Mut zur Hässlichkeit: Die unansehnlichen Seiten des Reisens

Reiselust! Die Flüge sind gebucht, die Unterkünfte reserviert und schon stürzen sich viele in die Recherche, was am Reiseziel der Wahl entdeckt werden will. Hässliche Bilder vom Ort der Alltagsflucht? Will doch keiner sehen! Reiseführer machen aus jeder Destination ein Paradies, Reiseblogger stellen ihre besten Bilder zur Schau. Wir schließen uns davon gar nicht aus, und doch wagen wir einen Blick auf die Schattenseiten unserer bisherigen Reiseziele. Geschrieben von John & Marc.

Hinweis: Bewege die Pfeile nach links und rechts, um die zwei Schnappschüsse miteinander vergleichen zu können.

Amsterdam, Niederlande

Schmale Backsteinhäuser, verwinkelte Grachten, der Bloemenmarkt und eine Käseprobe im Cheese Museum: Wohl kaum eine andere Stadt Europas bestätigt auf den ersten Blick so viele Vorurteile wie Amsterdam. Wir persönlich waren beinahe froh, als wir in der niederländischen Hauptstadt am IJ ein wenig Hässlichkeit entdeckten.

Mehr dazu in unserem Amsterdam Reisebericht

Masada, Israel

Auch wir sind nicht gefeit davor, uns von schönen Bildern im Internet verführen zu lassen. Ein Paradebeispiel hierfür ist Masada: Einmal die Sonne über dem Toten Meer aufgehen sehen! Welch romantische Vorstellung. An Ort und Stelle jedoch war jegliche Romantik wie weggeblasen. Hunderte amerikanische Touristen zerstörten jede Sinnlichkeit mit ihren Selfie-Eskapaden. Für uns hieß es daher: Kopfhörer rein, Musik hören und die Idiotie ausblenden.

Skopje, Mazedonien

Die mazedonische Kapitale bezeichneten wir auf 1 THING TO DO als Disneyland des Balkans. Denn entlang des Vardars wurde in den letzten Jahren eine mazedonische Geschichte konstruiert, die bis zu Alexander dem Großen – in Form eines überdimensionalen, kitschigen Springbrunnens – zurückreicht. Ein Blick in die andere Richtung des Ufers zeigt dagegen ein ziemlich trostloses Bild des Zentrums von Skopje.

Mehr dazu in unserem Skopje Reisebericht

Budapest, Ungarn

Glanz und Gloria versprüht die Fußgängerzone rund um die Zrínyi utca im Budapester Stadtzentrum, an deren Ostende die prächtige St.-Stephans-Basilika thront. 500 Meter weiter wird die Idylle vom Dröhnen der Autos auf der Rákóczi útca abrupt beendet, an der einige Fassade wenig glorreich vor sich hin bröckeln.

Mehr dazu in unserem Budapest Reisebericht

Belgrad, Serbien

Dass Hässlichkeit auch ihren Charme hat, dafür ist Belgrad zumindest unserer Meinung nach ein Paradebeispiel. Der im Stil des Brutalismus erbaute Genex-Turm in Novi Beograd faszinierte uns brachial, im Stadtzentrum trifft sozialistische Architektur auf Bohème-Ambiente. Und dann gibt es natürlich noch die größte Kirche Südosteuropas: Der Dom des Heiligen Sava zeigt seine Pracht besonders im Abendlicht. Nur stellt sich im Inneren heraus, dass noch einige Jahrzehnte vergehen werden, bis das Gotteshaus vollendet ist.

Mehr dazu in unserem Belgrad Reisebericht

Hohe Tatra, Polen/Slowakei

Wetterumschwünge sind der Feind der Wanderfreunde dieser Welt. Während die dunklen Wolken zunächst noch für dramatische Schnappschüsse sorgen, machen Unwetter in luftiger Höhe jede Wanderung zum Albtraum. In der Hohen Tatra ging es für uns glimpflich aus, doch einmal in den Wolken angekommen, war an Gebirgspanoramen nicht mehr zu denken.

Mehr dazu in unserem Bericht zum Wandern in der Hohen Tatra

Odessa, Ukraine

Die sogenannte Perle am Schwarzen Meer lässt vermuten, dass sie eines Tages mal so richtig perlenhaft war. Heute jedoch bröckelt es im Stadtzentrum an allen Enden, als wäre der Begriff „morbider Charme“ in Odessa überhaupt erst erfunden wurden. Besonders deutlich wird dies nach einem Bummel durch die protzige Odessa-Passage, nach dem man wenige Meter weiter auf Balkone trifft, unter denen du ganz spontan einen Umweg einlegen möchtest.

