Rom: Auf einen Deckel Kaffee in der ewigen Stadt

Manchmal sind es die kleinen Momente auf Reisen –vermeintliche Nebensächlichkeiten, kurze Begegnungen – die sich auf wärmste Art und Weise in unsere Herzen brennen. Ein Paradebeispiel hierfür liefert Sarah mit ihrem Reisemoment aus Rom. Sie berichtet dir von einer Begegnung al parco mit einem älteren italienischen Pärchen – und vermittelt uns einen authentischen Moment des Lebens in der italienischen Hauptstadt. Ein Reisemoment von Sarah.

Ein italienischer Traum

Wir schreiben das Jahr 2012. Nach meinem Studienabschluss erfüllte ich mir einen langgehegten Traum: Ich mietete mir ein Apartment in einer der Seitenstraßen des Campo dei Fior, buchte einen Italienischkurs und flog im Juni nach Rom. Der Beginn eines ganz besonderen Sommers.

Kiloweise gelato vertilgen, die Nächte in römischen Clubs durchtanzen, in Secondhand Shops stöbern, auf dem Piazza del Fico den älteren Römern beim Schachspielen unter Feigenbäumen zusehen, Fellini-Filme im Freilichtkino auf der Tiberinsel anschauen, Pizza backen lernen, das Innere des Kolosseums bei Nacht besichtigen, auf der Spanischen Treppe vino rosso trinken und das bunte Treiben beobachten sowie im Schatten einer Pinie in einem der vielen Parks Andrea Camilleri lesen. Damit wollte ich meine Tage in Rom füllen. Ansonsten wollte ich mich einfach nur treiben lassen, das süße Leben in vollen Zügen auskosten und freute mich auf die kleinen, feinen Begegnungen mit Menschen, die das Leben ausmachen.

Tai Chi alla romana

Angekommen und eingelebt in der ewigen Stadt, saß ich an einem brütend heißen Tag im Juli in einem eben solchen Park, der durch den Duft der Pinien und dem Zirpen der Zikaden, toskanische Erinnerungen in mir weckte. Auf einer Parkbank sitzend, deren Lehne wie gemacht für meinen Rücken schien, schaute ich einer Gruppe Italienern zu, die im Schatten der Bäume, in anmutigen Bewegungen Tai Chi praktizierten.

Vor einigen Jahren hatte ich selbst mal einen Kurs in der chinesischen Kampfkunst besucht, es aber schnell wieder aufgegeben. Vor allem, weil mir die Atmosphäre in der stickigen Halle nicht zusagte. Hier an diesem Ort würde ich mich aber definitiv überreden lassen, noch einen Versuch im Tai Chi zu wagen.

Eine Begegnung im Park

Nach kurzer Zeit setzte sich eine reizende ältere Italienerin zu mir, die über ihre piedi vecchi (alten Füße) schimpfte. Wir kamen ins Gespräch und einige Minuten später stieß ihr Mann dazu. Er hatte eine Flasche mit Kaffee dabei, von dem mir die Dame auch gleich anbot. Da ich nur eine volle Flasche Wasser bei mir trug, funktionierte ich meinen Flaschendeckel zu einer Tasse um.

Nachdem wir ein paar „Deckel“ getrunken hatten, zeigte mir die Italienerin eine zauberhafte, kleine Kirche, die in einem Hinterhof versteckt war. Anschließend führten mich die beiden durch eine kleine Ausstellung im Park. Dort wurde die Geschichte Italiens chronologisch in Bildern dargestellt. Nebenbei erzählte er von seinen 45 Jahren in der Hotelbranche, sie schwärmte von Neapel und wir drei gemeinsam noch ein bisschen von Castiglione della Pescaia.

Ein Hauch von Kaffee

Am Ende der Ausstellung angelangt, tippte der Mann auf seine Armbanduhr. Zeit für den Gottesdienst. Wir verabschiedeten uns und die beiden liefen Händchen haltend Richtung Kirche. Und auch ich ging meines Weges und nahm einen Schluck aus meiner Wasserflasche, der einen Hauch nach Kaffee schmeckte.

Auf ihrem Reiseblog Itchy Feet berichtet Sarah ausführlich von vielen weiteren Momenten und Begegnungen während ihrer Zeit in Rom. Du bist der Meinung, dass auch du einen kleinen oder großen Reisemoment für unsere Artikelserie in petto hättest? Dann freuen wir uns auf deinen Beitrag! Alle Information hierzu sowie alle bereits eingereichten #Reisemomente findest du hier.

Reisen um zu Reisen!
John & Marc

One thought on “Rom: Auf einen Deckel Kaffee in der ewigen Stadt”

  1. Bettina says:

    Vielen Dank für diesen Beitrag! Das ist ja wirklich eine herzerwärmende kleine Geschichte. Ich habe es tatsächlich selbst bisher noch nie nach Rom geschafft, aber wenn man das hier liest und die Fotos dazu sieht, bekommt man definitiv Lust dazu.

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