Slow Travel: Kann man langsames Reisen planen?

Slow Travel meint das langsame, bewusste Reisen und bevorzugt dabei Spontaneität gegenüber dem Abarbeiten von ellenlangen To-Do-Listen. Kann man diese Form des Reisens planen? Schwer vorstellbar. Und doch haben sich im Rahmen unserer Blogparade zahlreiche Blogger_innen Gedanken rund um das Thema Reiseplanung gemacht. Geschrieben von John & Marc.

Reisen zwischen Planung und Spontaneität

Teil zwei der Auswertung unserer Blogparade zum Thema Slow Travel setzt sich vor allem mit dem zweiten Teil des Titels auseinander, nämlich den To-Do-Listen und ihren Schwestern. Der Oberbegriff Reiseplanung mag in diesem Zusammenhang etwas zu hart gewählt sein. Vielmehr berichten viele Blogger_innen darüber, wie sie eine Reise im Vorfeld und unterwegs angehen, um dem Idealbild des langsamen Reisens ein Stück weit näher zu kommen.

Die Bandbreite von Meinungen und Perspektiven ist auch dieses Mal wieder groß: Wie entgehen wir auf Reisen unerwünschten Stressmomenten? Kann eine Reise eigentlich gelingen, so ganz ohne Vorbereitung? Ist es zum Beispiel einer Familie überhaupt möglich, unterwegs allzu spontan die nächste Unterkunft zu buchen? Sogar ein selbsternannter „Listen-Mensch“ ergreift das Wort und stellt sich dabei die Frage, die sich so viele stellen: Bin ich ein Slow Traveller?

flocblog: Schreibe deinen eigenen Reiseführer

Florian behauptet: Längeres Verweilen an weniger Orten senkt die Reisegeschwindigkeit, erhöht so aber auch die Reisequalität. Noch dazu schont langsames Reisen die Reisekasse. In seinem ausführlichen Artikel zum langsamen Reisen stellt Florian außerdem die Frage nach Sinn und Zweck von Reiseführern:

„Wenn du deine Reise durchplanst oder durchplanen lässt, dann wirst du im besten Fall alles so erleben, wie es im Reiseführer oder in der Tour-Broschüre steht – aber eben nur das. Versuch‘ lieber öfter mal so zu reisen, als müsstest du selbst einen Reiseführer schreiben oder dich selbst auf den Beruf eines Tour-Guide vorbereiten.“

flocblog ist ein Reiseblog für günstig reisende Backpacker und Weltreisende mit einem Fokus aus Lateinamerika und Asien.

flocblog

Family4travel: Lieber auf Nummer sicher

Für Lena war unsere Blogparade der ideale Anlass, sich zu fragen: Sind wir Slow Traveler? Und wollen wir überhaupt welche sein? Wir, das bezieht sich auf ihre gesamte Familie, die stets gemeinsam die Welt erkundet. Das Reisen als Familie erzwingt Lena zufolge einige Gedanken, die Alleinreisende etwa nicht beachten müssen:

„Gerade mit Kindern ist das ‚einfach drauf los‘ Reisen nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Ich möchte morgens schon wissen, wo wir abends schlafen (allein schon aus Kostengründen, denn ich will bei hereinbrechender Dunkelheit nicht einfach irgendwas nehmen, bloß damit die Kinder ins Bett kommen). Deswegen buchen wir unsere Quartiere mehrere Tage im Voraus.“

Family4travel ist – wie der Name schon sagt – ein Familienreiseblog. Lena und Anhang waren 2014/15 ein knappes Jahr quer durch Europa unterwegs und reisen auch jetzt noch, so viel sie können.

family4travel

Heldenwetter: Stress auf Reisen? Nein danke!

Auch noch auf Reisen im Stress sein? Nein danke! Ariane will langsam reisen – und musste doch feststellen, dass das manchmal gar nicht so einfach ist:

„In meinem Alltag versuche ich, Stress zu reduzieren, wo es nur geht. Ich lerne, mir selbst nicht zu viel vorzunehmen, und schaffe es langsam, nicht unrealistisch viel in einen Tag stopfen zu wollen. Und doch habe ich all dies auf Reisen früher gerne in Kauf genommen. Arbeitszeiten und Abgabetermine wurden ersetzt durch Fahrpläne und Öffnungszeiten, Aufgaben und To-Do-Listen durch Reiseführer und Adressen. Eigentlich verrückt – bei dem, was eigentlich Auszeit sein sollte, stresste ich mich selbst.

Auf ihrem Blog Heldenwetter veröffentlicht Ariane Geschichten und Gedanken von unterwegs.

Heldenwetter

Southtraveler: Raus aus der Komfortzone! 

