Urbane Mobilität: Wo alle gleich sind

In Metropolen wie Berlin bewegen sich tagtäglich Millionen von Menschen ohne sich wirklich zu begegnen. In der Ubahn sitzen wir mit gesenktem Kopf, der Blick gerichtet auf Zeitung oder Smartphone, die Ohren betäubt per Kopfhörer. In einem Fotoprojekt im Rahmen meines Studiums der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Potsdam habe ich mich mit dem Thema Urbane Mobilität einmal näher beschäftigt. Als Berliner Reiseblog möchten wir dir ein paar der Eindrücke natürlich nicht vorenthalten. Geschrieben von John. 

Urbane Mobilität Berlin

Urbane Mobilität: Das Konzept

Es gibt nichts Sozialeres und zugleich Unsozialeres als eine Großstadt. Hunderttausende, sogar Millionen von Menschen auf engstem Raum. Ein Wohnhaus, in dem mehr Personen leben, als in einem ganzen brandenburgischen Dorf. Und doch herrscht Anonymität. Jede geht ihre Wege und jeder seine. Keine Gemeinschaft, kein Halt.

Das Herz einer Großstadt sind ihre Verkehrswege. Hier spiegeln sich alle Aspekte einer Großstadt wider. Menschen bewegen sich. Ob zu Fuß, im Auto, in der U-Bahn oder auf dem Fahrrad, hier begegnen wir uns. Schwarz, schwul, alt, reich, traurig, Moslem oder im Rollstuhl sitzend sind wir alle gleich, wenn wir uns ärgern, dass die S-Bahn aufgrund einer „Verzögerung im Betriebsablauf“ nicht pünktlich kommt oder genervt vom viel zu lauten Telefonieren unseres Sitznachbarn im Bus sind.

Wir rutschen zusammen, berühren uns, halten uns fest oder ekeln uns, und doch wissen wir nichts voneinander. Wir fahren zur Schule, zum Einkaufen, zur Arbeit, zum Sport, zur Uni, zu unseren Liebsten, zum Arzt, zum Date. Egal, denn im dichten Netz der Urbanen Mobilität sind wir alle gleich.

Die Ampel wird nicht schneller grün, weil ich in einem Porsche sitze und der Zug wird auch nicht leerer, weil ich einen Anzug trage, doch mein Weg wird vielleicht angenehmer, wenn ich mit offenen Augen durch die Welt gehe, fahre, fliege oder wie auch immer ich mich fortbewege. Wenn ich Menschen bewusst wahrnehme, sie nicht verurteile oder abstemple.

Bewegung und Stillstand, Alltägliches und Skurriles, das versuche ich in meinen Bildern zu zeigen. Dem Anspruch die ganze Vielfalt einer Großstadt abzublenden, kann diese Arbeit bei weitem nicht gerecht werden. Doch es ist ein Versuch.

Urbane Mobilität: Die Bilder

Berlin_Urbane Mobilität_Ubahn_1 THING TO DO

Berlin Urbane Mobilität Ubahn

Berlin_Urbane Mobiltät_Fahrstuhul_1 THING TO DO

Berlin Urbane Mobilität Gleisdreieck

Berlin_Urbane Mobiltät_1 THING TO DO

Berlin Urbane Mobilität Sbahn

Berlin_Urbane Mobilität_Straße_1 THING TO DO

Ein banaler Fahrstuhl als Tor zur Welt, eine Ubahn, die durch ein Haus fährt – urbane Mobilität hat viele Facetten. Wie natürlich auch Berlin selbst! Hast du schon einmal ein Quietscheentchen auf LSD erlebt? Etwa nicht? Dann solltest du dir einmal unseren Artikel zum Blub in Berlin näher anschauen.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

10 thoughts on “Urbane Mobilität: Wo alle gleich sind”

