Krasnojarsk und Stolby-Nationalpark: Blitzschlag in Sibirien

Krasnojarsk ist eine unter vielen Unbekannten entlang der Transsibirischen Eisenbahn. Die meisten Transsib-Reisenden machen hier Station, um im nahegelegenen Stolby Nationalpark sibirische Natur zu erleben. Ich zähle auch dazu. Mein 1 THING TO DO für Krasnojarsk fand ich jedoch an anderer Stelle: am grünen Ufer des Jenissei. Geschrieben von Marc.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Der Stolby Nationalpark bei Krasnojarsk ist eines der wenigen natürlichen Highlights entlang der Transsibirischen Eisenbahn.

Oben auf im Stolby Nationalpark

Endlich eine Aussicht. Endlich Natur. Endlich Blau auf Grün. Der ↠ Stolby Nationalpark bei Krasnojarsk ist ein Sehnsuchtsstiller. Auf meiner Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn überwiegen die Städte, die mich östlich von Moskau zudem bislang alles andere als aus den Socken gehauen haben. In Kasan schipperte ich auf der Wolga, bei Jekaterinburg verlief ich mich im Birkenwald. Doch wirkliche Naturerlebnisse waren auch das nicht.

Aus den Socken haut mich im Stolby Nationalpark etwas ganz Anderes. Ich mache es mir auf einer der Felsformationen gemütlich, die die Gegend vor allem unter russischen Reisenden und Kletterfans berühmt gemacht haben. In der Ferne zieht ein Gewitter in Richtung Krasnojarsk. Es scheint zu weit weg, um für mich und die Anderen hier im Stolby Nationalpark gefährlich zu werden. Aber denkste. Es blitzt. Es scheppert. Für einen Moment bin ich wie paralysiert.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Wo der Blitzschlag mich einen Wimpernschlag lang außer Gefecht setzte: Das Gewitter versteckt sich hinter dem Felsen.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Der Stolby Nationalpark ist vor allem für Kletterfelsen wie diesen hier in Russland berühmt.

Natur pur bei Krasnojarsk

Es ist als würden mir zwei Sekunden fehlen, als ich realisiere, dass in der Nähe irgendwo ein Blitz eingeschlagen haben muss. Ich schaue hinüber zum nächsten Felsen und blicke in ebenso verdutzte Gesichter. Schwein gehabt. Beim nächsten Gewitter im Bergland verkrieche ich mich irgendwo, selbst wenn ich wie hier gefühlt weit weg davon in der prallen Sonne schwitze.

Hätte ich nicht gestern noch Betonwüste à la Nowosibirsk um mich gehabt, wäre der Stolby Nationalpark wahrscheinlich nur halb so schön. Ein Dreivierteljahr nach ↠ Georgien haut mich ohnehin keine Landschaft mehr um. Seine Felsformationen sind Hingucker, doch wahnsinnig schöne Panoramen geben ihre Plateaus nicht her. Ich bin trotzdem froh, den Weg auf mich genommen zu haben. Der Stolby ist einer der wenigen Nationalparks, der für Transsib-Reisende schnell und unkompliziert erreicht ist. Und so erfreue ich mich daran, überhaupt mal wieder ein wenig Natur genießen zu können. Stolby erfüllt den Zweck.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Eine Vorwarnung? Hinterlassenschaft von Witzbolden im Stolby Nationalpark.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Ob hier auch schon jemand hochgeklettert ist?

