Litauen Reisetipps: Sagen, Mythen, Ostsee

Als größte der drei Baltikumnationen ist Litauen für manche doch die große Unbekannte der Region. Trotz idyllischer Seenlandschaften, romantischer Städte und einer riesigen Portion Ostseesand entlang der Kurischen Nehrung zieht es viele Reisende eher ins Nachbarland Lettland sowie ins noch nördlicher gelegene Estland. Wir haben vier Reisebloggerinnen nach ihren Litauen-Reisetipps gefragt, die sich anschicken, deine Lust auf eine Entdeckungstour zwischen Memelmündung und der Hauptstadt Vilnius zu wecken. Zusammengestellt von John & Marc.

Litauen Reisetipps

Stille Seenlandschaften kannst du in Litauen nicht nur wie hier im malerischen Trakai, nicht allzu weit von Vilnius entferntgenießen.

Litauen Reisetipps: Übersicht

Kurische Nehrung: Hohe Düne, Große Düne

Ein Litauen-Reisetipp von Ines. Sand in den Schuhen und ein Hauch von Sahara. So fühlt es sich an, als ich auf der Großen Düne der Kurischen Nehrung stehe. Von hier oben kann ich fast den Himmel berühren und über weite Teile der Halbinsel sehen. Die Kinder toben durch diese unendlich große Sandkiste, rennen, springen, schlagen Rad. Ich genieße den Blick, diese Weite, diese unglaubliche Natur. Und die Ruhe. Wir sind fast allein hier und bis auf das Säuseln des Windes und das Juchzen der Kinder ist fast nichts zu hören. Ein Moment, den ich festhalten möchte.

Auf der Kurischen Nehrung gibt es zwei Dünen, die zu den größten Europas gehören. Die Hohe Düne („Parnidis-Düne“) am südlichen Ende des Fischerortes Nida ist mit 52 Metern fast doppelt so hoch wie die Wanderdüne auf Sylt. Meine Lieblingsdüne ist die Große Düne („Vecekrugas-Düne“), 67,5 Meter hoch. Sie ist hinter einem Waldstück versteckt, über einen Holzbohlenweg geht es dann stetig nach oben.

Auf Humboldts Spuren

Wer nur einen flüchtigen Blick auf die Europakarte wirft, kann die Kurische Nehrung leicht übersehen. Sie ist nur ein dünner Strich, 98 Kilometer lang und an ihrer schmalsten Stelle gerade mal 380 Meter breit. Außer den Dünen gibt es hübsche Fischerdörfer wie Juodkrantė und Nida mit bunten Holzhäusern, das Thomas-Mann-Museum, die beschauliche Hafflandschaft und lange Sandstrände. Die Kurische Nehrung gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist einer der Höhepunkte Litauens.

Sie war der Auftakt zu unserem Baltikum-Roadtrip. Einen besseren Start hätten wir nicht haben können. Wilhelm von Humboldt beschrieb sie treffend: „Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, dass man sie eigentlich ebenso gut als Spanien und Italien gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen sollte“.

Ich bin Reisende, Schreibende, Mutter und Jongleurin mit Urlaubstagen und Schulferien. Ich liebe das Meer, reise am liebsten nach Griechenland und Schweden, entdecke aber auch gern Brandenburgs Natur und den Rest der Welt. Auf meinem Blog Viermal Fernweh schreibe ich über Familienreisen, Roadtrips, gelegentliche Auszeiten zu zweit und geliebte Ankerplätze an der Ostsee.

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Insbesondere an der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad ist die Kurische Nehrung durch hohe Dünenlandschaften geprägt.

Juodkrantė: Im Wald der Sagen

Ein Litauen-Reisetipp von Janett. Ein Waldgebiet in Juodkrantė. Nur wenige Meter von der kurischen Nehrung entfernt. Auf den ersten Blick gibt es hier nicht viel zu sehen. Ein paar Laub- und Nadelbäume vielleicht. Sandiger Boden. Und doch – der Raganų Kalnas (zu Deutsch „Hexenberg“) ist anders. Hier spukt es. Ganz sicher. Wir spazieren durch das Waldgebiet und begegnen überall Fabelwesen.

