Rügen Reisebericht: Frischzellenkur für Großstadtkinder

Sehnsucht Ostsee! Wer zwischen Erzgebirge und Uckermark geboren wurde, den zieht es Jahr für Jahr wohl mindestens einmal in Richtung Ostsee. Deutschlands größte Insel, Rügen, verwandelt sich so in den Sommermonaten gerne mal in einen großen Freizeitpark. Unser Rügen Reisebericht verspricht zwischen Tagesausflügen und vollen Sardinenstränden ein Stelldichein mit dem wahren Herzen der deutschen Ostseeküste. Geschrieben von Marc.

Rügen Reisebericht

Rügen Reisebericht: Unterwegs rund ums Kap Arkona.

Berliner Schlaraffenland

In Berlin haben wir eigentlich alles, was man als Mittzwanziger so braucht: Ein quirlig-versifftes Leben im Kiez, eine quälende Auswahl an Clubs jeglicher Genres, einen Späti an jeder noch so abgelegenen Ecke, und wenn die allsommerlichen Hitzewellen die Stadt ins Schwitzen bringen natürlich jede Menge Seen und Badestellen. Ein paar davon sind sogar beschaulich und wenig überlaufen, werden aber aus gutem Grund an dieser Stelle nicht genannt. Hau ab, duuuu…!

Berlin ist zudem bestens gelegen: Wer eine Auszeit vom Großstadtgetümmel braucht, fährt für ein Wochenende raus in Deutschlands größten Abandoned Place, bekannt auch als Brandenburg. Wer kein Geld mehr auf dem Konto hat, düst schnell nach Polen, um Zigaretten zu kaufen (dabei ist es übrigens wurscht, ob man die Ersparnisse direkt wieder an der Tanke los wird). Und wessen versteckte Badeecke am See trotz größter Geheimniskrämerei doch noch eines Tages entdeckt werden sollte, der fährt ans große Wasser im Norden. An die Ostsee!

Rügen Reisebericht

Typisch Ostseebad: Die Seebrücke in Binz führt 370 Meter „hinein“ in die Ostsee. Die Aussicht – unbezahlbar!

Rügen Reisebericht: Binzer Bilderbuch

Für John und mich geht es diesen Sommer wieder für ein Wochenende nach Usedom. Persönlich habe ich mich jedoch in Usedoms Nachbarinsel Rügen verliebt, ihrerseits die größte Insel Deutschlands. Bereits viermal verbrachte ich sonnige Tage zwischen Stralsund und Kap Arkona. Das Wetter auf dem knapp 1.000 Quadratkilometer großen Eiland scheint mir wohlgesonnen. Besser is.

Die meiste Zeit verbrachte ich bislang im Inselosten, vor allem in Binz und Umgebung. Binz ist ein Ostseebad wie aus dem Bilderbuch: Prachtvolle Kurhäuser säumen den langen Sandstrand, der in den Sommerferien eher jaulender Kinderspielplatz als stille Erholungsstätte ist. Eine 370 Meter lange Seebrücke lädt zum romantischen Schlendern ein, allen voran natürlich für lang verheiratete Ehepaare, die ihre Liebe hier in der lauen Ostseeluft auffrischen.

Ruegen_Binz_Sonnenuntergang_1 THING TO DO

Das Ostseebad Binz im Sonnenuntergang: Am Abend lichtet sich der Strand und lädt zu einem abendlichen Picknick.

Is‘ ja och scheen hier uff Rüjen!

Im Gegensatz zu Berlin gibt es in Binz keine Spätis, kein Sisyphos. Am langen Sandstrand findet Richtung Norden jedoch wohl jeder sein stilles Badeörtchen, und die Umgebung von Binz lädt mindestens genauso zu abwechslungsreichen Ausflügen, wie die deutsche Hauptstadt: Ein gewaltiges bisschen Naziarchitektur in Prora, das beschauliche Jagdschloss Granitz und natürlich der überaus berühmte Nationalpark Jasmund samt der imposanten Kreiseküste füllen schnell das Reiseprogramm jedes Ottonormalurlaubers, der an dieser Stelle gar nicht diskreditiert werden soll: Is‘ ja och scheen hier uff Rüjen!

Da trübt es kaum die Stimmung, dass man auf dem Weg zum Kieselstrand am Königsstuhl zunächst 412 Treppenstufen nach unten absolvieren muss – und diese nach getaner Arbeit natürlich auch wieder aufsteigen muss. Schon viermal hatte ich dieses Vergnügen und werde eines Tages sicherlich wieder pure Freude daran haben. Zu schön ist es, die Aussicht auf die weite Ostsee vom einem Felsen am Strand aus zu genießen – und wer weiß schon, wie lange uns die Kreidefelsen noch erhalten bleiben.

Ruegen_Kreisefelsen_1 THING TO DO

Die Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund gehören zu den Wahrzeichen Rügens. Was viele nicht wissen: Die Naturschönheit ist in Gefahr.

Langeweile? Fehlanzeige!