Mehr dazu in unserem Odessa Reisebericht

Bar, Montenegro

Einige unserer liebsten Motive auf unserem Balkan-Trip 2016 entstanden an der montenegrinischen Adriaküste, wo sich der Himmel über dem Städtchen Bar im Sonnenuntergang in ein knalliges Orange färbte. Dabei wird das Postkartenbild nicht mal vom ungemütlichen Kieselstrand getrübt. Wenn du nun aber denkst, dass Bar ein Urlauberstädtchen wie aus dem Bilderbuch ist, dann solltest du dich einmal im Ortskern umschauen.

Tel Aviv, Israel

Der Strand von Tel Aviv ist längst eine Legende. Kilometerweit zieht sich der Sandstrand entlang des Mittelmeers, und an so manchem lauen Sommerabend entwickelt sich die Promenade der israelischen Metropole zu einem Zentrum des Nachtlebens. Während die Skyline der Wolkenkratzer am Ufer aus der Ferne imposant wirkt, entpuppt sich so manches Hochhaus aus der Nähe jedoch zu einem architektonischen Monster.

Mehr dazu in unserem Tel Aviv Reisebericht

Kotor, Montenegro

Selbst unsere montenegrinische Lieblingsstadt Kotor zeigt sich bei Ankunft am Busbahnhof von ihrer – glücklicherweise wohl einzigen – hässlichen Seite. Verfallene Gebäude säumen die Straße in Richtung des historischen Zentrums, auf der sich Tag für Tag wild hupend Autos im Stau drängeln. Davon bekommst du jedoch rein gar nichts mehr mit, wenn du die rund 1.300 Treppenstufen der Festungsanlage hinter dir hast und den Ausblick auf die malerische Bucht von Kotor genießt.

Krakau, Polen

Zu guter Letzt schafft es sogar eines unserer 1 THING TO DOs in diese Auflistung schrecklich-schöner Reiseziele. Ein Bad im kristallklaren Wasser des Zakrzówek bleibt unvergessen, doch wenn du dich dem einstigen Steinbruch näherst, wirst du dich wohl zunächst fragen, wo dieses türkisblaue Paradies unweit der Altstadt eigentlich stecken soll. Bis du an den Steilklippen stehst und es kaum erwarten kannst, den Sprung ins kühle Nass zu wagen.

Mehr dazu in unserem Krakau Reisebericht

Update: Fotoparade #hässlichschön

Da die Gegenüberstellung der hässlichen und schönen Seiten einiger Reiseziele bei unseren Leserinnen und Lesern so ausgezeichnet ankommt, rufen wir vor diesem Hintergrund zu unserer ersten Fotoparade unter dem Stichwort #hässlichschön auf. So nimmst du teil:

  • Schicke uns sowohl das schönste als auch das hässlichste – von dir aufgenommene! – Foto eines Reiseziels deiner Wahl an kontakt [at] 1thingtodo.de.
  • Alle Einsendungen stellen wir Anfang Juli in einem Artikel auf 1 THING TO DO vor. Deine beiden Fotos werden wir wie in diesem Artikel gegenüberstellen und natürlich auf deinen Blog verlinken. Allerdings kannst du auch ohne Blog teilnehmen.
  • Einsendeschluss ist der 4. Juli 2017.
  • Alternativ kannst du auch einfach auf Instagram teilnehmen, indem du dein(e) Bild(er) mit dem Hashtag #hässlichschön versiehst und uns am besten mit @1thingtodo verlinkst. Eine Idee wäre, die zwei jeweiligen Bilder in einem Instagram-Carousel zu posten. Die besten Beiträge bauen wir ebenfalls in unserer Auswertung zur Fotoparade ein.

Wir freuen uns auf rege Teilnahme!

Die Moral von der Geschicht‘? Die Kategorien „schön“ und „hässlich“ sollte es unserer Meinung nach auf Reisen nicht geben, denn am Ende lebt die Schönheit von der Hässlichkeit, wie die Hässlichkeit von der Schönheit lebt. Mal ganz davon zu schweigen, dass für den einen hässlich ist, was für den anderen schön ist. Und manches, das fast schon objektiv hässlich ist, seine ganz eigene Schönheit ausstrahlen. Hast du ein paar Beispiele von deinen Reisen parat, die unsere Sammlung ergänzen? Dann freuen wir uns auf deinen Kommentar!

