber manchmal kommt das ja auch erst nach Wochen, Monaten, Jahren.

      Liebe Grüße!

      PS: Als Berliner finden wir London schon deutlich „uncooler“, doch das ist ja klar – Attitüde und so. Aber auch ohne die Attitüde ist Berlin unserer Meinung nach näher am Zeitgeist, auch wenn wir den Hype um Berlin im Ausland langsam satt haben („awesome city“ und so). New York steht noch aus!

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  7. Dave says:

    Dieser „Reisebericht“ wirkt auf mich leider arrogant. Ich kenne Sofia sehr gut und ein so kurzer und offensichtlich sehr oberflächlicher Abstecher wird dieser Stadt absolut nicht gerecht. Wie einer der Kommentatoren bereits geschrieben hat offenbart sich Sofias Reiz erst auf den zweiten Blick. Dafür gibt es aber umso mehr zu entdecken (wenn man es denn auch wirklich möchte und einen Blick dafür hat), und die Stadt ist lange nicht so ausgelutscht wie die ewig gleichen Städtedestinationen, die jeder Pseudoreiseblogger meint durchkauen zu müssen. Und dass der Stadt ein fliessendes Gewässer fehlt hätte man bei entsprechender Recherche vorab wissen können.

    1ThingToDo? Und Tschüss!

    1. 1 THING TO DO says:

      Hallo Dave, danke für dein ehrliches Feedback! Wir schreiben ja selbst ausdrücklich, dass wir „bei Weitem nicht alles in Sofia gesehen [haben], um final zu urteilen“, und das ist auch einfach so. Wir berichten hier von unseren eigenen, wenn auch manchmal flüchtigen Eindrücken und geben diese entsprechend wieder. Uns liegt generell viel daran, eine Stadt tiefgründiger kennen zu lernen, aber in diesem speziellen Falle hat es einfach nicht Klick gemacht. Daher reisten wir schnell weiter, da wir Sofia ohnehin „zwischengeschoben“ hatten. Wir sind uns auch bewusst, dass sich das „wahre“ Bild einer Stadt häufig erst auf den zweiten (bzw. wahrscheinlich erst nach dem hundertsten…) Blick offenbart. Das betonen wir auch immer und immer wieder und sind entsprechend sehr interessiert daran, gegenteilige Meinungen zu unserer zu hören. Übrigens: Das mit dem Gewässer wussten wir auch vorher schon und es war für uns auch kein Ausschlusskriterium. Zwischen Budapest, Belgrad, Skopje und Thessaloníki ist es uns aber einfach besonders aufgefallen. Nichts anderes schrieben wir. Wir wünschen dir schöne Feiertage!

  8. Manu says:

    Ich bin im Oktober das erste Mal in Sofia und zwar für ein Wochenende. Bin schon sehr gespannt!

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir wünschen dir viel Spaß dort und sind gespannt auf deine Eindrücke! 🙂

  9. Ramonzki says:

    Sofia präsentiert ihre Schönheit leider bzw. zum Glück nicht auf dem silbernen Tablett, sie lässt sich entdecken (vorausgesetzt man bringt ein bisschen Zeit mit) und überlässt ihre Schönheit unabhängig irgendwelcher „Hipsein“-Zwängen ganz dem Auge des Betrachters – und genau das macht sie meiner Meinung nach letztendlich so aufregend und irgendwie auch wieder „hip“. 🙂

    Falls es euch doch nochmal nach Sofia verschlagen sollte, schaut euch die heißen Quellen mitten in der Stadt an. (eine Brunnenanlage mit heißem Wasser frisch aus den Bergen, viele Sofioter füllen sich da sogar ihre Trinkkanister auf), Boyana Church (Weltkulturerbe, bisschen außerhalb der Stadt, mit wunderschöner Deckenbemalung), die Sophienkirche mit Museum (veranschaulicht gut die wechselvolle Geschichte der Stadt), fährt mit der Straßenbahn Linie 10 ein Stück durch den Stadtwald oder beobachtet die Skater, Zeichner und Spaziergänger auf dem Platz vor der Uni. Zum übernachten empfiehlt sich für Backpacker das Hostel Mostel oder der Art Club. (letzteres ist gleichzeitig ne Bar und hat am Abend häufig gute Konzerte). Außerdem zum Weggehen abends „The Apartment“ oder die Hambara-Bar. Für die kulturschockmutigen gerne auch „STudentski Grad“ (das Studentenviertel) – stellt euch auf viele fette Fake-Goldkettchen ein und schaut euch zur Vorbereitung vielleicht noch ein YouTube Video zu „Chalga“ (Bulgarische Popmusik) an. Mit ein bisschen Toleranz gegenüber billig Bling Bling Kultur, kann man da sehr witzige Abende verbringen. 🙂 Gediegen Kuchenessen lässt sich’s gut in der Vila Rosiche, ansonsten einfach mal am Straßenrand ne Pizza mit Ketchup und Mayo kosten. (klingt ekliger als es ist :P)

  10. Paleica says:

    jaja, hip kann jeder – so kommt es einem tatsächlich vor. lädt nicht unbedingt zu einem besuch ein 😀

    1. 1 THING TO DO says:

      Zumindest nicht zu einem ausschweifenden Besuch… aber wie gesagt, es gibt ja immer mehrere Meinungen und vielleicht ist es in ein paar Jahren ja komplett anders.

      1. Paleica says:

        diese möglichkeit besteht natürlich immer!

  11. markus ries says:

    Hach, herrlich geschrieben! Vor allem der Abschnitt „Hip kann Jeder“ 🙂

    1. 1 THING TO DO says:

      Vielen Dank und liebe Grüße!

  12. Sven Illert says:

    Bei dem Satz mit den Erdnüssen und den Salzstangen musste ich herzhaft lachen! Ansonsten Teile ich die Meinung über das Hipster-, Street-Art-Möchtegern-Gehabe, schöner Artikel!

    1. 1 THING TO DO says:

      Das freut uns, vielen lieben Dank! 🙂

  13. The Tastemonials says:

    Mal wieder sehr interessant eure Einblick in eine weitere Stadt, in der ich noch nie war – wenigstens kannte ich hier den Namen 😉 Habe sehr gelacht über eure Zeilen bzgl. Hip-Sein. Ich finde auch, daß da weit mehr dazu gehört als ein paar Kästen mit Graffiti zu besprühen.. Liebe Grüsse, Heike

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke, das freut uns zu hören. 🙂 Liebe Grüße!

  14. ReiseSpeisen says:

    Ich habe zwei Monate in Sofia gewohnt und stimme zu, eine hippe Szenestadt ist es nicht. Ich denke aber, es steckt viel Potenzial drin und es gibt auch jetzt sehr coole Orte (die ich leider erst sehr spät entdeckt habe). Bin gespannt, ob und was aus der Stadt wird. Danke für den Artikel! 🙂

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für den Kommentar! Also scheinen wir uns ja nicht zuuu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben. 😉 Es soll ja auch noch ein Studentenviertel geben, wo wir es leider nicht hingeschafft haben. Ist da etwas mehr los?

    2. ReiseSpeisen says:

      Im Studentenviertel war ich nur an einem Abend und kann leider nicht viel dazu sagen. Imbiss-Buden ohne Ende und ein 24-h-Supermarkt direkt neben den Party-Locations, Das hat bei langen Nächten durchaus Vorteile. Ansonsten ist das definitiv keine Traum-Wohngegend.

  15. zeilentiger says:

    Decathlon- und Nescafé-Werbung auf der Berghütte. Tja. Schön euer Satz mit den Erdnüssen!

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