Totes Meer: Tote Hose in Ein Bokek

Totes Meer: Tote Hose in Ein Bokek

Einmal im Toten Meer baden! Dieses Erlebnis hatten wir bereits auf unserer ersten Israel-Reise in Ein Gedi zelebriert. Diesmal jedoch steuerten wir auf der Suche nach einem Strand am Toten Meer Ein Bokek an. Viel los war im Süden des am tiefsten gelegenen Sees der Erde nicht. Doch immerhin war auf unsere Intelligenz Verlass, die an jenem Tag noch tiefer lag als der Strand am Toten Meer. Geschrieben von Marc.

Ein Bokek oder Ein Gedi?

Die Leiden der jungen Blogger: Eigentlich sollte dies ein Bericht darüber werden, ob wir zum Baden im Toten Meer Ein Gedi oder Ein Bokek empfehlen würden. Einfach mal ein praktischer Bericht für zwischendurch. Ein Tipp für all jene, die sich in ihrer Entscheidung nicht so ganz sicher sind. Mal ohne atmosphärische Reisegeschichte und ohne 1 THING TO DO. Ausnahmsweise! Och, bitte! Wir wollen auch mal.

Denkste. Denn als der Artikel gerade fertig war, bemerkten wir, dass der öffentliche Strand von Ein Gedi am Toten Meer ↠ bis auf Weiteres geschlossen ist (Stand: Januar 2017). Grund dafür: Eines der gefürchteten “sink holes” hat sich hier nach unserem Besuch im September 2014 aufgetan. Die Erde bricht in Folge des fallenden Wasserspiegels im nördlichen Teil des Toten Meeres an vielen Stellen ein. 2015 hat es den Strand von ↠ Ein Gedi erwischt. Teile der Infrastruktur wurden verschluckt. Das Baden im Toten Meer ist dort schlichtweg zu gefährlich geworden. Der Tourismus brach ein.

Totes Meer Strand Ein Gedi
Flashback: Im September 2014 verbrachten wir zum ersten Mal einen Tag an einem Strand am Toten Meer, damals in Ein Gedi.

Von Masada zum Strand von Ein Bokek

Also auf ein Neues. Eine Reisegeschichte aus Ein Bokek soll es werden. Kann es aber nicht, denn hier verbrachten wir nur einen halben Tag. Zu kurz, um ein 1 THING TO DO zu entdecken. Ein Bokek? Zu abgelegen, um wirklich spannend zu sein. Eine Geschichte dazu? Zu lahm, um wirklich spannend zu werden. Und doch genug, um immerhin eine Reiseanekdote von einem Strand am Toten Meer loszuwerden, die mal wieder unsere mitunter eklatante Doofheit unter Beweis stellt.

Ein Bokek besuchten wir in Folge unseres beinahe desaströsen Reiseerlebnisses rund um den viel besungenen ↠ Sonnenaufgang in Masada. Nach diesem Fehlschlag sehnten wir uns nach Entspannung. Durchatmen. Da die Temperaturen es selbst Anfang Januar zuließen, ein Sonnenbad zu nehmen, fiel die Wahl auf den Badeort samt Sandstrand am südlichen Teil des Toten Meeres. Im Nachhinein eine ziemlich kluge Wahl. Man stelle sich vor, wir wären noch mal zum Strand von Ein Gedi gefahren.

Tipp: Auf unserem ersten Israel-Trip reisten wir von ↠ Tel Aviv an Tote Meer, beim zweiten Mal von ↠ Jerusalem aus – mit Zwischenstopp in Masada. Busverbindungen kannst du hier recherchieren. Sofern nicht gerade Schabbat oder Feiertag ist, kannst du von beiden Städten aus einen Tagesausflug nach Ein Bokek unternehmen. Von Tel Aviv aus dauern An- und Abreise allerdings jeweils circa eine Stunde länger.

Totes Meer Strand Ein Bokek
Das “Zentrum” von Ein Bokek am Toten Meer.

In Ein Bokek steppt kein Bär

Ja, es war Januar. Ja, es war in der Nebensaison. Und ja, der halbe Ort war folglich eine riesige Baustelle, um Ein Bokek auf die Sommersaison vorzubereiten. Doch selbst mit größter Fantasie können wir uns nicht vorstellen, dass die Überschrift zu diesem Artikel jemals von irgendjemandem angefochten werden könnte. Ein Bokek, das bedeutet tote Hose am Toten Meer.

Bis auf ein paar wahrscheinlich ganz schnieke Hotels, ein paar Kioske und ein McDonald’s (!) gibt es hier am Übergang zwischen Wüste Juda und Wüste Negev wirklich nichts, was Rambazamba verspricht. Die Kernklientel legt es freilich gar nicht erst darauf an. Alles was für uns für einen Ausflug nach Ein Bokek spricht, ist folglich sein Strand im Toten Meer.

Totes Meer Strand Ein Bokek
Praktisch gelegen entlang der Straße 90, die am Toten Meer entlang und weiter bis nach Eilat führt, ist diese McDonald’s Filiale.
Totes Meer Strand Ein Bokek
Ein Bokek ist streng genommen ein Sammelsurium aus Hotelbauten am südlichen Teil des Toten Meeres.