Protagonisten aus Sagen – auf ewig verdammt, im Wald der Hexen zu verweilen. Ein kleines Heft, welches ich am Eingang zum Wald käuflich erworben habe, zeigt uns den Weg. Es erzählt von Sagen wie der von Jurate und Kastytis, einem unglücklich verliebten Paar. Fast mystisch wabert der Nebel durch das Unterholz. Ich muss Schiffe vor dem Untergang retten und werde beinahe von einem hölzernen Ungeheuer gefressen, welches sein Maul weit für neugierige Touristen aufreißt.

Ich bin nicht die Einzige, die völlig verzaubert von dieser kleinen Sagenwelt ist. Jung und alt sind unterwegs, und auch wenn die Holzschnitzereien teilweise noch nass vom Regen der vergangenen Tage sind, so sitzen doch viele auf den selbstgeschnitzten Bänken, messen ihre Kraft an Figuren mit beweglichen Teilen oder machen einfach nur Fotos mit gruselig aussehenden Kobolden.

Mit meinem Blog Teilzeitreisender.de habe ich mir meine eigene kleine Reiseblogwelt geschaffen, in der ich nicht nur über Litauen schreibe, sondern mich schon seit fünf Jahren dem Schwerpunktthema Kurzreise widme. Städtereisen, Erlebnisse in der Natur und die eine oder andere verrückte Reisegeschichte gehören dazu, wenn ich auf Reisen gehe.

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Mystische Gestalten im Wald der Sagen bei Juodkrantė auf der Kurischen Nehrung. • Credits: Janett Schindler, Teilzeitreisender.de

Berg der Kreuze: Bedrückende Faszination

Ein Reisetipp von Tanja. Vor rund 14 Jahren ging es für mich zum ersten Mal ins Baltikum. Damals waren wir zu viert unterwegs und starteten einen mehrwöchigen Roadtrip durch Litauen, Lettland und Estland. Schon damals hat mich das Baltikum sehr begeistert und fasziniert. Es ist diese besondere Aufbruchstimmung, diese Mischung und zum Teil auch der tiefe Graben zwischen Tradition und Moderne. Es gab schon damals vieles, was mich zum Staunen gebracht hat. Doch eine der wohl beeindruckendsten Begegnungen auf diesem Roadtrip war der Abstecher zum Berg der Kreuze in Litauen – zwischen Šiauliai und Joniškis an der A12 nach Rīga. Zugegeben, damals fand man dort kaum Touristen vor.

Beim Berg der Kreuze handelt es sich um einen Wallfahrtsort, um den sich viele Geschichten, Sagen und Mythen ranken. Als ich vor dem Berg stand, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. In Worte kann man diesen Ort und eben auch das Gefühl, welches man vor Ort hat, eigentlich gar nicht fassen. Ehrlich gesagt muss man es einfach mal erlebt haben.

Im Wirrwarr der Kreuze

Der „Berg“ ist eigentlich ein Hügel und nur circa zehn Meter hoch. Doch der komplette Hügel besteht eben aus Kreuzen – große und kleine, aus Holz, Metall, Stöcken und anderen Materialien. Gekaufte und selbst hergestellte Kreuze, von edel bis einfach, mit Jesu-Figuren und aufwendigen Verzierungen bis hin zum schlichten Holzkreuz. Kreuze an Kreuze, aufeinander, aneinander, untereinander, übereinander.

Durch den kompletten Berg führt ein Weg hindurch. Fast ehrfürchtig setzten wir einen Fuß vor den anderen, um auch einmal durch den Berg der Millionen Kreuze zu gehen, begleitet von einer ganz merkwürdigen Stimmung. Ich weiß noch, wie mich eine Mischung aus Bewunderung und Unbehagen beschlich. Wie ich meinen Blick nicht losreißen konnte, doch auch gleichzeitig das Gefühl hatte, ich möchte den Ort wieder verlassen. Für mich hatte der Berg etwas Faszinierendes aber eben auch etwas Bedrückendes.