Stolby Nationalpark bei Krasnojarsk: Informationen

  • Anreise: Für umgerechnet knapp 30 Cent gelangst du mit Buslinie 50 auf direktem Weg zum Stolby Nationalpark. Zielstation ist Torbasa, Abfahrt zum Beispiel vor dem Theaterplatz im Zentrum von Krasnojarsk.
  • Weg zum Eingang: Die Busstation befindet sich am Parkplatz zum Stolby Nationalpark. Von dort führt eine asphaltierte Straße ins Zentrum des Parks. Die ersten Felsformationen (genannt „Skala“ bzw скала) erreichst du nach etwa zehn Kilometern, dabei legst du circa 500 bis 600 Höhenmeter zurück.
  • Wandern: Drei gut markierte Wege führen durch den Stolby Nationalpark (gelb, blau und violett). Am Eingang zum Park gilt es zunächst einige Treppenstufen zu absolvieren, insgesamt sind die Wanderungen jedoch auch für Einsteiger machbar.
  • Klettern: Um auf die Felsformationen zu gelangen, ist Klettergeschick notwendig. Jedoch gibt es Felsen, die auch ohne entsprechende Ausrüstung machbar sind. Ich war teilweise überrascht, wer die Felsen mit welchem Schuhwerk bestieg – egal ob jung oder alt.
  • Zeckenalarm: Am Eingang zum Stolby Nationalpark wird vor Zecken gewarnt. Es ist also ratsam, Zeckenspray im Gepäck dabei zu haben. Manche nahmen die Warnung besonders ernst, wanderten mit Kopfbedeckung durch den Nationalpark und steckten die Hosen in ihre Socken (und das nicht der Mode wegen).
  • Essen und Trinken: Es gibt diverse Kiosks im Stolby Nationalpark, sodass es nicht zwingend notwendig ist, Proviant mitzubringen.
Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Zu den Felsformationen im Stolby Nationalpark gelangst du über diese Treppe.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Die Wanderwege im Stolby Nationalpark sind in der Regel kaum zu verfehlen.

Durchatmen in Krasnojarsk

Zurück in Krasnojarsk schließe ich mich erst mal in meinem Einzelzimmer im Hostel ein. Auf einen Schlafsaal hatte ich dieses Mal keine Lust. Auch mal alleine schlafen. Krasnojarsk war ursprünglich gar nicht Teil meiner Reiseplanung. Doch ich bin schneller unterwegs als gedacht, weshalb ich die Bald-Millionenstadt am Jenissei nicht nur zur Stadtflucht nutze, sondern auch zum Durchatmen.

Ich merke schnell, dass Krasnojarsk hierfür perfekt ist. Hier läuft nichts weg, vor allem weil ich den Ausflug zum Stolby Nationalpark gleich nach Ankunft hinter mir hatte. Es gibt die übliche Lenin-Statue (diesmal mit Mütze), den Theaterplatz, ein paar Kirchen, ein Kloster am Jenissei-Ufer. Das war’s. Dennoch gehört Krasnojarsk zu den positiven Überraschungen meiner Russland-Reise. Die Stand wirkt auf mich jung und dynamisch. Hier passiert etwas. Es geht voran. Von russischer Arroganz ist dennoch keine Spur. Ganz im Gegenteil begeistert mich Krasnojarsk mit seiner Leichtigkeit und einem gewissen Laissez-faire.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Die Fürbitte-Kathedrale im Zentrum von Krasnojarsk.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Straßenszene in Krasnojarsk bei Sonnenuntergang.

Far away in Krasnojarsk

Zwei Lieblingsplätze werde ich in Krasnojarsk finden, die genau das widerspiegeln. Beide liegen direkt am Jenissei, dessen Wasser verglichen mit dem Ob in ↠ Nowosibirsk glasklar ist. Der erste befindet sich Aug in Aug mit der Insel Posadnyi am nördlichen Ufer des – je nach Definition – längsten Fließgewässers der Russischen Föderation. Unterhalb des Zentralparks verläuft die Promenade von Krasnojarsk, für mich die schönste im Russland östlich von Moskau.

Hier verbringe ich beide Abende, die ich in Krasnojarsk erleben durfte. Trinke jeweils ein heimliches Bierchen und verspüre leichte Gorki-Park-Vibes (siehe mein 1 THING TO DO für ↠ Moskau). Aber wirklich nur ganz leichte. Es ist einer dieser Orte, die einen als Alleinreisender nicht ganz so alleine fühlen lassen, auch wenn westliche Reisende und damit potenzielle Gesprächspartner:innen auch in Krasnojarsk mal wieder Fehlanzeige sind. Im Stolby Nationalpark fragte mich eine junge Russin, wo ich herkomme. Ihre Antwort: „Wow, that’s far!“ – Am Ufer des Jenissei fühlt es sich gar nicht mehr so weit weg an.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Jenissei-Ufer in Krasnokarsk: Im Hintergrund siehst du sogar einen der Felsen im Stolby Nationalpark.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Das Jenissei-Ufer lädt vor allem zum Sonnenuntergang zum Verweilen ein.