Reisen um zu reisen!
John & Marc

15 thoughts on “Mut zur Hässlichkeit: Die unansehnlichen Seiten des Reisens”

  1. martin says:

    hab ich auch noch was… hässliches und schönes Uruguay,, http://www.uruguay-erleben.de/uruguay-fotos-meine-schoensten-aufnahmen/

    1. 1 THING TO DO says:

      Erst mal sorry für die späte Rückmeldung! 😉

      Du meinst die Straßenmotive, richtig? Die könnten wir mit aufnehmen, aber es wäre schön, wenn wir die Bilder noch in einer Breite von mindestens 940px bekommen könnten. Wenn du die Dateien vorliegen hast, dann einfach an kontakt (at) 1thingtodo.de schicken. Merci! 🙂

      Liebe Grüße
      John & Marc

  2. Jacqui I Weltgefühle says:

    Hi ihr beiden, habe herzlich bei dem Artikel gelacht! Ist es nicht erstaunlich, wie unterschiedlich Orte aussehen können und wie Reisebilder im Internet einen manchmal trügen? Mir ging es auch sehr, sehr oft so, darum werde ich auch mit einem Bild an der Fotoparade teilnehmen. Solche Momente enttäuschen mich zwar nicht, sind aber trotzdem manchmal noch echt überraschend. Aber auch das gehört zum Reisen dazu, oder nicht? Liebe Grüsse, Jacqui P.S. Finde eure ungewöhnlichen Reiseziele genial! Da steht auch noch einiges auf meiner Liste.

  3. Nat Worldwild says:

    Was für eine geniale Idee! Mal was anderes, das gefällt mir. Ich kann mich nicht davon freisprechen hauptsächlich die schönen Dinge beim Fotografieren zu beachten, aber oftmals versuche ich auch beide Seiten eines Ortes einzufangen. Tallinn war zuletzt ein solches Beispiel. Ein großer Kontrast zwischen den schmucken, bunten Häuschen in der Altstadt versus den grau in grau gehaltenen Sowjet-Bauten außerhalb des Altstadtrings. Schön ist anders, aber auch das gehörte irgendwie dazu. Kontraste machen es doch irgendwie auch spannend, finde ich. 🙂
    (https://natworldwild.com/2017/01/22/tallinn/ )

    Nach weiteren Bildern werde ich mal in meinen Archiven suchen. 🙂

    Liebe Grüße und danke für die tolle Idee.
    Nathalie

  4. mira unterwegs says:

    „…denn am Ende lebt die Schönheit von der Hässlichkeit, wie die Hässlichkeit von der Schönheit lebt“ – genau so ist es. Und das gilt für vieles im Leben: ohne nah kein fern und ohne traurig kein glücklich.

    1. 1 THING TO DO says:

      Schön zusammengefasst. 🙂

      Liebe Grüße!

  5. Steffi says:

    Hallo John und Mark,
    ja mit Fotos kann man wunderschön lügen! Je nach Perspektive sieht es geil aus oder eben nicht. Hab da auch ein paar Beispiee. Jedenfalls toll umgesetzt!
    Liebe Grüße
    Steffi
    PS: Schaut nochmal, wo Odessa liegt!

    1. 1 THING TO DO says:

      Ach Gott… jetzt haben wir Odessa schon so oft „verperlt“, dass uns das gar nicht mehr auffiel. 😀 Danke dir und liebe Grüße!

  6. Mel says:

    Sehr schön umgesetzt. Oft fotografiert man es nicht, weil man ja auch nur Schönes zeigen will, aber wir haben das bei unserem Amsterdam-Trip auch Mal festgehalten und zeigen es gerne allen 😉
    https://www.kindimgepaeck.de/2017/05/06/amsterdam-zwischen-fotomotiven-und-m%C3%BCllbergen/

    1. 1 THING TO DO says:

      Na das passt doch… und das im Grachtengürtel! Fiel uns persönlich vor Ort nicht auf, aber es war auch im Winter. Danke dir!

  7. Sicht-Weise says:

    Geniale Idee! Meistens fotografiert man tatsächlich die schönsten Motive. An den hässlichen geht man vorbei, wundert sich und das wars. Aber auch sie haben es verdient abgelichtet und beachtet zu werden.

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke dir! Uns geht es ähnlich, aber manchmal haben wir so einen seltsamen Geschmack, dass auch das Hässlich-schöne vor die Linse kommt… 😉

  8. Horst says:

    Servus John & Marc!

    Witzige Idee – vor allem super umgesetzt mit der Gegenüberstellung!
    Beispiel habe ich selber im Moment keines zur Hand, weil ich bisher das (für mich) Hässliche nicht abgelichtet habe. Aber vielleicht ja beim nächsten Urlaub 🙂 .

    Have fun
    Horst

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke, lieber Horst! Wir sind uns sicher, dass auch dabei tolle Fotos entstehen würden. 🙂 Liebe Grüße

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