Sibiu Reisebericht: Ein unperfekter Tag in Hermannstadt

Sibiu Reisebericht: Ein unperfekter Tag in Hermannstadt

Nach ausgiebiger Erkundungstour durch Sibiu wollten wir erneut in Richtung Karpaten aufbrechen. Eigentlich. Morgens am Flughafen Sibiu angekommen, erlebten wir unser orangefarbenes Wunder. Was tun mit einem verschwendeten Reisetag in Hermannstadt, wo wir gefühlt bereits alle Sehenswürdigkeiten gesehen hatten? Noch mehr Sehenswürdigkeiten abklappern! Ein minutiös dokumentierter Sibiu-Reisebericht. Geschrieben von John & Marc.

22 Uhr, Sibiu: Buche spontan einen Mietwagen

Beim ↠ Wandern in der Pietra Craiului hatten wir bereits begonnen, uns in die Gebirgswelt von Rumänien zu verlieben. Lange haben wir nach Möglichkeiten recherchiert, nun auch rund um die höchsten Gipfel des Landes auf Erkundungstour zu gehen. Da es keine öffentlichen Verkehrsmittel dorthin gibt, die für eine Tageswanderung nahe genug Station machen, ringen wir uns durch, einen Mietwagen zu buchen. ↠ Slow Travel adé. Ausnahmsweise.

Wandern Karpaten Pietra Craiului
Pietra Craiului bei Brașov: So ähnlich hätten wir uns einen neuerlichen Tag in den rumänischen Karpaten vorgestellt.

6 Uhr, Sibiu: Zeit fürs Frühstück

Voller Vorfreude ignorieren wir, dass unser Wecker uns mal wieder zu früh aus dem Schlaf reißt – und alle anderen im Hostelzimmer von Sibiu gleich mit. Unangenehm. Zähne putzen, Wanderschuhe anziehen und ab geht’s in die Gemeinschaftsküche, wo wir ein nährstoffreiches Supermarktfrühstück vertilgen.

Sibiu Reisebericht Hermannstadt Rumänien
Zeugen der siebenbürgisch-sächsischen Geschichte im PanGeea Hostel im Zentrum von Sibiu.

8 Uhr, Sibiu: Ankunft am Flughafen

Mit dem Bus fahren wir von der Altstadt Sibius mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten in Richtung Flughafen, wo unser Mietwagen bereit stehen soll. Im Terminal gibt es allerhand Schalter, nur leider keinen der Marke Sixt. Wir fragen uns durch, telefonieren alle Service-Hotlines ab, die wir finden können, und sorgen augenscheinlich für so viel Mitleid, dass selbst ein Angestellter der Konkurrenz einige Telefonate übernimmt.

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In den frühen Morgenstunden ist die sonst so umtriebige Strada Nicolae Bălcescu in der Altstadt von Sibiu noch wie leergefegt.

10 Uhr, Sibiu: Suche das Sixt-Büro

Bevor die vollständige Desillusionierung eintritt, fahren wir zurück in die Innenstadt von Sibiu, um das sich dort angeblich befindende Sixt-Büro aufzusuchen. Fehlanzeige. Mal wieder. Wir realisieren langsam, dass aus dem Traum, die auf den Google-Bildern so malerisch anmutende Hochstraße ↠ Transfăgărășan entlang zu fahren, auf dieser Reise nichts wird. Doch in zwölf Stunden erst fährt unser Nachtzug von Sibiu nach Budapest! Ein verschwendeter Reisetag? Frustfressen bei McDonald’s.

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Statt einem Ausflug in die rumänischen Karpaten stand ein neuerlicher Tag in Sibiu an, wo der siebenbürgisch-sächsische Einfluss an gewissen Kleinigkeiten erkennbar ist.

