Tirta Empul: Seelenreinigung im Wassertempel Balis

Als 1 THING TO DO bezeichnen wir auf unserem Blog all jene besonderen Reisemomente, die einfach in Erinnerung bleiben. In diesem Sinne berichtet uns die Psychologin und Yogalehrerin Tanja Hummel von einem sehr persönlichen Erlebnis auf der indonesischen Insel Bali, das ihr vorübergehendes inneres Chaos schlagartig beenden sollte. Dabei erklärt sie uns eindrücklich, weshalb seit ihrem Bad im Wassertempel Tirta Empul einfach alles im Fluss zu sein scheint. Ein Reisemoment von Tanja Hummel.

Tirta Empul Bali Wassertempel

Fontänen im Wassertempel Tirta Empul auf der indonesischen Insel Bali. Foto: Tanja Hummel

Meine Königsdisziplin: Loslassen

Nun ist es schon über vier Monate her, dass ich in Indonesien angekommen bin. Die ersten zwei Monate verbrachte ich dort auf einer wundervollen Luxusinsel vor Borneo, die alles hat was der Mensch zum Wohlfühlen und zum Entspannen braucht. Dort Yoga unterrichten zu dürfen, war für mich einfach traumhaft.

Bis es dazu kam, war die Zeit im Vorfeld schon sehr aufregend, spannend, erkenntnisreich aber auch schmerzhaft. Denn das Loslassen ist für mich persönlich die Königsdisziplin. Auf eine lange krisenreiche Zeit folgte völlig klar die Entscheidung, mich auf die persönlichste und wohl auch wichtigste Reise meines Lebens zu machen. Eigentlich wollte ich nur auf dieser Trauminsel Yoga unterrichten, doch daraus ist das komplette Loslassen meiner beruflichen und privaten Existenz in Deutschland geworden.

Foto: Tanja Hummel

Verloren in Canggu

Die Zeit auf der Insel ist jetzt schon über zwei Monate her. Nach vielen Höhen und Tiefen auf dieser bin ich dann in Canggu auf Bali gestrandet. Es war nicht gleich die Liebe auf den ersten Blick, was das Ankommen auf Bali betraf.

Die vorherigen Erfahrungen auf der kleinen Insel machten mir so zu schaffen, dass ich meine ganze Reise in Frage stellte und ich mich nur noch im emotionalen Chaos befand. Während der ganzen Woche in Canggu war ich verloren und erstarrt. Ich konnte mich an dem Meer und der Schönheit Balis nur wenig erfreuen.

Foto: Tanja Hummel

Foto: Tanja Hummel

Ankunft in Ubud

Ich war nach einer Woche Meer und Chaos mehr als froh, es geschafft zu haben. Endlich konnte ich nach Ubud weiter reisen. Ubud heißt wörtlich übersetzt „Heilung“ und liegt östlich von Canggu im Landesinneren von Bali. Der Ort war genau das, was ich am meisten brauchte.

Aber statt mich auf mein wundervolles Zimmer in den Reisfeldern zu freuen, überkam mich die Angst, wie ich denn von dort aus in das Zentrum kommen sollte. Ich fuhr immer noch keinen Motorroller und der Fußweg in das Zentrum dauerte mindestens 45 Minuten.

Foto: Tanja Hummel

Foto: Tanja Hummel

Vom Chaos verfolgt

So alleine mitten in den Reisfeldern wollte ich bei aller Liebe nicht bleiben, obwohl ich es mir so ausgesucht hatte. Nach einem erfolgreichen Sturz mit einem Motorroller und einem Fahrrad am selben Tag blieb mir als Entschädigung am Ende eine Freundschaft mit Komin und seiner balinesischen Familie, deren Roller und Fahrrad ich mir ausleihen wollte.