In Daniels Artikel geht es um seine persönliche Erfahrung mit dem langsamen Reisen, und dabei vor allem auch über die Gedanken und Fragen, die er sich nach seinen Reisen gestellt hat. Dazu gibt der Southtraveler einige Tipps, wie man es schafft, selbst langsamer zu reisen und und die Zeit unterwegs nachhaltiger zu genießen:

„Slow Travel bedeutet aber auch die Flucht aus der Komfortzone des schnellen Reisens. Den Turnus von Flughafen – Hostel – Tour zu durchbrechen und Nein zu sagen: Nein zu immer neuen Orten. Nein zu organisierten Touren. Nein zu Touris und Nein zum Reise-Overkill.“

Daniel von Southtraveler möchte dich auf seinem Blog zum Reisen nach Lateinamerika inspirieren. Hier findest du spannende Reisereportagen, wertvolle Insidertipps und hilfreiche Infos zu Ländern und Orten in Mittel- und Südamerika.

Southtraveller

Jäger und Sammler: Ein Listen-Mensch lässt sich fallen

Janina bezeichnet sich selbst als Listen-Mensch. Vorbereitung ist ihr zweiter Vorname. Vor jeder Reise verschlingt sie den Reiseführer. Deshalb stellt sie sich im Rahmen unserer Blogparade die Frage: Sie und Slow Travel – geht das überhaupt?

„Wer mich besser kennt, der weiß, ich bin ein Listen-Mensch. Ich plane gerne. Vorbereitung ist mein zweiter Vorname. Es ist eine Berufskrankheit, glaube ich zumindest. Als Eventmanagerin mache ich gerne Listen, ich brauche sie sogar. Aber im Urlaub bin ich anders. Meistens lasse ich mich treiben, tue eigentlich nicht viel. Ich schlendere durch die Straßen, sitze in Cafés und lese.“

Janina und Linda schreiben auf Jäger und Sammler meistens über Berlin, oft über München und ganz oft über den Rest der Welt.

Jäger und Sammler

Comfortzoneless: Ohne Reiseplan geht es nicht

Slow Traveller behaupten gern, ohne Plan unterwegs zu sein. Stefanie selbst mag Strukur. In ihrem Beitrag geht es darum, dass eine Reise selbst mit Plan, oder gerade weil es einen Plan gibt, zu einem individuellen Erlebnis werden kann. Ob diese Frage – planlos oder zielgerichtet? – weniger einen Slow Traveller aus ihr macht, weiß Stefanie allerdings nicht.

„Slow Traveller behaupten gern, keinen Plan zu haben. Ohne To-See-Liste. Ohne Must-Do-Liste. Sich treiben lassen. Go with the flow. Was für ein Klischee. Ich weiß für mich: Ganz ohne Reiseplan geht es nicht.“

Auf comfortzoneless philosophiert Stefanie übers Reisen und den Alltag, und darüber, wie wir uns außerhalb unserer persönlichen Komfortzone verhalten.

comfortzoneless

Leben à la carte: DU entscheidest!

In Caros Artikel geht es darum, dass jede_r das Recht haben sollte, so zu reisen, wie es ihm oder ihr gefällt, aber auch darum, dass weniger oft mehr ist – ganz im Sinne von Slow Travel. Dabei geht sie insbesondere darauf ein, wie sie festgestellt hat, dass sie liebend gerne darauf verzichtet, mit abgearbeiteten To-Do-Listen zu prahlen, und sich stattdessen viel lieber Raum für spontane, einmalige Erlebnisse lässt:

„Du kannst es angehen wie asiatische Reisegruppen und deinen begrenzten Jahresurlaub damit verbringen, von einem Museum zum nächsten zu hetzen und dabei bloß nicht das bunte Fähnchen des Touristenführers aus den Augen zu verlieren. Ja, das kannst du: DU entscheidest. Du kannst deine Reisen aber auch entschleunigen und im Endeffekt mehr aus ihnen mitnehmen, als wenn du Punkt für Punkt von der To-Do-Liste abhakst, die du dir im Vorfeld fein säuberlich zusammengeschrieben hast.“

Auf Leben à la carte geht es um die Themen Reisen, fremde Sprachen und Kulturen.

Sprachchamäleon

Freiheitsgefühle: Eine Sache der Wahrnehmung

Für Iris ist wichtig, worauf Slow Travel eigentlich hinaus will. Dafür muss man ihrer Meinung nach weder Sehenswürdigkeiten noch To-Do-Listen meiden, und auch nicht zwangsweise langsam reisen oder viel Zeit an einem Ort verbringen. Es geht ihr vielmehr darum, Momente und Situationen einfach nur intensiver und bewusster wahrzunehmen. Denn die vielen kleinen, wunderbaren Dinge sind es doch, die wir ihrer Meinung nach beim Slow Travelling entdecken sollen, unsere Reise-Glücksmomente und 1 THING TO DOs.

„Ich denke, dass es nicht darauf ankommt wie schnell man unterwegs ist, was man sich anschaut und ob man die berühmten 10-Things-To-Do-Plätze meidet oder nicht, sondern es kommt viel mehr darauf an, wie man es wahrnimmt, ob man den Ort bewusst lebt oder einfach nur an sich vorbeiziehen lässt.“

Auf Freiheitsgefühle geht es um persönliche Reisegeschichten, Erfahrungen und Erlebnisse.

