Slow Travel: Muss es immer das Flugzeug sein?

Am Flugzeug scheint im 21. Jahrhundert kein Weg vorbeizuführen, wenn es ums Thema Reisen geht. Die wenigsten jedoch nehmen die Zeit im Flugzeug als Reisezeit wahr: Man fliegt von A nach B, und im Mittelpunkt steht das Ankommen, nicht das Reisen selbst. Muss das sein? Im Rahmen der Auswertung unserer Slow-Travel-Parade stellen wir Alternativen vor – vom Fahrrad über das Segelboot bis zum Ausflug zu Fuß mit einem Aborigine. Geschrieben von John & Marc.

Slow Travel ist Entschleunigung

Im Rahmen unserer Blogparade zum Thema Slow Travel machten sich knapp 40 Blogger_innen Gedanken rund um das langsame Reisen. Langsam wird das Reisen vor allem für all jene, die nicht im Flugzeug zu ihrer Wunschdestination reisen. Gewiss: Das Flugzeug ist ein praktisches Mittel zum Zweck, um möglichst schnell ans Ziel der Träume zu gelangen. Und doch ist die Zeit in diesem Mittel zum Zweck wohl für die wenigsten ein entscheidender Teil der Reise.

Hierfür gibt es Gründe, deren Vielseitigkeit die folgenden Blogger_innen in ihren Beiträgen beleuchten. Egal ob mit dem Kanu auf der Ruhr, auf dem Fahrrad durch die Normandie, im Zug durch Italien oder an Bord eines Segelboots in den weiten Gewässern der Welt: In jedem einzelnen der folgenden Artikel wird deutlich, wie die Wahl bereits des Fortbewegungsmittels unsere eigenen Reisen beeinflussen – und entschleunigen.

Im Sonnenaufgang unterwegs von Sofia nach Skopje: Auch wir von 1 THING TO DO nutzen gerne Verkehrsmittel ohne Turbinen.

Im Bus unterwegs von Sofia nach Skopje: Auch wir von 1 THING TO DO nutzen gerne Verkehrsmittel ohne Turbinen.

WoMolix: Freiheitsgefühle im Wohnmobil

Slow Travel ist für „WoMolix“ und „WoMoline“ ein missverständlicher Begriff. Sie meinen, dass mit Slow Travel nicht unbedingt langsames, sondern „achtsames“ Reisen gemeint ist. Die Geschwindigkeit, mit der man reist, ist ihrer Meinung nach abhängig von der individuellen Disposition der Reisenden und sollte sich ihrer jeweiligen physischen und psychischen Verfassung anpassen.

„Mit einem Wohnmobil lässt sich die Welt recht komfortabel dem eigenen Rhythmus folgend erkunden. So ist die Harmonisierung des Rhythmus von WoMoline und WoMolix die uns bestimmende Abhängigkeit, die wir freiwillig gewählt haben und die wir wollen. Die fremdbestimmten Abhängigkeiten sind, so unsere Erfahrung, bei keiner anderen Reiseform so gering wie beim Reisen mit dem Wohnmobil. Davon ausgenommen sind vielleicht die Hard-Core-Backpacker, aber wir reisen komfortabler.“

Auf WoMolix geht es um das Reisen mit dem Wohnmobil. WoMolix und WoMoline laden dazu ein, Geschichten rund ums Landyachting zu erleben, für beide ein Synonym für Reisefreiheit.

Slow Travel_Womolix

Segeln ist Leben: Ein Slow Sailing Plädoyer

Für unsere Blogparade zum Thema Slow Travel versucht sich Sebastian quasi an einem ganz neuen Begriff der Fortbewegung auf Reisen, dem „Slow Sailing“. Er macht deutlich, dass Geschwindigkeit auf Reisen nicht alles ist. Das betrifft in seinem Falle bereits die Wahl des Segelboots:

„Aktuell mache ich mir mal wieder Gedanken über ein neues Boot. Welches Boot ist passend für die Nordsee? Früher oder später kommt man dabei scheinbar unweigerlich zum Thema Segeleigenschaften. Gemeint ist nicht nur, wie hoch das Boot an den Wind kann, sondern auch schlicht wie schnell es ist. Aber ist das wirklich so wichtig? Für mich nicht. Ich will nicht schnell sein. Es reizt mich nicht am schnellsten irgendwo zu sein. Ich bin gerne auf dem Wasser. Warum also sollte ich so schnell wie möglich in den nächsten Hafen oder den nächsten Ankerplatz wollen?“

„Keep it simple, stupid“ ist das Motto von Sebastians Blog Segeln ist Leben. Aktuell segelt er auf BEA, einem Schlauchsegelboot gebaut Ende der 70er, und zwar ohne Motor oder Motorhalterung.