Totes Meer: Ein Strandtag im Winter

In den frühen Morgenstunden zeigte das Thermometer am Strand von Ein Bokek bereits knapp über 20 Grad an. Die Wassertemperaturen bewegten sich leicht darunter. Als erste breiteten wir unsere Handtücher aus. Erst nach und nach kamen einzelne Besuchende an den teils etwas groben Sandstrand am Toten Meer. Im Vergleich zum felsigen “Strand” bei sengender Mittagshitze um die 40 Grad, wie wir sie in Ein Gedi erlitten, eine Wohltat. “Sink holes” gibt es im südlichen Teil des Toten Meeres auch nicht. Der Wasserspiegel steigt hier sogar leicht an.

Das Wasser freilich war am Strand von Ein Bokek deutlich kühler als bei unserem ersten Badeerlebnis im Toten Meer. Doch nicht nur deswegen fiel der Gang ins Wasser gar nicht mal so leicht. Auch dieses Mal hatten wir keine Badeschuhe im Gepäck. Nicht sonderlich klug. Kaum waren unsere Füße im Wasser, wich der weiche Sand scharfkantigen Salzablagerungen und teils spitzen, mitunter kastaniengroßen Salzkörnern. Autsch.

Totes Meer Strand Ein Bokek
Könnte auch Ägypten sein, zeigt jedoch den Strand von Ein Bokek am Toten Meer.
Totes Meer Strand Ein Bokek
Was im Wasser aussieht wie weißer Puderzuckersand, sind in Wahrheit Tausende kleine und größere Salzkügelchen.

Baden in Ein Bokek: Drei goldenen Schritte

Ohne Badeschuhe schmerzt jeder Schritt. Einfach in die Knie gehen und los schwimmen? Das Wasser war gerade einmal 15 Zentimeter tief! Dazu kommt der Respekt davor, auch nur einen Tropfen des salzigen Wassers ins Auge zu bekommen. Denn das brennt. Höllisch.

Und so standen wir im Toten Meer und grübelten. Bis ein urplötzlicher Geistesblitz folgte und wir den hohen Salzgehalt ausgefuchst zu unserem Vorteil nutzten. Wir setzten uns hin (1), beugten unsere Rücken vorsichtig nach hinten (2) und legten uns auf die Wasseroberfläche (3). Wahrscheinlich brauchten wir eine ganze Minute für diese Prozedur. Als wären wir die ersten Menschen gewesen, die jemals ins Tote Meer gestiegen sind.

Totes Meer Strand Ein Bokek
Der Farbverlauf spiegelt den Gang ins Tote Meer vor Ein Bokek gut wieder: Unten Sand, oben Salzkörner, danach geht es steil bergab. Dort warten glatte bis scharfkantige Salzablagerungen.

Um die Ecke gedacht am Toten Meer

Um uns herum hatten sich inzwischen ein paar ältere Frauen und eine Familie versammelt. Sie sahen sich ähnlich komplexen Herausforderungen gegenüber wie wir. Logisch. Witzigerweise bemerkten wir, wie sich eine nach dem anderen nach anfänglichem Zögern ein Beispiel an uns nahm und die gleiche Taktik anwandte. Hinsetzen (1), Rücken nach hinten (2), auf die Wasseroberfläche legen (3). Gefühlt hatten wir das Rad neu erfunden. Stolz wie Bolle. Einfach wow!

Als wir dieses Prozedere einige Male hinter uns hatten, jeweils das Salzwasser abduschten und die Sonne genossen, ging ich ein paar Meter weiter nach Süden. In meinem Kopf bereitete ich mich bereits auf die drei goldenen Schritte vor. Peinlich berührt musste ich irgendwann eingestehen, dass der Gang ins Wasser an diese Stelle überhaupt kein Problem war. Keine scharfen Kanten, keine Gefahr. Einfach reinlaufen! Na guck. Ergo: Wir hätten einfach zehn Meter weiter rechts ins Wasser steigen müssen. Und alle anderen mit.

Totes Meer Strand Ein Bokek
Feine Salzpartikel lagern sich unter der Wasseroberflächen zwischen den Sandwellen ab.

Baden an den Stränden des Toten Meeres bleibt ein Erlebnis – auch bei wiederholtem Male. Mehr über unsere Erlebnisse am Strand von Ein Gedi erfährst in unserer Reisegeschichte aus ↠ Jüdäischer Wüste und Eilat im äußersten Süden Israels – eine Stadt, in der alles andere als tote Hose angesagt ist.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

Totes Meer Strand

Veröffentlicht oder inhaltlich überarbeitet am:


3 Antworten zu “Totes Meer: Tote Hose in Ein Bokek”

    • Hallo Charlotte,

      vielen Dank für die lieben Worte! Das freut uns sehr zu lesen.

      Auf hoffentlich bald wieder schöne Entdeckungen nah und fern. 🙂

      Liebe Grüße
      John & Marc

  1. Faszinierend. Wir waren auch in En Bokek und wunderten uns sehr, warum wir denn nun Badeschuhe mitgenommen hatten. Reinlaufen war ja überhaupt kein Problem. Aber anscheinend hatten wir nur Glück und waren gleich an der richtigen Strandstelle. Was mich aber wunderte. wenn man dann erstmal auf dem Rücken liegt, hat man weitere Probleme. Wieder auf die Beine zu kommen, ist auch nicht einfach.

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