Vourvourou Strände

Nach den Hauptstädten Belgrad, Sofia und Skopje verschlug es uns in ein verträumtes Fischerdörfchen, dessen Name den allermeisten kaum von Begriff sein dürfte: Vourvourou. Auf der griechischen Halbinsel Chalkidikí gelegen, verspricht Vourvourou Strände wie aus dem Bilderbuch. Obendrein offenbarte uns Vourvourou nach lauer Nacht ein feuriges 1 THING TO DO am Morgen. Geschrieben von Marc.

Von Skopje nach Griechenland

Unser Vourvourou-Reisebericht beginnt zunächst im fernen Skopje, wo uns kurz nach fünf Uhr morgens der Wecker wach klingelte. Es war dieser Moment, in dem uns die anderen Gäste des Hostels in der mazedonischen Hauptstadt gehasst haben dürften. Wir sputeten uns, um den Backpackern um uns herum nicht allzu viel Schlaf zu rauben. Das gilt übrigens nicht für Herrn Stinkefuß, der dieser Nacht ein besonderes Aroma verlieh.

Vom Backpacker’s Hostel in Skopje war der Weg zum Busbahnhof von Skopje nicht weit. Die Sonne erhob sich so langsam über dem Horizont, legte ihren goldenen Schleier über die mazedonische Hauptstadt und bescherte uns so einen warmen Abschied aus der kleinen Balkanrepublik. Auf nach Griechenland, auf nach Vourvourou!

Vourvourou Reisebericht
Wegweiser am Backpacker’s Hostel in Skopje: 235 Kilometer galt es bis Thessaloníki zurückzulegen. Noch ein paar Kilometer weiter allerdings bis nach Vourvourou auf der griechischen Halbinsel Chalidikí.

Busfahrt durch Mazedonien

Bus fahren ist ja eigentlich so gar nicht unseres. John immerhin ist mit der Begabung gesegnet, in öffentlichen Verkehrsmitteln in der Regel gut schlafen zu können. Ehe ich im Bus jedoch mal ein Sekündchen Schlaf erhalte – und sei er noch so nötig – muss wohl erst die Quadratur des Kreises gemeistert werden.

Im Falle der Busfahrt von Skopje nach Thessaloníki war dies jedoch auch gar nicht nötig. Selten habe ich eine Fahrt mit solch einer beeindruckenden Landschaft erlebt. Hügel um Hügel zog in saftigstem Grün an meinen Augen vorbei. Mein treuer Begleiter war der Fluss Vardar, der vorbei an der Matka-Schlucht durch Skopje strömt und nahe Thessaloníki in einem Delta ins Mittelmeer mündet. Nicht zuletzt wusste die aufgehende Sonne ihr Talent so einzusetzen, dass selbst Industrie- und Gewerbegebiete eine romantische Note erhielten.

Vourvourou Reisebericht
Busfahrt von Skopje nach Thessaloníki: Auf dem Weg nach Griechenland zeigt sich Mazedonien von einer seiner vielleicht schönsten Seiten.
Vourvourou Reisebericht
Wenn selbst Gewerbegebiete im Sonnenaufgang eine romantische Note erhalten…

Von Bus zu Bus zu Bus nach Vourvourou

Die Grenze von Mazedonien nach Griechenland überquerten wir bei Gevgelija, einem Ort, der im Zuge des Flüchtlingskrise traurige Berühmtheit erlangte. Von Flüchtlingen war während unserer Fahrt jedoch nichts zu sehen. Nach 90-minütigem Grenz-Tamtam ging es schließlich weiter in Richtung der zweitgrößten Stadt Griechenlands, Thessaloníki, und von dort aus weiter nach Vourvourou.

Nach guten fünf Stunden erreichten wir den Bussteig am Hauptbahnhof von Thessaloníki. Hier hieß es umsteigen in den nächsten Bus, der den Busbahnhof KTEL Chalkidikís im Süden der Mittelmeerstadt ansteuerte. Von diesem wiederum starten die Busse zwischen Thessaloníki und so ziemlich jedem Dorf auf der Halbinsel Chalkidikí. Natürlich auch nach Vourvourou. Als absolute Busfahrt-Fans wurde uns an diesem Tag also einiges geboten!

Halbinsel Chalkdikí: Poseidons Dreizack

Als Heimat des griechischen Philosophen Aristoteles ist die Halbinsel Chalkidikí den meisten vor allem auch wegen ihrer Form ein Begriff: Charakteristisch sind ihre drei Landzungen, die wie Finger weit in die Ägäis reichen. In Griechenland spricht man übrigens nicht von drei Fingern, sondern von drei Füßen, wobei rein anatomisch gesehen beide Varianten wenig Sinn machen. Manchmal ist dabei auch die Rede vom Dreizack des Poseidon, was rein numerisch gesehen schlüssiger erscheint.