Slow Travel_Segeln ist Leben

Weltschaukasten: Zugreisen als Zeitgeschenk

Das Reisen im Zug ist nicht nur eine Leidenschaft von Slow Travel „Ikone“ Dan Kieran. Auch Tobias berichtet in seinem Weltschaukasten davon, wie er die Reisezeit im Zug zu genießen weiß. Ob in Frankreich, in Amerika, in Japan – stundenlang im Zug. Ein Zeitfresser? Nein, ein Zeitgeschenk!

„Ich staune. Auf jeder Bahnfahrt. Ich beobachte, wie sich das Land verändert. Bin gefesselt von dem, was da geschieht. Felder, Wälder, Berge, das Meer… Alles hängt zusammen, organisch. Grenzen bleiben bloß Illusion.“

Gedanken, Momente und Erinnerungen aus aller Welt, höchstpersönlich erzählt – das ist der Weltschaukasten von Tobias.

Slow Travel_Weltschaukasten

Radiopelicano: Segeln mit Schlenkern und Schnörkeln

Getreu dem Motto „Umwege erweitern die Ortskenntnis“ von Tucholsky geben Claudia und Jonathan in diesem Artikel einen Einblick in ihr Leben auf einem Segelboot an der Karibikküste Panamas und denken über die ungeplanten Schlenker und Schnörkel in ihrem Reiseverlauf der letzten drei Jahre nach.

„Entschleunigung und intensiveres Entdecken und Lernen von Natur und Kultur anderer Länder war immer unser Ziel. Das geht nur, wenn man länger an Orten verweilt, Freundschaften schliesst, Gespräche führt, einen Blick hinter die Kulissen werfen kann, ein Auge für die Details entwickelt. So manches Mal hat sich ein zunächst enttäuschender Platz als einzigartig herausgestellt und eine vermeintliche Traumkulisse als Touristenfalle. Also schlendern wir weiter und versuchen so gut wie möglich in unsere Umgebung einzutauchen.“

Radiopelicano ist der Blog zu Claudias und Jonathans Leben auf ihrem Segelboot INTI, auf dem beide seit drei Jahren leben und die Welt bereisen.

Slow Travel_Radio Pelicano

Wandernd: Ein Lob der Faulheit 

In „Lob der Faulheit“ geht es um einen Pausentag auf Ilonas Normandie-Radtour auf dem Fahrrad. Ein Puffertag bescherte ihr einen „faulen“ Tag am Meer – einfach in der Sonne liegend und Ebbe und Flut beobachtend.

„Aber das heißt auch: Mehr gibt es hier weder zu tun noch zu sehen außer Ebbe und Flut und das Kommen und Gehen der Kutter. Was machen die Leute hier bloß? Wahrscheinlich dasselbe wie wir: Nichts. Und das ganz bewusst und voller Genuss.“

Obwohl Ilonas Blog „Wandernd“ heißt, ist er kein reiner Wander-Blog. Der Name ist eher im übertragenen Sinne gemeint. Es geht um das Schweifen, das Entdecken und Nomadisieren im Alltag und auf Reisen in nah und fern.

Slow Travel_Wandernd

alleinereisenjetzt: Walkabout mit einem Aborigine 

Marianne hatte bei einer sechsstündigen Trailwanderung mit einem Aborigine, Evan, in den australischen Blue Mountains ein beeindruckendes Erlebnis mit der Natur und bekam so eine neue Sicht auf das Leben. Evan machte mit ihr einen traditionellen Walkabout seines Clans durch den Nationalpark Blue Mountains in der Nähe von Sydney. Eine für sie unglaubliche Erfahrung für alle Sinne und den ganzen Menschen – und ein Eintauchen in eine traditionelle Lebensweise der Aborigines vor Ankunft der Engländer im 18. Jahrhundert.

„Schon durch den langen, dreiwöchigen Aufenhalt hier in Sydney, das AirBnB-Appartment statt Hotel, die Aktivitäten, die ich mit Sydney-sidern zusammen gemacht habe, habe ich viel Neues erfahren und gelernt. Aber definitiv die spirituellste Erfahrung und die tiefgehendste Erfahrung war eine sechsstündige Wanderung mit einem Aborigine, Evan, durch das Gebiet seines Clans in den Blue Mountains.“

Der Blog alleinereisenjetzt beschäftigt sich mit Mariannes Reisen ohne Familie und Freunde. Für sie ist das Reisen alleine ist eine sehr bewusste und intensive Art zu reisen und hat viel mehr von Slow Travel als Reisen mit Reisepartnern, da sie auf den Reisen ausschließlich ihrem eigenen Rhythmus und eigenen Stimmungen folgen kann und viel leichter mit Einheimischen in Kontakt kommt.

