Brockenbahn im Winter: Wo Deutschland Island ist

Glück gehabt! An mehr als 300 Tagen im Jahr versteckt sich der Brocken hinter dichten Nebelwolken. Doch auch unser zweiter gemeinsamer Besuch auf Norddeutschlands höchstem Gipfel brachte uns klare Sicht auf die umliegenden Hügel im Nationalpark Harz. Den Weg nach oben meisterten wir an jenem Wintertag mit der Brockenbahn. Bis wir auf dem Rückweg plötzlich bis zum Bauchnabel im Schnee versanken. Geschrieben von Marc.

Brockenbahn Winter

Der Brocken im Winter: Aufgrund seiner exponierten Lage herrscht auf Norddeutschlands höchstem Gipfel ein mit Island vergleichbares Klima.

Per Brockenbahn durch den Harz

Ganz so romantisch, wie wir uns die Fahrt in der Brockenbahn vorgestellt hatten, geht es hier an Bord nicht gerade zu. Dichtes Gedränge herrscht auf den kleinen Plattformen an den Enden der Waggons, auf denen wir uns den Fahrtwind um die Ohren säuseln lassen. Doch wer hier draußen einmal seinen Wunschplatz erhascht hat, gibt ihn so leicht nicht mehr her. Das perfekte Foto braucht schließlich Zeit. Da hilft kein Drängeln und kein Schubsen. Wir sollten kein perfektes Foto schießen dürfen.

An Bord der Brockenbahn wackelt und klappert es unermüdlich, über unseren Köpfen zieht weißer Rauch hinweg. Trotz Handschuhen und Stirnband wollen unsere Glieder das Zittern nicht lassen. Der Fahrtwind tut den Minusgraden ein Übriges. Am liebsten würden wir permanent heißen Tee aus unserer Thermoskanne trinken. Aber es würden noch genug Momente warten, in denen wir die flüssige Wärmezufuhr dringender bräuchten.

Brockenbahn Winter

Mit Harzquer- und Brockenbahn ging es für uns von Nordhausen über Drei Annen Hohne hinauf zum Brocken.

Brockenbahn Winter

Die Brockenbahn blickt auf eine über 100 Jahre alte Tradition zurück. Der erste Zug hielt 1899 auf dem Gipfel.

Von Nordhausen zum Brocken

In Nordhausen, von wo aus wir mit der Harzquerbahn in Richtung Drei Annen Hohne starteten, schmolz der Schnee bereits langsam dahin. Inzwischen jedoch sind wir in der kleinen Ortschaft auf 540 Metern Höhe in die Brockenbahn umgestiegen und befinden uns auf kurvigem Weg durchs Harzer Winterwunderland.

Kilometerweit fuhren wir durch dichten Fichtenwald, dessen Nadelbäume Meter für Meter unter mehr Schneelast zu schnaufen schienen. Mittlerweile aber durchfahren wir immer wieder Lichtungen, über denen sich der 123 Meter hohe weiß-rote Sendemast auf dem Brocken in Richtung Wintersonne streckt. Der Hochharz ist eine karge Landschaft, die Baumgrenze unverhältnismäßig tief. Ein ungemütlicher Ort für einen Winterausflug.

Brockenbahn Winter

Eine Fahrt mit der Brockenbahn ist auch eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit der Harzregion.

Brockenbahn Winter

Die Sendeanlage auf dem Brocken ragt 123 Meter hoch über den Gipfel hinaus.

Winter in der norddeutschen Arktis

Auf 1.125 Metern kommt die Brockenbahn zum Stehen. Beim Aussteigen erfasst uns eine steife Brise. Auf vereistem Boden fällt das Laufen schwer. Lange werden wir es hier oben nicht aushalten. Wir füllen uns einen Schluck heißen Tee in die Kappe, doch unsere Hände zittern so sehr, dass das meiste davon auf unseren Handschuhen landet und zu Eistee digitiert.

Zwischen den Schneemassen kämpfen wir uns zum Gipfel vor, umgeben von einer arktisch anmutenden Szenerie. Schneemassen umschlingen schwarze Felsen, von denen jeweils nur die Spitze herausragt. Bäume sind erst in der Ferne zu sehen. Auf dem Brocken herrscht ein Klima wie auf Island, hatten wir vorab gelesen. Erst an Ort und Stelle realisieren wir, wie viel Wahrheit dahinter steckt.

Brockenbahn Winter

Island? Grönland? Obwohl nur 1.141 Meter hoch, befindet sich der Gipfel des Brocken oberhalb der Baumgrenze.

Brockenbahn Winter

Blick vom Brocken hinab auf die umliegende, vergleichsweise wenig winterliche Hügellandschaft rund um den Nationalpark Harz.