12 Uhr, Sibiu: Museum für siebenbürgisch-sächsische Völkerkunde

Das ↠ Emil-Sigerus-Museum für siebenbürgisch-sächsische Volkskunde und -kunst wollten wir uns ohnehin anschauen, hätten mit einem weiteren Ausflug in die Karpaten aber keine Zeit mehr dazu gehabt. Also machen wir das Beste aus diesem Tag und nehmen auch diese Sehenswürdigkeit in Sibiu noch mit. Einzig, im Museum in der Altstadt erfahren wir nichts über Alltag und Leben der siebenbürgischen Sachsen, dafür aber (nicht viel) mehr über die Stickereikunst auf traditionellen Tischdecken, Kleidern und Ostereiern. Wir haben selten so eine langweilige Führung erlebt.

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Farbenfroh bestickte Ostereier im Emil-Sigerus-Museum von Sibiu – definitiv keine allzu spannende Sehenswürdigkeit in unserem Sibiu-Reisebericht.

13 Uhr, Sibiu: Franz-Binder-Museum

Vielleicht erfahren wir im ↠ Franz-Binder-Museum für Völkerkunde in Sibiu etwas mehr über die Siebenbürger Sachsen. Wir drücken uns selbst die Daumen, denn unser Nachtzug von Hermannstadt nach Budapest fährt schließlich erst in neun langen Stunden. Am Einlass wird uns bewusst gemacht, dass es sich hier um eine Ausstellung über außer-europäische Völkerkunde handelt. Doch eine Mumie wollen wir heute nicht sehen – und verzichten auf diese Sehenswürdigkeit in Sibiu.

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Über einen Torbogen gelangst du vom Hauptplatz Piața Mare zur Piaţa Mică. Im Hintergrund grüßt die Evangelische Stadtpfarrkirche in Sibiu.

13:15 Uhr, Sibiu: Eis essen auf der Piața Mare

Vorgestern haben wir bereits die eine oder andere Kugel Eis genossen. Denn wenn es in der Altstadt von Hermannstadt neben Sehenswürdigkeiten eines gibt, dann Eisbuden! Nach zwei musealen Erfahrungen der Extraklasse ist es Zeit, die nächsten Sorten auszuprobieren und ein gefühltes 100. Mal über die Piața Mare – zu Deutsch “Großer Ring” – zu schlendern. Sie hatte allerdings schon beim 99. an Reiz verloren.

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In den Gassen rund um die Piața Mare in Sibiu kannst du dich an etlichen Eisbuden durchprobieren.

13:30 Uhr, Sibiu: Erstmal eine hausgemachte Limonade

Auch das eine oder andere Restaurant bzw. Café in der Altstadt von Sibiu hatten wir bereits besucht. Darunter auch das “Welt Kultur” – vom Namen her ein weiteres Symbol deutscher Überbleibsel in Hermannstadt – wo wir uns niederlassen und eine hausgemachte Limonade bestellen. Ein großes Glas. Wir haben Zeit.

Hinweis: Das Café scheint inzwischen von einer Burger Bar abgelöst zu sein (Stand: Januar 2019).

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In der Strada Nicolae Bălcescu kannst du in diversen Cafés und Restaurants das Treiben in der Altstadt von Sibiu beobachten.

14:30 Uhr, Sibiu: Mittagessen

Nachdem wir unsere Ärsche bereits im “Welt Kultur” platt gedrückt haben, wird es höchste Zeit, zum Mittagessen eine neue Stuhlform auszuprobieren. Mindestens genauso probierfreudig sind wir bei der Auswahl von Restaurant und Mahlzeit: Wir lassen uns bei einem Italiener in der Nähe der Evangelischen Stadtpfarrkirche nieder und essen jeweils ein Stück Lasagne. Typisch rumänisch eben. Dazu gibt es eine Flasche Cider. Höchste Zeit, etwas Alkoholisches zu trinken. Noch sechseinhalb Stunden.

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Man muss ja nicht immer nur einheimische Küche austesten. Inmitten der malerischen Altstadt von Sibiu schmeckt die Lasagne schließlich umso besser.

15:30 Uhr, Sibiu: Zeit für ein Stück Kuchen

Nichts zu tun mehr in Sibiu. Was hilft dagegen? Na klar – ganz dringend etwas essen. Im ↠ Café Wien am Fuße der Stadtpfarrkirche – warum auch weit laufen? – setzen wir uns auf die Terrasse und werden sogleich von einem Vogel angekackt. Mistvieh. Zum Trost gibt es ein Stück Sachertorte, die wir besonders so richtig schön “klietschig” mögen. Serviert wird allerdings ein Stück Staub. Wir spüren: Das ist unser Tag.