Slow Travel_alleinereisenjetzt

Windwellen: Segeln vor der Haustür

Der Artikel beschreibt die Atmosphäre einer sechswöchigen Einhand-Segelreise, die Svenja im Sommer 2015 unternommen hat. Das Seegebiet ihres Törns – die „Dänische Südsee“, der Hauptinsel Fünen vorgelagert – ist sehr klein. Aber doch groß genug, um sich vom Wind mit durchschnittlich elf Kilometer Tagesdistanz umhertreiben zu lassen, Leuten aller Farbschattierungen zu begegnen und das Herz sechs Wochen lang mit Sonne zu fluten.

„248 Seemeilen werden es am Ende. Etwa 450 Kilometer. Ein Pappenstiel – echte Segelhelden absolvieren das in vier Tagen. Oder weniger. 450 durch 40. Ich segele also etwa elf Kilometer am Tag. Langsamer als jeder Fußgänger. Willkommen in meiner kleinen, großen, gemächlichen, Lichtjahre entfernte Welt.“

Windwellen berichtet vom Segeln und Begegnungen am und auf dem Wasser in norddeutschen und dänischen Küstengewässern. Das Gute liegt oft so nah! Deshalb schreiben die Autoren von ihren kleinen Abenteuern und Erlebnissen, die sie direkt vor der Haustür im eigenen Boot Einhand und als Familie erleben dürfen.

Slow Travel_Windwellen

Frei übersetzt: „Senke die Geschwindigkeit – ein kleines bisschen“

larsvegas@cologne: Alleine unterwegs mit dem Kanu

Lars‘ Beitrag zu unserer Blogparade ist der erste von fünf Tagebuch-Artikeln über und während seiner mehrtägigen Solo-Kanutour auf der Ruhr im Frühsommer 2015. Anfangs war sein Vorhaben keine „ungeplante“ Reise. Doch wenn man einmal unterwegs ist, lernt man seiner Meinung nach schnell, dass der Fluss das Tempo bestimmt – und nicht der Reisende selbst! „Sich treiben lassen“ also im besten Wortsinne.

„Ich hatte ursprünglich geplant, mir in diesem Jahr den Ruhr-Radweg vorzunehmen. Ich wollte mich nach Winterberg an der Ruhrquelle bringen lassen, dann auf dem Ruhrtalradweg bis zur Mündung in den Rhein fahren, und von dort auf dem Rheinradweg zurück nach Köln. Bei der Recherche ist mir allerdings aufgefallen, dass die Campingplatzdichte, gerade im oberen Ruhrtal sehr zu wünschen übrig lässt. Was es allerdings in großen Mengen entlang der gesamten Ruhr gibt, sind Kanu-Clubs!“

larsvegas@cologne ist Lars‘ Blog rund um Reisen, Fotografieren, Lesen, Leben – also alles was ihn bewegt und zum Nachdenken bringt. Nicht nur in Köln!

Slow Travel_larsvegascologne

Wie reist du am liebsten? Hast du bereits ähnliche Erfahrungen gemacht wie die vorgestellten Blogger_innen? Welches ist dein liebstes Fortbewegungsmittel auf Reisen? Und gibt es überhaupt etwas einzuwenden gegen das allseits beliebte Flugzeug? Wir freuen uns über deinen Kommentar. Weitere Artikel aus unserer Blogparade findest du in unserer Slow Travel Übersicht.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

10 thoughts on “Slow Travel: Muss es immer das Flugzeug sein?”

  1. miaw2002 says:

