Rooftop-Frust: Wie ein Reiseblog entsteht

„10 Things To Do in London“, „10 Things You Have To See in Paris“, „33 Things To Experience in Wanne-Eickel“. Das Internet ist inzwischen genauso voller Reiseblogs, wie jede Buchhandlung voller Reiseführer. Weshalb wir uns trotzdem entschlossen haben, mit 1 THING TO DO einen weiteren Reiseblog zu beginnen, erkläre ich euch mit einer kurzen Anekdote aus Tel Aviv. Geschrieben von John.

Irgendwo in Tel Aviv

Es ist 20.30 Uhr, immer noch sind’s 27 Grad und wir sind 2.851 Kilometer von Berlin entfernt. Marc und ich befinden uns in Israels Metropole Tel Aviv-Yafo, genauer gesagt in Menashiya. Mit dem Mittelmeer in Dauerblickkontakt stehend, irren wir zwischen den riesigen, sich alle ziemlich ähnlich sehenden Hotelgebäuden, dieser einen großen Straße namens Prof. Yehezkel Kaufmann Street und den künstlich angelegten Palmenbeeten umher.

Zugegeben, Adjektive wie „traumhaft“ oder „wunderschön“ kommen einem bei dieser Beschreibung nicht als Erstes in den Sinn. Doch das Umherschleichen in dieser Gegend hat einen tieferen Sinn: Laut unserem Reiseführer soll man bei mehreren dieser Hotels auf‘s Dach können. Da Marc und ich ziemlich höhenaffin sind und es der Blick von oben ist, der uns so richtig anturnt, ist klar: Wir müssen auf ein Hoteldach!

Wie ein Reiseblog entsteht

Tel Aviv Skyline: Ja, wo ist denn DER Rooftop?

Rooftop-Sucht

Wir sind auf der Suche nach DEM Rooftop Restaurant oder DER Rooftop Bar. Mit der Beschreibung des Reiseführers im Kopf sind sich unsere beiden Orientierungssinne einig, dass wir eigentlich am Ziel angekommen sein müssten. Vielleicht in diesem Hotel dort, oder doch in dem da drüben? Auf mehrfache Nachfragen bei den teils Respekt einflößenden und mit harten Waffen ausgerüsteten Sicherheitsmännern folgt die Ernüchterung.

Keines dieser Hotels hat eine öffentlich zugängliche Bar mit Blick über die Stadt zum Sonnenuntergang. Dabei stand es doch genauso in unserem Reiseführer und auch diverse Internetseiten verwiesen darauf, unbedingt diesen Ausblick erhaschen zu müssen. Was ist hier also los?

Rooftop Tel Aviv

Tel Aviv Beach Life: Wer den Rooftop nicht findet, macht es sich wie wir am Strand gemütlich. 😉

Travel-Blog-Frust

In unseren Köpfen entstehen Hypothesen von der Unangemessenheit unserer Kleidung und der daraus resultierenden Abweisung der Security. Vielleicht ist dieser Rooftop ja auch eine ehemalige Bar, die es ja gar nicht mehr gibt, aber immer noch in den einzelnen Reiseführern und -blogs Erwähnung findet, weil die Autoren ja möglicherweise selbst noch gar nicht dort waren und nur die Tipps und Insider anderer übernehmen?

Unser Frust auf unsere Quellen wächst. Ob es nun an uns oder den anderen Menschen liegt – schnell entspringt die Idee in unseren Köpfen, selbst einen Blog schreiben zu wollen, mit dem Anspruch natürlich alles besser zu machen. Da wir sowieso gerne verreisen und selbst mit kleinem Budget und wenig Zeit versuchen mehrmals im Jahr dem Alltagstrott zu entfliehen, könnte man seine Erlebnisse doch auch mit der Welt teilen!