Unser Zielort Vourvourou (sprich: Wurwuru) befindet sich auf dem Mittelfinger der Chalkidikí an der Ostküste der Halbinsel Sithonia, die sich durch eine hügelige Landschaft mit immergrünen Nadelwäldern und einigen traumhaften Sandstränden auszeichnet. Vourvourou selbst ist eine Mischung aus Fischerdorf und Ferienkolonie. Rund um die Buchten und Lagunen von Vourvourou haben sich im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte etliche Ferienwohnungen und Pensionen angesammelt, ohne Vourvourou jedoch zum Hort des Massentourismus verkommen zu lassen.

Vourvourou Strände
Nun hält unser Reisebericht endlich in Vourvourou Einkehr: Das ehemalige Fischerdorf ist dünn besiedelt, die zahlreichen Ferienwohnungen sind rund um die Bucht verstreut.
Vourvourou Strände
Wenn Vourvourou eines kann, dann ist es griechische Bilderbuchidylle.

Vourvourou Strände: Ein Stück Paradies

Als wir nach mehr als zweistündiger Fahrt in Vourvourou ankommen, können wir es kaum erwarten, nach unserem zweiwöchigen Trip über Krakau, Budapest, Sofia und Co. endlich ins ersehnte Mittelmeer einzutauchen. Und was sollen wir sagen? Mehr griechische Bilderbuchidylle gibt es wohl nicht. Am schmalen, aber dafür umso längeren Sandstrand von Vourvourou selbst reihen sich die Fischerboote. Überall herrscht eine ansteckende Gelassenheit vor, immer wieder säumen prächtige Pinien die Uferlinie.

Wir spazieren zunächst weiter von Vourvourou in Richtung Karídi Beach, einer sandigen Bucht umrandet von glatt geschliffenen Felsen, die uns ein wenig wie auf die Seychellen versetzt fühlen lässt. Wohl auch aufgrund der gerade begonnenen Nebensaison war dieses kleine Paradies auf Erden mit herrlichem Panorama auf die Vourvourou vorgelagerten Inseln alles andere als überlaufen – und damit eine Wohltat für unsere Busfahrt-geplagten Seelen. Nicht umsonst heißt es anscheinend, dass in der Gegend von Vourvourou die schönsten Strände Griechenlands anzufinden sind.

Vourvourou Strände
Der Karídi Beach ist einer der wohl schönsten Strände in der Gegend von Vourvourou.
Vourvourou Strände
Neben einem weiten Strand laden am Karídi Beach auch kleine geschützte Buchten zum Verweilen. Mit gutem Auge erkennbar übrigens auch unser Rucksack – den zweiten hatten wir in Thessaloníki am Bahnhof eingeschlossen.

„Da war ja was“ am Strand von Vourvourou

Nach ein paar Stunden Südsee-Feeling an den Stränden von Vourvourou wird es Zeit für uns, uns um den Ernst des Lebens zu kümmern – und uns endlich eine Unterkunft für die Nacht zu besorgen. Glücklicherweise befindet sich nicht allzu weit vom Karídi Beach ein Restaurant mit kostenlosem WLAN. Schnell müssen wir jedoch feststellen, dass das Angebot vor Ort ziemlich begrenzt ist: Ein halbwegs günstiges Airbnb-Appartment befindet sich erst im Nachbarort, auf Booking.com* und Co. ist jede erschwingliche Unterkunft ausgebucht – und an Couchsurfing ist abseits jeglicher Form städtischen Lebens nicht zu denken.

Uns bleibt also nicht anderes übrig, als die Nacht an einem der Strände von Vourvourou zu verbringen, was angesichts des wolkenlosen Himmels und der lauen Nachttemperaturen kein allzu großes Problem darstellen sollte. Im Rucksack haben wir unsere Seidenschlafsäcke und Strandtücher parat, und so heißt es schließlich, uns einen geeigneten Platz für die Nacht unter freiem Sternenhimmel zu suchen. Immerhin ist unser Reisebericht aus Vourvourou so um ein Highlight reicher.

Vourvourou Strände
Sonnenuntergang am Karídi Beach bei Vourvourou: Ein Strand (fast) für uns allein.
Vourvourou Strände
Karídi Beach: So langsam verschwand die Sonne hinter Vourvourou, an den Strändn hielt eine milde Nacht Einkehr.

