Nationalpark Valbonatal: Ein albanischer Tagtraum

Der Nationalpark Valbonatal im Nordosten Albaniens ist das Wanderparadies des kleinen Adriastaats. Insgesamt brachen wir hier zu zwei längeren und einer kürzeren Wanderung auf. Überraschenderweise war es letztere, die uns den Nationalpark Valbonatal gleich am ersten Tag lieben lernen ließ. Geschrieben von Marc.

Nationalpark Valbonatal
Der kleine Ort Valbona war für uns Ausgangspunkt dreier Wanderung im Nationalpark Valbonatal.

Wandern im Nationalpark Valbonatal

Es sollte nur eine kurze Wanderung werden. Nur nicht zu viel Anstrengung, nachdem wir um halb vier Uhr morgens von Tirana gen Nationalpark Valbonatal aufgebrochen waren. Als wir losliefen, war es bereits Nachmittag. So eine kleine Runde in den Albanischen Alpen, den halben Tag noch ein bisschen nutzen. Aber bloß nicht zu viel, die großen Wanderungen kommen schließlich noch. Wir sind müde. Es war eine schöne Vorstellung.

Seit fast einer Stunde wandern wir nun einen steilen Abhang hinauf. Auf einem markierten Wanderweg, immerhin. Was auf der Karte wie eine Seniorenrunde ausschaute, entpuppt sich mehr und mehr als schweißtreibende Angelegenheit. Genau: Kartenlesen will gelernt sein. Doch in die Karten schauen lässt sich diese Wanderstrecke erst jetzt. Wir haben kein allzu gutes Blatt.

Wandern Valbona
Es geht unaufhörlich bergauf: John zwischen Kukaj und Aussichtspunkt.
Nationalpark Valbonatal
Nach etwa einer Stunde lag uns das Valbonatal bereits zu Füßen.

Die Müllers des Valbonatals

Wir begannen die Wanderung in unserem Guesthouse tief unten im Valbonatal, betrieben von ↠ Arben Selimaj. Es zu finden war bereits ein erstes Abenteuer: Auf Google Maps gibt es noch ein anderes Guesthouse der „Familie“ Selimaj, die für uns jedoch nur ein müdes Schmunzeln übrig hatte. Bei ihr jedenfalls hatten wir keine Reservierung. Und in Valbona scheinen im Verhältnis genauso viele Selimajs zu leben wie Müllers in Deutschland.

Nach kurzem Plausch über die besten Wanderwege mit den richtigen (und überaus gastfreundlichen) Selimajs schließlich brachen wir auf, überquerten die glasklare Valbona, den größten Fluss der Albanischen Alpen. Erreichten das winzige Kukaj mit seinen zwei – oder waren es drei? – Gehöfen, das wir zunächst ohne Zwischenstopp in Richtung Nordosten verließen. Von dort an dauerte es nicht allzu lange, bis wir bemerkten, dass diese Wanderung kein Zuckerschlecken werden würde.

Wir gehen steil

Ball flach halten. Es ist nicht so, dass diese erste Wanderung im Nationalpark Valbonatal besonders anspruchsvoll wäre. An ein paar Felsen sind Armeinsatz und Vorsicht gefragt. Umso mehr, nachdem die Waden bereits schwerer geworden sind. Doch letztlich sind es die 700 Höhenmeter, die wir in gerade mal einer guten Stunde überwinden, die uns den Schneid abkaufen möchten – Pausen herausgerechnet.

Das Gute daran: Der Höhepunkt der trotz allem nur circa neun Kilometer langen Strecke ist – den Umständen entsprechend – schnell erreicht. Das Schlechte daran: Selbstverständlich geht es mindestens genau so steil auch wieder bergab. Auf dem Rückweg werden wir uns die Bodenverhältnisse des Aufstiegs noch zurückwünschen. Wenn du uns schon länger verfolgst, weißt du, dass es für uns auf einer Wanderung nichts Schöneres gibt, als losen Schotter auf dem Weg zurück ins Tal.

Wandern Valbonatal
Blick zurück auf den 2.488 Meter hohen Maja e Rragamit westlich von Kukaj.
Valbonatal Albanien
Erkennst du auch ein gelbes Gesicht? Flora im Nationalpark Valbonatal.

Märchenhaftes Valbonatal

Dazwischen jedoch erwischt er uns, dieser Moment, auf den es auf 1 THING TO DO am Ende (fast) immer hinausläuft. Hier jedoch kommt er besonders unerwartet, sollte diese Wanderung doch nur ein Appetithäppchen sein auf das, was noch kommt.