    Wenn es sein muss, dann steige ich schon in ein Flugzeug, leide aber leider ein wenig unter Flugangst, weshalb ich, wenn möglich, immer ein alternatives Fortbewegungsmittel nehme. Leider geht das natürlich nicht immer, aber ich habe so schon einige kreative Reiserouten genutzt. Das letzte Mal sind wir mit dem Flugzeug nach Barcelona geflogen und sind dann mit dem TGV über Paris zurück nach München. In Paris haben wir dann auch noch einen 2-tägigen Zwischenstopp eingelegt, den wir nicht gehabt hätten, wenn wir auch wieder zurückgeflogen wären. Vor allem die Strecke Barcelona-Paris fand ich sehr angenehm und es war interessant, aus dem Fenster zu schauen. Der nächste Urlaub auf ähnliche Weise ist schon in meinem Kopf geplant, nur scheint mir die Deutsche Bahn einen Strich durch die Rechnung zu machen. Wir wollten nämlich im September mit dem Nachtzug nach Rom, doch auf dieser Strecke scheint es Probleme zu geben, so dass der Zug im Moment nicht buchbar ist und bei der Bahn auch niemand Auskunft geben kann, ob es sich noch ändern wird. Leider etwas ärgerlich. Zudem wurde angekündigt, dass alle Nachtzüge der DB Ende des Jahres gestrichen werden sollen, was ich als Fan des Nachtzugs sehr sehr schade finde.

  2. Lena says:

    Tolle Ideen und Inspirationen! Leider geht das nicht immer so einfach, z.b wenn man nur eine Woche Urlaub hat, die aber zum Beispiel gerne an einem Ort verbringen möchte, wohin das langsam reisen allein schon eine Woche dauern würde.

    Habe allerdings auch ein schönes Beispiel aus meiner Kindheit: unsere Eltern haben Zelte, meine Schwester und mich im Sommer ins Auto gepackt und dann sind wir drei Wochen durch ein europäisches Land getingelt – ohne vorher zu buchen, und geblieben so lange wir wollten – mal 2, mal 5 Tage und wenn wir keine Lust mehr hatten, einfach Zelt abgebaut und weiter. Habe davon soviel mitgenommen und finde das immer noch eine tolle Art zu reisen.

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir finden ja, dass man man auch an einem halben Tag langsam reisen kann. Es kommt halt drauf an, wie man die Reise angeht. In nur einem Moment kann (!) man wahrscheinlich manchmal mehr über eine Kultur erfahren, als in einer Woche oder länger. Vieles eine Sache der Einstellung…

      Liebe Grüße!

  3. Abenteuer-Reisen says:

    Wir haben uns bei unserer Reise auch gegen das Flugzeug entschieden und sind von Neuseeland 1400 Seemeilen mit einem 100 Jahre alten Dreimast Segelschiff gesegelt… nun ja wenn man das wirklich segeln nennen konnte. Moderne Segelschiffe brauchen für diese Strecke ca. 8 Tage, wir waren über einen Monat auf hoher See. Das war ein Abenteuer welches wir wohl nie vergessen werden. Jedesmal wenn wir jetzt im Flugzeug sitzen denken wir daran zurück, wie einfach und luxuriös dieses fliegen doch ist. Auch wenn Abenteuer dabei auf der Strecke bleiben :-/
    Mehr zu unserem Segelabenteuer gibt es hier: http://www.aroundworld.de/downloads/ebook-alvei/

    Liebe Grüße
    Helena & Tobi

    1. 1 THING TO DO says:

      Hallo ihr beiden! Das ist ja wirklich eine faszinierende Geschichte. Vielleicht habt ihr ja Lust auf ein kurzes Interview hier auf dem Blog? Passt ja super zum Thema Slow Travel. 😉 Liebe Grüße!

      1. Abenteuer-Reisen says:

        Selbstverständlich können wir die ein oder andere Frage beantworten 🙂 Meld dich einfach bei uns!
        Liebe Grüße
        Helena & Tobi

  4. Isabelle says:

    wir waren früher immer mit dem Flugzeug unterwegs. Durch unsere Tochter hat sich das sehr verändert im Laufe der letzten Jahre. Mittlerweile lieben wir die langsamere Fortbewegung. Man sieht so viel mehr…Dinge, die einem sonst entgehen würden. Am liebsten benutzen wir einheimische öffentliche Verkehrsmittel oder Mietfahrräder. Das ist einfach eine richtig tolle Erfahrung. Die Welt ist im Alltag eh so schnell geworden.

    1. 1 THING TO DO says:

      Na wenn das mal kein Slow-Travel-Plädoyer ist… 😉 Und schön zu lesen, wie eure Tochter eure Art des Reisens scheinbar befruchtet hat. 🙂

      Liebe Grüße!

  5. Anonymous says:

    Zum Thema Reisen ohne Flugzeug gibt es einwunderbares Buch von dem ehemaligen und leider viel zu früh verstorbenen Spiegel-Korrespondenten Tiziano Terzani. Es heißt „Fliegen ohne Flügel“, erschienen vor nahezu 20 Jahren bei Goldmann und immer noch hochaktuell.

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke für den Tipp und liebe Grüße!

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