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Im Café Wien kannst du allerhand Köstlichkeiten probieren – nur die Sachertorte können wir nicht unbedingt empfehlen.

16:30 Uhr, Sibiu: Endlich mal durch die Altstadt schlendern

Es ist nicht so, dass Sibiu nicht schön wäre. Im Gegenteil: Hermannstadt versprüht den Flair einer rausgeputzten deutschen Kleinstadt in Brandenburg – allerdings mit dem Unterschied, dass hier auf den Straßen wirklich etwas los ist. Das imponiert. Beim ersten und beim zweiten Stadtrundgang, bei dem die kleinen und großen Sehenswürdigkeiten in Sibiu noch überraschen. Vielleicht auch noch beim dritten. Doch wir haben aufgehört zu zählen, wie oft wir schon von der Piaţa Mică zur Piața Mare gelaufen sind und umgekehrt. Also noch einmal das Ganze. Noch fünfeinhalb Stunden.

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In der Altstadt von Sibiu lohnt es sich, auch einmal die belebte Gegend rund um Piața Mare und Piaţa Mică zu verlassen – und dich einfach in den Gassen zu verlieren.

17:30 Uhr, Sibiu: Auf der Mauer, auf der Lauer

Wenn wir in Sibiu schon alles doppelt und dreifach machen, könnten wir eigentlich auch noch mal den Turnul Sfatului, zu Deutsch “Rathausturm”, besteigen. Lassen wir aber dann doch sein. Stattdessen kaufen wir uns jeweils zwei Dosen Radler und klettern auf die Stadtmauer gleich am Café Wien. Kennen wir ja gut. Dort gehen wir nun abwechselnd auf Toilette. Gehört zweifelsfrei zu den Höhepunkten an diesem herrlichen Tag in Sibiu.

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Ein Dauerbrenner auf unseren ↠ Balkan-Reisen: Ein Radler muss einfach sein.

18:30 Uhr, Sibiu: Ein zweites Radler

So langsam – ganz, ganz langsam – beginnt die Sonne dem Horizont nahe zu kommen. Wir zelebrieren den Moment und öffnen die zweite Dose Radler. Nur noch dreieinhalb Stunden! Zwischendurch ertönen die Glocken der Stadtpfarrkirche von Sibiu. Ein magischer Moment. Also wirklich. Hätten wir nicht schon tags zuvor eines entdeckt, wäre dieser Moment wohl unser 1 THING TO DO für Hermannstadt. Eine Wonne, wie die Sonne den historischen Stadtkern in einen Traum von Orange hüllt. Nur heute will uns eben nichts mehr so richtig überzeugen.

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Sonnenuntergang über den Dächern von Sibiu, Rumänien: Im Hintergrund grüßt die Neustadt, die mit der Schönheit der Altstadt nicht mithalten kann.

19:30 Uhr, Sibiu: Proviant kaufen

Noch zweieinhalb Stunden bis Abfahrt. Noch ein Eis? Ach nö. Wir decken uns lieber im Supermarkt mit Proviant für unsere Fahrt im Nachtzug von Sibiu nach Budapest ein und überlegen ausufernd lange, was genau wir denn eigentlich brauchen – und was nicht. Und was nicht, aber eigentlich doch. Und was doch, aber eigentlich dann doch nicht. Ein Radler muss auf jeden Fall mit dabei sein. Oder zwei.

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Die Piața Mare ist Dreh- und Angelpunkt jedes Streifzugs zu den Sehenswürdigkeiten im alten Zentrum von Sibiu.

