Prag Reisebericht: Touri-Pause im Letná-Park

Prag Reisebericht: Touri-Pause im Letná-Park

Prag wird häufig als größtes Freilichtmuseum der Welt bezeichnet. Kein Wunder, dass sich rund um die Prager Burg nicht nur Sehenswürdigkeit an Sehenswürdigkeit drängt, sondern auch Reisegruppe an Reisegruppe. Umso glücklicher waren wir, mit dem Letná-Park einen Ort abseits der Touristen zu finden, der in unserem Prag-Reisebericht für Ruhe vom Reisetrubel sorgt. Geschrieben von Marc.

Prager Regenschirme

Man sagt über so manche griechische Insel, dort würden mehr Ziegen als Menschen. In Prag könnte man meinen, dass hier mehr Tourist:innen unterwegs sind als Einwohner:innen! Vielleicht ist sogar die Zahl derer höher, die anstatt hier zu leben, mit bunten Regenschirmen ihre Reisegruppe über den Prager Burghügel scheuchen.

Doch natürlich hat Prag als vielleicht größtes Freilichtmuseum der Welt einiges zu bieten. Damit meinen wir keineswegs nur für jene, die sich am liebsten von A nach B nach C und gegen Aufpreis optional sogar nach D zerren lassen, ohne die Stadt wirklich zu sehen. Aus diesem Grund machten auch John und ich uns gemeinem mit meiner Familie auf Entdeckungstour durch die “goldene Stadt” – inmitten und abseits all der anderen Reisenden.

Prag Reisebericht
Aussicht von der Dachterrasse unseres Apartments auf die Prager Burg – nicht schlecht, Herr Specht!

Prag auf eigene Faust

Zugegeben widersprach unsere Unterkunft in Prag dem Ziel, auch das Prag abseits der Tourismus kennen zu lernen. Wir übernachteten in einer Privatwohnung ganz oben in einem Altbau auf der Prager Kleinseite Malá Strana. Vom kleinen Märchen-Türmchen der Wohnung aus erblickten wir das Nordtor der Karlsbrücke, von der Dachterrasse aus die ↠ Prager Burg. Man gönnte sich und war mitten drin im angekündigten Freilichtmuseum.

Unsere Hauptbeschäftigung in den folgenden knapp drei Tagen sollte sein: Laufen. Die Entfernungen in Prag sind überschaubar, und du triffst dabei immer wieder auf historische Bauwerke verschiedener Epochen und Stile. Sie erwecken den Anschein, dass du tatsächlich durch ein Open-Air-Museum für Architekturgeschichte schlenderst.

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Prager Straßenbild rund um den Kleinseitner Ring mit St.-Nikolaus-Kirche.

Von Knödeln und Karlsbrücke

Angestachelt von unserer erster ↠ Israel-Reise wenige Monate zuvor steuerten wir am ersten Nachmittag sofort das jüdische Viertel Josefov an. Anschließend stärkten wir uns ganz untypisch mit Böhmischen Knödeln, Gulasch sowie eins, zwei Pils und drängten uns ein erstes Mal über die Menschenmassen auf der Karlsbrücke. Alles ganz schön, dachten wir uns, ohne uns jedoch sofort in Prag zu verlieben. Doch das vermeintliche Highlight sollte ja auch erst am nächsten Tag entdeckt werden – die Prager Burg.

Vom pittoresken Kleinseitner Ring aus marschierten wir zur Standseilbahn in Richtung ↠ Petřín-Hügel. Um uns herum erblühten die Kirschbäume in zartem Rosa vor kräftig blauem Himmel. Bei lauem Wind entfachte selbst der Anblick des sonst eher spröden Löwenzahns in uns lange ersehnte Frühlingsgefühle. Auf dem Gipfel hoch über Prag angekommen wollten wir eigentlich vom “Eiffelturm” auf dem Petřín aus den Blick auf die Stadt genießen. Doch die Warteschlange ließ uns von der Idee ablassen. Das 1 THING TO DO für unseren Prag-Reisebericht hatten wir noch nicht entdeckt, doch noch lange war die Stadt nicht genügend ausgekundschaftet.

Prag Reisebericht
Schlange und Eintrittspreis für den Jüdischen Friedhof in Prag machen einen Besuch nicht allzu attraktiv. Ein Guckloch musste her.
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Prager Frühling am Petřín-Hügel.

Von Prager Burg zum Letná-Park

In Richtung Prager Burg machten wir gerade ein Päuschen, als sich vor uns ein grünes Tal mit Blick über die in der Frühlingssonne funkelnden Dächer Prags eröffnete. Das ↠ Strahov-Kloster ließen wir anschließend genauso schnell hinter uns wie den Burghügel. Kurzum: Ein Spaziergang auf dem Prager Hradschin erinnert ein wenig an Smetanas Die Moldau: viele Stationen, alle wirklich ganz nett, aber das finden die Tausenden anderen Besuchenden natürlich auch. Und genauso viele rennen hier wahrscheinlich auch jeden Tag diesen Menschen mit den bunten Regenschirmen hinterher.

Als wir beim Abstieg vom Burghügel ein wenig einsamer unterwegs waren, weckte ein ungewöhnliches Objekt urplötzlich unsere Neugier. Zwischen den grünen Baumkronen in Richtung der Parkanlage Letenské sady (Letná-Park) erspähten wir immer wieder eine rote Nadel, die uns zunächst an eine Schiffsschaukel erinnerte, wie sie in keinem guten Freizeitpark fehlt. Vom Entdeckerdrang gepackt machten wir uns auf den Weg – stur der roten Stahlnadel im Letná-Park entgegen.