Wie ein Reiseblog entsteht

Dank der erhöhten Strand-Promenade bietet Tel Aviv auch ohne Rooftop den Blick von oben. 😉

Erlebnisse statt Sightseeing-Jagd

Keine 1.000 Tipps, die von Anderen einfach abgeschrieben werden und dessen Aktualität überhaupt nicht geklärt ist, sondern ein authentischer Blog soll es werden. Keine Jagd von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, dessen Bilder man (oder Frau) sich auch mit Hilfe der Google-Bildersuche geben kann, sondern einzelne, ganz persönliche Erlebnisse. Eben jene besonderen Highlights, die einen Urlaub unvergesslich machen. Diese einzelnen Situationen, die uns ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern, wenn wir nach der Reise unseren Freunden davon erzählen.

Doch die ganze Zeit ist vom „Wir“ die Rede. Wer sind wir denn eigentlich?

Marc links, John rechts, zugegeben nicht in Tel Aviv, sondern im Pariser Marais.

John im Kurzportrait

In den vorherigen Beiträgen hat Marc ja bereits das Ein oder Andere von sich preisgegeben. Nun bin also ich an der Reihe mich kurz vorzustellen, wobei ich persönlich ja die Portraitierung durch eine andere Person bevorzuge. Deshalb möchte ich kurz nur drei Adjektive nennen, wie andere Personen mich beschreiben: sozial, entspannt, neurotisch.

Ich möchte zu diesen Eigenschaften gerne noch neugierig, entdeckungsfreudig und wissbegierig hinzufügen. Außerdem hoffe ich dabei auf meine Fähigkeit, mich relativ gut reflektieren zu können. Zur Zeit studiere ich Soziale Arbeit, vielen besser bekannt als Sozialpädagogik. Obwohl ich mein Studium wirklich sehr mag, könnte ich aufgrund eines riesigen Interessenpools gefühlt alle zwei Wochen etwas Anderes studieren.

John beim Wandern in der Hohen Tatra, einem der bislang größten Abenteuer von 1 THING TO DO.

Zu guter Letzt stelle ich die Behauptung auf, dass man mehr in den kommenden Beiträgen von mir erfährt – und verabschiede mich vorerst. 🙂 Wenn du noch mehr über 1 THING TO DO erfahren möchstest, dann schau doch mal in unserem „Über uns“-Bereich vorbei.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

17 thoughts on “Rooftop-Frust: Wie ein Reiseblog entsteht”

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  3. Hans-Georg says:

    Jeder hat eine andere Sichtweise auf die Dinge, die man „unbedingt gesehen, getan, gegessen haben sollte“. Der eine oder andere Tipp mag ja dazwischen sein für Interessenten, die gerade „diesen einen Ort, den man bereist haben muss“ auch mal anschauen wollen. Grundsätzlich stehe ich solchen Berichten eher skeptisch gegenüber. Das ist so wie mit einer Theateraufführung: Ein Besucher schwärmt in den höchsten Tönen davon und du selbst meinst, du hast eine ganz andere Aufführung gesehen.
    Viele Reisende schwärmen z.B. von Lissabon. 2 x sind mein Mann und ich im Rahmen einer Kreuzfahrt dort gewesen. Die Stadt ist nett, aber wir können uns beide den Schwärmereien nicht anschließen. Es ist eben, wie so vieles, eine Frage des persönlichen Geschmacks.

    1. 1 THING TO DO says:

      Volle Zustimmung, und genau macht ja das Reisen sowie vor allem auch das Berichten darüber letztlich aus. „Must sees“ für den Geschmack von jedermann gibt es einfach nicht. Wir wünschen schöne Feiertage! 🙂

      1. Hans-Georg says:

        Auch für euch schöne Weihnachtstage und für 2017 wünsch ich euch viele neue und schöne Reiseeindrücke.

  4. ilona says:

    Ich versteh euch da schon gut. Mich ärgern diese „Insider-Tipps“ und ach so grandiosen „Geheim-Tipps“ von Leuten, die ein langes Wochenende an einem Ort verbracht haben, auch immer irgendwie. Welche Insidertipps soll man da schon kennen? Auch wenn wir natürlich immer alle soooooo individuell reisen, sind wir doch nur Touristen und sehen, was alle sehen. Ein paar Wochen mindestens, aber am besten ein paar Jahre sollte man sich an einem Ort schon aufgehalten haben, um wirkliche Insider-Tipps geben zu können, finde ich.