Winterwanderung nach Schierke

Zeit, auf 1.141 Metern Höhe den Moment zu genießen, ist uns an diesem Tage nicht gegönnt. Nach ein paar hektischen Blicken auf die umliegenden Hügel und ein paar verwackelten Selfies entschließen wir uns, ein Stück des Rückwegs zu Fuß zurückzulegen. Dieser Wintertag ist kurz, doch lang genug, um noch eine Wanderung einzuschieben und erst in Schierke zurück in die Brockenbahn zu steigen.

Die Sonne steht tief, doch abgeschirmt von den eisigen Winden verhilft sie zumindest ein bisschen dazu, dass uns eingepackt in Schal und Wintermantel wärmer ums Herz wird. Vor zwei Jahren legten wir den Weg vom Brocken nach Schierke in milder Frühlingluft zurück. Die Felsen, die auf langer Strecke den Weg bilden, sind dieses Mal von Schnee bedeckt. Mal ums Mal kommen wir ins rutschen. Steigende Temperaturen bringen um die Mittagszeit das winterliche Weiß zum Schmelzen, um wenig später wieder abzufallen und eine tückische Eisschicht zu hinterlassen.

Brockenbahn Winter

Auf unserer gut zweistündigen Wanderung zwischen Brocken und Schierke stand die Sonne schon deutlich tiefer.

Brockenbahn Winter

Die Schneedecke abseits des Wanderwegs nach Schierke war insbesondere wegen des längst von den Fichten herabgefallenen Schnees teils imposant.

Zeit für etwas Abenteuer

Um uns herum türmt sich der Schnee teilweise meterhoch, vor allem dort, wo Wind und pure Masse ihn längst von den Baumkronen gen Boden fallen lassen haben. Und da es bei uns nie ganz ohne Abenteuer geht, verlassen wir einmal den Weg, um uns im hohen Schnee auszutoben. Anfangs hält uns die Schneedecke noch, doch schnell sinken wir Schritt für Schritt Dezimeter für Dezimeter hinab. Bis wir bis zum Bauchnabel im eisigen Schlamassel stecken.

Der Weg zurück zum Wanderweg gestaltet sich schwierig. Um nicht weiter zu versinken, ist Vorsicht angesagt. Ein Nachmachen ist nicht zu empfehlen, schließlich weiß man nie so richtig, was sich gerade unter den Schneemassen verbirgt. Doch ein Gutes hat dieser Anfall von Übermut: Durchgeschwitzt wandern wir die letzten Kilometer nach Schierke und lassen das Kältegefühl im Schnee zurück.

Brockenbahn Winter

Noch schnell ein Foto, bevor ich endgültig absackte.

Brockenbahn Winter

Auf dem Weg nach Schierke fällt der Blick unter anderem auf den in Niedersachsen gelegenen Wurmberg (971 Meter).

Brockenbahn im Winter: Praktische Infos

Aktuelle Fahrpläne sowie Informationen zu Streckennetz und Fahrpreisen findest du auf der Webseite der Harzer Schmalspurbahnen.

Unsere Route zum Brocken

Unseren Winterausflug zum Brocken starteten wir am frühen Vormittag im thüringischen Nordhausen, von wo aus die Harzquerbahn in Richtung Drei Annen Hohne startet (Fahrtzeit knapp zwei Stunden). Von Drei Annen Hohne aus verkehrt schließlich die Brockenbahn in Richtung Gipfel (Fahrtzeit etwa eine Stunde).

Für den Rückweg entschlossen wir uns, den Streckenabschnitt vom Brocken hinab nach Schierke zu wandern (Dauer circa zwei Stunden). Ab Bahnhof Schierke ging es schließlich mit Umstiegen in Drei Annen Hohne und Eisfelder Talmühle zurück nach Nordhausen, wo wir schließlich weit nach Sonnenuntergang wieder einkehrten.

Der Preis für Hin- und Rückfahrt von allen Stationen der Harzer Schmalspurbahnen zum Brocken beträgt 41 Euro pro Person (Stand: November 2017).

Brockenbahn Winter

Unsere Fahrt nach Drei Annen Hohne starteten wir nach einem gutem Frühstück im thüringischen Nordhausen.

Brockenbahn Winter

Auf der Rückfahrt galt es für uns, in einer elektrisch betriebenen Schmalspurbahn Platz zu nehmen.

Winter ist dir nüscht, aber so ein Frühlingsausflug auf den Brocken wäre mal was? Dann empfehlen wir dir an dieser Stelle unseren Wanderbericht über den malerischen Heinrich-Heine-Weg, der sich Ilsenburg hinauf zum Brocken schlängelt. Und wenn dich das Winterfieber doch gepackt haben sollte, dann findest du in unseren Winterausflugszielen weitere Inspiration für deinen nächsten Kurztrip in der kalten Jahreszeit.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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