Vourvourou: Eine Nacht am Strand

Unsere Wahl fällt schließlich auf eine Pinie mit breiter Krone am Karídi Beach, die uns etwas erhöht vor Meeresbrise und eventuellen Spaziergängern schützen soll. Als wir unser Quartier errichtet haben, lauschen wir noch für einige Momente dem leisen Rauschen der sanft brechenden Wellen. Vor unseren Augen verschmelzen die Lichter der Boote mit dem Funkeln der Sterne. Und natürlich darf kitschiger Weise auch eine Sternschnuppe nicht fehlen, die ihren Staub wie ein bröselnder Diamant über den ruhigen Wogen des Meeres verteilt.

Als wir es uns schließlich in unseren Seidenschlafsäcken gemütlich machen, ist mit der Romantik allerdings schnell Schluss. Unter anderem aufgrund der zahlreichen vorgelagerten Inseln, die vor Vourvourou eine teils lagunenartige Küstenlandschaft bilden, fühlen sich gewisse summende Lebewesen hier besonders wohl: Mücken. Mücken. Und nochmals Mücken. Uns bleibt daher nichts anderes übrig, auch unsere Köpfe in unsere Schlafsäcke zu zwängen, was freilich ob des dünnen Seidenstoffes wenig erfolgreich war.

Vourvourou Strände
Unser Schlafplatz am Karídi Beach, einem Strand gleich in der Nähe von Vourvourou: Ein kleines Paradies – wären da die Mücken nicht gewesen.

Athos: Ein Gigant in der Ägäis

Mit Beginn der Morgendämmerung jedoch wird unser 1 THING TO DO aus Vourvourou für alle Mückenstiche entschädigen – und unseren Reisebericht abrunden. Als wir aufwachen, hat sich der Himmel bereits in ein zartes Rosa gefärbt. Alsbald machen wir uns auf zu einem kleinen Morgenspaziergang, der uns schier sprachlos zurücklassen wird.

Hinter Karídi Beach zeigen sich bereits die ersten zaghaften Sonnenstrahlen, die zunächst noch schüchtern über der Halbinsel Athos empor blinzeln. Besonders markant an jener Halbinsel ist der 2.033 Meter hohe gleichnamige Berg, der sich auf kleinster Fläche steil über der Ägäis erhebt. Auf der Landzunge befindet sich die Mönchsrepublik Athos mit autonomen Status innerhalb Griechenlands, zu der Frauen übrigens keinerlei Zutritt haben. Selbst Männer benötigen ein schwer erhältliches Visum, um anschließend in den pittoresken Klöstern der Republik zur Ruhe finden zu dürfen.

Vourvourou Strände
So langsam erhob sich die Sonne über Ägäis, Vourvourou und vor allem die gegenüberliegende Halbinsel Athos.

Vourvourou: Feuerball über Mount Athos

Mit diesem Wissen im Hinterkopf versprüht die aufgehende Sonne über Athos eine geradezu mystische Atmosphäre. Immer rascher steigt die Sonne nun über der benachbarten Halbinsel empor. In selber Rasanz färbt sich der Himmel über unseren Köpfen feuerrot, als würde er jeden Augenblick beginnen zu brennen.

In Vourvourou waren wir am südlichsten Punkt unserer Reise von Krakau nach Griechenland angekommen. Mit dem feurigen Farbenspiel über der Chalkidikí realisierten wir: Wir haben es geschafft. Nach zahlreichen Abenteuern waren wir am Ziel unserer Balkanreise angekommen. Das golden funkelnde Mittelmeer war der unbestreitbare Beweis – und es machte den Sonnenaufgang über Mount Athos so zu unserem lodernden 1 THING TO DO für Vourvourou, diesem so beschaulichen Urlauberörtchen im Nordosten Griechenlands.

Vourvourou Strände
Unser morgendlicher Spaziergang führte uns durch die Macchie der Halbinsel Sithonia in Richtung eines unvergesslichen 1 THING TO DOs.

Vourvourou Strände: Unser 1 THING TO DO

Was? Den Sonnenuntergang über Mount Athos vom Karídi Beach aus verfolgen.
Wo? Vourvourou liegt auf der Landzunge Sithonia der griechischen Halbinsel Chalkidikí. Die beste Aussicht genießt du von der kleinen Halbinsel hinter dem Karídi Beach.
Wie viel? Absolut gratis! Wenn du am Strand übernachtest, dann erst recht.
Wieso? Um einen Moment lang allen Stress der Welt zu vergessen.

Unser Vourvourou Reisebericht findet damit ein stimmungsvolles Ende. Weitere Eindrücke unserer Zeit im Nordosten Griechenlands findest du in unserem Chalkidikí Reisebericht. Zum Abschluss unserer Balkanreise von Krakau nach Griechenland verbrachten wir übrigens noch zwei Tage in Thessaloníki, bevor wir schweren Herzens den Heimweg nach Berlin antraten. Mehr dazu liest du in unserem ausführlichen Thessaloníki Reisebericht sowie in unseren Thessaloníki-Tipps.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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Vourvourou Strände

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