    Ich habe natürlich trotzdem die ein oder andere Liste auf meinem Blog. Nicht so viele – wie ihr ja wisst -aber ein paar. Über meine Wochen in Florenz habe ich einige Artikel geschrieben und die Aufhänger waren ein paar Listen „10 Dinge, die man in Florenz gesehen haben sollte“ und „due passi abseits der Touristenströme – 14 Tipps für Florenz“, von denen ausgehend ich dann zu den weiterführenden Artikeln verweise. Mit dem Ergebnis: Die weiterführenden, detailierteren Artikel werden selten angeklickt. Die Listenartikel gehören zu denen, die am besten laufen.
    Immerhin behaupte ich, dass ich etwas mehr zu Florenz zu sagen habe 😛

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir finden Listen halt schwierig. Beruflich greife ich auch gerne mal darauf zurück, weil in der Tat mehr Leute darauf klicken. Es sind eben gute Häppchen für zwischendurch, aber sie bleiben oberflächlich und am Ende leidet darunter die Qualität. Es gibt natürlich auch gute Listen, quasi als Kurzform für längere Artikel (wie du schon schreibst), aber inzwischen bekomme ich beim Scrollen durch Twitter und Co. immer Ausschlag, wenn jeder zweite Text mit „10 Dinge, die du…“ beginnt. 😀

      1. ilona says:

        wie gesagt, mein Reizwort ist „Insidertipps“ 😉

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  9. Wolfgang says:

    So, hab´ auch mal eben diesen Artikel „durchgearbeitet“. Fazit: I agree. Weitermachen … 😉

    1. 1 THING TO DO says:

      Sehr lobenswert. 😀 Vielen Dank!

  10. Laura says:

    Hi Marc, Hi John,

    der Beitrag gefällt mir so richtig gut – er ist so … ehrlich!

    Ich liebe auch den Schreibstil, der hier rüberkommt. Habt ihr euch das angeignet, oder fließt euch das so Freihand aus der Feder ? 😀

    Ganz liebe Grüße,

    Laura

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke, Laura!

      Den Schreibstil haben wir, denke ich, einfach so, aber schön, dass er dir zusagt! Ich (Marc) habe zwar auch beruflich immer wieder mal mit Textproduktion zu tun, aber eine gute Schreibe wurde mir, glaube ich, schon immer nachgesagt. Aber man selbst kann das ja immer nicht so gut einschätzen. 🙂

      Jetzt schauen wir auch mal bei dir rein. / Update: Aber da ist ja gar nix. 😀 Trotzdem danke!

      Liebe Grüße!

  11. franziefliegt says:

    Wunderbarer und zum Nachdenken anregender Post! Ich selbst bin eine ziemliche To Do Listen Fanatikerin und werde mir euren Blog als Inspiration nehmen, auch mal ein bisschen zu entschleunigen und den Moment zu genießen. Gerade, da ich meistens nur Kurztrips mache, stopfe ich die gerne voll und denke dann im Nachhinein: Was hast du eigentlich alles gemacht? Deshalb versuche ich bei meinen nächsten Reisen eher auf weniger, aber genussvollere Erlebnisse zu setzen. Und werde das gleich heute bei einem Trip zu den Niagarafällen probieren! Danke für den Denkanstoß, das brauchte ich.
    Liebe Grüße, Franzi
    http://www.franziefliegt.wordpress.com

    1. 1 THING TO DO (Marc) says:

      Danke dir! 🙂 Wir schauen uns ja auch gerne mal eine Liste an, wenn wir Inspiration brauchen, aber zu viele sind leider Effekthascherei, schlecht recherchiert oder einfach nur dazu da, so viele Klicks wie möglich auf die Website zu ziehen. Also mit Vorsicht zu genießen. Das ist zumindest unsere Erfahrung. Viel Spaß bei den Niagarafällen!

  12. petrasreiseblog says:

    …Ich sags immer wieder

    Besser selbst gesehen
    als selbst gehört oder gelesen.

    Bei uns ist auch alles echt und selbst erprobt.
    Und wenn es nicht gut war ja dann wird auch das notiert (eher selten😊)

    Eine schöne Zeit euch beiden

    die Petra

    1. 1 THING TO DO says:

      Genau so ist es!

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