Pferdekutsche voraus: Unterwegs auf den Straßen Rumäniens

Vor Kurzem berichteten uns drei Reisebloggerinnen von ihrem persönlichen Balkan Roadtrip. Ein Abenteuer auf den Straßen Rumäniens von puriy unterwegs rundet unsere virtuelle Balkan-Reise auf vier Rädern ab, bevor wir selbst von dem einen oder anderen 1 THING TO DO aus dem Land im Südosten Europas berichten. Ein Gastartikel von Madlen.

Rumänien Straßen

Reisebloggerin Madlen von puriy unterwegs berichtet von ihren Roadtrip-Erfahrungen auf den Straßen Rumäniens.

Roadtrip Rumänien: Die Route

Ende August bzw. Anfang September 2011 fuhren wir zu zweit für zehn Tage durch Rumänien. Freunde hatten uns mehrfach davon vorgeschwärmt und meinten, es gäbe noch so viele ursprüngliche Orte zu entdecken und Rumänien sei ein wunderbarer Ort für Naturliebhaber. Zunächst steuerten wir von Bukarest aus die Karpatenregion und Siebenbürgen an, um dann gen Osten zu reisen, wo wir noch ein paar Tage Entspannung im Donaudelta genossen.

Halsbrecherische Überholmanöver

Schon am zweiten Tag unserer Reise holen wir den Mietwagen ab und begeben uns auf das gefährliche Terrain der Landstraßen. Ziel ist Sinaia mit dem wohl schönsten Schloss des Landes, Peleș. Die Schnellstraße dient nicht nur Autos zum zügigen Fahrstil – sondern auch Pferdekutschen und diversen Radfahrern.

Leider merken wir hier schon wie halsbrecherisch die Überholmanöver sind. Und immer wieder passieren wir Stände mit Melonen, Auberginen, Pfirsichen, die manchmal gleich aus dem geöffneten Kofferraum heraus verkauft werden.

Südwestlich der Karpaten befindet sich das zwischen 1873 und 1883 erbaute Schloss Peleș. Credits: puriy unterwegs

Auf Draculas Spuren

Am nächsten Tag brechen wir morgens Richtung Brașov auf. Hochhaussiedlungen inmitten einer öden Ebene umringt von diversen Raffinerien. Einfachste Fördertürme umranden die E60. Doch wir lassen zunächst die Stadt noch links liegen und schauen uns nur die Kirchenburg Prejmer in der Nähe an. Die Altstadt von Brașov heben wir uns für den nächsten Tag auf.

Dann fahren wir nach Râșnov, wo wir der Bauernburg auf dem Hügel einen Besuch abstatten, bevor wir nach Bran weiterfahren. Eine der sieben sächsischen Burgen, nach denen das Gebiet Siebenbürgen benannt wurde, finden wir hier. Die Törzburg, das Schloss Bran, muss immer wieder als Dracula-Schloss herhalten. Doch Vlad III. Drăculea soll hier nie gewesen sein.

Die Bauernburg wurde im 14. Jahrhundert auf einen Kalkfelsen über Râșnov erbaut. Credits: puriy unterwegs

Unterwegs in den Gässchen der Bauernburg. Credits: puriy unterwegs

Vorbei an Pferdekutschen

In dem nahen Moieciu de Sus übernachten wir, um dann am nächsten Tag mit Stopp in Brașov in Richtung Sighișoara aufzubrechen. Schäßburg, wie Sighișoara auf Deutsch heißt, hat ein wunderschönes historisches Altstadtzentrum und auch Dracula soll hier mit im Spiel sein.

Das nächste Ziel unseres Roadtrips ist Sibiu. Auf dem Weg schauen wir uns noch die verschlafene Kirchenburg Biertans an. Der Straßenverkehr wird zwischen Seica Amre und Rusi immer illustrer, denn Pferdekutschen mit Ziegen und Schweinen und ganzen Familien beladen bestimmen das Bild an diesem Sonntagmorgen. So manch einen modernen Rumänen bringt dies schnell aus der Ruhe, sodass Überholmanöver wieder ganz auf die riskante rumänische Art bewältigt werden.

Rumänien Straßen

Verkehrsteilnehmer auf den Straßen um Biertan. Credits: puriy unterwegs

Die Piața Mare ist das Herz von Sibiu und zu jeder Tageszeit gut besucht. Credits: puriy unterwegs

Auf Schlängellinien in die Karpaten

Wir sind in kürzester Zeit schon zu sehr von Altstädten und Burgen verwöhnt, dass wir das Gute nicht mehr zu schätzen wissen, als wir Sibiu erreichen. Von all unseren bisherigen Stationen ist Hermannstadt rückblickend die Verzichtbarste. Zu gewöhnlich empfinde ich die Stadt.

Unser deutschsprachiger Gastgeber empfiehlt uns eine interessante Strecke über die Karpaten auf dem Weg gen Osten, und die nehmen wir am nächsten Tag. Immer am Olt entlang fahren wir über Pitești und Bukarest Richtung Schwarzes Meer. Nach Hinterherschleichen hinter LKWs und Bussen auf der zweispurigen Straße, die sich durch die Karpaten windet, erreichen wir hinter Pitești dann endlich das erste Mal die rumänische Autobahn.