Ein bisschen Verstecken spielen im Weizenfeld vor Kap Arkona, ein bisschen Saunafeeling im Sassnitzer Schmetterlingspark, eine Fahrt mit dem ewig tutenden Rasenden Roland. Ein Fischbrötchen am Strand, ein Besuch in Karls Erdbeerdorf – ein bisschen verwandelt sich Rügen im Sommer in eine Art Freizeitpark. Ob das jedem Einheimischen ebenso ein Lächeln auf die Lippen zaubert?

Du siehst: Langweilig wird dir auf Rügen garantiert nicht, und dabei habe ich gerade einmal vom Inselosten berichtet. Doch genau in dieser Antilangeweile liegt wohl auch der Grund, weshalb ich mein 1 THING TO DO genau an jenem bestimmten Ort entdeckt habe. An jenem Ort nämlich, an dem ich nach Ausflügen über Ausflügen bisher noch immer genügend Zeit zum Innehalten und Seele baumeln lassen gefunden habe. Am Sandstrand von Glowe.

Kap Arkona_Leuchtturm_1 THING TO DO

Und das nächste Wahrzeichen: Zum Kap Arkona, hier zu sehen der 23 Meter hohe Peilturm pilgern Jahr für Jahr rund 800.000 Urlauber. Übrigens: Diese nördlichste Spitze Rügens ist in Wahrheit übrigens gar nicht die nördlichste Spitze Rügens.

Sehnsucht Ostsee

Mein 1 THING TO DO für Rügen kenne ich bisher nur im Lichte der einsetzenden Abenddämmerung – schließlich hielt ich hier stets nach getaner Urlauberarbeit Einkehr. Ich wanderte über die mit Strandhafer gesäumten Dünen in Richtung Ostsee, den Horizont fest im Blick. Ich breitete mein Strandtuch aus, fühlte barfuß den warmen Sand zwischen meinen Zehenspitzen knistern.

Der Himmel langsam rosafarben, schritt ich gemächlich in Richtung der sanften Wellenbrandung. Gemächlich und doch bestimmt, das verrieten mir im Nachhinein meine hastigen Fußstapfen im Sand. Scheinbar konnten sie es kaum erwarten, im Wasser zu verschwinden. Die Seebrise umsäuselt meine Nase, ich atme reine Meereszauberluft. Ostsee, so gefällst du mir am besten!

Ostsee, hier gibst du mir das, wonach ich in Berlin vergebens suche.

Ruegen_Sandstrand Glowe_1 THING TO DO

Die tief stehende Sonne malt Schatten in den Sand am Strand von Glowe.

Ruegen_Glowe_Sonnenuntergang_1 THING TO DO

Unser 1 THING TO DO für Rügen ist es, den Urlaubstag am Sandstrand von Glowe ausklingen zu lassen – farbige Himmelsspiele zum Sonnenuntergang inklusive!

In Kürze: Unser 1 THING TO DO für Rügen

Was? Den Urlaubstag nach einem Ausflug am weiten Sandstrand von Glowe im Nordosten von Rügen ausklingen lassen.
Wo? Glowe befindet sich am Tromper Wiek zwischen Kap Arkona und Nationalpark Jasmund und liegt damit perfekt für alle jene, die nach einem Tagesausflug nach ebenda am Abend Entspannung suchen.
Wie viel? Spritkosten! Sonst nüscht.
Wozu? Um in aller Stille die Sehnsucht Ostsee zu stillen.

Übrigens: In unserem Projekt GO EAST! nehmen wir dich mit auf eine Reise durch Ostdeutschland und zeigen dabei die bekannten wie auch unbekannten Reiseziele „im Osten“. Schon entdeckt?

Reisen um zu reisen!
John & Marc

5 thoughts on “Rügen Reisebericht: Frischzellenkur für Großstadtkinder”

  1. atroksia says:

    Hach ja dort bin ich auch immer wieder gerne 🙂

    1. 1 THING TO DO says:

      Wir würden gerne sofort wieder hin. 😀

  2. berlienchen says:

    Das war eine kleine Reise in meine Vergangenheit… Ich hab drei Jahre auf Rügen meine Ausbildung gemacht und auch so manchen Sommerabend am Strand (natürlich nur lernend 🙂 ) verbracht. (Auf Usedom habe ich bis 2000 gewohnt 🙂 ) Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass nicht alle Einheimischen es begrüßen, wenn die Insel so voll ist. Als Nordlicht schätzt man die Ruhe und bisweilen auch Einsamkeit. Die gibt es zur Saison allerdings nicht überall. Rügen hat wirklich schöne Ecken und es wird nicht nur ein Wochenende reichen sie alle zu entdecken. Aber ihr habt einen schönen Kurzüberblick gegeben.
    Ich bin gespannt, was ihr weiter bereisen werdet und ob vielleicht auch ein Ziel für uns dabei ist.

    Liebe Grüße Berlienchen

  3. Saskia says:

    Das klingt nach einem spannenden Projekt. Der Osten hält (neben einigen wenigen überlaufenen Regionen) so viele Naturschätze bereit, da bin ich sehr gespannt, welche für mich neuen Ecken ihr hier vorstellen werdet. Viele Grüße, Saskia

    1. 1 THING TO DO says:

      Da wir nicht alles alleine entdecken können, setzen wir auch auf die Zusammenarbeit mit anderen Bloggern. Ihr bekommt ne Mail. 🙂

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