Insel Tatyschew: Das grüne Krasnojarsk

Den zweiten Lieblingsort entdecke ich am letzten Tag in Krasnojarsk, als ununterbrochen die Sonne vom Himmel strahlt. Eine Wonne. Bisher habe ich an jeder Station meiner Reise einen sintflutartigen Regenguss erlebt. In ↠ Kasan und Nowosibirsk stieg ich patschnass in den Zug, bei ↠ Jekaterinburg war ich den Wassermassen im Nirgendwo ausgesetzt. In Moskau befand ich mich währenddessen glücklicherweise in der Metro, hier in Krasnojarsk zog er an mir vorbei. Der Blitzschlag. Du erinnerst dich.

Und so genieße ich das Sommerwetter und mache das, was ich in Berlin wohl auch getan hätte: Ich lege mich in einen Park. Mit der Insel Tatyschew verfügt Krasnojarsk glücklicherweise über ein wirkliches Prachtexemplar. Sie ist die größte des Jenissei-Inseln in Krasnojarsk und ein Paradies für Ausflüge mit dem Fahrrad, auf Inline-Skates oder einfach auf zwei Beinen. Bei diesem Wetter ist sie entlang der Hauptwege proppenvoll. Und sie ist ein Ort zum Sehen-und-Gesehen-werden. Nackte Männeroberkörper überall. Mit Stolz präsentiert, egal ob im Fitnessstudio oder mit einigen hundert Litern Bier antrainiert.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Frühlingsboten in Richtung des stillen Südufers der Jenissei-Insel Tatyschew.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Abseits der Hauptwege strahlt Tatyschew ganz natürliche Ruhe aus.

Krasnojarsk: Auszeit am Jenissei

Ich habe mich in einem der Krasnyi-Jar-Supermärkte mit Proviant eingedeckt und suche mir ein abgeschiedenes Plätzchen am südlichen Ufer von Tatyschew. Supermärkte können sie, das muss man den Russen lassen! Eine gute Grundlage für ein Picknick, für das ich meine Parkdecke, die so endlich ihren Zweck erfüllt, direkt am Jenissei ausbreite.

Fast bin ich geneigt, ein Bad im Jenissei zu nehmen. Doch das Wasser ist eiskalt, ich belasse es bei ein paar kurzen Schritten, die meine Füße schmerzen lassen. Ein paar Meter links und rechts von mir liegen Gleichgesinnte, die den Tag ebenso genießen wie ich. Wir stören uns nicht an einander, gönnen uns jeden einzelnen Sonnenstrahl im Gesicht. Die nächste Zugfahrt steht bald bevor, die nächste Stadt ist wieder einmal 1.000 Kilometer entfernt. Doch Krasnojarsk lässt mich die Entfernungen vergessen, die innere Ruhe finden. Manchmal ist weniger eben mehr.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Schauplatz meines 1 THING TO DOs für Krasnojarsk am Südufer von Tatyschew.

Krasnojarsk Stolby Nationalpark

Zurück im Stadtzentrum von Krasnojarsk: Jenissei-Promenade mit den Hügeln des Stolby Nationalpark im Hintergrund.

In Kürze: Mein 1 THING TO DO für Krasnojarsk

Was? Ein Sonnenbad auf der Insel Tatyschew, der grünen Lunge von Krasnojarsk.
Wo? Tatyschew erreichst du am besten mit dem Bus. Die Linie 85 startet zum Beispiel am Puschkin-Theater und bringt dich zur Station Ostrow Tatyschew.
Wie viel? Die Busfahrt kostet umgerechnet circa 30 Cent. Vor Ort kannst du dir auch ein Fahrrad ausleihen, musst dafür jedoch Reisepass oder Personalausweis hinterlegen (war nichts für mich).
Warum? Um in Krasnojarsk das Große im Kleinen zu finden und einfach mal durchzuatmen.

Das Video zu meiner vierwöchigen Russland-Reise macht übrigens auch in Krasnojarsk sowie im Stolby Nationalpark Station. Dabei stelle ich dir auch ein paar süße tierische Zeitgenossen vor… – Film ab!

 

Mehr zu meiner Reise von Moskau zum Baikalsee erfährst du im einführenden ↠ Russland Reisebericht. Nach Krasnojarsk machte ich übrigens noch nicht am Baikalsee Station, sondern zunächst in Ulan-Ude. Das hatte den Vorteil, dass ich den vielleicht schönsten Abschnitt der Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn erleben durfte: die Fahrt entlang des Ufers des tiefsten Sees der Erde. So oder so: Die Berichterstattung aus Russland neigt sich dem Ende zu. Wie die Zeit vergeht.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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