Die Sonne hat sich bereits hinter den 2.000ern versteckt, als wir den höchsten Punkt unserer ersten Wanderung im Nationalpark Valbonatal erreichen. Auf etwa 1.500 Metern hat der Anstieg plötzlich ein Ende, einen guten Kilometer lang wandern wir ohne viel an Höhe zu gewinnen oder zu verlieren. Es ist Frühling in Albanien. Das Grün ist saftig, und zwischen drin blitzen immer wieder knallige Blüten hervor, mal rot, mal gelb.

Tagtraum im Nationalpark Valbonatal

Eine Märchenlandschaft. Im Gebüsch könnte sich ein Elf, ein Einhorn, eine Fee verstecken. Wir wären nicht überrascht, würde eines dieser Fabelwesen plötzlich mit uns gemeinsam in den Albanischen Alpen tagträumen. In Richtung Norden, zu unserer Linken, erblicken wir den Zla Kolata, den mit 2.534 Meter höchsten Gipfel Montenegros. Und beim Blick nach rechts bleibt uns schlichtweg die Spucke weg.

Die Sonne tyncht gerade noch so die Spitzen der gegenüberliegenden Riesen in golden schimmerndes Licht. Sie sind schneebedeckt und fallen waghalsig ins Valbonatal hinab. Der Anblick erinnert uns sofort an Mestia in Georgien. Wahrscheinlich weißt du, dass dieser Satz aus unseren Mündern eine Adelung ist. Dass wir sie hier im Norden Albaniens aussprechen würden, hätten wir so nicht erwartet.

Es ist bereits früh am Abend, wir müssen weiter. Doch in Gedanken bleiben wir noch eine ganze Weile hier oben. Und hoffen, dass uns jetzt bloß niemand kneifen wird.

Nationalpark Valbonatal
Das Valbonatal aus der Vogelperspektive.
Zla Kolata Albanien
Von der Wegkreuzung aus kannst du auch weiter in Richtung Zla Kolata wandern.

In Kürze: Unser 1 THING TO DO im Nationalpark Valbonatal

Was? Eine Rundwanderung von Valbona über Kukaj in Richtung Zla Kolata und zurück ins Valbonatal – am besten am späteren Nachmittag. Die Wanderstrecke kannst du hier einsehen, der Weg ist auch auf ↠ MAPS.ME zu finden.
Wo? Valbona, eine langgezogene Siedlung mit einigen Gasthäusern, Ferienanlagen und ein paar Restaurants, befindet sich im Nordosten Albaniens. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichst du sie zum Beispiel von Tirana aus, von wo aus im Morgengrauen ein Minibus zum Koman-Stausee aufbricht. Mit der Fähre gelangst du schließlich nach Fierza, wo weitere Minibusse die Unterkünfte im Nationalpark Valbonatal anfahren. Die Fahrt kannst du vorab über ↠ diese Webseite reservieren (am besten eine E-Mail schreiben).
Wie viel? Die Wanderung ist natürlich kostenlos, viele der Gasthäuser im Nationalpark Valbonatal außerdem – aus mitteleuropäischer Sicht – sehr günstig. Beachte, dass es in Valbona selbst nur ein paar wenige Kioske gibt und du entsprechend zumindest das Frühstück dazu buchen solltest. Zum Abendessen gibt es eine kleine Zahl von Restaurants. Diese sind auch deine Anlaufstelle für WLAN.
Warum? Um vom Viewpoint das Valbonatal in seiner vollen Schönheit (und fast in seiner gesamten Länge) genießen zu können.

Unsere Wanderungen im Nationalpark Valbonatal haben natürlich auch im Video zu unserer Albanien-Reise ihren gebührenden Platz gefunden:

 

Unsere beiden längeren Wanderungen im Nationalpark Valbonatal führten uns höher hinaus: zum einen in Richtung der 2.524 Meter hohen ↠ Maja Rosit, zum anderen über den 1.795 Meter hohen Valbona-Pass ins benachbarte Tal um das Dörfchen ↠ Theth. Von dort aus verließen wir den Nationalpark Valbonatal schließlich wieder in Richtung Tirana. Wie wir dabei von A nach B kamen, erfährst du in unserem einführenden ↠ Albanien Reisebericht.

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Albanien Landschaft Valbonatal

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