Freiheitsgefühle

margute.com: Reisen ohne Druck

Der Artikel „Slow Travel: die Kunst des Entschleunigens“ dreht sich um das Ankommen und sich Treiben lassen auf Reisen. Die Überholspur zu verlassen und sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu fokussieren, nicht nur das Ziel, sondern auch den Weg dorthin zu genießen und die kleinen, zufälligen Erlebnisse umso mehr zu schätzen – denn „die Seele reist mit 100 km/h“.

„Je mehr man plant, desto mehr Druck hat man, dass Alles nach Plan läuft, und desto enttäuschter ist man, wenn es dann nicht so passiert. Dann kann es sein, dass man den tollen Strand plötzlich nicht mehr schön findet, weil dieser im Reiseführer doch viel schöner ausgesehen hatte und das kristallblaue Wasser und der weiße Sand plötzlich nicht mehr gut genug sind.“

Auf margute.com geht es um individuelles Reisen und den positiven Effekt aus ihnen, um minimalistische Sichtweisen und gelegentliche Outdoor-Aktivitäten.

Margute

franziefliegt: Zwischen Planung und Treiben lassen

Auch wenn Franzi durch ihre aktuelle Situation eher zu den flotten Reisenden gehört, nimmt sie sich selbst auf noch so kurzen und vollen Trips kleine Auszeiten, gibt einige Vorhaben auf, lässt ihre To-Do-Liste los. Allen voran beim Essen: Denn da ist sie immer ungeplant, ziellos, und auch langsam. Dieses zur Ruhe kommen braucht Franzi einerseits, um danach schnell und mit Energie weitermachen zu können, andererseits hat es sie auch schon oft zu wunderschönen Momenten und Überraschungen geführt.

„Es kann so gut tun, die To-Do-Liste To-Do-Liste sein zu lassen, nach einem vollgepackten und schnellen Tag einfach nichts mehr machen zu müssen, sich nichts mehr vorzunehmen, sondern stattdessen treiben zu lassen. Manchmal muss man einfach das Tempo reduzieren, das eine oder andere Ziel loslassen.“

Auf Franziefliegt schreibt Franzi seit Sommer 2014 – dem Beginn ihrer Zeit als Au Pair in den USA – über ihre Reisen von New York City bis zu den Niagarafällen, ihrem Pendelleben zwischen den Staaten Connecticut, South Carolina und Washington, aber auch über Filme, Bücher und andere Inspirationen.

Franziefliegt

Wie planst du deine Reisen, und planst du sie überhaupt? Nimmst du dir vor dem Aufbruch viele Dinge vor, und hältst du sie dann auch ein? Was ist deine Meinung zum Reisen ohne To-Do-Listen? Teile sie uns gerne in den Kommentaren mit. Weitere Artikel zum Thema Slow Travel gibt es in den weiteren Artikeln zur Auswertung unserer Blogparade. Darin berichten mehrere Blogger_innen auch davon, weshalb das Reisen mit dem Flugzeug nicht immer das Nonplusultra sein muss – und zeigen ihre Alternativen auf.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

6 thoughts on “Slow Travel: Kann man langsames Reisen planen?”

  1. Kaja says:

    Ein sehr interessanter Artikel mit so unterschiedlichen Ansätzen. Vielen Dank dafür! Ich würde mir auch so gern mehr Zeit beim Reisen nehmen, aber mit 14 Tagen Jahresurlaub muss ich leider immer viel im Voraus planen. Aber bei einem Städtetrip lasse ich mich am liebsten auch einfach treiben.
    Liebe Grüße,
    Kaja

    1. 1 THING TO DO says:

      14 Tage nur? Das ist aber echt knapp bemessen… 😉 Doch glücklicherweise kann man seinen Urlaub ja auch genießen (und ebenso „langsam reisen“), wenn man wenig Zeit hat. 🙂

      Liebe Grüße!

  2. Chris says:

    Hey ihr beiden,

    wow, da ist ja einiges an Beiträgen zusammen gekommen bei eurer Blogparade! Wirklich sehr beeindruckend und kaum möglich diese Vielzahl an Beiträgen alle zu lesen. Ich gebe mir aber Mühe und habe schon viele sehr schöne entdeckt 🙂 Freue mich bereits auf die nächsten Veröffentlichungen.

    Liebe Grüße
    Chris

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke dir! 🙂 Es ist wirklich eine riesige Menge geworden, aber wir hoffen, trotzdem allen Wünschen gerecht zu werden. 🙂

      Liebe Grüße!

  3. Beat Company says:

    Meine Taktik: One Way Tickets.

    1. 1 THING TO DO says:

      Wenn man die Flexibilität hat, ganz sicher eine ausgefuchste Slow-Travel-Taktik! 😉

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