Zwischen Bukarest und Constanța passiert man die mittlerweile stillgelegte Anghel-Saligny-Eisenbahnbrücke. Credits: puriy unterwegs

Chaos bei Bukarest

Für Rumänen scheinen die Vorzüge von Autobahnen noch nicht ganz ersichtlich zu sein. Auf Landstraßen rasen und überholen sie halsbrecherisch, trotz Verbotsschild, durchgezogene Mittellinie oder Gegenverkehr, auf der Autobahn schleichen sie. Und dann passiert es, wir erkennen nicht die letzte Abfahrt vor București und sind gleich mittendrin – und das nicht nur in der Stadt, sondern auch im städtischen Stau und das ohne Umkehrmöglichkeit. Die Ausschilderung auf der Autobahn ist gelinde gesagt sehr mau.

Da gab es kein Schild, was uns hätte vor dem drohenden Chaos warnen können, denn wir wollten doch unbedingt diesen Landstraßenring südlich um die Hauptstadt nehmen. Nichts da, in Rumänien geht alles gern mittendurch. Und dann hat uns der übermotivierte Reiseführerautor doch tatsächlich eine ganz saubere Autobahn von Bukarest bis nach Constanța eingezeichnet. Keine Autobahn im Bau oder so. Doch das letzte, was wir von der Autobahn noch sehen, ist die Brücke über die Donau bei Cernavodă. Dann tut sich vor uns ein Hügel auf. Sackgasse, bitte hier abfahren, das ist das Zeichen dieses Hügels, der das kurze Autobahnstück beendet.

Auf dem Weg in Richtung Schwarzes Meer gilt es im Auto die Donau zu überqueren. Credits: puriy unterwegs

Zauberhaftes Donaudelta

Wir erleben am Abend an unserem Tagesziel die Tristesse von der europäischen Außengrenze – Tulcea ist sicherlich kein optisches Highlight. Aber wir wollen ja auch weiterreisen – ins Donaudelta, nach Sf. Gheorghe. Doch der Weg dahin ist steinig, zumindest wenn keine Boote fahren. Endlose Strände und Europas größtes zusammenhängendes Schilfgebiet erwarten uns schließlich dann doch noch dort. Es zählt definitiv mit zu meinen rumänischen Highlights.

Auf dem Rückweg nach Bukarest legen wir einen Stopp in Constanța ein. Dieser Ort war wohl der Traum vieler Ostbürger, so wie Burgas und Varna in Bulgarien – Hauptsache Schwarzes Meer anstatt Ostsee. Dass die Ostsee durchaus Schöneres zu bieten hatte, sagte den armen Bürgern niemand.

Sfântu Gheorghe liegt im äußersten Nordosten Rumäniens im dortigen Donaudelta. Credits: puriy unterwegs

Fischer im Donaudelta: In Rumänien mündet der zweitlängste Fluss Europa nach 2.857 Kilometern ins Schwarze Meer. Credits: puriy unterwegs

Klischees am Schwarzen Meer

Und auch Klischees wurden auf dieser Reise bestens bedient. Jede Menge Flyer zu Erotical Massage und weitergehenden Services gehören in Rumänien zum Alltag wie Berlin und Currywurst. Miniröcke und Highheels unterstreichen noch jegliche männliche Phantasie.

Und so findet man dann, wenn man ein Auto bei einer seriösen Agentur wie Budget mietet, als Willkommensgeschenk Visitenkarten und Flyer mit heißen Bräuten auf dem Lenkrad. Des Weiteren geht man in ein vermeintlich seriöses Hotel in Bukarest, liegen im Aufsteller neben der Rezeption zahlreiche Flyer und sogar Rabattcoupons zu jeglichen Sexdienstleistungen bereit. Es sei erwähnt, für die Dame ist hier leider nichts dabei.

Ungewollte Willkommensgeschenke in Constanța.

Mehr aus Rumänien liest du in den folgenden Wochen auf 1 THING TO DO. Wie Madlen berichten auch wir aus den transsilvanischen Städten Sibiu und Brașov. Beiderorts brachen wir zu Wanderungen durch die grünen Landschaften von Siebenbürgen auf, die unterschiedlicher nicht hätten verlaufen können. Den Auftakt macht jedoch die rumänische Kapitale Bukarest, die in uns allerlei ungeklärte Fragezeichen hinterließ.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

3 thoughts on “Pferdekutsche voraus: Unterwegs auf den Straßen Rumäniens”

  1. Heidrun says:

    Rumänien! Wie schön. Habe in Bukarest 2 Jahre gearbeitet und bin viel durch’s Land gereist. Die Bilder gefallen mir. Sie frischen meine Erinnerung wieder auf. LG Heidrun

  2. Christina says:

    Auf Rumänien hätte ich gerade wegen „Burg Dracula“ auch mal richtig Lust 🙂

    1. 1 THING TO DO says:

      Rumänien und vor allem die Karpatenregionen können wir generell empfehlen – auch für eine längere Reise. Wir hatten leider nur etwas mehr als eine Woche vor Ort und mussten zum Beispiel die Burgen daher auslassen, dafür haben wir uns mehr auf die Natur und ein paar Städte fokussiert. Aber so findet wenigstens jeder etwas für seinen Geschmack – und man kann ja wiederkommen… 🙂

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