Von Fehmarn ins Mittelmeer: Eine Liebesgeschichte auf hoher See

Ob 1 THING TO DO auch so lange durchhalten wird? Seit knapp 40 Jahren gehen Heinz und Christine gemeinsam auf Reisen. Klar, dass dabei jede Menge besonderer Reisemomente entstehen und sie ihren Platz in unserer Artikelserie gefunden haben. Ihre Fortbewegungsmittel? Hießen „Hans Huckebein“ oder „Mousehoule“. Seit vier Jahren sind die beiden nun aber auf der „Anima mea“ entlang der Küstenlandschaften Europas unterwegs. Geschrieben von Heinz und Christine.

2013 starteten Heinz und Christine ihre Europareise auf der „Anima mea“.

40 Jahre gemeinsame Reisen

Wir, Heinz und Christine, sind ein sehr reiselustiges Ehepaar und teilen nun schon seit 40 Jahren unsere gemeinsamen Reisemomente. Unsere Reiseziele lagen bisher überwiegend in Europa. Wir waren aber auch schon in Mexiko und in den USA. Optimal, wenn der Ort am Meer liegt oder nicht allzu weit davon entfernt ist.

Wir wollen allerdings weniger am Strand liegen als vielmehr das Land von allen Seiten und möglichst intensiv kennenlernen. Unser erster gemeinsamer Urlaub war eine vierwöchige Radtour rund um die gebirgige Insel Korsika, die uns am Ende einen besonderen Reisemoment bescherte: Wir waren sicher, den richtigen Partner fürs Leben gefunden zu haben.

1979: Christine mit dem Fahrrad unterwegs auf Korsika.

Vorliebe fürs kühle Nass

In den folgenden Jahren probierten wir verschiedene Formen des Reisens aus. Ob Campingbus oder Wandertour, ob Zelt oder Luxushotel: Am Ende der zwei bis drei Ferienwochen fanden wir es immer schade, dass der Urlaub zu Ende war. Ausnahme: Organisierte Gruppenreisen. Das haben wir einmal und nie wieder gemacht.

Was wir jedoch von Anfang an machten, war durch Häfen zu gehen und Schiffe gucken. Heinz war nämlich vom Segelvirus befallen und hatte auch Christine bald angesteckt. 1983 starteten wir dann die erste Reise auf eigenem Kiel.

Heinz und Christine: Nach 38 Jahren wieder auf Korsika, hier an der Westküste in Cargèse.

Durch dick und dünn

„Hans Huckebein“ hieß unsere hölzerne Nussschale. Es war ein altes Segelbötchen vom Typ „Folke Junior“ mit ausgeleierten Segeln und Kriechkajüte. Auf dem Weg von der dänischen Insel Langeland nach Marstal auf Aerö hätten wir fast Schiffbruch erlitten. Doch dieser besondere Reisemoment zeigte uns, dass wir schwierige Situationen mit vereinten Kräften in den Griff bekommen konnten.

Abgeschreckt hatte uns dieses Erlebnis überhaupt nicht. Am liebsten wären wir gleich um die Welt gesegelt, doch – rückblickend glücklicherweise – hielten uns die Verpflichtungen des Alltags (Beruf, Baudarlehen, kleine Kinder) von diesen Aussteigerfantasien ab.

Klein, eng und nicht gerade seetüchtig: „Hans Huckebein“.

Die „Anima mea“ entsteht

Aber unsere Sommerferien fanden nur noch auf der Ostsee statt. Sowohl mit dem eigenen Nordischen Folkeboot „Mousehole“ als auch mit diversen Charterschiffen segelten wir nach Dänemark, Schweden und Norwegen.

1993 war „Schluss mit lustig“: Das Folkeboot wurde verkauft, auf Urlaub ab sofort verzichtet. Heinz begann, ein hochseetüchtiges Schiff auszubauen. Während dieser entbehrungsreichen vier Jahre erlaubten wir uns nur einen einzigen Wohnmobil-Urlaub in Portugal!

Die gelbe Kuchenbude auf „Mousehole“ vergrößerte wenigstens im Hafen den Lebensraum.

