Tel Aviv: Auf zwei Rädern durch den Shabbat

Tel Aviv ist eine Stadt der vielen Möglichkeiten. Die Mittelmeermetropole bietet genügend Spielraum, um eine ganze Reisewoche locker mit unterschiedlichsten Erlebnissen vollzupacken. Naomi lebt seit 20 Jahren in Tel Aviv. Für sie gibt es inmitten der Vielfalt den einen wiederkehrenden Moment, der ganz besonders ist. Er reflektiert all das, was Tel Aviv für sie verkörpert: Eine liberale, weltoffene, tolerante Stadt, in der jeder nach seiner Fa­çon leben kann. Ein Reisemoment von Naomi.

Tel Aviv Fahrradtour

Mit dem Drahtesel auf der Strandpromenade: Naomis Tel Aviv Fahrradtour zeigt, wie sich das Gesicht der Stadt zum Shabbat wandelt. Credits: Naomi Bubis • Telavivnotes.com

Tel Aviv begrüßt den Shabbat

Jeden Freitagnachmittag gleitet die quirlige Metropole in die Twilight Zone. Die zuvor überfüllten Straßen und Alleen leeren sich schlagartig, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Die säkularen Tel Aviver eilen mit prallen Einkaufskörben und Blumen unter dem Arm nach Hause, um im Familien- oder Freundeskreis den Shabbat zu empfangen.

Jüdische Feiertage beginnen immer am Vorabend. Dieser Moment ist auch für mich als weltliche Israelin, die mit Religion wenig am Hut hat, einzigartig. Gerade in Tel Aviv, der Stadt, die nie schläft. Ich liebe es zu beobachten, wie sich die Cafés und Bürgersteige leeren und sich aus den offenen Fenstern Essensgeruch über die Wohnviertel legt.

Tel Aviv Fahrradtour

Der Mix aus Strand und Skyline zeigt Tel Aviv von seiner wohl bekanntesten Seite. Im Hintergrund erkennst du die Landzunge, auf der sich der Stadtteil Jaffa befindet. Credits: Naomi Bubis • Telavivnotes.com

Mit dem Fahrrad durch Tel Aviv

Ein Freitag ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Ich weihte gerade mein neues E-Bike mit einer Tour durch die Stadt ein. Am Espresso Kiosk auf der Rothschild versackte ich mit meiner Freundin Gloria bei etlichen Soja-Latte, um sie dann auf dem Gepäckträger zum Rabinplatz zu kutschieren. Danach nahm ich den Umweg über die Strandpromenade nach Hause. Ich radelte den Ben Gurion Boulevard entlang, auf den Bänken saßen noch vereinzelt Mütter mit Kleinkindern, ein paar Hunde tobten vor dem geschlossenen Saftstand.

Auf der zentralen Dizengoff Street hatten die Geschäfte geschlossen, außer dem AM PM-Minimarkt, der rund um die Uhr auf hat. Ich radelte die Gordon bergauf, vorbei am verwaisten XoHo Café (eines meiner Favoriten) und dem Blumenladen an der Ecke, der freitags länger auf hat, weil Tel Aviver gerne Blumen für den Shabbat kaufen.

Sonnenuntergang am Strand

Kurz nach der Ben Yehuda Street fällt die Gordon steil ab und ich sehe das Meer. Das ist so ein Moment, in dem ich unendlich dankbar bin, in einer Beachcity zu leben. Ich radele und das blaue Wasser tut sich vor mir auf. Gibt es etwas Schöneres? Ich fahre runter an den Strand, lehne mein Bike an eine Parkbank und warte, bis die Sonne ins Meer plumpst.

Ein paar Jungs spielen Strand-Volleyball an den Netzen im Sand. Im Lalaland Café am Gordonstrand genießen französische Touristen die letzten Sonnenstrahlen. Die Bademeister haben Feierabend, ein paar Hunde sprinten am Wasserrand entlang.

Tel Aviv Fahrradtour

Sonne tanken unterm Regenbogen: Vor dem Hilton Hotel im Nordwesten Tel Avivs befindet sich der sogenannte Gaybeach. Credits: Naomi Bubis • Telavivnotes.com

Ein Umweg, der sich lohnte

Ich radle weiter vorbei an der Marina mit ihren Yachten und Segelbooten sowie am Gordon-Salzwasserpool, der mir zum Schwimmen zu kalt ist. Ich gebe Gas und düse mit Rückenwind und Meeresbrise vorbei an Gaybeach und Hundestrand zum Namal, dem renovierten Hafen. Aus meinem Yogastudio kommen letzte Yoginis mit bunten Matten unterm Arm, bevor Ella Yoga die Tore bis morgen früh schließt. Der Radweg mündet vom Hafen in den Hayarkon Park, einer meiner liebsten Orte in Tel Aviv. Die grüne Lunge, unser Central Park.

Als ich nach Hause komme, warten meine drei hungrigen Teenager auf mich. Ich bin spät dran heute mit kochen. Aber die Fahrt hat sich gelohnt und hat sich seither ganz tief in mein Herz eingebrannt. Es sind solche Glücksmomente, die mir die Schönheit des Lebens vor Augen führen. Und dann noch in meiner Traumstadt Tel Aviv!

Tel Aviv Fahrradtour

Life is better at the beach! Die Promenade von Tel Aviv bietet genügend Plätzchen, um den Tag mit Blick auf Mittelmeer und Strandleben zu genießen. Credits: Naomi Bubis • Telavivnotes.com

Naomi ist Bloggerin auf Telavivnotes.com und berichtet dort von den Alltäglichkeiten und Besonderheiten ihrer Stadt der Träume. Neben dieser Fahrradtour verriet sie uns beiden im Rahmen eines Interviews übrigens noch viele weitere Tel Aviv Geheimtipps. Darin hat sie nicht zuletzt auch weitere Empfehlungen in petto, wie du den allwöchentlichen Shabbat in Tel Aviv am besten verbringst.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

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