20:30 Uhr, Sibiu: Ankunft am Bahnhof

Anderthalb Stunden vor Abfahrt kommen wir am Hauptbahnhof an. Viel zu früh, aber was sind schon anderthalb Stunden nach diesem Tag in Hermannstadt? Wir holen unsere Rucksäcke aus der Gepäckaufbewahrung und packen alles noch einmal um. Das leichte Zeugs nach unten, das schwere nach oben. Schön rückengerecht. Anschließend trinken wir ein Radler. Natürlich. Und essen den ersten Teil unseres Proviants auf. Natürlich. Bis gegen 22 Uhr schließlich der Nachtzug von Sibiu nach Budapest einfährt. Noch nie haben wir uns so sehr auf eine Zugfahrt gefreut.

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Ankunft in Budapest: Für die rund 500 Kilometer lange Strecke ab Sibiu griffen wir ein weiteres Mal auf den Nachtzug zurück.

Sibiu: Sehenswürdigkeiten im Überblick

Wie du wahrscheinlich schon gemerkt hast, befinden sich die meisten Sehenswürdigkeiten von Sibiu in der kompakten Altstadt. Eine Übersicht:

  • Der Große Ring (Piața Mare) ist Hauptplatz und gleichzeitig wichtigste Sehenswürdigkeit von Sibiu. Besonders schön in den Abendstunden, wenn sich Einheimische zum Plausch am Brunnen treffen und die Sonne die Jesuitenkirche in goldenes Licht taucht.
  • Die Nicolae-Bălcescu-Straße ist weniger Sehenswürdigkeit als touristisches Zentrum von Sibiu: Zwischen Großem Ring und Piața Unirii reihen sich Cafés, Restaurants, Eisbuden und kleine Geschäfte aneinander.
  • Großer und Kleiner Ring sind über den Rathausturm (Turnul Sfatului) miteinander verbunden. Folglich kannst du von oben beide aus der Vogelperspektive einfangen. Durch die Etagen zieht sich eine kleine historische Ausstellung.
  • Auch rund um den Kleinen Ring (Piaţa Mică) befinden sich etliche Restaurants der touristischen Art. Obendrein kannst du hier das Franz-Binder- sowie das Emil-Sigerus-Museum besuchen. Die Lügenbrücke ist ein beliebtes Fotomotiv. Der Sage nach bricht die Brücke ein, sobald ein Lügner sie betritt. Also besser Vorsicht bewahren.
  • Die Evangelische Stadtpfarrkirche ist für uns die schönste Kirche in Sibiu und mit 73 Metern noch immer höchstes Gebäude der Stadt. Das abendliche Glockenspiel mit Blick auf die untergehende Sonne ist ein Erlebnis.
  • Hinter der Stadtpfarrkirche, vorbei am Café Wien, gelangst du über die Treppenpassage in die Unterstadt von Sibiu. Diese ist weniger reich an Sehenswürdigkeiten, die kleinen Gassen mit gewissem morbiden Charme machen das Viertel jedoch zu einer Sehenswürdigkeit für sich.

Unser 1 THING TO DO für Hermannstadt entdeckten wir beim ↠ Wandern bei Sibiu, das heißt außerhalb der mehr als 400.000 Einwohner:innen zählenden Stadt in Siebenbürgen. Vielleicht finden wir beim nächsten Mal ein neues 1 THING TO DO? Denn eins ist klar: Transfăgărășan, wir kriegen dich! Eine Übersicht über unsere bisherigen Erlebnisse in Rumänien findest du übrigens hier.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

Sibiu Reisebericht Rumänien

Veröffentlicht oder inhaltlich überarbeitet am:


7 Antworten zu “Sibiu Reisebericht: Ein unperfekter Tag in Hermannstadt”

  1. Ihr hättet ins Astra Freilichtmuseum gehen sollen! Das ist so groß, dass man dort einen Tag verbringen kann, es liegt herrlich im Grünen und ist wirklich sehenswert!

    • Das hatten wir in der Tat im Hinterkopf, aber irgendwie hatten wir Angst davor, dort unauthentische Schein-Authentizität zu erleben. Lagen wir wohl falsch?

      • Ja. Es ist eher sehr authentisch: Manches noch nicht fertig, manches bereits verfallen, manches geschlossen und für manches wird ein Extra-Trinkgeld gefordert … 😉
        Aber es ist insgesamt doch sehenswert und auch landschaftlich wirklich schön.

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