Am darauffolgenden Tag zog ich mit meinem Rucksack ins Zentrum von Ubud um. Direkt auf die wundervolle Hanoman Street. Hier hatte ich alles, was ich brauchte. Leckere vegetarische und vegane Cafés und Restaurants, mehrere Yogaschulen, das Coworking Café Hubud zum Arbeiten und das bunte tagtägliche Treiben. Mein Zimmer lag in einer wunderschönen typischen Tempelanlage im Hinterhof, sehr ruhig und von der belebten Straße war nichts zu hören und zu sehen.

Foto: Tanja Hummel

Foto: Tanja Hummel

Ausflug zum Tirta Empul

Mittlerweile fahre ich einen Motorroller und wohne wieder in den Reisfeldern. Was sich ungemein frei anfühlt! Komin kümmerte sich die ersten Tage um mich. An meinem zweiten Tag unternahmen wir mit seiner Familie einen Ausflug zum größten und wichtigsten hinduistischen Wassertempel Tirta Empul („heilige Quelle“).

Er meinte zu mir, ich bräuchte eine dringende Reinigung. Ich würde schlecht aussehen und irgendwie unausgeglichen wirken. Wie recht er hatte. Mein Chaos war immer noch latent da und meine Konzentration war seit Wochen verschwunden. Ich musste anscheinend etwas dagegen tun.

Tirta Empul Bali

Foto: Tanja Hummel

Bali in friedvoller Stille

Komin, seine Frau und seine zwei Söhne waren sehr festlich angezogen. Sie hatten mir einen Sarong mitgebracht, ein feierliches Tuch, welches man sich um die Hüften bindet. Dieses Tuch ist in vielen Tempelanlagen ein „Muss“, um in diese hineinzukommen. So auch im Tirta Empul. Komins Frau hatte wundervolle Opfergaben aus Blumen und Räucherstäbchen selbst hergestellt.

Wir fuhren gemeinsam mit dem Auto etwas mehr als eine halbe Stunde. Endlich sah ich bewusst die Schönheit Balis mit seinen kleinen Tempelanlagen, das satte Grün und freundliche Menschen am Weg. Ich genoss die Fahrt sehr. Wir kamen an einer wunderschönen großen Tempelanlage mitten im Dschungel an. Ein riesiges, altes Gelände mitten im Grünen! Wir waren sehr früh losgefahren und ernteten nun diese friedvolle Stille. Es waren kaum Menschen am Tirta Empul. Das Becken für die große Reinigung befand sich im hinteren Teil des Wassertempels und so gingen wir ein paar Schritte durch eine parkähnliche Anlage.

Tirta Empul Bali

Foto: Tanja Hummel

Zeit für Wünsche

Ich war sehr beeindruckt von dieser wundervollen alten Anlage. Vor dem Wassertempel gab es eine Umkleidekabine, in der ich mich umzog und meinen Sarong und ein langes Oberteil gegen mein sommerliches Kleid tauschte. Ich war sehr aufgeregt und neugierig. Vor dem langen alten Wasserbecken gab es einen Vorplatz und ein Plateau, auf dem ich meine Wünsche und Bitten in meditativer Sitzhaltung für mich formulierte. Meine Wünsche waren sehr klar und ich brauchte nicht lange zu überlegen. Sie kamen wie von selbst.

Das Wasserbecken des Tirta Empul teilte sich in zwei Segmente mit insgesamt dreißig Fontänen. Die drei letzten Fontänen des ersten Beckens sind sterbenskranken Menschen vorbehalten und dürfen auch nur von diesen benutzt werden. Das Wasser entstammt der Quelle des Flusses Pakerisan. Das Wasser soll der Mythologie nach sehr heilig und der Tempel dem hinduistischen Gott Vishnu geweiht sein.

Tirta Empul Bali

Foto: Tanja Hummel

Tirta Empul Bali

Foto: Tanja Hummel

Kaltes, weiches Wasser

Nun kam die eigentliche Reinigung. Komins Familie ging voran und wir stiegen an der linken Seite des Beckens in das Wasser hinein. Das Wasser war kalt, fühlte sich dabei aber irgendwie weich an. Die Idee war, dass ich mich ganz auf meine Wünsche und Anliegen konzentriere und dies an jeder Fontäne bewusst erneuere.