Planänderung

1997 konnten wir dann endlich mit unserer „Anima mea“ auf Jungfernfahrt in die ostdeutschen Boddengewässer aufbrechen. In den folgenden Jahren machten wir wunderschöne Törns durch Skandinavien. Die Osterferien verbrachten wir vorzugsweise „wandernd“ auf den Kanaren oder auf Madeira, zuletzt jedoch auf Zypern. Wie schade, dass wir damit wohl dem Mittelmeer Ade sagen mussten, denn unser nächstes Ziel hieß Karibik.

Das änderte sich jedoch nach der Biskaya-Überquerung. Christine streikte. Sie wollte nicht wochenlang über den Atlantik rollen! Der „Käptn“ brauchte bis Gibraltar, um das zu verdauen. Doch oben auf dem „Affenfelsen“, rechts auf den Atlantik zurückblickend und links auf das leuchtend blau lockende Mittelmeer schauend, war er mit seinem Schicksal und mit seiner Crew versöhnt. Ein bewegender Reisemoment für uns beide.

Mit der „Anima mea“ starteten Heinz und Christine 2013 von ihrem Heimathafen Großenbroderfähre vor Fehmarn in Richtung Biskaya.

Zwischen Wehmut und Vorfreude

So segelten wir unser schwimmendes Zuhause 2014 durch die Meerenge zwischen den Kontinenten Afrika und Europa in die „Wiege der europäischen Kultur“. Wir sind begeistert von den Landschaften, den Städten und den Menschen im Mittelmeerraum. Kein Tag verging bisher ohne mindestens einen besonderen Reisemoment.

Da ist immer ein bisschen Wehmut, wenn nach dem Ablegen ganz langsam die Küste im Kielwasser verschwindet und später das Kribbeln im Bauch, wenn das „Neuland“ in der Ferne auftaucht. Dazwischen die Ruhe, manchmal aber auch die Anstrengung während der Seereise. Meist erreichen wir unsere angesteuerten Ziele, doch letztendlich bestimmen Wind und Wellen, wohin die Reise geht.

Elba ist nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Insel Italiens.

Von der „Anima mea“ aus können Heinz und Christina bestens verfolgen, wie sich die Küstenlandschaften Europas wandeln, wie hier rund um Elba.

Wiedersehen macht Freude

Segeln ist Reisen mit Überraschungseffekt. Wie Kinder, die ein Geschenk auspacken, lassen wir uns immer wieder von all dem Neuen, das da auf uns zukommt, überraschen, nehmen es an und machen das beste daraus. Von allem und für jeden ist etwas dabei! So wie in der Geschichte „Wiedersehensfreude und ein bisschen Horror“, die sich zwischen Korsika und Elba abspielte.

Und damit sagen wir: Willkommen an Bord! Unsere Reiseroute mit der „Anima mea“ seit 2013 kannst du auf folgender Karte nachempfinden. Und auf unserem Blog laden wir dich ein, zusammen mit unser durchs Mittelmeer zu schippern.

Als reisende Segler sind Heinz und Christine waschechte Slow Traveller. Welche Fortbewegungsmittel zum langsamen Reisen außerdem prädestiniert sind, haben uns zahlreiche Reiseblogger im Rahmen unserer Blogparade zum Thema Slow Travel verraten. Du hast Lust, auch eine deiner Reisegeschichten auf 1 THING TO DO zu erzählen? Auf unserer Übersichtsseite zur Aktion Reisemomente findest du alle Infos, wie das funktioniert.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

One thought on “Von Fehmarn ins Mittelmeer: Eine Liebesgeschichte auf hoher See”

  1. Steffi says:

    Ja, Wehmut beim Abschiednehmen kennen wir auch – besonders von den Freunden, die wir unterwegs treffen. Heinz und Christine, mit denen wir zeitlgeich auf der Biskaya waren, bleiben uns in Erinnerung. Bei uns ging es nach Westen. Immer noch in Verbindung mit den beiden freuen wir uns auf ein Wiedersehen. Wo? Werden wir sehen.
    Schön hier mal die ganze Geschichte von euch zu lesen!
    Liebe Grüße
    Steffi

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