Vietnam: Auf der Straße essen in Hanoi

Vietnam ist berühmt für sein Straßenessen. Was in Europa auf Street-Food-Märkten hip verspeist wird, kann in der Hauptstadt Hanoi authentisch erlebt werden. Dem hiesigen Idealbild kommt dies jedoch wenig nahe. Für Bloggerin Dorie sind wir Europäer nämlich ziemlich pingelig, was das Essen betrifft: Ein schönes Ambiente, natürlich klinische Reinheit und eine tolle Aufbereitung sollen es schon sein. In Vietnam war für sie alles anders. Doch dafür mit ganz viel Herz. Ein Reisemoment von Dorie.

Vietnam Essen auf der Straße

Neben Frittiertem kannst du an vielen Ecken Hanois auch frisches Obst und Gemüse kaufen. Abwaschen nicht vergessen!

Hungrig in Hanoi

Hanoi, die Hauptstadt Vietnams, ist laut und voll. Die Sonne brennt unerbittlich an diesem Tag im August 2016 und die Luftfeuchtigkeit macht das Atmen schwer. Wir laufen durch die hektischen Straßen der Stadt und meistern jede Überquerung aufs Neue. Schwer beschäftigt mit Schwitzen und Nicht-Überfahrenwerden, merken wir gar nicht, wie sehr unsere Mägen schon wieder nach einer Mahlzeit verlangen.

Angekommen an einem verkehrsberuhigteren, langen Gehweg haben wir endlich wieder Zeit die restlichen Körperfunktionen zu checken. Und dann die Umgebung. Ergebnis: unfassbarer Hunger und kein Restaurant weit und breit.

Vietnam Essen auf der Straße

Hektisches Treiben auf den Straßen Hanois.

Ein verführerisches Brutzeln

Erschöpft laufen wir die Straße weiter, immer in der Hoffnung auf ein Lokal. Doch diese Hoffnung wird von Straßenecke zu Straßenecke zerschlagen. Bis unsere Ohren zwischen dem Getöse der vorbei rauschenden Roller ein bekanntes Brutzeln vernehmen und kurz darauf etwas in Fett braten sehen.

Auf der Straße sitzt eine Frau, die in typisch vietnamesischer Manier ihre Utensilien mit einer Holzstange verbunden hat. Auf der einen Seite dieser Waagen-förmigen Konstruktion ist eine Pfanne mit Frittierfett installiert, auf der anderen Seite ein Eimer mit Wasser aka „Waschbecken“.

Vietnam Essen auf der Straße

Inmitten der etwas chaotischen vietnamesischen Hauptstadt fällt es nicht allzu leicht, ein Lokal der Wahl zu entdecken.

Ein provisorisches Restaurant

Aus Mangel an Alternativen bestellen wir uns zwei von diesen Dingern, die im Frittierfett brutzeln. Aber anstatt wie erwartet, diese Dinger in die Hand gedrückt zu bekommen, fordert uns die Frau auf, auf den zwei kleinen Hockern im Taschengrößenformat vor ihr Platz zunehmen.

Leicht irritiert kauern wir uns auf die Stühle. Vielleicht nur, um die Wartezeit zu überbrücken? Doch da baut die Dame schon einen Tisch aus einem umgedrehten Eimer und einem Tablett. Tadaaa – fertig ist das Restaurant. Und wir haben ewig keins gesehen!

Vietnam Essen auf der Straße

An vielen Straßenrändern Hanois werden frisch zubereitete Speisen angeboten.

Alarm, Alarm!

Aus ihrem Waschbecken zieht sie zwei frische Teller und trocknet sie gewissenhaft ab. Danach werden gekochte Reisnudeln aus einer Tüte gezogen und mit einer Schere in mundgerechten Stücke auf unseren Tellern verteilt. Das Ding im Frittierfett entpuppt sich als Omelette und einem Teigfladen. Diese werden ebenfalls mit der Schere kleingeschnitten und verteilt.

Zu guter Letzt greift die Frau noch beherzt in eine Tüte voller Kräuter, die sie gut gelaunt über dem Essen verteilt. Die europäischen Alarmglocken schrillen: „Wääänk, wääänk, wääänk: niemals ungewaschenes oder rohes oder ungeschältes Gemüse oder Obst essen! Wääänk, wääänk, wääänk: Durchfall!“.

