Portrait: Warum ich reise um zu reisen

Obwohl ich Reisen gerne plane, genieße ich vor Ort den Moment und alles Ungeplante. Ein kurzes Portrait über mich, meckernde Lebewesen, eine schwimmende Digitalkamera und ein von zwei banalen Strandliegen ausgelöstes Freiheitsgefühl. Geschrieben von Marc.

Freiheitsgefühle

Es muss mit etwa 15 Jahren gewesen sein, als ich zum ersten Mal realisierte, welches Gefühl der Freiheit Reisen in uns auslösen kann. In dieser Zeit war ich mit meinen Eltern zwei Wochen lang auf Fuerteventura unterwegs. Die Kanareninsel, deren Name mir damals ein wundersames Paradies versprach, entpuppte sich vor Ort als ziemlich staubige Angelegenheit.

Und doch war es genau diese karge Ödnis, die mich nach und nach in ihren Bann zog. Sei es wegen ihrer wüstenhaften Dünenlandschaften im Norden oder der rauen Brandung an der menschenleeren Westseite Jandías, an deren steilen Klippen meine Mutter ängstlich bis leicht hysterisch mit den Bergziegen um die Wette meckerte.

Fuerteventura Playa de Cofete

Fuerteventura bietet neben Dünenlandschaften und Touristenhochburgen auch verlassane Traumstrände wie die Playa de Cofete.

Den Atlantik vor Augen

Nun war es allerdings nicht dieses oder jenes „Mäh!“, das mich auf Fuerteventura wirklich frei fühlen ließ. Es war wohl vielmehr der Gegensatz zwischen Touristenburgen einerseits und öder, scheinbar vergessener Wildnis anderseits. Einen Nachmittag verbrachten wir an einem wundervollen Fleckchen Erde vor einer der majestätischen Sanddünen von Esquinzo.

Hier packte mich mein seit jeher wohl ziemlich ausgeprägter Ehrgeiz, die fünf, sechs Kilometer Rückweg zum Hotel nicht per Mietwagen, sondern viel lieber zu Fuß über die dem Strand vorgelagerte Sandbank zurückzulegen. Zu verlockend sah der Weg über das Meer von der Spitze der von mir erklommenen Düne aus, den türkisfarbenen Atlantik und die Welt vor meinen Augen.

Fuerteventura Esquinzo Jandia

Dünenlandschaft zwischen Esquinzo und Costa Calma mit glasklarem Wasser.

Relikt Digitalkamera

Während meine Eltern also gemütlich mit dem Vierräder über den heißen Asphalt gen Costa Calma düsten, spazierte ich barfuß über die zunächst kaum von Wellen erfasste Sandbank, in der ich Schritt für Schritt meine Fußstapfen hinterließ – mit einem Hochgefühl, als würden diese noch Jahrzehnte lang hier überdauern.

Nach etwa der Hälfte des Weges, wo die stetige mich begleitende Brise die Wellen im Wasser brechen ließ, kam es, wie es kommen musste. Die Sandbank fand für einige hundert Meter ein jähes Ende. Ich musste, mit der damals noch unabdingbaren Digitalkamera gen Himmel gestreckt, ein gutes Stück schwimmen, um wieder Sand unter die Füße zu bekommen.

Fuerteventura Costa Calma

Die Möwe, meine treue Begleiterin und Hüterin.

Konzert für mich selbst

Spätestens jetzt jedoch befand ich mich mitten im Nirgendwo. Die Sandbank war inzwischen einige Dutzend Meter vom Strand getrennt, die weißen Hotelfassaden von Costa Calma noch von einer schwarzen Felsklippe versteckt.

In diesem Gefühl der Unabhängigkeit begann ich urplötzlich zu singen. Und da der Wind jede einzelne meiner Silben um mich herum zu wirbeln schien, fühlte ich mich in diesem eigentlich so einsamen Moment umringt von tausend Freunden.

Hier bin ich frei

In der Zwischenzeit neigte sich die Sandbank immer stärker gen Ufer. Die Sonne suchte so langsam ihren Weg auf die andere Seite der Erde. Nur noch ein paar hundert Meter von der Klippe entfernt, hinter der meine Eltern schon sehnsüchtig auf mich warten sollten – ich hatte mich schließlich alles andere als beeilt – standen am Strand angekommen plötzlich wie aus dem Nichts zwei gelb bespannte Liegestühle.

Ich legte mich nieder, schloss meine Augen, genoss den Moment, und wusste: Hier bin ich frei.

Fuerteventura Costa Calma Klippen

Die Klippe, hinter der mich meine Eltern schön sehnsüchtig erwarteten.

Marc reist um zu reisen

Du magst dich vielleicht an dieser Stelle fragen, wieso ich diese Eindrücke überhaupt schildere. Ganz einfach: Ich glaube, dass dieser Moment einer der ersten war, in dem eine Reise zum Erlebnis wurde, das so in keinem Reiseführer und auf keinem Reiseblog der Welt empfohlen werden kann. Er muss entdeckt, nicht gesucht oder gefunden, sondern einfach mitgenommen werden.