Letenske sady Letna-Park
Die Stadt zu Füßen: Zwischen Petřín-Turm und Prager Burg. Im Hintergrund grüßt bereits der Letná-Park.

Das Geheimnis des Prager Letná-Parks

Je näher wir der roten Nadel im Letná-Park kamen, desto mehr vermischte sich das balladeske Lied des rauschenden Blätterwaldes mit dem bretternden Rollen von Skateboards und Inlineskates. Nach so vielen herausgeputzten Gebäuden im Vorfeld geradezu eine Ode an Freiheit und Unangepasstheit in unserem Prag-Reisebericht. Es waren gut und gerne zwanzig junge Männer, die sich hier im Letná-Park vor den Blicken der neugierigen Mädchen ungewollt bei gewagten Kunststückchen auf den harten Boden warfen. All das direkt unterhalb der roten Nadel, die sich nun jedoch als gigantisches Metronom entpuppte.

Das Metronom im Prager Letná-Park steht auf einem etwas bröckeligen Aussichtsplateu, in dessen Rissen und Spalten Unkraut und Moos nur so sprießen. Ein willkommener Kontrast zur fein säuberlich restaurierten Architektur des “Freilichtmuseums” auf und zu Füßen der Prager Burg. Dennoch wurde auch an dieser Plattform im Letna-Park Mitte des vergangenen Jahrhunderts Geschichte geschrieben: Wo heute das rote Metronom im Takt hin und her schwingt, stand einst die größte Stalin-Statue der Welt.

Prag Reisebericht Letna Park
Die rote Stahlnadel: Das Metronom im Letna-Park in Prag.

Letná-Park: Das “echte” Prag?

Heute trifft sich rund um das Metronom im Letná-Park in Prag die Jugend der Stadt, um bei einem der wohl besten Panoramen über die Moldau-Metropole mit Freund:innen und frisch geschlossenen Bekanntschaften sich selbst und den Moment zu genießen. Wie eine Bildmetapher hängen dabei von einem Stromkabel bunte Sneakers herab, als würden sie im Rhythmus der entspannten Lässigkeit an diesem Ort schwingen.

Und auch, wenn dieses Shoefiti keine Erfindung aus dem Letná-Park ist, so ist der Park doch bestens geeignet, um innezuhalten und auch als Nicht-Prager:in das Freilichtmuseum für einen kurzen oder langen Moment zu verlassen. Und schnell war uns klar: Der Letná-Park ist das erfrischend andere 1 THING TO DO für unseren Prag-Reisebericht. Es kann Auftakt sein, auch in das Prag abseits von Altstadt und Regenschirmen einzutauchen.

Prag Reisebericht Letna Park
Moldau-Panorama vom Prager Letná-Park aus gesehen.

Prag Reisebericht: Unser 1 THING TO DO

Was? Ein Besuch im Letná-Park.
Wo? Der Eingang zum Letná-Park befindet sich gegenüber der Čechův-Brücke, nächste Metrostation ist Malostranská (Linie A).
Wie viel? Der Eintritt in den Letná-Park ist kostenlos – natürlich bis auf das ggfs. mitzubringende Entspannungsbierchen.
Warum? Um den Prager Regenschirmen zu entfliehen, den Blick schweifen zu lassen und die entspannte Stimmung im Letná-Park aufsaugen.

Neu auf unserem Blog? Das 1 THING TO DO aus unserem Prag-Reisebericht ist bei Weitem nicht das einzige, das wir bislang bisher entdeckt haben: In unseren ↠ Reiseberichten findest du viele weitere jener Reisemomente, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

Prag Reisebericht Letna Park

Veröffentlicht oder inhaltlich überarbeitet am:


14 Antworten zu “Prag Reisebericht: Touri-Pause im Letná-Park”

  1. Letná ist super. Hier gehen tatsächlich nur die Einheimischen hin. Seit wir in Prag leben, ist er Park auch immer Teil unseres Sightseeing-Programms mit Freunden 😉 Und der Biergarten dort ist auch super! 🙂

    • Danke für deinen Kommentar! Das zu hören, beruhigt uns – manchmal hat man als Reisende eher das Gefühl, dass ein Ort nicht allzu touristisch ist, aber manchmal liegt man auch daneben. 🙂

      Liebe Grüße!
      John & Marc

  2. Oh, da hat man glatt Lust, wieder nach Prag zu fahren. Auf unser “Klassenfahrt” damals haben wir natürlich fast nur die obligatorischen Tourismus-Sachen gemacht – was ja aber nicht unbedingt schlecht ist. Manchmal ist Tourist-sein auch ganz nett 😉

    LG

  3. das 1 thing to do bedeutet wohl, dass ich prag einen weiteren besuch abstatten werde müssen 🙂 sieht wunderbar aus dort, aber in meinen zwei sehr kurzen aufenthalten, die auch nicht primär auf stadterkundung ausgelegt waren, hab ich es da noch nicht hin geschafft.

    • Lohnt auf jeden Fall! Das gesamte Gelände ist einfach ein Kontrast zum touristischen Prag rund um die Burg. Es gibt da auch einen sehr schönen Biergarten. Auch empfehlenswert ist übrigens Prags zweite Burg Vyšehrad. Viel ruhiger, kaum Touristen, aber nicht minder viel zu entdecken und schöne Aussicht inklusive. 😉

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