Meinen Blog SPANESS betreibe ich seit 2009. Auf spaness.de geht es ums Wohlfühlen auf Reisen und im normalen Alltag – Slow Travel über Aktivreisen und Lieblingshotels bis hin zu Wellness DIYs und vielem mehr. Man könnte auch umfassend von Wellbeing-Travel sprechen – denn ein Wellness-Lifestyle umfasst mehr als Sauna und Massage. Genau das möchte ich auf spaness.de vermitteln.

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Der Berg der Kreuze ist gerade einmal zehn Meter hoch. • Credits: Tanja Klindworth, spaness.de

Weihnachtszeit und Winter in Vilnius

Ein Litauen-Reisetipp von Barbara. Das Baltikum ist eine beliebte Sommerdestination. Ich jedoch wollte testen, wie es dort im Winter ist und fuhr im Dezember für ein verlängertes Wochenende nach Litauen. Ziel war die Hauptstadt Vilnius, daneben habe ich das Wasserschloss Trakai sowie die Stadt Kaunas besucht und mich ein bisschen im Land umgesehen.

Besonders gut gefallen haben mir die vielen Weihnachtsmärkte, die es dort gibt. Vilnius hat zwei große, einen am Rathaus und einen am bekannten Platz neben der großen Kathedrale St. Stanislaus. Dort findet man ab der Adventszeit den wohl schönsten Weihnachtsbaum Europas! Es ist kein natürlich gewachsener Baum, sondern ein großes Gerüst, das mit Tannenzweigen wie ein Weihnachtsbaum dekoriert ist. Neben den klassischen Christbaumkugeln gibt es eine Menge Ketten, die kreisrund angeordnet sind und am Abend wunderbar violett illuminiert werden.

Rund um den Baum herum gibt es einen Weihnachtsmarkt mit allem, was man sich so vorstellt: Auch in Litauen mag man heißen Glühwein, frisch gebackene Waffeln und Handwerkskunst. Daneben gibt es für Litauen typische Leckereien wie kleine Bällchen aus Teig, die frittiert werden und mit Puderzucker bestreut superlecker schmecken. Man kann Familien, Freunde, Paare beobachten, die sich auf dem Weihnachtsmarkt treffen, sich unterhalten, essen und trinken und es sich einfach gut gehen lassen. Untermalt wird die schöne Stimmung natürlich von passender Musik, die nicht allzu kitschig daherkommt. Ich kenne viele Weihnachtsmärkte, dieser hier gefiel mir durch die schönen Lichter und diesen speziellen violetten großen Baum ganz besonders.

Ich bin gerne unterwegs und schreibe darüber seit über zehn Jahren auf Barbaras Spielwiese. Neben Fernzielen reizen mich auch Orte und Landschaften in Europa und Deutschland. Die letzten Jahre habe ich viele Kurz- und Städtereisen gemacht, unter anderem auch nach Litauen.

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Illuminierter Weihnachtsbaum auf einer der Weihnachtsmärkte in Vilnius. • Credits: Barbara Furthmüller, Barbaras Spielwiese

Litauen-Reisetipps auf 1 THING TO DO

Die Litauen-Reisetipps unserer Bloggerkolleginnen runden unsere Berichterstattung aus dem größten der drei Baltikum-Länder ab. Wenn du auf der Suche nach Inspiration für deine Reise in den Nordosten Europas bist, dann findest du auf 1 THING TO DO weitere Reisetipps und Reisegeschichten aus Litauen:

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Auf Wanderschaft im Aukštaitija-Nationalpark kann es gut und gerne vorkommen, dass du die Natur stundenlang ganz für dich genießen kannst.

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Die Wasserburg von Trakai gehört zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Litauens, für uns noch sehenswerter ist die Seenlandschaft um Trakai selbst.

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Blick vom Gediminas-Hügel über die Skyline von Vilnius.

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Sonnenuntergang am Memelufer von Kaunas.

Hast du noch weitere Reisetipps für Litauen parat? Dann hinterlasse uns deine kleine Anekdote aus dem Baltikum gerne in den Kommentaren! In den kommenden Wochen setzen wir außerdem unsere Berichterstattung aus dem Nordosten Europas fort, unter anderem mit Stationen in Liepāja an der lettischen Ostseeküste und natürlich in Rīga, der Baltikum-Metropole schlechthin.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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