Vietnam Essen auf der Straße

Unser provisorisches Restaurant in Hanoi. Fazit? Lecker!

Guten Appetit!

Doch die Frau bereitet unser Essen mit einer Hingabe zu, dass wir uns schlichtweg nicht trauen, die schön verteilten Kräuter wieder mit den Fingern vom Essen zu zupfen. Lediglich auf die Frage, ob wir mehr davon wollen, schütteln wir bestimmt den Kopf. Aus einer Plastikflasche wird noch eine selbstangerührte Fischsauce über dem Essen verteilt. Dann werden uns die Stäbchen in die Hand gedrückt und die Frau strahlt uns an: „Voila, es ist angerichtet.“

Gut, das hat sie so nicht gesagt. Eigentlich hat sie gar nichts gesagt. Und wir auch nicht. Unsere Vietnamesisch-Kenntnisse entsprachen ihren Englisch-Kenntnissen – non-existent. Doch auf eine verrückte Art spielte das absolut keine Rolle.

Straßenszene in Hanoi: Nicht nur provisorische Restaurants gibt es in Vietnams Kapitale zu entdecken.

Extra-Service

Wir haben uns nun schon langsam an die Frau und unser Restaurant mitten auf dem Gehweg in Hanoi gewöhnt. Wir fühlen uns sogar richtig wohl. Nur das ein oder andere nervöse Kichern kommt uns noch über die Lippen, als wir mit unseren Stäbchen im Essen stochern. Doch unserer unbekannten Frau zur Liebe schlugen wir schließlich beherzt zu und nahmen den drohenden Durchfall in Kauf.

Zu unserer Überraschung schmeckt das Essen überragend. So kauen wir also mit vollen Wangen, bitten noch um einen Nachschlag an Fischsauce und grinsen zustimmend unsere Köchin an. Diese grinst zurück. Und als sie sieht, wie uns bei den schwülen Temperaturen von 35 Grad der Schweiß übers Gesicht rinnt, greift sie sich kurzerhand ein Tablett und wedelt uns Luft zu. Alles für die Gäste! Wir lachen mit vollen Mündern und schämen uns ein bisschen für unsere klatschnassen Touri-Gesichter.

Vietnam Essen auf der Straße

Das Ho-Chi-Minh-Mausoleum gehört zu den vielen Sehenswürdigkeiten Hanois.

Eine kuriose Mahlzeit

Am Ende haben wir alles aufgegessen. Satt und glücklich geht es ans Zahlen. Zwei Euro zahlen wir für beide Portionen zusammen. Natürlich gibt es für diesen herzlichen Service auch ein Trinkgeld. Wir gehen unseren Weg durch das hektische Hanoi weiter und winken unserer Frau noch zum Abschied zu.

Diese Mahlzeit zählt wohl zu den kuriosesten in meinem Leben und bleibt unvergesslich. Übrigens: Wir blieben beide kerngesund! Zwar haben diese Vorsichtsmaßnahmen ihren Sinn, doch hier hatten wir gelernt, dass es sich manchmal lohnt, unvorsichtig zu sein.

So richtig still wird es auf den Straßen Hanois auch nach Sonnenuntergang nicht.

Noch mehr zu Dories Erlebnissen in Hanoi findest du auf ihrem Blog The Dorie. Dabei verrät dir sie dir auch, wieso die vietnamesische Hauptstadt sie gestresst hat – ein bisschen zumindest. In unserer Artikelserie #Reisemomente gibt es übrigens noch einen weiteren Artikel aus Vietnam zu entdecken, der sich voll und ganz den Einheimischen widmet. Schon gelesen?

Reisen um zu reisen!
John & Marc

2 thoughts on “Vietnam: Auf der Straße essen in Hanoi”

  1. dorie says:

    Yeah, Beitrag gefunden 🙂 Find es toll, jetzt auch dabei zu sein! Danke für die Chance ♥
    Liebe Grüße, Dorie

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir bedanken uns bei dir! 🙂 Schön, dass du etwas beisteuern konntest. Liebe Grüße!

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