  1. Anonymous says:

    Oh ja, ich erlebe das selbst hier in Dortmund, wenn ich Bahn fahre.
    Aber erst mal finde ich die s/w-Fotos gut mit der gelben U-Bahn. Überhaupt die Perspektive! Wir waren November 14 in Berlin und haben täglich die U-Bahn genutzt. Dieses „Gegenüber-Sitzen“ fanden wir sehr interessant und ich beobachte ja lieber, lasse Handy in der Tasche und habe sowieso keine Stöpsel im Ohr. Ohne das U-Bahn-Netz wäre Berlin aufgeschmissen. Wir wohnten nahe dem Anhalter Bahnhof und konnten notfalls auch zu Fuß direkt in die City. Noch krasser fanden wir die Metro in Rom. Da war es manchmal zum Bersten voll und das hat mir fast Angst gemacht. So eng aufeinander, den Geruch des anderen – völlig Fremden – einatmen und überhaupt nicht zu kennen. Das mag ich gar nicht, fand ich sehr befremdlich. Aber in Städten fahren wir immer nur „öffentlich“. Erst so lernt man die Menschen erst richtig kennen. Der Trubel in römischen Bussen, Bahnen und Metro ist der Wahnsinn, aber gehört dazu und führt häufig dazu, dass wir uns stundenlang über die Erlebnisse unterhalten können. Herrlich!

    1. Anonymous says:

      P.S. Warum anonymus? Kommentar ist von mir LG Sigrid

      1. 1 THING TO DO says:

        Du stellst immer sehr gute Fragen! 😉 Von welcher Plattform aus kommentierst du denn? WordPress.com?

    2. 1 THING TO DO says:

      Danke für Lob und Kommentar! Auf Reisen – wenn wir nicht zu Fuß unterwegs sind – nutzen wir am liebsten auch am liebsten die öffentlichen Verkehrsmittel. Man ist dann in der Tat noch ein Stück näher am Alltag der Menschen vor Ort, außerdem interessieren wir uns auch immer die Funktionsweisen der jeweiligen Verkehrssysteme, die Ubahnwaggons, die Technik, die steilen Rolltreppen… und manchmal weiß man danach auf das heimische Verkehrsnetz mehr zu schätzen – bis einen der Alltag (zu schnell) wieder einholt. 😉

  2. Mario says:

    Lieber John,
    das ist ein toller Beitrag! „Urbane Mobilität“ also. Über den Titel hab‘ ich noch nie nachgedacht. Aber sehr wohl habe ich ähnliche Beobachtungen gemacht. Wenn man schon mal in der Großstadt U-Bahn fährt und sich die Leute so betrachtet, denen man begegnet. „Wo fährt sie wohl gerade hin?“ „Wo arbeitet er bloß, dass er so herumlaufen kann?“ So oder so ähnlich gehen mir dann häufig die Gedanken durch den Kopf. Wie gesagt, toller Beitrag. Danke dafür!
    Beste Grüße,
    Mario

    1. 1 THING TO DO says:

      Tausend Dank! Solche Gedanken meine ich ja am Ende auch, wenn ich schreibe, dass Großstädte bzw. urbane Mobilität sozial und unsozial zugleich sind. Man macht sich zwar Gedanken, aber zum Gespräch kommt es in 99,9 Prozent der Fälle am Ende nicht. Obwohl gegenüber vielleicht der unentdeckte Seelenverwandte sitzt… 😉

  3. 7 Kontinente says:

    Sehr schöner Beitrag. Bei meiner Reisen versuche ich ebenfalls während den Fahrten keine Musik zu hören oder auf das Smartphone zu schauen. Einfach um die Welt um mich herum richtig aufzusaugen. Jedoch ist der Alltag halt nun mal der Alltag und da vergisst man manchmal seine Prinzipien.

    1. 1 THING TO DO says:

      Bei uns ist das Smartphone auf Reisen auch eher Mittel zum Zweck. Zwecke sind Unterkunftsrecherche, Google Maps etc. – Aber ja, der Alltag ist eben etwas Anderes, als ein Urlaub im Unbekannten. Was manchmal schade ist, denn wir sind uns sicher, dass wir zum Beispiel Berlin mit den Augen von Reisenden noch einmal ganz anders wahrnehmen würden, als nach so langer Zeit als Einwohner der Stadt…

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke! 🙂

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