Gleichzeitig empfing ich das Wasser in meinen Händen und tauchte den Kopf in den Wasserstrahl der Fontäne ein. Ich war eins mit dem Wasser. Ich nahm um mich herum nichts mehr wahr. Die vielen Menschen, die sich langsam in den Becken des Tirta Empul ansammelten, störten mich wenig. Gefühle von Verbindung mit mir und meinen Wünschen, das Berührtsein und tiefe Trauer machte sich in mir breit.

Tirta Empul Bali

Foto: Tanja Hummel

Tirta Empul Bali

Foto: Tanja Hummel

Verbundenheit

Mit jeder Fontäne wurde das Gefühl intensiver und ich blieb unter den Fontänen immer länger. Und so ging ich von Fontäne zu Fontäne. Komins Familie ging voran und legte an jede Fontäne Opfergaben. Ich spürte die Verbindung zu den anderen Menschen im Becken ganz deutlich. Jeder mit seiner eigenen Geschichte und dem Wunsch nach Heilung.

Ich kann nicht mehr genau sagen, wie lange ich im Wasser war. Ich kam auf eine ganz feine und sinnliche Art aus dem Becken wieder heraus und war danach sehr in mich gekehrt. Der Wassertempel war mittlerweile durchströmt von zahlreichen Besuchern. Ich hätte mir Tirta Empul gerne noch länger angeschaut, um mich weiter mit diesem Ort zu verbinden. Leider blieb die Zeit nicht.

Tirta Empul Bali

Foto: Tanja Hummel

Tirta Empul Bali

Foto: Tanja Hummel

Ich komme wieder

Nach dem Tempelbesuch war nichts mehr wie vorher. Das komplette Eintauchen in das Wasser und die gleichzeitig geistige Verbindung zu meinen tiefsten Wünschen ist immer noch unbeschreiblich. Seit dieser intensiven Reinigung veränderte sich alles. Ich habe das Gefühl, dass sich die Dinge seitdem fügen und alles im Fluss zu sein scheint. Entscheidungen sind mühelos und eindeutig. Es gibt kaum noch Zweifel. Ich bin endlich auf Bali angekommen.

Mir bleibt besonders die tiefe hinduistische Tradition der Balinesen und ihre Verbindung mit dieser in Erinnerung. Gleichzeitig leben sie sehr bewusst ihre Religion und sind dabei dennoch zu allem offen und zugewandt. Das habe ich in anderen hinduistisch geprägten Ländern selten erlebt.

Sinnvollerweise hatte ich mich gegen das Fotografieren entschieden. Daher bin ich sehr gespannt, wie es mir ergehen wird, wenn ich zum zweiten Mal dort sein werde, um die Fotos für diesen Artikel zu schießen. Aber das wird dann eine andere Geschichte sein.

Tirta Empul Bali

Foto: Tanja Hummel

Tanja Hummels so beeindruckendes wie spirituelles Erlebnis im Wassertempel Tirta Empul auf Bali ist Teil unserer Serie Reisemomente, in der auch du eine ganz persönliche Reisegeschichte mit anderen teilen kannst. Wir laden dich hiermit gerne dazu ein, deinen Artikel einzureichen und freuen uns auf deinen besonderen Reisemoment!

Reisen um zu reisen!
John & Marc

One thought on “Tirta Empul: Seelenreinigung im Wassertempel Balis”

  1. Marianne says:

    Moin,
    Mich berührt dein Bericht sehr, Tanja.
    Manchmal braucht es so eine äußere Begebenheiten oder so ein Ritual, um sich innerlich zu ordnen.
    Ich hatte so ein Erlebnis mal in Sydney bei einer hawaiianischen Kahuna Massage. Komplett durchgreifendes spirituelles Erlebnis.
    Dein Bericht ist sehr mitnehmend. Danke.
    Schöne Grüße
    Marianne Alleinereisenjetzt.wordpress.com

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