Er steht für genau jene Dinge, die wir auf 1 THING TO DO mit dir teilen möchten. Denn obwohl gerade ich mir gerne einmal im Vorfeld einer Reise einiges vornehme, sind es am Ende die kleinen, großen Momente, die unvergesslich werden. Und hoffentlich Stoff für genügend Blogbeiträge bieten.

Reisen um zu reisen!
John & Marc

15 thoughts on “Portrait: Warum ich reise um zu reisen”

  1. ☼Sigrid☼ says:

    Schöne Beschreibung und ich gebe dir recht, dass immer etwas in Erinnerung bleibt von einer Reise, etwas, das man nie mehr vergisst, wenn auch alles andere verblasst und was dann unwiderrruflich mit einer Stadt, einem Ort, einer Reise verbunden bleibt. Deshalb finde ich euren Blogtitel auch richtig gut. 🙂

    1. 1 THING TO DO says:

      Ganz genau, wobei es bei mancher Reise natürlich schwer fällt, das 1 THING TO DO herauszupicken – entweder weil es zu viele tolle Momente gab und mehrere davon den Titel verdient hätten, oder einfach, weil es am Ende zwar viele schöne Erlebnisse gab, aber das Prädikat 1 THING TO DO von uns nicht guten Gewissens verliehen werden kann. 😉 Mal schauen, welche besonderen Momente wir noch vor uns haben, und du natürlich auch!

      1. ☼Sigrid☼ says:

        Das werde ich jetzt mal bewusst mal so „suchen“ wie ihr, wenn wir demnächst zwei Wochen auf Teneriffa sind. Wir hoffen „the 1 thing“ irgendwo im wilden Anagagebirge zu finden oder im Mercedes-Lorbeerwald. Mal schau’n!

  2. drenize says:

    Es ist verrückt, dass es die selbe Insel ist, die das gleiche mit mir gemacht hat… Das Gefühl der Freiheit war dort so intensiv – es ist das erste Mal, dass ich es sich vom Meehr den ganzen Weg ins kalte Deutschland mitnehmen ließ und es seit dem nicht mehr aus meinem Bewusstsein verschwunden ist…
    Ich habe mich gerade stark über diesen Beitrag gefreut, denn ich hatte noch keine Gelegenheit mich selbst mitzuteilen. Aber du triffst es sehr, sehr gut.

    Vielleicht hat Fuerteventura etwas heiliges, eine Art Schnittstelle zur Essenz… Wer weiß.

    ~

    1. 1 THING TO DO says:

      Das ist wirklich ein schöner Zufall. 🙂 Vielleicht ist es einfach die Kargheit, Weite und Einfachheit an so vielen Stellen der Insel, die uns so fühlen ließ. Auf jeden Fall ein Erlebnis für immer!

  3. dschjoti says:

    Eigentlich sollte man so nicht nur seinen Urlaub leben, sondern sein ganzes Leben. Ich versuche es jedenfalls. Ab und zu muss man halt schwimmen 🙂

    1. 1 THING TO DO says:

      Wahrscheinlich liegt der Reiz am „Schwimmen“ gerade darin, dass es zu häufig beim Versuch bleibt. Ein bisschen Philosophie am Abend. 🙂

  4. Rosas Reisen says:

    Hey ho,
    vielleicht hab ich es einfach noch nicht gefunden, aber gibt es bei euch auch ein Über mich/About? Denn anscheinend seid ihr ja zu zweit, bisher hab ich aber nur etwas über Marc erfahren… 🙂 Was macht ihr so? Wo lebt ihr? Oder sind das zu persönliche Fragen? Sorry, ich bin sehr neugierig!
    Alles Liebe
    Rosa

    1. 1 THING TO DO says:

      Hallo Rosa! Erwischt… da hast du in der Tat einen kleinen wunden Punkt getroffen. Am „Über uns“ werkeln wir gerade noch. Von John gibt es aber schon etwas zu lesen, siehe da: https://1thingtodo.de/2015/07/23/rooftop-frust-oder-wie-ein-reiseblog-entsteht/

      Bei den Autoren bringen wir auch noch etwas Ordnung rein, Schritt für Schritt! 🙂

      Liebe Grüße
      John & Marc 😉

      1. Rosas Reisen says:

        Dann abonnier ich euch mal um auf dem Laufenden zu bleiben 🙂

  5. Lena says:

    Wirklich genau auf den Punkt getroffen. Es sind meistens, wenn nicht sogar immer, die kleinen, großen Momente, die nicht geplant sind. Eine Reise wird erst durch diese Momente perfekt!

    1. 1 THING TO DO (Marc) says:

      Danke für das Lob! 🙂

  6. Heinz und Christine says:

    Genau so is es! Toll beschrieben, ich werde bestimmt wieder reinschauen. Und vielen Dank für das „gefällt mir“.
    Christine von http://www.sy-animamea.de

    1. 1 THING TO DO says:

      Danke! Freut uns, dass es dir gefällt. 🙂

  7. Shaoshi says:

    „Denn obwohl gerade ich mir gerne einmal im Vorfeld einer Reise einiges vornehme, sind es am Ende die kleinen, großen Momente, die unvergesslich werden“

    Sehr schön gesagt. Genau so ist es!

    (Ich hätte mich aber wohl nicht getraut, mit meiner Kamera schwimmen zu gehen …)

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